#socialsaturday: Trivialgesellschaft

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#socialsaturday: Trivialgesellschaft

Hey meine Lieben,

die eigentliche Idee für den Titel des heutigen Posts war “Warum wollen wir, dass alle wollen, was wir wollen?”. Aber das empfand ich dann doch als zu lang. Und zu verwirrend.
Aber mal ernsthaft: Warum tun wir das?
Okay, okay, ich sehe wir müssen hier etwas Struktur reinbringen, sonst verlaufen wir uns in hundert Themen.
Also gebt mir einen Moment. Und n Schluck Kaffee.

Okay, also zurück zum Thema.
Was unterscheidet uns Menschen von den Tieren?
Also mal abgesehen von regelmäßigem Haarschnitt, Kleidung, Make-up und der Tatsache, dass wir duschen oder ein heißes Bad nehmen und uns nicht wie eine Katze sauber lecken.
Naja, viele Philosophen würden argumentieren: Vernunft und Sprache.
Homo logos und so, wisst ihr.
Lasst uns hier bitte kurz innehalten.
Vernunft. Also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in letzter Zeit habe ich definitiv zu viele Menschen zu viele Dinge machen sehen, die für mich persönlich keineswegs unter die Kategorie “vernünftig” fallen.
Sowas wie Müll auf die Straße zu werfen, obwohl der Mülleimer keine 2m entfernt ist. Klingt das vernünftig?
Oder den Kinderwagen so in den Bus zu stellen, dass niemand mehr durchkommt, während der Busfahrer die Fahrgäste anschreit, sie sollen weiter nach hinten durchgehen und dann die Leute, die höflich fragen, ob es möglich sei vorbeizugehen, noch anpflaumen. Klingt das vernünftig?
Andersherum: Wie bekloppt ins Fitnessstudio zu rennen und den Bizeps zu trainieren, damit alle Frauen dahinschmelzen und ihn anfassen wollen, aber dann eine Mutter mit Kleinkind und Kinderwagen am Bahnhof sehen und ihr nicht helfen das schwere Teil die Treppe hinauf zu bugsieren, klingt das vernünftig?
Ihr versteht, denke ich, worauf ich hinaus will.
(Im Übrigen schließe ich mich selbst dabei nicht aus: Es gibt zahllose Momente in denen ich mir gedacht habe oder denke “Gina, ernsthaft, hast du irgendwo noch ein Fünkchen Logik und Vernunft in deinem Kopf oder schleppst du den nur mit dir rum, damit er auf Portraits gut aussieht? Reiß dich bitte mal zusammen!”)

Sprache. Lasst uns zunächst eine sehr simple, aber dennoch enorm wichtige Frage stellen:
Wofür ist sie gut?
Dient sie nur dazu, dass ich Dinge benennen, definieren und mir selbst erklären kann?
Das Schlüsselwort hier ist Kommunikation. Und diese wiederum bezieht sich (zumindest laut der Quellen, die ich für diesen Blogpost bemüht habe), auf das Senden, Empfangen und Austauschen von Informationen. (oder Dingen)
Also Senden und Empfangen bezieht sich doch eigentlich auf zwei oder mehr Personen, oder?
(Okay, bitte verurteilt niemanden, der dieses menschliche Werkzeug dazu nutzt mit sich selbst zu sprechen, okay? Wenn ihr das tut, dann erklärt ihr euch im Grunde ja auch nur eure eigenen Gedanken nochmal und das ist meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung. Keine Sorge.)
Aber wann und warum ist aus Kommunikation plötzlich ein Verhältnis geworden, das einem Theaterstück gleicht: Ein Gesprächspartner benutzt den anderen als Bühne, auf der er sich selbst und seine Lebenserzählung darstellt?
Ich mein, wo ist der Austausch?
Glaubt mir meine Lieben, ich pendle eindeutig zu oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln und wenn man auch nur ein Mal die Ohrstöpsel vergisst, bekommt man eindeutig mehr mit als man möchte. Aber immerhin gibt das Impulse für den Blog, hm?
Aber spielt dieses Spiel mal. Das nächste Mal, wenn ihr irgendwo seid, hört Menschen, die sich im Gespräch befinden, mal zu. Also für eine Weile.
Ist das Austausch? Oder ist es eher so, dass einer von sich erzählt und in Szene setzt und dann ist der nächste in der Runde dran?
Beobachtet mal.

Kommen wir zum Teil mit dem Wollen.
Vernunft und Sprache fließen auch hier mit ein, nur falls ihr euch gerade wundern solltet, weshalb ich vorher so viel davon erzählt habe.
Nehmen wir zunächst mal ein paar Beispiele für nicht unübliche Gespräche, okay?

Situation 1: Zwei Schüler haben gerade ihren Abschluss gemacht.
A: Und was wirst du studieren?
B: Ich will nicht studieren.
A: Was?!
B: Ich möchte eine Ausbildung machen.
A: Ah.

Situation 2: Ein Student (B), der von Minijobs und einem Kredit lebt und ein Auszubildender (A), der gegen Ende seiner Ausbildung schon “richtiges” Geld verdient, unterhalten sich.
A: Und wann ziehst du von Zuhause aus?
B: Also ich überlege nach meinem Abschluss noch einen weiteren zu machen.
A: Also willst du ausziehen, wenn du was bist, 28?!

Situation 3: Eine verlobte oder verheiratete Frau, die grad im Begriff der Familienplanung ist (A) und eine Frau, die auf ihre Karriere fokussiert ist (B), unterhalten sich.
A: Und wann heiratest du?
B: Hm?
A: Na, wann wirst du heiraten und Kinder kriegen?
B: Ehm, keine Ahnung?!
A: Wir werden alle nicht jünger, Schätzchen, hm?

Warum wollen wir, dass alle wollen, was wir wollen?
Und diese Annahme wäre ja noch nicht mal sowas von tragisch.
Das Schlimmere ist das, was oftmals folgt:
Die Verurteilung.
Als wenn unsere Version vom Leben die einzig wahre wäre.

Wenn dein größter Wunsch ist zu studieren und du die Möglichkeit hast, das zu tun, schätze es!
Es gibt genügend Leute, die dies gern tun würden, aber keinen Zugang zu Bildung, ganz zu schweigen von höherer Bildung, haben.
Und wenn deine Freunde beschließen, dass ein Studium nichts für sie ist, beglückwünsche sie zu ihrer Entscheidung und wünsche ihnen alles Gute!

Wenn das, was du als erstrebenswert empfindest, beinhaltet so früh wie möglich von Zuhause auszuziehen und eigene Wohnung zu haben und du die Chance dazu hast, schätze es!
Vielleicht würden deine studierenden Freunde auch gern eine eigene Wohnung haben, aber müssen ihre Prioritäten setzen: Weiterer Abschluss oder eigene Wohnung?
Für wen halten wir uns denn, Menschen zu sagen, ihre Entscheidung sei falsch, nur weil wir eine andere getroffen hätten?

Wenn deine Vision von einem erstrebenswerten und glücklichen Leben Heirat und Kinder beinhaltet und du den richtigen Partner gefunden hast und körperlich dazu in der Lage bist, gesunde Kinder zur Welt zu bringen, dann schätze es!
Und wenn du Erfüllung darin findest und dir denkst “Wow, nun weiß ich, wozu ich hier bin!”, dann ist das großartig, aber das bedeutet nicht, dass du das Recht hast, anderen Frauen zu sagen, dass sie bevor sie Kinder haben ihren Lebenszweck auf Erden nicht gefunden haben. Ist doch eine etwas krasse Behauptung, oder?
Und selbst, wenn sie einfach nicht wollen oder nicht den Partner finden, mit dem sie es gerne würden, wer sind wir denn, die Prioritätenliste eines anderen zu verurteilen?

Ich sag euch was:
Eines Tages stehen wir alle vor einem großen Urteil. Aber das ist weiß Gott nicht unsere Aufgabe!
Für wen halten wir uns, anderen Leuten zu sagen, welche Lebensgeschichten valide sind und welche nicht?
Und wann sind wir so vermessen und arrogant geworden davon auszugehen, dass unsere Entscheidungen die einzig richtigen sind?
Wann haben wir vergessen, uns einen freien Geist und ein offenes Herz zu bewahren und die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten?
Wann haben wir vergessen zu kommunizieren?

Und nun etwas zu vernünftiger Kommunikation.
Warum hören wir nicht zu? Warum portraitieren wir unser Leben zunehmend virtuell und mittlerweile auch analog so, als sei es das beste Theaterstück, das jemals geschrieben worden sei und alle anderen Erzählungen seien damit null und nichtig?
Wie wäre es, wenn wir die Erzählung etwas ändern?

Situation 1:
A: Möchtest du studieren oder eine Ausbildung machen?

Situation 2:
A: Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?

Situation 3:
A: Willst du eines Tages heiraten und Kinder kriegen?

Von der Grammatik her sind die meisten Ja-oder-Nein-Fragen oder Fragen, die nicht schon eine Antwort suggerieren, offener und bieten damit mehr Platz für wahre Kommunikation, für Austausch.
Seid offen, seid interessiert, hört zu.
Und zum Willen und Zwecke einer offeneren, weniger oberflächlichen Gesellschaft: Verurteilt nicht!
Bitte.

Wie wäre es, wenn wir anfingen richtig coole und interessante Fragen zu stellen?
Sowas wie:
Wie geht es dir?
Was macht dich glücklich?
Was ist dein Lieblingsessen?

Ich könnte noch ewig zu diesem Thema weiterschreiben, aber ich belasse es nun hierbei. Vorerst.
Wie immer, kommentiert gern hier oder sendet mir eine E-Mail oder besucht mich auf Facebook und Instagram.

Bis dann, meine Lieben.

xxx
Gina.

Blog-Einweihungsparty

norbert josefsson

Willkommen!

Schnappt euch was zu trinken, macht es euch gemütlich oder kommt zu mir auf die Tanzfläche und lasst uns feiern.
Das Sofa ist schon da, Dekoration ist noch nicht komplett fertig, Tisch und Stühle sind bestellt, aber noch nicht eingetroffen, also nehmt euch ein Kissen und macht es euch bequem in meinem neuen virtuellen Zuhause, meinem Ort der Kreativität.

So wie bei einer Einweihungsparty noch nicht alles 100% fertig und perfekt ist, so schmeiss ich heute diese Blog-Einweihungsparty, bei der der Rahmen steht, das neue Layout an die Wand gemalt ist, aber manche Details im Laufe der nächsten Wochen noch hinzu kommen oder wieder verworfen werden können.
Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass es euch gefällt und ihr mich hier oft besuchen kommt.

Nach zwei Jahren des Nicht-Bloggens, mehreren Monaten der Planung von Layout, Struktur und Inhalten und dem Erstellen einer kompletten Strategie und eines Themenplans, schlafloser Nacht nach schlafloser Nacht, um hier voranzukommen, sind meine Finger noch voller Farbe, meine Haare sind eine Katastrophe und ich schwitze immer noch wie ein Tier.

Dennoch seht ihr mich heute mit einem Lächeln im Gesicht, denn es fühlt sich so unglaublich gut an, zurück zu sein.

Kommt mit auf einen kleinen “Rundgang” durch die Zimmer. – Jeder sollte wissen, wo das Klo ist und wo der Kühlschrank mit frischem Bier steht, oder? –
Also, oben findet ihr die verschiedenen Themen in den Reitern.
Das Portfolio gibt euch einen Einblick in mein Foto- und Videorepertoire.
Der About-Teil gibt euch Informationen über mich, diesen Blog und meine Arbeit.
Der Bereich Dienstleistungen gibt euch einen Überblick über die Dienstleistungen, die ich hier auf dieser Website anbiete, wie Modelling und Schreiben, mit den speziellen Angeboten zu Poesie & Prosa für besondere Anlässe und professionelles Storytelling.
Kontakt & Buchung ist selbsterklärend, denke ich.
Die Creative Chaos Wolke zeigt euch alle Kategorien, zu denen ihr hier Blogeinträge finden könnt, sodass ihr schnell zu den Themen gelangen könnt, die euch interessieren.

So, das war der schnelle Rundgang, ich hoffe, ihr findet euch zurecht.
Falls ihr noch Fragen habt, fragt mich, ich versuche ein guter Gastgeber zu sein.

Was ist für die nächsten Wochen geplant und wieso solltet ihr zurückkommen?
Ich habe hart und intensiv an einem Konzept gearbeitet und an Inhalten, die euch einen Mehrwert bieten und für euch von Interesse sein könnten.
Und das ist, was daraus geworden ist:
Ich blogge vier Mal im Monat, also einmal die Woche zu den verschiedenen Themenbereichen, in denen ich arbeite. Also ein Blogeintrag pro Woche ist das dann.
Was ihr also bekommen werdet, ist folgendes:
#modelmonday: Infos für Fotografen und Models, witzige Anekdoten, die ich in 10 Jahren vor der Kamera erlebt habe und sonstige Inhalte, die mit diesem Themenfeld verbunden sind.
#writerswednesday: Infos und Inhalte für Schreiber und Leser, Inspirationen, Impulse und Gedankenanstöße rund um das Thema Schreiben und Lesen.
#socialsaturday: Diverse Inhalte, die mit dem zwischenmenschlichen Miteinander, sozialen Phänomenen, Perspektiven, Fragen und Impulsen zu sozialen Themen verknüpft sind.
#sundaystory: Ja, die sundaystory ist zurück und wir werden wieder spielen. Falls ihr nicht wisst, was die sundaystory ist, klickt bitte hier. Ich werde die nächste Runde früh genug bekannt geben, aber das wird voraussichtlich nicht vor August sein, da ich zwei Lesern immer noch ihre sundaystories schulde.

Nach dieser Einweihungsfeier, auf der ihr euch in Ruhe umsehen könnt, und die neue Dekoration und die Möbel begutachten könnt, wird es ein Special auf dem Balkon, auch bekannt als Instagram, geben. Also geht auf jeden Fall meine Balkonpflanzen bewundern!
Außerdem werde ich euch in den Stories auf Instagram auch immer mal wieder mit hinter die Kulissen von kreativen Produktionen nehmen.
Das Special ist eine Fotoserie mit dazugehörigem Text, die ich vor einem Jahr mit Norbert Josefsson produziert habe und die für mich so besonders war, dass ich sie mir für einen besonderen Moment aufheben wollte.
Und ich denke, dieser Moment ist nun gekommen.
Also jeden Tag, angefangen am Freitag, den 15. Juni, wird es auf Instagram und Facebook ein Bild mit Text geben, was am Ende eine Serie mit sechs Bildern ergibt. Am Donnerstag, den 21. Juni wird es die komplette Serie hier auf dem Blog und auch auf Instagram zu sehen geben.

Nach dem Special starten wir mit der ersten sundaystory am 24. Juni, da es mittlerweile schon zwei Jahre sind, dass ich diese schuldig bin.
Ich hoffe, ihr lieben Leser seid noch da und werdet sie lesen.

Puh, so nach dem organisatorischen Part kommen wir nun zu der obligatorischen Rede, die ich in so einem Moment halten sollte, bevor jeder wie verrückt die Korken knallen lässt. – oder zumindest ist das das, was ich tun werde –.
Ähem, pling pling, sehr geehrte Damen und Herren, dürfte ich für einen Augenblick eure Aufmerksamkeit haben, bitte: (holt euch lieber noch n Kurzen und n Bier, das hier kann länger dauern – oder überspringt einfach den kursiv geschriebenen Teil – der Vorteil virtuell und nicht in Realität hier zu sein)

Danke, dass ihr heute Abend hier seid, dass ihr diesen besonderen Moment mit mir teilt, dass ihr euch Zeit aus eurem vollen Tag genommen habt, um mit mir zu feiern.
Ich möchte mich gern bei den ganzen Followern hier auf WordPress bedanken, die hier geblieben sind, obwohl ich zwei Jahre nicht gebloggt habe, was in der heutigen Zeit eine wahre Ewigkeit ist.
Auch möchte ich mich bei den Instagram-Followern bedanken, die geblieben sind und nicht entfolgt sind, obwohl ich zeitweise sechs Monate nichts gepostet habe, was quasi einem Social Media Selbstmord gleichkommt.
Ich möchte mich bei der ganzen virtuellen Community für die Unterstützung und die Geduld bedanken.

Vor allem aber möchte ich den Leuten, allen voran meinen engsten Freunden, danken, die mir virtuell und im realen Leben ihre positive Energie und Worte gesendet haben, die mich ermutigt haben dranzubleiben, die immer wieder unnachgiebig nach meiner Arbeit, meiner Kunst, meinem Blog, meiner Poesie gefragt haben, die ihre Zeit und Energie investiert haben, um mir Tipps und Tricks zu nennen, Ratschläge und Wissen über Social Media mit mir zu teilen, die mir Input und Impulse für neue Inhalte gegeben haben, die geduldig mit mir waren, wenn ich nach Ratschlägen und Rückmeldungen gefragt habe und die liebe- und verständnisvoll waren, wenn ich “Nein” zu Events sagen und stattdessen arbeiten musste, die ihre kraftvolle positive Energie mit mir geteilt haben und die mich wissentlich oder unwissentlich inspiriert und motiviert haben.

Ohne euch alle, eure Geduld und Unterstützung, würden wir heute wahrscheinlich nicht feiern.
Es war keine leichte Zeit und Aufgabe, aber nun sind wir hier und ich erhebe mein Glas auf euch.
Ich bin unendlich dankbar.

martin zethoff

Nun genug des Geredes und genießt eure Zeit hier, ich hoffe, ihr bleibt noch ein Weilchen und kommt oft wieder.
Falls ihr noch Fragen habt, meldet euch.

xxx
Gina.

Warum Lektoren wichtig sind

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Und mit Lektor meine ich die Leute, die nochmal alles Korrekturlesen, bevor es raus in die Öffentlichkeit geht.

Aber fangen wir vorne an.
Wir sind soziale Wesen und unsere Interaktion miteinander beruht auf Kommunikation, sei diese nun verbal oder non-verbal. “Man kann nicht nicht kommunizieren”, wie Paul Watzlawick schon sagte.
Und natürlich wissen wir, dass es verschiedene Absichten und Ziele gibt, wenn wir kommunizieren, oder zumindest lernt man das, wenn man Sprache und Literatur studiert.
Ich will nicht unbedingt in die Details von Friedemann Schulz von Thuns Modell der “vier Seiten einer Nachricht” eingehen, in dem er erklärt, dass eine Nachricht einen informativen, einen appellativen, einen selbstoffenbarenden Inhalt hat und etwas über die Beziehung der beiden Gesprächspartner preisgibt. Wenn euch weitergehende Details interessieren, findet ihr hier mehr.
Aber einigen wir uns aus argumentatorischen Gründen hierauf:
Eine Nachricht kann informativ, appellativ, überredend oder überzeugend sein.
Wenn wir nun also über Business-Kommunikation reden, sagen wir mal, ihr wollt ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen, aber auch in privaten Konversationen, nehmen wir mal an, ihr wollt jemanden von eurem Argument überzeugen, denke ich, können wir uns darauf einigen, dass all diese Kommunikationskanäle eines gemeinsam haben: einen Zweck.
Aber was ist dieser Zweck? Dieses Ziel?
Wenn eure Nachricht informativ ist, hat sie den simplen Zweck ebendiese Information weiterzugeben, ihr wollt uns mit dieser Information füttern.
Wenn eure Nachricht appellativ ist, dann wollt ihr, dass wir auf diesen Appell reagieren, richtig?
Wenn eure Nachricht überredend oder überzeugend ist, dann wollt ihr, dass wir euch zustimmen.
Was nun all diese Beispiele gemeinsam haben, ist nicht nur, dass sie alle einen Zweck haben, sondern auch, dass sie alle den gleichen Zweck haben: Ihr wollt in uns eine REAKTION hervorrufen.
Aber was passiert, wenn eure Kommunikation schiefläuft?
Naja, im besten Fall: nichts.
Im schlimmsten Fall generiert ihr eine Reaktion in uns, die ihr nicht haben wolltet, zum Beispiel gebt ihr uns eine Information, die wir nicht brauchen, nicht verarbeiten können oder die wir weder fähig noch gewillt sind, herunterzuschlucken.
Oder euer Appell war darauf ausgelegt eine verbale (“Sag was!”) oder eine non-verbale (“Tu was!”) Reaktion hervorzurufen. Wenn eure Kommunikation misslingt, dann sagen wir weder etwas, noch tun wir etwas, im besten Fall. Im schlimmsten Fall sagen wir das, was ihr nicht hören wolltet oder tun genau das entgegengesetzte zu dem, was ihr eigentlich wolltet.
Oder aber eure überzeugende oder überredende Kommunikation geht daneben und wir widersprechen euch anstatt euch zuzustimmen.
So oder so, im Prinzip generiert ihr ein “Nein”, wo ihr eigentlich ein “Ja” haben wolltet, ganz simpel gesprochen.

Nette Rede, Miss Laventura, aber was hat das mit Lektoren zu tun?!
Lektoren sind – im besten Falle – Sprachliebhaber. Oder zumindest kennen sie ihr Werkzeug und wissen damit umzugehen.
Ihr Werkzeug? Wörter.

So, nächste Lektion:
Ihr denkt vielleicht, dass unser Denken unsere Sprache beeinflusst, richtig?
Korrekt. Aber das funktioniert genauso andersherum und das ist ein Aspekt, den viele Leute leider übersehen.
Lasst mich euch einige Beispiele vorstellen: Die Inuit haben angeblich zweihundert – 200 !!! – verschiedene Wörter für Schnee. Wie viele habt ihr? Aber warum? Vermutlich, weil ihre Umgebung essentiell ihr Leben und vor allem ihr Überleben beeinflusst und es daher überlebenswichtig für sie ist, zu wissen, welche Art von Schnee sich dort befindet.
Die Hopi-Indianer haben keine Zeitformen wie wir sie kennen. In dem Beispiel, das uns im Kurs gegeben wurde, sieht man einen Mann an eine Mauer gelehnt und er sagt jedes Mal “Er rannte”. Also, gleiches Bild, gleiche Position und jedes Mal “Er rannte”. Was ist eure natürliche Reaktion darauf? Genau, wahrscheinlich “Was zum Kuckuck?! Rannte er, rennt er oder wird er rennen?!”, weil dies nun mal die Kategorien sind, in denen wir Zeitrahmen und Zeitpunkte definieren, richtig? Es ist für unser Denksystem unverständlich, unbegreiflich, im wahrsten Sinne, wir können es nicht greifen.
Natürlich gibt es auch einfachere Beispiele, wie die Tatsache, dass die englische Sprache kein Wort für “Fernweh” kennt oder, dass – einfach gesprochen – es Wörter in einer Sprache gibt, für die es kein Äquivalent in einer anderen gibt.

Zurück zu den Lektoren.
Wie schon gesagt, im Idealfall sind sie Sprachliebhaber oder wissen mit ihrem Werkzeug umzugehen.
Und ich meine nicht zwangsläufig den manipulativen oder überredenden Einsatz von Sprache, wie man ihn so oft aus der Werbung kennt, das ist nochmal ein Thema für sich, auch wenn ich zu behaupten wage, dass hierbei ähnliche Töne angeschlagen werden.
Aber es geht um die Verwendung von Stilmitteln (ja, genau, die nervigen, die ihr aus der Schule kennt, Alliteration, Personifikation, etc.).
Wozu? Ja, genau, jetzt habt ihr’s, meine Freunde: Für den Zweck!
Um eure Aussage rüberzubringen, um eine Reaktion zu generieren (und natürlich, wenn es um geschäftliche Kommunikation geht, geht es meist nicht nur darum eine Reaktion hervorzurufen, sondern eine ganz bestimmte zu generieren).
Sprache kann uns bewegen, uns verletzten, ja uns vielleicht sogar heilen.

Was ich meine ist das hier:
“Die Kategorisierung, die in emotionalen, amourösen Beziehungen stattfindet, dient als destruktive Kraft gegenüber der wahren Bedeutung der Emotion selbst.”

Oder:
“Liebe wird zu einem vergessenen Wiegenlied, wenn wir sie etikettieren wie Lippenstifte.”
Was bleibt bei euch eher hängen?

Warum sehen wir nie,
dass ein bisschen Poesie
geht so leicht von Mund zu Ohr,
hebt hervor
die Nachricht, die ein anderer trägt,
die mit Lächeln oder Tränen uns bewegt.
Warum sehen wir nie
den Zauber und die Kraft der Poesie?

(ja, grad ausgedacht, war eigentlich nicht geplant, aber hey, das ist das Leben, Reaktion und so)

Okay, super, Miss, nun hast du uns gezeigt, dass Lektoren ihr Werkzeug kennen und zu gebrauchen wissen sollten, aber der Titel hier behauptet eine Antwort auf die Frage zu haben, warum Lektoren wichtig sind.
Ihr habt Recht, entschuldigt bitte, ich bin abgeschweift, schönes Thema, die Sprache, weites Feld, ich mag es.
Okay, ich schulde euch eine Antwort.
Schaut euch mal das Bild an, das diesen Blogeintrag begleitet. Lest es in Ruhe durch.
Ja, genau das war auch meine Reaktion!
Diese Herzen wurden vor Allerheiligen verkauft um sie in Gräber zu stecken.
Würdet ihr sie kaufen? Würdet ihr sie in das Grab eines geliebten Menschen stecken?
Dachte ich mir.
Aber warum nicht? Was ist hier gescheitert?
Es ist nicht nur die Tatsache, dass sich da Rechtschreibfehler befinden, sondern es hat eine weitere, tiefere Ebene.
Analysieren wir das mal kurz: Ihr wolltet dieses Produkt verkaufen. Ihr wolltet, dass wir dieses Produkt kaufen. Ihr habt ein Produkt angeboten und wolltet eine positive Reaktion, ein “ja” generieren, das sich in einer non-verbalen Aktion, nämlich dem Kauf des Produkts, manifestiert.
Die Tatsache, dass diese Produkte nun im Handel zum Verkauf angeboten werden, zeigt verschiedenes: Zum Einen scheint derjenige, der die Schrift auf den Herzen angebracht hat, die Produkte nicht gegengeprüft zu haben. Zum Anderen scheint kein Lektor eine weitere Prüfung vorgenommen zu haben. Des Weiteren scheint es keine finale Überprüfung gegeben zu haben, bevor die Produkte in den Handel gingen.
Aber wisst ihr, was die Reaktion ist? Nein.
Und wisst ihr, warum die Reaktion “Nein” ist?
Weil die fehlende Überprüfung, das fehlende Lektorat eine weitere Aussage mit sich trägt:
Ist mir egal!
Dass wir als Kunden euch egal sind, dass unsere Reaktion euch egal ist, weil ihr anscheinend glaubt, wir würden es trotzdem kaufen.
Und wisst ihr, was dieses “Nein” begleitet? Eine Abneigung, Abstoßung. Weil es tief im Innern etwas von fehlendem Respekt hat, von Arroganz, ja vielleicht sogar eine Art Beleidigung des potentiellen Kunden/Käufers.
Das hier ist nur ein Beispiel, wendet es gern auf andere Fälle an.
Wenn eure Website voller Rechtschreibfehler ist oder ihr die falschen Wörter benutzt, vermittelt das den Eindruck, euch seien eure Leser/Kunden egal.
Hinzu kommt, dass ihr die Informationen, die ihr eigentlich geben wollt, verfälschen könntet. Und ich denke, wir sind uns einig, dass es einen Unterschied zwischen “Kaum hatte er gearbeitet,…” und “Er hat kaum gearbeitet” gibt, oder?
Und damit arbeitet ihr gegen euch selbst, da ihr durch die Verwendung falscher Wörter und fehlender Korrektur eine Reaktion hervorruft, die eurem eigentlichen Zweck entgegengesetzt ist.
Im schlimmsten Fall erinnern wir uns an euch als jemanden, dem seine Leser/Kunden egal sind und hören auf eure Produkte zu kaufen, eure Zeitung zu lesen, werden euer Buch nicht kaufen oder die von euch angebotene Dienstleistung nicht buchen.
Heutzutage ist die Halbwertzeit einer Information sehr kurz und das macht viele Leute nachlässig, weil “ach, wen stört das schon, morgen interessiert das keinen mehr” oder “ach, die werden das schon verstehen” wird die Mentalität, nach der wir leben.
Es ist nur Sprache, richtig? Und es ist ja nur auf der sprachlichen Ebene, auf der wir euch als Kunden egal sind, richtig?
In persona seid ihr wie Mütter selbst, es ist nur das sprachliche Level, das ihr vernachlässigt, ja?
Ist ja nur Sprache.
Richtig?
Denkt daran, was wir zuvor besprochen haben, wie auch Sprache das Denken beeinflusst. So hat Sprache dann doch auch einen Einfluss auf unser Handeln, nicht?
Auch wenn das Argument “ein nachlässiges Verhalten auf sprachlicher Ebene zeugt von einem nachlässigen Verhalten im Allgemeinen” etwas weit hergeholt erscheinen mag, so deutet es doch ein wenig darauf hin, oder nicht? Unbewusst und ganz tief drinnen?
Versteht mich nicht falsch, bitte seht das nicht als Beleidigung oder Angriff.
Ich sage nicht, dass euch eure Kunden egal sind.
Ich sage nur, dass das die unterschwellige Botschaft sein kann, die bei euren Kunden ankommt.
Und okay, nicht jeder Kunde interessiert sich dafür und manchen ist es egal, aber es wird auch potentielle Kunden geben, die dadurch immer genau das bleiben: potentiell.
Weil ihre Reaktion sein könnte “Wenn die sich um mich genauso gut kümmern wie um ihre Grammatik, geh ich da besser nicht hin”.

Und DAS, meine Freunde, ist der Grund, warum Lektoren wichtig sind.
Weil sie helfen können, solche Szenarios, wie sie eben beschrieben wurden, zu verhindern, weil sie euch kennen, weil sie eure Aussage und eure Botschaft kennen und euren Gesprächspartner und sie den richtigen Kanal suchen um eure Botschaft zu vermitteln. Sie können euch helfen, wenn alle anderen Aspekte eures Projekts euch in Anspruch nehmen oder ihr betriebsblind geworden seid und ihr einfach nur noch fertig werden wollt.
Weil sie Sprachliebhaber sind oder zumindest mit ihrem Werkzeug umzugehen wissen.
Ihr Werkzeug? Wörter.

PS: Ja, ich rege mich jedes Mal auf, wenn ich im Nachhinein noch einen Fehler in einem meiner Einträge finde, auch wenn ich kein Geld mit meinem Blog verdiene.
PPS: Ja, die Stelle mit dem Lippenstift war ein Zitat aus Labelled Love, obwohl ich Menschen, die sich selbst und ihre eigenen Werke zitieren, meist eher komisch finde.
PPPS: Ja, richtig geraten, ich bin Lektorin 😉

#prayfortheworld

Meine Lieben,

die von mir zuletzt versprochenen Beiträge sind in der Mache oder waren bereits fix und fertig und getimed.
Hinter den Geschehnissen der letzten Tage IN DER WELT steht alles zurück.
Daher heute noch ein Mal ein Gedicht des Abschieds.
Im stillen Gedenken.

“Bei jedem Atemzug und jedem Schritt
nehmen wir die Fortgegangenen mit.”

#prayfortheworld #prayforpiece

Dass du von uns gegangen bist, 
zeigt uns,
wie zerbrechlich dieses Leben ist,

zerbrechlich und wertvoll doch zugleich.

Wir schwimmen alle in demselben Teich

und reichen uns dennoch selten nur die Hand.

Wir empfinden es als zerrissen, was uns einst verband,

doch kann dieses Band nichts und niemand trennen,

denn es gibt Verbindungen, die weder Tod noch Teufel kennen,

die jedem Unwetter und jedem Sturme wehren,

die uns die wahre Kraft der Liebe lehren.

Dieses Band kennt keinen Fall,

es verbindet uns all’
und wird doch nicht immer jedem gewahr.

Wir tragen mit uns und in uns, was einmal war

bei jedem Schritt, den wir gehen.

Bei all den Dingen, die uns noch bevorstehen,

tragen wir es in uns,
tief im Herzen,

trotzen und überwinden die Schmerzen,

denn innerlich reichen wir uns die Hand

und es wird nie vergehen, was uns einst verband,

weil es uns immer noch verbindet

und die Erinnerung niemals schwindet,

sondern in der Liebe selbst stets weiterlebt

und in unseren Herzen weiterschlägt.

Bei jedem Atemzug und jedem Schritt

nehmen wir die Fortgegangenen mit.

Gina Laventura © 2013

In Erinnerung

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Dass du von uns gegangen bist, 
zeigt uns,
wie zerbrechlich dieses Leben ist,

zerbrechlich und wertvoll doch zugleich.

Wir schwimmen alle in demselben Teich

und reichen uns dennoch selten nur die Hand.

Wir empfinden es als zerrissen, was uns einst verband,

doch kann dieses Band nichts und niemand trennen,

denn es gibt Verbindungen, die weder Tod noch Teufel kennen,

die jedem Unwetter und jedem Sturme wehren,

die uns die wahre Kraft der Liebe lehren.

Dieses Band kennt keinen Fall,

es verbindet uns all’
und wird doch nicht immer jedem gewahr.

Wir tragen mit uns und in uns, was einmal war

bei jedem Schritt, den wir gehen.

Bei all den Dingen, die uns noch bevorstehen,

tragen wir es in uns,
tief im Herzen,

trotzen und überwinden die Schmerzen,

denn innerlich reichen wir uns die Hand

und es wird nie vergehen, was uns einst verband,

weil es uns immer noch verbindet

und die Erinnerung niemals schwindet,

sondern in der Liebe selbst stets weiterlebt

und in unseren Herzen weiterschlägt.

Bei jedem Atemzug und jedem Schritt

nehmen wir die Fortgegangenen mit.

Gina Laventura © 2013

#sundaystory: Hautfarbe

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Die vorgegebenen Informationen waren:
a) Deutsch
b) Hautfarbe
c) Unbewusster Rassismus, Vorurteil, Unterschied
d) traurig

für Christian

Ich wandle durch die Straßen der Stadt. Einer Stadt der zivilisierten, aufgeschlossenen, westlichen Welt.
Ich schaue mich um. Und ich spüre die Blicke der Leute, wie sie an mir haften, sich nur schwer lösen, oder wie ich zufällig in ihr Blickfeld gerate und sie schnell den Kopf wenden um mich wieder auszublenden.
Ich wandle durch die Straßen eines Landes, das so viel zu bieten hat, das ich mag, in das ich gekommen bin, weil ich kommen wollte.
Ich wandle durch die Straßen eines Landes, deren Menschen mit dem Spiel “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann” aufgewachsen sind. Und genauso starren mich manche an. Als seien sie ertappt worden. Nun müssen sie auf der Hut sein.
In ihren Blicken kann ich die Vorurteile förmlich sehen. Da steht es geschrieben: “Achtung, der ist gefährlich!”, “Mädchen, pass auf, der ist aggressiv!”, “Stell den bloß nicht ein, der ist bestimmt faul und vielleicht stiehlt er sogar. Seine Familie hat bestimmt nichts.”
Naja, also zum Einen kann ich keiner Fliege etwas zu Leide tun, zum Anderen bin ich so schüchtern, dass ich mich kaum traue Mädchen anzusprechen und wenn doch, dann käme ich im Leben nicht auf die Idee, ihnen etwas anzutun, und meiner Familie geht es gut, aber weil ich hier das Metier gefunden habe, in dem ich arbeiten möchte, das mich reizt und in dem ich gut bin, habe ich mich dazu entschlossen hierher zu kommen. Um mich selbst zu verwirklichen und das zu tun, was ich wirklich gerne tu, worin ich gut bin.
Aber das interessiert nicht.
Ich will nicht sagen, dass ich durch die Straßen eines rassistischen Landes wandle, um Himmels Willen, nein. Ich habe hier sehr nette Menschen getroffen, aufgeschlossene Menschen, die mich herzlich empfangen haben. Ich habe an der Uni mit Mädchen Kaffee getrunken, die keine Angst vor mir hatten, ja, die mich vielleicht sogar mochten. Ich habe Kinder getroffen, die mich angelacht haben und mir stolz ihr Kuscheltier entgegen hielten und mir sogar verrieten, wie es hieß. (Allgemeinhin sollte man anmerken, dass viele Kinder bei “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann” überhaupt nicht an die Hautfarbe schwarz denken, sondern an einen großen unheimlichen Mann mit weißer Haut, der aber dunkle Kleidung trägt)
Aber ich kann mich des Eindrucks trotzdem nicht erwehren, dass ich hin und wieder, dann und wann und auch mal öfter mit unbewusstem Rassismus konfrontiert werde. Die Leute merken es vielleicht noch nicht mal. Aber wenn ich Zug fahre und neben mir ein Sitz frei ist, dann merke ich das kurze Innehalten der Einsteigenden, die einen freien Platz suchen, den neben mir betrachten, mich anschauen und dann doch weiterziehen. Interessant sind dann auch die, die sich doch widerwillig neben mich in den Sitz fallen lassen, weil sie denken, sie müssten es tun, damit ich sie nicht als Rassist abstempel.
Das ist doch verrückt.
Überall heißt es “Embrace Diversity”, Unterschiede machen das Land und das Leben bunter. Nur meins anscheinend eben nicht.
Es heißt, wir integrieren uns nicht, wir blieben eh nur in unseren Gemeinschaften. Und ja, ja ich treffe Freunde, deren Familien aus fast der gleichen Gegend stammen wie ich und wir kochen Gerichte von Zuhause und tauschen uns über Gemeinsamkeiten aus. Denn in dieser bunten Welt des Unterschieds ist es manchmal ungemütlich. Und einsam. Und Zuhause ist es warm. Zuhause ist weit weg. Das war, was wir alle in Kauf genommen haben um hier unsere Chancen wahrzunehmen; dass nun zwischen uns und unseren Familien wahrhaftig Welten liegen. Aber bitte, wie gern hätte ich die Mädchen vom Kaffeetrinken oder die Kommilitonen zu so einem Abend mal eingeladen, damit sie die Gerichte kosten können, die ich von meiner Mutter gelernt habe? Aber so groß ist die Freude am Unterschied dann wohl doch nicht, als dass sie das mal gern probieren würden. Leider, denn es schmeckt wirklich gut und ich würde gern meine Welt mit den Menschen teilen, in deren Welt ich mich bewege. Aber keins der Mädchen vom Kaffeetrinken und kein Kommilitone, dem ich bei seinen Aufgaben geholfen habe, hatte mal Lust mitzukommen. Weil sie dann ja doch recht einsam im Raum auffallen würden, mit ihrer anderen Hautfarbe. Haha, ja, das würden sie wohl. Einen Abend lang.
Und das, was sie dann einen Abend lang erleben würden, von dem herzlichen Empfang bis hin zu den komischen Blicken, eben weil sie anders wären, das ist das, was ich jeden Tag erlebe. Bienvenue dans ma vie. Willkommen in meinem Leben.
Aber so groß ist der Spaß am Unterschied und an der bunten Welt wohl nicht. Den hat man nämlich nur dann, wenn man selbst die Farben aussuchen und mischen darf.
Ich wandle durch die Straßen der Stadt. Einer Stadt der zivilisierten, aufgeschlossenen, westlichen Welt.
Einer Welt, die mich anscheinend nicht will. Oder wenn, dann nur bedingt.
Und wenn ich dann mal mit einem Menschen warm laufe, ihn beim Reden an die Schulter fasse oder wenn ich diese Person mit Wangenküsschen links und rechts verabschiede, dann schauen sie mich an, als hätte ich soeben den kompletten Teppich des guten Benehmens besudelt. Weil sie sie vielleicht befremdlich finden, diese Wärme, die ich von Zuhause kenne und die mich in manchen Momenten überkommt, in denen ich dann vergesse, dass man das hier meistens eher nicht so macht. Zaghaft setze ich wieder Fuß vor Fuß und bemühe mich, ordentlich auf dem vorgezeichneten Plan zu laufen. Ich sage artig “Guten Tag” und erkundige mich nach dem Befinden der Frau Mama, weil ich das als gutes Benehmen von klein auf beigebracht bekommen habe. Ich sage “Grüß deine Mutter”, weil sich das bei uns so gehört, als Antwort bekomme ich ein schallendes Lachen und ein “Aber du kennst sie doch gar nicht”. Wie oft habe ich mich gefragt, ob sie die Grüße wohl jemals ausrichten.
Es ist auch nicht so, als würden die Leute mich nicht mögen, manche sind sehr nett zu mir und laden mich sogar zu ihrem Geburtstag ein. Es ist auch nicht so, als wüsste mein Chef meine Arbeit nicht zu schätzen, ganz im Gegenteil, er ist sehr erfreut über meine Erkenntnisse und meinen Beitrag zum Firmenwachstum. Ein Kommilitone aus dem ersten Semester, den ich nach einiger Zeit wiedertreffe, freut sich mich zu sehen und komplimentiert meine sprachlichen sowie beruflichen Fortschritte. Ich arbeite viel, ich lerne viel, ich lese viel, ich übe die Sprache und setze mich mit der hiesigen Kultur auseinander. Möchte ein Teil davon sein und einen Teil von meiner Kultur, von mir, zurückgeben.
Embrace Diversity, Unterschied macht bunt. Aber anscheinend malen wir leider nicht gemeinsam.
Denn wenn das Verhältnis der Farben sich ändert, dann würdet ihr wohl im Raum auffallen, mit eurer anderen Hautfarbe. Einen Abend lang.
Und das, was ihr dann einen Abend lang erleben würdet, das ist das, was ich jeden Tag erlebe. Bienvenue dans ma vie. Willkommen in meinem Leben.

Gina Laventura © 2015

Urlaub im Kopf

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Photo & Editing: freshandjuicy

Eine endlos lange To-Do-Liste.
Ein Punkt abgehakt, zwei neue hinzu.
Die Überlegung, was man alles gerne (mal wieder) tun würde, wenn man doch endlich mal Zeit hätte. Aber erst muss ja noch die Wäsche gewaschen, das Haus geputzt und die Rechnung bezahlt, das Projekt bearbeitet, die E-Mails sortiert, die Ablage gemacht, die Pflichten erfüllt werden.
Aber dann, ja dann, wenn erst alles abgearbeitet ist, dann kann man endlich das Buch lesen, das man vor vier Monaten zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, dann kann man wieder ins Theater gehen oder es sich auf dem Balkon gemütlich machen oder endlich die fünfunddreißig Folgen der Lieblingsserie aufholen oder mal wieder ein Computerspiel spielen um endlich die Mission zu beenden.
Wann sind eigentlich lange To-Do-Listen zum Zeichen von Ambition geworden? Wann haben wir beschlossen, dass Workaholic das neue Berufsziel ist, egal in welcher Sparte man tätig ist? Wann wurde Stress zum Synonym für Fleiß und Erfolg? Wann wurde “du siehst ausgelaugt aus, du solltest mal wieder vernünftig essen und schlafen” ein figurschmeichelndes Kompliment, das auch noch auf den eigenen Ehrgeiz hindeutet?
In diesem listenartigen Erfolgsplan werden sogar die Tätigkeiten, die eigentlich Spaß machen und Freude bereiten zum weiteren abzuarbeitenden Punkt, wie “Sarah anrufen” und “auf Marks E-Mail antworten” oder “mit Susi und Jo ins Kino”. Genießen wir eigentlich noch wirklich? Genießen wir die Zeit, die wir dort nun verbringen oder gehen wir im Kopf schon auf dem Weg zum Kino durch wie wir den morgigen Tag strukturieren um die Dinge, für die ja aufgrund des Kinobesuchs nun die Zeit fehlt, doch noch geschafft zu bekommen?
Zeit…Faktor Zeit…immer wieder ein Thema. Vor allem in einer Gesellschaft, die zum Großteil durch den Satz “Zeit ist Geld” bestimmt wird. Vielleicht ist Zeit Geld. Aber vor allem ist Zeit eins: kostbar. Man hat sie nur ein einziges Mal. Ist die Minute verronnen, ist sie hinfort und man bekommt sie nie wieder zurück. Sich ab und zu mal hinzusetzen und zu überlegen, in was man dieses kostbare Gut gern investieren möchte (nicht sollte oder müsste) kann manchmal sehr aufschlussreich sein.
Wir sind gestresst, hektisch, ausgelaugt, rennen von Termin zu Termin, von Ziel zu Ziel, glauben immer an diesem einen Punkt anzukommen, an dem wir dann endlich Zeit haben um das zu tun, was wir gerne tun wollen. Aber was, wenn wir diesen Punkt nie erreichen? Was, wenn immer wieder ein neuer Punkt auf der Liste hinzukommt? Was, wenn wir gar nicht mehr anders können, als immer wieder einen weiteren Punkt hinzuzufügen, weil wir ein leeres Blatt Papier gar nicht mehr gewöhnt sind und vor allem gar nicht mehr ertragen können? Was, wenn wir damit nichts anzufangen wüssten?
Und was, ja was, wenn wir uns die Zeit, die wir meinen nicht zu haben, einfach mal nehmen würden? Was, wenn wir dem Drang, morgens nach dem ersten Kaffee durch Feld, Wald und Flur zu marschieren einfach mal folgen würden? Was, wenn genau das das ist, was uns mit genügend Energie versorgt um acht statt drei Dinge von der Liste abzuarbeiten?
Was, wenn wir zwischen den Dingen, die zu tun sind das kleine Zeitfenster nutzten um das erste Kapitel des Buches, das wir vor vier Monaten zum Geburtstag geschenkt bekommen haben, zu lesen? Was, wenn wir das Jammern über den dringend benötigten Urlaub dadurch ersetzten, dass wir uns Zeit für uns nähmen? Urlaub im Kopf.
Ob das nun bei einem Spaziergang durch Feld, Wald und Flur, Bücher lesen auf dem Balkon oder im nächsten Straßencafé sitzen und Leute beobachten bedeutet, spielt dabei erstmal keine Rolle. Was, wenn wir uns wirklich die Zeit nähmen und sie genießen würden? Und was, ja was, wenn genau das dafür sorgen würde, dass uns all die noch zu tuenden Dinge viel leichter von der Hand gingen?
Alle reden von der großen Work-Life-Balance und ständig muss alles optimiert und perfektioniert werden, sei es nun die Arbeitsmoral, die Arbeitsweise, das eigene Aussehen, die Garderobe, das Zeitmanagement oder auch der eigene Partner. Aber bei all dem Optimierungswahn haben wir vergessen dann und wann innezuhalten und uns an dem zu erfreuen, was wir bereits (erreicht) haben, danke zu sagen. Bei all dem Perfektionismus haben wir vergessen gut zu sein, gut zu uns zu sein.
Wir reden ja nicht von Faulenzen oder alles auf die leichte Schulter nehmen, sondern wir reden davon, dem Affenstall im Kopf mal Einhalt zu gebieten und durchzuatmen. Mal nicht zu optimieren, sondern zu reflektieren. Sich mal hinzusetzen anstatt zu hetzen.
Für einen Moment die Augen zu schließen und Urlaub zu machen.
Urlaub im Kopf.

Können wir es jemals richtig machen? Gegen ständiges Anprangern und Verurteilen

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Photo & Editing: No bilis

Es ist Mittag. Kaffeepause. Ich scrolle durch Facebook. Im Newsfeed: Ein Freund hat dieses Bild geliked.
Es zeigt eine bekannte deutsche TV-Moderatorin in einem Outfit, das aus einer Jeansbluse und einer Schlaghose aus Jeans im Stil der 70er Jahre besteht, brauner Gürtel, Sonnenbrille, charmantes Lächeln, an eine Wand gelehnt.
Die Bildunterschrift sagt so etwas wie “Mein Lieblingsoutfit momentan, cool und bequem, perfekt für Mamas”.
Also zunächst ein Mal bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich weiss, was die Dame mit “perfekt für Mamas” aussagen möchte. Vielleicht meint sie, dass dieses Outfit weit genug geschnitten ist um die Auswirkungen der Strapazen, die eine Geburt nun mal so mit sich bringt, wie Dehnstreifen und den vielleicht-noch-nicht-komplett-trainierten Bauch, perfekt zu kaschieren. Vielleicht meint sie, dass das Outfit bequem genug ist um all die Dinge zu tun, die man nun mal gern mit seinem Kind tun möchte, wie spielen, im Gras sitzen oder durch die Berge von Spielzeug krabbeln oder dergleichen. Vielleicht meint sie aber auch, dass es einfach zu waschen ist, sodass, sollte sich dein Baby dazu entschließen, sein Frühstück rückwärts zu essen und auf deiner Schulter zu platzieren oder dein Kleinkind es für eine großartige Idee halten, einen Schlammkuchen auf deinem Schoß zu bauen, Jeans das ideale, robuste Material ist, welches sich einfach säubern lässt. Vielleicht war sie auch einfach nur stolz, nicht nur darauf, ein schönes und gesundes Kind geboren zu haben, sondern auch ein Outfit gefunden zu haben, in dem sie sich wohl und attraktiv fühlt, denn, ja, auch nachdem man ein Kind zur Welt gebracht hat, ist man immer noch eine Frau und jeder freut sich, wenn er sich in der eigenen Haut wohl fühlt und vielleicht hat ebendieses Outfit dazu beigetragen, dass sie sich großartig fühlt.
Aber vielleicht, vielleicht, vielleicht.
Nun krempeln wir mal die Ärmel hoch und reiben uns die Hände und kommen zu dem wirklich interessanten Teil (den ihr vermutlich schon erahnt habt): Den Kommentaren.
Mal abgesehen davon, dass auch Kommentare dabei waren, die sagten, sie sehe nun besser aus als noch vor der Schwangerschaft und dass ihre Figur nun noch besser sei, waren auch viele kritische Kommentare dabei, um es mal nett auszudrücken. Da waren Kommentare dabei, die genau das Gegenteil von dem zuvor genannten besagten, nämlich, sie hätte vor der Schwangerschaft besser ausgesehen und sei nun zu dünn. Dass die Hose hässlich sei, wobei das noch einer der harmloseren Kommentare war, und okay, 70er Jahre Schlaghosen mögen nicht jedermanns Ding sein und wir sind ein freies Land, in dem man seine Meinung und seinen Geschmack äußern kann.
Die wirklich beachtlichen Kommentare allerdings waren ganz anderer Natur. Da war tatsächlich ein Kommentar dabei, der sagte “Im Röckchen siehst du besser aus” und ich möchte betonen, dass es nicht “Rock”, sondern “Röckchen” hieß, was mit dem Suffix “-chen” schon auf eine Verniedlichung hindeutet. Und seien wir ehrlich, bei einem niedlichen, kleinen Rock, denken wir vor allem an einen kurzen Rock, oder denkt irgendwer von euch bei dem Wort “Röckchen” an einen langen Hippierock, der bis über die Knie fällt und die Fesseln umspielt?
Ein anderer Kommentar, der wirklich..mir fehlt jegliches Adjektiv, war, sagte “Kauf dir lieber mal einen Push-up”.
Puh, ja, lassen wir das kurz sacken und atmen tief durch.
Bleiben wir kurz bei den Kommentaren, die sagten sie sehe nun besser aus als noch vor der Schwangerschaft. Ich spreche zwar nicht aus Erfahrungen aus erster Hand, aber ich kann mir vorstellen, dass eine Schwangerschaft Auswirkungen auf das Aussehen hat, ob nun im Guten oder Schlechten sei dahingestellt und wenn du danach strahlend und glücklich aussiehst, weil du glücklich bist, dann ist das wunderbar. Das Störende bei diesen Kommentaren ist eher, dass sie sich darauf beziehen, dass sie nun dünner als vorher ist. Und ich finde, das sagt eine Menge über die heutige Gesellschaft aus, in der jeder vom “After Baby Body” spricht und die Frauen am Wettbewerb “Wer ist am Schnellsten wieder in Form” teilnehmen. Das übt Druck aus und sorgt für Frustration bei denjenigen, die es nicht in den Top 100 dieses Wettbewerbs geschafft haben, was zu Kommentaren wie “Schön für dich, dass du wieder in Form bist, aber ich bin kein Promi, dessen Kapital im Aussehen liegt und einen Personal Trainer habe ich auch nicht” etc., etc., führt. Versteht mich nicht falsch, ich will den letzten fiktiven Kommentar nicht als unbegründet oder schwachsinnig darstellen, denn seien wir mal ehrlich, das ist immer das Argument, das auf den Tisch kommt, wenn solche Themen besprochen werden und es ist nun mal Tatsache, dass viele Promis sich einen Personal Trainer holen um so schnell wie möglich wieder in Form zu sein. Aber darum geht es hier grad nicht.
Egal, ob die Kommentare nun Neid, Frustration oder Bewunderung ausdrücken, beziehen sie sich alle auf den gleichen Hype, den gleichen Wahnsinn.
Könnten wir bitte mal für einen kurzen Augenblick uns Folgendes vor Augen halten: Die Frau hat vor ein paar Monaten ein Baby zur Welt gebracht! Das bedeutet, dass ihr Körper ein verdammt riesiges, natürliches Wunder vollbracht hat! Und vielleicht, ja, ganz vielleicht ist sie nicht so dünn, weil sie viel dafür getan hat und das ihre Absicht war, sondern vielleicht war die Geburt anstrengend, vielleicht gab es Komplikationen und sie war hinterher gestresst und um das Wohl ihres Kindes besorgt, vielleicht ging es ihr während der Schwangerschaft nicht gut, vielleicht ist ihr Baby nicht eins von der “Er schläft schon komplette Nächte durch”-Sorte, sondern erlaubt ihr es kaum mehr als zwei Stunden am Stück zu schlafen. All das hat auch Auswirkungen auf das Aussehen und die Figur. Nur mal so nebenbei.
Im Übrigen dient das letzte Argument auch als Antwort auf die Kommentare, die behaupten sie hätte vorher besser ausgesehen und sei nun zu dünn.
Kommen wir nun zu dem Röckchen-Ding. Und zu dem Push-up-Ding. Beides im Übrigen Kommentare von männlichen Nutzern. Ernsthaft jetzt?!
Okay Herr X, ich verstehe, das ist einzig und allein deine persönliche Meinung, dass ihr kurze Röcke besser stehen, weil…sie schöne Beine hat, die sie ruhig zeigen kann und es außerdem ihre Proportionen vorteilhaft aussehen lässt, ja? Nur deine persönliche Meinung, richtig?
Und Herr Y, ich nehme an, deine persönliche Präferenz liegt nun mal einfach eben bei großen Brüsten, hm? Okay, freies Land, freie Meinungsäußerung und jeder darf sagen, was er möchte. Und tut es auch. Vor allem in der breiten anonymen Welt des Internets.
Was ich meine ist, ist das das Bild der Frau? Wie es sein soll? Ist das, das, was eine Frau als Frau definiert: Große Brüste und kurze Röcke?
Nehmen wir uns mal einen ganz kurzen Augenblick Zeit und erinnern uns daran, dass egal, ob diese Frau nun ein Promi ist, der im Blick der Öffentlichkeit steht, über soziale Netzwerke Erfahrungen und Erlebnisse aus dem Alltag mit ihren Fans teilt und sich selbst da draussen präsentiert und performiert, oder nicht, sie mehr erreicht hat als einfach nur gut auszusehen? (Auch wenn das höchstwahrscheinlich Teil ihres Berufes ist)
Wenn sie sich dazu entschließt, ihr “perfekt für Mamas” Jeans-Outfit zur Arbeit zu tragen (was sie im Übrigen getan hat), dann macht sie das zu keiner schlechteren Moderatorin, dann ist sie dadurch nicht weniger kompetent, das ändert nichts an ihren Fähigkeiten oder den Kompetenzen, die sie während ihrer beruflichen Karriere erlangt hat, die in den 1990er Jahren begann.

Das “Witzige” ist ja Folgendes: Spielen wir ein Spiel, seid ihr bereit?
Nehmen wir mal an, sie hätte ein Foto von sich in kurzem Röckchen gepostet, mit Push-up und vielleicht engem Tanktop oder lockerer Bluse mit Ausschnitt, stellen wir uns das einen Moment lang vor.
Wie hätten die Kommentare dann wohl ausgesehen? “Oh, du bist strahlend schön”, “Wunderschön”, “So sexy und das so kurz nach der Geburt”? Wahrscheinlich, ja.
Aber ist es komplett abwegig zu denken, dass auch Kommentare wie “Du bist nun eine Mutter, du solltest dich so nicht präsentieren, denkst du deinem Kind würde es gefallen, wenn seine Mutter so rumliefe” und ähnliche dabei wären?
Daher die Frage: Können wir es jemals richtig machen? Wie man’s macht, macht man’s verkehrt.
Und ja, wir wissen alle, dass wir es nicht jeder einzelnen Person auf diesem Planeten recht machen können, das ist normal.
Aber warum müssen Leute sich immer gegenseitig anprangern und verurteilen?
Egal wie man es dreht, es scheint immer etwas zu kritisieren zu geben, etwas zum lästern, zum schlechtreden. Aber warum?

Und hierbei handelt es sich nur um ein Foto, das in einem sozialen Netzwerk hochgeladen wurde, ein kleines Beispiel.
Ziehen wir die Blende etwas weiter auf:
Wenn du eine karriereorientierte Geschäftsfrau bist, wirst du dafür verurteilt, dass du keine Kinder willst. Und hier der Knackpunkt: Meist von anderen Frauen, nicht Männern! Von deinen eigenen “Kameradinnen”.
Wenn du sagst, du willst definitiv Kinder haben, da sie für dich zur Erfüllung deines Lebens beitragen, wirst du dafür angeprangert altmodisch und nicht emanzipiert zu sein, etc.
Dieses Paradox ist allerdings nicht allein für Frauen reserviert. Männer sind ebenfalls mit dieser Kontroverse konfrontiert.
Wenn du dich dazu entscheidest das Familienunternehmen zu übernehmen, obwohl dein ursprünglicher Plan gewesen ist, deiner Leidenschaft zu folgen und etwas anderes zu machen, wirst du dafür verurteilt deinen Traum aufgegeben und dich den Wünschen und Erwartungen anderer Menschen gebeugt zu haben, selbst wenn es deine freie Entscheidung gewesen ist, die du aus vollem Herzen umgesetzt hast.
Wenn du dich dagegen entscheidest das Familienunternehmen weiterzuführen und stattdessen deinem Traum zu folgen, wirst du dafür angeprangert dich selbst an erster Stelle zu sehen, egoistisch zu sein und deine Familie im Stich gelassen zu haben.
Ja, wundervoll! Seht ihr? Anscheinend gibt es keinen Weg, wie man es richtig macht oder machen kann.

Aber warum versuchen Menschen es dennoch?
Warum ist dieser Drang, allen gefallen zu wollen, nach wie vor so präsent?
Als ob der Kampf darum, den eigenen Wunsch danach sein Leben bestmöglich zu leben, sein Potential auszuschöpfen und den “richtigen und vernünftigen Weg” zu gehen nicht schon anstrengend genug wäre.
Warum machen wir uns ständig gegenseitig fertig, prangern uns an, verurteilen uns gegenseitig?
Liegt es daran, dass wir uns selbst ständig fertig machen und verurteilen, sodass wir es auf jemand anderen projizieren müssen um der Frustration und dem Druck Luft zu verschaffen?
Liegt es daran, dass wir so hart zu uns selbst, sodass wir auch hart zu den anderen sind?
Und falls das zutrifft, hieße das dann nicht, dass wir mehr daran arbeiten sollten uns selbst gegenüber geduldiger, liebevoller, fürsorglicher und freundlicher zu sein?
Was, wenn die Art und Weise, wie wir mit anderen umgehen, auch die Art und Weise ist, wie wir mit uns selbst umgehen? Was, wenn die Art und Weise, wie wir mit uns selbst umgehen, auch die Art und Weise ist, wie wir mit anderen umgehen? Was, wenn das eine wechselseitige Wirkung ist?
Vielleicht ein Weckruf unser Benehmen nicht nur anderen gegenüber, sondern auch uns selbst gegenüber, zu überdenken.

Seid freundlich. Verbreitet Liebe.
Be kind. Spread the love.

Willkommen bei dem Relaunch meines Blogs!

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Meine Lieben,

herzlich willkommen auf ginalaventura.com.
So wie es manchmal Zeit ist zuhause aufzuräumen, auszumisten, umzudekorieren oder zu renovieren, so ist das auch in dem virtuellen Raum, den man sein Eigen nennt, ab und zu der Fall.
Deshalb begrüße ich euch heute auf meinem frisch renovierten, dekorierten und umstrukturierten Blog.
Es ist vielleicht noch nicht alles perfekt und bis ins kleinste Detail optimiert, aber Einzugsfeiern schmeißt man ja schließlich auch, obwohl irgendwo noch eine Kiste rumsteht oder ein Bild noch nicht an der Wand hängt, nicht wahr?
Also, was ist alles neu?
* zum Einen ist das Layout ein anderes
* zum Anderen ist der Aufbau strukturierter, sodass ihr nun unter den Reitern im Header, die auf englisch sind immer die Seite auch nochmal auf deutsch findet
* in den englischen Beiträgen selbst findet ihr zu Beginn den Vermerk “dieser Eintrag ist auch auf Deutsch verfügbar”, inklusive Link, sodass ihr bei Interesse den Beitrag auch auf deutsch lesen könnt (wobei nicht alle Einträge bilingual verfügbar sind, manche sind auch nur auf englisch oder nur auf deutsch verfügbar)
* generell sind mehr Verlinkungen eingefügt, sodass wenn ich in einem Beitrag oder auch auf einer Seite Bezug auf etwas nehme, ihr schnell dorthin gelangen könnt
* des Weiteren gibt es nun Einblicke in mein Model-Portfolio und eine gesonderte Seite für Videos/Filme, in denen ich mitspiele oder an denen ich mitgewirkt habe

Diejenigen von euch, die mir schon länger folgen, wissen, wie der Blog aussah, als ich ihn im September 2013 gestartet habe und ihr kennt auch bereits einige der Einträge und das Prinzip der sundaystory.
* Natürlich habe ich alle alten Beiträge konserviert und nicht endgültig gelöscht
* Dennoch habe ich beschlossen, jetzt bei dem Relaunch neue Texte und Ideen, die ich für euch vorbereitet habe, mit alten Texten, die ihr vielleicht schon kennt, zu mischen, sodass für jeden was dabei ist, für die neuen Leser sowie die, die schon länger mit dabei sind

Ich hoffe, euch gefällt das neue Layout und die neue Struktur und dass ihr es weiterhin – oder vielleicht nun noch mehr – genießt hier vorbeizuschauen.

Aber um den Relaunch gebührend zu feiern, hab ich mir noch etwas anderes für euch überlegt:
Ich verlose 3x Labelled Love als Taschenbuch + eine kleine Überraschung.

Was ihr dafür tun müsst?
Schreibt bis zum 30.8. hier in die Kommentare, warum ihr das Buch gewinnen solltet.
Die Gewinner werden ausgelost und bis zum 5.9. bekannt gegeben.

Schaut euch um, macht es euch gemütlich und ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und Rumstöbern.

Sei kreativ. Sei du selbst.

Gina.

Über das Ruhrgebiet oder Tiswitis

As this is a text about the German area I grew up in and includes some colloquialisms, this entry is not available in English, sorry.

Gina (2)
Photo & Editing: hamedphotography

Über das Ruhrgebiet oder Tiswitis

Direkt vorweg und geradeaus: Ich komme aus dem Ruhrgebiet!
So, nun ist es raus.
Um genau zu sein, ich komme tief aus dem Westen, wo die Sonne verstaubt. (Wer nicht weiss, was damit gemeint ist, ja, sorry, aber dem werd ich es auch nicht erklären.)
Da bin ich groß geworden, aufgewachsen.

Nur um eins direkt vorweg zu nehmen: Ich plädiere hier weder für Lokalpatriotismus, noch liegt mir was daran, andere Regionen zu degradieren oder in matschige und aufgeweichte Fußstapfen zu treten und eine fette Klischeespur hinter mir herzuziehen.
Sowieso, was soll dieses “Ich komme aus dem Ruhrpott und bin stolz drauf.”? Ja sicher, ich bin voll stolz auf den Zufall, dass ich hier und nicht in Rheinland-Pfalz geboren und aufgewachsen bin, oder was? Also ich mein, als wäre das mein Verdienst, der einen Orden verdiene. Pfff.
Andersrum: “Ich komme aus dem Ruhrgebiet und schäme mich nicht dafür.” ist im Übrigen genauso Quatsch, weil dies ebenfalls auf Zufall beruht. Ja, es tut mir so leid, dass ich diese Missetat begangen habe und hier groß geworden bin, meine ersten Worte vermutlich entweder “Mama”, “Papa”, “ja”, “nein” oder “Ball” und nicht “Nee, Mutti, also so schon mal gar nicht, hast du dir mal die Klischees, Vorurteile und das Bildungssystem hier angeschaut? So kann aus mir ja nie was werden, also könnten wir bitte von hier wegziehen, meiner Zukunft zuliebe?” waren. Ebenfalls: Pfff.

Machen wir uns nichts vor, es herrschen Vorurteile.
Aber, ganz großes Aber, mit diesen bin ich erst konfrontiert worden, als ich meine wunderbare Kindheit, meine anstrengenden Teenagerjahre und mein Abi bereits – ja wer hätte das gedacht – hier im tiefsten Pott hinter mir gelassen habe.
Warum? Naja, weil ich hier rede wie ich rede und mich jeder versteht. Und dazu gehört ab und zu auch ein “Alter, haste die Ische gesehen, die vor der Kijeche steht? Die sieht auch aus wie bestellt und nicht abgeholt.” (ein zaghaftes Beispiel, ich weiss, es dient auch nur zur kleinen Veranschaulichung, wir steigen später nochmal tiefer in den Sprachpott, keine Sorge)
Und nur um einem Klischee auch vorzubeugen: Meine Kindheit bestand nicht darin, kohlverschmiert aus nem geschlossenen Pütt zu klettern oder Masten im Industriegebiet hochzuklettern (auch wenn ich jetzt scharf nachdenken müsste, ob ich dies wirklich noch nie getan habe). Nein, sie bestand hauptsächlich aus auf Bäumen herumklettern, hangeln auf dem Spielplatz, Gummitwist, Brettspielen, Hüpfkästchen, Fahrrad fahren, Rollschuhlaufen und all dem anderen Spaß, den man halt so macht. Das Highlight war allerdings immer das Feld. Und nein, das musste man nicht suchen, sondern das war sogar ganz nah, da gab es Bäume und Höhlen und sogar einen kleinen Tannenwald, in den sich nur die Mutigen wagten. Im Sommer war es das absolute Highlight und im Winter konnte man ebenfalls von dort durch den kaputten Zaun auf den Sportplatz schleichen, der die besten Hügel zum Schlittenfahren hatte (ja, damals gab es noch richtige Winter, mit dick Schnee und Rodeln und so, rechnet euch aus wie alt ich bin xD ). Dort gab es auch den “Todesberg”, jawohl ja, den fuhr man nur im Tandem mit den “Großen”, weil die Abfahrt steil war.
So, das war ein kurzer Abriss aus Kindertagen im oftmals als schmutzig und grau und trist bezeichneten Pott.

Im Übrigen haben wir auch keinen Schrebergarten.
Und ich habe meine Mutter noch nie mit Lockenwicklern im Haar und im Kittel die Suppe umrühren sehen.
Und mein Vater trägt keine beschmierten Unterhemden, Joggingbuchsen aus Fliegerseide und Adiletten.
(auch wenn mich persönlich weder das eine noch das andere sonderlich stören würde, denk ich)

Ich hab im Prinzip auch kein Problem mit Klischees, gerade als Kreativer kommen die einem ganz besonders gut zu Pass, weil man wunderbar mit ihnen spielen kann.
Was mich allerdings konsterniert hat war die Reaktion, mit der ich wie gesagt erst nach dem Abi konfrontiert wurde. Naja, selbst Schuld, wieso komm ich auch auf die Idee, dass die kleine Zugfahrt von unter einer Stunde keinen Unterschied mache, wobei ich geflissentlich außer Acht gelassen habe, dass mit dieser Fahrt auch das Überfahren der Grenze von Ruhrgebiet zu Rheinland einhergeht.
Zum ersten Mal hörte ich Sätze wie “Du kommst nicht von hier, oder? Man hört das.” oder wurde mit einem schief gelegten Kopf fragend angeschaut, wenn ich Wörter wie “Ische” benutzte.
Zum ersten Mal dachte ich wirklich darüber nach, vorher gab es nie einen Anlass dazu. Plötzlich hörte ich selbst die Unterschiede heraus.
Naja, was geschieht? Man probiert sich aus, in beiden Extremen. Man probiert mal, wie es so ist, mit Klischees zu spielen und redet extra in seinem eigenen Dialekt, den man dank solcher Konversationen ja ausreichend analysiert und deduziert hat und man probiert aus, wie es ist, den ganzen Tag besonders “ordentlich” zu sprechen, aber nicht so super künstlich, sondern noch auf dem Level, wo es natürlich klingt. (im Übrigen ganz schön anstrengend, kann ich euch sagen, das erfordert eine Menge Konzentration)
Das Gute daran ist, dass sich der Blick auf das, was man sonst selbstverständlich als Zuhause angesehen hat, ändert. Man ist plötzlich wacher, aufmerksamer, geht bewusster mit Dingen um. Wie gesagt, mir liegt weder was daran eine Abscheu und eine Arroganz der Region über zu entwickeln, die mir so viele wundervolle Tage in so unterschiedlichen und abenteuerlichen Umgebungen ermöglicht hat, noch einen Lokalpatriotismus zu entwickeln, indem ich weite Pullis mit “Ruhrpott” oder “Pottgöre” oder dergleichen trage und extra mit extremer Kodderschnauze daherrede. Wozu auch? Wem beweis ich was damit? Und was beweis ich damit? Richtig, nix, eben.

Allerdings will ich auch nicht von der Hand weisen, dass manche Klischees definitiv da sind, weil sie immer und immer wieder bestätigt werden.
Ja, sicher, hier gibt es “dat” und “wat”, hier gibt es “aaaaaalter!”, hier gibt es den Mottek mit dem man mal ordentlich auf dat Dingen draufwemsen muss und manche Leute haben wirklich n Schlach mitta Wichsbürste. Aber, ganz großes Aber, die Mentalität des Malochens hat sich auch über die Püttzeit hinaus weiter fortgetragen und auch wenn die Leute hier mal schroff wirken können, so kann ich doch sagen, dass es hier herzensgute und warme Menschen gibt, die, wenn du dich im Bus langlegst und dir das Knie böse aufschlägst, dich am Arm packen, aufstellen, dir n Taschentuch in die Hand drücken und fragen “Mensch Mädel, was machst’n für Sachn? Gehtet denn?”.
Ich will nicht sagen, dass man das in anderen Regionen nicht hat, Quatsch, überall gibt es die herzlichen und warmen und halt die, die n Schlach mitta Wichsbürste haben, ne? ^^
Aber was ich meine ist, dass einfach zu sagen, die Leute hier seien alle asi, schroff, schlicht oder Proleten, ist einfach nicht wahr. Und das, worauf sich manch andere Regionen Deutschlands was einbilden ist mehr Schein als Sein.
Bei jeder Region gibt es Vorurteile, Klischees (die dann und wann immer wieder erfüllt werden).
Aber eins kann ich euch sagen, mein Ruhrgebiet ist nicht dreckig, grau und trist und asozial. Wer sagt, meine Heimatstadt sei hässlich, bloß weil er die Unigegend und die Innenstadt gesehen hat, den lade ich herzlich zu nem Rundgang zu den wirklich schönen Ecken ein. Hier gibt es Felder, Wälder, Naturschutzgebiete, Schloßparks, Theater, Industriekultur, und am Wochenende ist hier der Bock fett und das macht ziemlich Laune!

Und genau wie der Mensch nicht nur eins ist, sondern facettenreich daher kommt, so ist es auch mit Gegenden. Natürlich, wenn man nur die eine Facette des Menschen kennt oder gar nur diese eine sehen will, dann wird man den gesamten farbenfrohen Facettenreichtum womöglich nie sehen. Aber wer nur die Uni und die Innenstadt anguckt, der kann auch nicht behaupten, die ganze Stadt sei hässlich.
(kleine Randbemerkung: Fast alle Bilder hier auf meinem Blog sind mit wenigen Ausnahmen im Ruhrgebiet entstanden, sowohl die, die von Fotografen geschossen wurden, als auch die, die ich selbst gemacht habe, und ja, auch die Landschaften und der schöne blaue Himmel.)

Ich mein, ja, sicher, ich kann Hochdeutsch (ist auf Dauer aber wirklich anstrengend, und mal ehrlich: wer spricht den ganzen Tag feinstes Hochdeutsch?!), aber es ist verdammt entspannend, wenn ich frei Schnauze daherreden kann und weiss, dass ich verstanden werde.
Es ist allerdings genauso amüsant mit Leuten unter einem Dach zu wohnen, die aus anderen Regionen kommen und dabei zu sein, wenn sie nach Hause telefonieren und man deren Dialekt hört, man selbst freundlich darauf aufmerksam gemacht wird, dass man gerade hört, dass ich soeben ein Gespräch nach Hause hatte und dass es “gesagt” und nicht “gesacht” heißt.
Und ja ladylike ist auch drin, aber ganz ehrlich: es gibt Tage, da geht ladylike nur so weit, sich in Schale zu schmeissen, das feinste Kleid und die hohen Hacken anzuziehen, auf dem Hinweg zur Freundin die Strumpfhose so zu schrotten, dass sie eine einzige Laufmasche ist, nur um von den Freundinnen liebevoll mit einem “Alter, was ist passiert, ich hoffe du hast noch ne andre Strumpfhose dabei, du siehst aus wie ne Crack-Hure!” begrüßt zu werden, bevor man sich aufgetakelt ins Auto setzt und fünf Minuten nach Abfahrt eine von Schimpfwörtern geschwängerte Diskussion darüber beginnt, wer zum Henker so nach Knoblauch rieche.
Sind wir deshalb jetzt asozial? Proleten?
Die passendste Antwort, die mir einfällt ist nur ein mit einem charmanten Lächeln von meiner Freundin abgekupferter Satz: “Ich geb dir gleich Prolet, du Opfer! Komm ma auf n Meter ran damit ich dir ins Gesicht rotzen kann!”
(bitte alle mal kurz durchatmen und lachen, das war n Witz! Also von mir, nicht von ihr, bei ihr müsst ihr vorsichtig sein^^ )
Eins kann ich versprechen: Es gibt hier kaum Kompromisse. Wenn ihr mal einen Abend mit mir und diesen Ladies verbringt, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ihr wollt es direkt wiederholen, oder ihr sagt “nein, danke, ein Mal und nie wieder.”. Und das ist okay. Hier ist es ehrlich, direkt, frech und humorvoll. Und warm. Und herzlich. Aber bloß, weil man vielleicht ab und zu in anderen Gegenden aufgrund ebendieser Art unangenehm auffällt, wie Torsten Sträter es so schön in einem seiner Texte formuliert, heißt das noch lange nicht, dass es asozial und proletenhaft zugeht.

Das hier ist keine Ode an das Ruhrgebiet.
Es ist einfach nur ein Statement.
Wir kommen von hier. Tiswitis. (wer das analysieren kann, verdient ne Tüte Gummibärchen!)

Das hier ist keine Ode an das Ruhrgebiet.
Es ist einfach nur ein Statement.
Ich mein, in den großen Metropolen dieser Welt wird von “Melting Pot” geredet und “Diversity” gefeiert, und hier? Hier sitzt ein Freundeskreis bestehend aus Paul Wischnewski, Emre Öztürk, Elena Dombreva, Lena Schäfer, Mandy Schneider, Tobias Ludwig und Emma Rosental (*) an einem Samstagabend zusammen in einer Bar von der aus man die Strommasten, die Industriefassaden und den spröden Asphalt sehen kann, alle denselben Dialekt sprechend, während sie sehnsüchtig von den großen Metropolen dieser Welt träumen.
Manchmal muss man eben erst weggehen um nach Hause zu kommen.

Das hier ist keine Ode an das Ruhrgebiet.
Aber wenn man weiss, woher man kommt, ist es einfacher zu entscheiden wohin man geht.

Gina Laventura ©2014

(*) alle Namen frei erfunden

Das Denken der Gedanken

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Denkst du, deine Gedanken sind noch nie gedacht worden?

Denkst du, dass du jemals einen Gedanken gedacht hast,
den noch niemand anders zuvor gedacht hat?
An den noch nie gedacht wurde
in der gesamten Geschichte der Menschheit?
Denkst du, du hast jemals eine Idee gehabt,
die noch nie jemand zuvor hatte?
Kann es wirklich etwas geben, dass deinen Kopf betritt,
was noch niemals
einen anderen Kopf betreten hat?
Und was würde das bedeuten
im Hinblick auf Sicherheit und Individualität?
Ich mein, wenn du dir deiner eigenen Gedanken nicht sicher sein kannst,
– wenn wir bei der These bleiben, dass sie ein Mal jemand anderes Gedanken gewesen sein könnten –
wessen kannst du dann sicher sein?
Vielleicht ist es wie die Indianer sagten
“Die Erde gehört uns nicht, wir haben sie nur von unseren Kinder geliehen.”
Vielleicht ist es mit Gedanken und Ideen das Gleiche?
Vielleicht dreht sich alles um den Zeitpunkt
und Gedanken und Ideen
müssen verschiedene Köpfe betreten, wieder und wieder
bis ihre Zeit gekommen ist
um umgesetzt zu werden
zum richtigen Zeitpunkt
am richtigen Ort
im richtigen Moment
in der richtigen Umgebung
und von der richtigen Person.
Denkst du, dass du jemals einen Gedanken gedacht hast,
der noch nie gedacht wurde?

Gina Laventura © 2011