#freelancefriday & #socialsaturday: Wir müssen reden!

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Hey meine Lieben,

wir müssen reden! Nehmt das hier als den #freelancefriday und gleichzeitig den #socialsaturday Post, denn es geht um Arbeit und es geht um Gesellschaft. Beides miteinander verwoben.

Nachdem ich Till Brönners Video auf Instagram gesehen und es geteilt habe und daraufhin eine lange und interessante Konversation mit einer Bekannten hatte (vielen Dank an dieser Stelle, Miss K.K.), ist mir bewusst geworden, dass es Zeit ist, das Schweigen zu brechen. Ich habe mich zwar schon in einem anderen Post zu den Herausforderungen des selbstständigen Daseins geäußert, eigentlich auch relativ direkt wie ich finde – Zitat: “Jeder Tag, an dem ich nicht arbeiten gehe, ist ein Tag, an dem ich kein Geld verdiene.” –, aber das hier geht noch weiter.

Also schnappt euch mal einen Tee oder Kaffee und setzt euch. Denn das hier ist wichtig.

Dass diese weltweite Krisensituation aufgrund der Pandemie jeden betrifft, ist sicherlich eine Tatsache, die ich nicht explizit erwähnen muss. Dass es Länder gibt, die wesentlich mehr leiden als wir hier im schönen Deutschland, respektive Europa, auch das ist uns (hoffentlich) allen bewusst. Dennoch und nichtsdestotrotz gibt es ein paar Dinge, die Aufmerksamkeit bedürfen.

November – Lockdown Light sozusagen. Light… Für Gastronomen, Kulturschaffende, Kreative, Soloselbstständige und Freiberufler, die gesamte Event- und Unterhaltungsbranche und den mittelständischen Einzelhandel, der vielleicht nicht über einen florierenden Onlineshop verfügt, sicherlich alles andere als leicht.

Zum zweiten Mal rollt eine Welle über uns, die unaufhaltsam alles mitreißt, was nicht in der ein paar Monate weilenden Pause zum Luftholen wieder festgezurrt und verankert wurde. Viele Kneipiers, Hotelbetreiber und Gastronomen befürchten, dieses Mal nicht standhalten zu können. Ihr Lebenswerk dicht machen zu müssen. Viele Musiker, Autoren, Künstler, Theaterensembles, und weitere, die auf Touren, Lesungen, Auftritte, ja auf öffentliches Leben angewiesen sind, bangen um ihre Existenz.

Nein, das hier ist kein Aufschrei gegen Maskenpflicht und Hygieneregeln. Im Gegenteil. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die am meisten zu schützenden auch zu schützen.

Aber das hier ist ein Aufruf, da zu unterstützen, wo wir können. Und wir können. Wenn wir wollen.

Uns jetzt zurückzulehnen mit “Ja, was sollen wir da nur machen”, hilft keinem weiter. Wir haben Chancen. Kleine. Aber ein kleiner Stein im Wasser kann auch konzentrische Kreise schlagen.

Wenn ihr also nun meint, okay, Gina, was willst du jetzt, wie sollen wir denn helfen? Ich sag es euch.

Wenn ihr normalerweise jeden Sonntag mit der Familie bei eurem Lieblingsitaliener essen geht, dann behaltet es bei und bestellt jeden Sonntag bei Luigi, weil Luigi das braucht! Sch**ß mal auf Lieferdienst-Apps, bei denen er nicht gelistet ist. Bestellt bei ihm. Überwindet die Faulheit, mit drei Daumenklicks eine Alternative bei einer Kette gefunden zu haben, die mehr Rücklagen hat als Luigi sich je erträumen könnte. Danke.

Wenn ihr grad traurig seid, weil ihr nicht auf das Konzert eurer Lieblingsband könnt, dann kauft CDs, Vinyl, T-Shirts, Merch und beweist, dass diese Band eure Lieblingsband ist. Oder falls sie ein Online-Konzert mit Ticketverkauf starten, kauft ein Ticket. Ihr hättet das Geld auf dem Konzert ja eh gelassen.

Ich hör euch schon, ja aber wir bangen auch, wir müssen jetzt auch mehr aufs Geld achten. Ja, habt ihr recht. Sinnvoll. Guter Punkt. Aber kurze Rechnung und ich bin in Mathe echt schlecht: Wenn ihr für 80€ als Beispiel aufs Konzert gegangen wärt, nun das Geld zurückbekommen habt und es nicht in ein Onlineticket investieren wollt, aber eine Schallplatte oder ein T-Shirt für sagen wir 30€ erwerben könnt, dann sind das 50€ in eurer Tasche und 30€ bei Künstlern, die grad am abkacken sind und sicherlich schon länger nicht mehr vernünftig schlafen. Außer sie haben enorm viel Whiskey, Wein und Gin gebunkert.

Ihr liebt einen bestimmten PoetrySlammer, aber Slams sind abgesagt? Ich mach ne Wette, er hat Live-Aufzeichnungen auf CD oder Bücher geschrieben. Die 8€, die ihr für Eintritt gezahlt hättet, investiert sie, indem ihr das Buch kauft. Ja, aber das kostet mehr als der Eintritt. Sorry, ich hab die Brezel und das Bier, das ihr auf dem Slam verzehrt hättet und das Busticket/Spritgeld/Parkgeld nicht dazu gerechnet 😉 wir nähern uns trotz Mathedefizit denke ich dem, worauf ich hinaus will.

Um Himmels Willen, nein, bitte, wenn ihr grad selbst auf Messers Schneide steht, bitte investiert nicht euren letzten Knopf, um anderen zu helfen, dann helft euch bitte erst selbst. Denn nur wenn ihr habt, könnt ihr geben. Aber wenn ihr ein bisschen was habt, dann gebt, denn wisst ihr was? Das kann Existenzen retten! Was, die schnöden 8€ sollen etwas ändern? Ja man, denn wenn 100 Leute sagen, meine 8€ ändern nichts, dann sind das 800€, die nichts verändern können.

Aber wisst ihr was? Selbst wenn ihr nicht einen Cent ausgeben könnt, könnt ihr unterstützen. Wie? Indem ihr eure Social-Media-Kanäle zum Teilen von Inhalten eurer Lieblingskünstler nutzt. Jetzt sagt ihr, ja aber Gina, ich hab doch nur 20 Follower, was soll das bringen. Ich sag es nochmal: Kon.zen.tri.sche..Krei.se, meine Freunde. Wenn einer eurer Follower auf dem Profil des Künstlers landet, vielleicht mal durchscrollt und interessante Inhalte findet, diese wieder teilt, etc. pp., sind wir beim berühmt berüchtigten Schneeballeffekt und ihr habt gar keine Ahnung, was für einen Unterschied das machen kann. Und, ich mein, tut es euch weh? Es kostet keinen Cent, nur drei Daumenklicks beim Sch… äh, Zähneputzen. Im Vergleich zu den Unmengen kostenloser Inhalte, die die Soloselbstständigen, Künstler & Co. euch zur Verfügung stellen, ist das ein minimaler Aufwand, der aber unter Umständen große Wirkung zeigen kann.

Wenn ihr nun sagt, ja aber Moment, die ganzen kostenlosen Inhalte, die wir bekommen, dazu sind die ja alle gar nicht verpflichtet, das gehört ja zu deren Marketing, dann müssen wir hier mal eins klarstellen: Nein, sie müssen das nicht tun. Sie tun das aus Überzeugung. Und aus Marketing, klar. Aber zumeist wohl aus Überzeugung. Weil sie etwas zu sagen haben. Und es teilen wollen. Weil sie überzeugt sind, dass da etwas drin ist, was anderen helfen kann, etwas geben kann. Und sie verlangen selten etwas zurück. Weil oftmals ein “Bitte unterstützt mich in dieser Zeit und kauft mein Album/mein Buch” schon fast wie Betteln eines Bittstellers herüberkommt. Wobei es einfach nur eine Bitte ist. Und wer vorher kostenlose Inhalte en masse konsumiert hat und nun abschätzig die Nase rümpft, wenn ein Künstler beispielsweise eine solche Bitte äußert und ihn erbärmlich oder Bettler nennt, der möge bitte nun mein virtuelles Wohnzimmer verlassen. Merci.

Kocht euch mal n zweiten Kaffee oder brüht einen weiteren Tee auf. Wir sind noch nicht am Ende.

Wir müssen auch über Weihnachten reden. Mal abgesehen davon, dass es zum jetzigen Zeitpunkt fraglich ist, wie genau unsere Familienfeiern aussehen werden, würde ich gern beim Thema bleiben und mit euch über Geschenke sprechen.

Auch hier mein Appell: Bitte denkt und kauft und investiert sinnig. Wenn ihr normalerweise am ersten Weihnachtstag bei Luigi die Scampi al Forno essen geht, dann bestellt sie dieses Jahr nach Hause. Wenn das Familienfotoshooting, das ihr so gern verschenken wolltet, dieses Jahr nicht umsetzbar ist, kauft bitte einen Gutschein bei dem Fotografen/der Fotografin. Wenn ihr selbst nicht super begabt in DIY-Projekten seid und nicht unbedingt einen Nachttisch selber zimmern könnt, dann durchstöbert etsy oder sonstige Plattformen oder schaut bei eurem lokalen Tischler vorbei, der sich diesen Wünschen in professioneller Weise annehmen kann.

Ich bitte oder dränge euch nicht, mehr Geld zu investieren als geplant, schreibe keine Spendenaufrufe für all die Miseren dieser Welt, denn wenn es danach ginge, könnte mein Herz jeden Tag bluten und ein jeder von uns könnte für das Wohl der Welt oder zumindest für eine kleine Linderung sein ganzes Gehalt plus alles Ersparte spenden. Ich bitte euch lediglich bei den Investitionen, die ihr eh tätigen wolltet, zu schauen, ob es nicht Alternativen gibt, bei denen ihr Menschen, die grad wirklich in der Patsche stecken, helfen könnt besser über die Runden zu kommen, anstatt es großen Konzernen in den Rachen zu werfen, die einmal schlucken, genüßlich rülpsen und sich zufrieden zurücklehnen, weil sie wissen, dass es für sie ein Morgen geben wird. Anders als viele der Kleinunternehmer, Selbstständigen und Mittelständler. Ja, vielleicht kostet der Kalender der Einzelunternehmerin 3€ mehr, aber diese 3€ sind gut investiert, glaubt mir. Und wenn sie nur für das Pfund Kaffee sind, das sie morgens aus dem Bett kommen lässt, um euren Kalender herzustellen und mit individuellem Touch zu verzieren.

Und wer nun sagt, tja, der oder diejenige hätte sich das vorher überlegen sollen und eben nicht Selbstständige*r oder Künstler*in werden sollen, den bitte ich nochmal in sich zu gehen. Der eine wird Krankenschwester aus Überzeugung, was eine Festanstellung mit sich bringt, der andere steigt ins Familienunternehmer ein und vertreibt Produkte, weil er die Familientradition aufrechterhalten will, und kann sich selbst ein monatliches Gehalt zahlen, der nächste wird Musiker, Autor, Fotograf aus Überzeugung und Leidenschaft, um der Gesellschaft einen kulturellen Mehrwert zu bieten. Und diese Branche ist zumeist weit entfernt von Festanstellungen und geregeltem Einkommen.

Und ich frage euch: Wie sähe euer Leben aus ohne die Bücher, die ihr gelesen habt? Ohne die Fotografien von Landschaften, die eure Träume beflügeln und euch an andere Orte bringen? Ohne die Musik, die euch durch den letzten Liebeskummer oder den großen Moment eures Lebens begleitet hat? Ohne das handgemachte, mittlerweile zerknitterte Lesezeichen, das ihr von Omi geschenkt bekommen habt? Ohne die handgemalte Postkarte, die eure Freundin von einem Künstler erworben und mit dem schönsten Zitat eures Lieblingsautoren verziert hat, welche euch immer an die Tiefe eurer Freundschaft erinnert?

Wenn irgendwas davon einen Gedanken an ein bestimmtes Lied oder eine bestimmte Sache geweckt hat und ihr wollt, dass all das auch “danach” (wann immer das sein und wie immer es aussehen wird) noch möglich ist, dann bitte ich euch inständig: Beginnt, wo ihr seid, benutzt, was ihr habt und tut, was ihr könnt.

Und wenn es nur das Teilen eines Inhalts ist.

Konzentrische Kreise.

mit Liebe, Hoffnung und Dankbarkeit im Herzen

Gina.

PS: Ich werde mich hierzu auch nochmal auf dem Balkon räuspern. Haltet also gern die Augen offen.

#socialsaturday: Weltfrauentag 2020 oder Sei die Veränderung, die du sehen willst

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Hallo meine Lieben,

ich weiß, ich weiß, die Ordnung und Reihenfolge mag etwas durcheinander scheinen, aber das regelt sich nun, keine Sorge.
Am 8. März war Weltfrauentag und falls ihr meine Beiträge dazu noch nicht gesehen habt, schaut mal auf dem Balkon vorbei und schaut euch das Highlight IWD 2020 an.
Und wie es sich für eine brave Hausfrau gehört, habe ich nicht nur im analogen Heim Klarschiff gemacht und die Frühlingsdeko aufgestellt, sondern hier in meinem virtuellen Wohnraum gleich mit. 😀
Ich hoffe, der etwas farbenfrohere Anstrich gefällt euch und lädt euch ein, öfter mal vorbeizuschauen.

So, nun aber mal die Ärmel hochgerollt und packen wir die relevanten Themen an:
Der Jahreswechsel allein am Meer hat mich das alte Jahr reflektieren und loslassen lassen und mich mit frischem Wind und Motivation beschenkt, um 2020 nicht nur als neues Jahr, sondern als Beginn einer neuen Dekade den Weg zu ebnen.
Ich hoffe, es geht euch ebenso und dass sich das erste Quartal des neuen Jahrzehnts für euch bereits positiv gestaltet hat. Wie ich es so in meinem direkten und indirekten Umfeld mitbekomme, scheint 2020 aber bereits für einige große Veränderungen mit sich gebracht zu haben und noch einige Überraschungen parat zu halten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich freu mich drauf.

Mit einer ordentlichen Portion kreativer Energie ausgestattet, arbeite ich grad wie eine Verrückte an diversen Projekten, die ich euch hoffentlich bald vorstellen kann.
Deshalb gab es dieses Jahr bisher auch noch keine Blogposts und auch keine speziell für den Weltfrauentag erstellten Gedichte oder Beiträge.
Aber lasst uns bitte einen Moment nehmen, um an die vielen tollen Frauen da draußen zu denken. Welche Frau kommt euch als erstes in den Sinn?
Und welche drei folgen? Welche Frauen findet ihr inspirierend und warum?
Teilt es mir gern hier in den Kommentaren mit.

So, und nun setzt euch bitte, wir müssen reden.
Machen wir uns nichts vor, einfach Mensch zu sein ist schon nicht immer leicht.
Aber dann schaffen wir es als Gesellschaft tatsächlich auch noch, es für gewisse Gruppen schwieriger zu machen als es eh schon ist.
Das kann man nun auf Nationalitäten, Religion, Aussehen, Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder Geschlecht beziehen und sicherlich noch auf viele andere Attribute, denn irgendwer findet sich immer, dem man es schwer(er) machen kann.
Aber da zuletzt der Weltfrauentag war, bleiben wir bei ebendieser Gruppe: Frauen und Menschen, die sich als solche empfinden und identifizieren.
Ich denke nicht, dass ich all die Hürden, vor denen Frauen stehen explizit benennen muss, aber es bewegt sich sicherlich vieles im Rahmen von durch die Medien proklamierten Schönheitsidealen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ungleichem Lohn für gleiche Arbeit und generell gesellschaftliche Ansprüche, die geschlechterspezifisch gestellt werden. Die Liste ist lang.

Ich allein werde das nicht ändern können. Ihr auch nicht.
Aber Teresa von Avila, ebenfalls eine Frau, sagte mal “Wenn viele kleine Menschen viele kleine Dinge tun, wird sich das Antlitz der Welt verändern.”
Und ich denke, wenn ein jeder da anfängt, wo er gerade ist, das nutzt, was er zur Verfügung hat und tut, was er kann, dann bewegt sich etwas.
Aber was bedeutet das konkret oder kann es konkret bedeuten?
Ein Patentrezept oder die Lösung oder den Weg habe ich sicher nicht, aber ich habe ein paar Vorschläge.

Wie wäre es, wenn wir bei einem Spaziergang oder am Abend auf dem Sofa unsere Vorstellungen von Mann und Frau deren Rollen in der Gesellschaft sowie im Privatbereich reflektieren?
Frei nach dem Motto “Heut mach ich mir kein Abendbrot, heut mach ich mir Gedanken.” (Wolfgang Neuss)

Ist es denn fair, wenn ich von meiner Mutter, Schwester, Partnerin, Kollegin erwarte, dass sie alle Rollen, die die Gesellschaft ihr bietet nicht nur ausfüllt, sondern auch noch dabei glänzt?
Ist es denn fair, wenn ich einer Karrierefrau abspreche gleichzeitig eine gute Mutter sein zu können? Ist es denn fair, wenn ich einer Hausfrau und Mutter abspreche Geschäftssinn zu haben?
Ist es denn fair, wenn ich von meinem Vater, Bruder, Partner, Kollegen nicht erwarte, dass er alle gesellschaftlich möglichen Rollen ausfüllt, und glänzen muss er dabei auch nicht?
Ist es denn fair, wenn ich einem Geschäftsmann nicht abspreche ein guter Vater zu sein und selbst wenn, er ist ja auch auf die Arbeit konzentriert?
Ist es denn fair, wenn ich einem Mann, der mit den Kindern zu Hause bleibt anstatt zu arbeiten seine Männlichkeit abspreche und ihn belächle?

Nein. Ist es nicht.

Reflektieren ist sicherlich der erste Schritt, und Erkenntnis soll ja bekanntermaßen Dinge bewirken und bewegen. Und dann?
Alternative Wege denken. Dann gehen.
Wie wäre es, wenn wir damit anfingen etwas nachsichtiger mit der Kollegin zu sein, die schon seit einer Woche zerzaust und wie hinterm Sofa hervorgezogen zur Arbeit erscheint, weil sie sich ihren hübschen, allerdings mittlerweile wenig trainierten, Allerwertesten ausrenkt, um zwei kleine – momentan zahnende und fiebernde – Kinder, ihren Beruf und ihr soziales Leben und ihre eigenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen? Kocht ihr doch mal n Kaffee und bringt ihr was zu essen mit und sagt ihr, dass sie klasse ist.
Wie wäre es, wenn wir dem Hausmann sagen, dass es gerade aufgrund der gesellschaftlichen Klischees ein wagemutiger Schritt war, die Arbeit niederzulegen und sich um die Kinder zu kümmern? Wenn wir ihn fragen, wie er sich fühlt, warum er es überhaupt tat und ob er seine Frau nun als weniger weiblich und sich selbst als weniger männlich empfindet? Und wenn wir ihm sagten, dass auch er klasse ist?

Das war die nette, seichte Variante. Kommen wir zum etwas kräftigeren Vorgehen.
Jemandem sagen, wenn er den Arsch offen hat.
Ist es denn fair, wenn wir frustriertes Schubsen und ungefragtes Anfassen erst mit “Jungs sind halt Jungs” und später mit “Ein Mann bleibt ein Mann” abtun?
Ist es denn fair, wenn wir uns von unserem direkten Umfeld wieder und wieder anhören, wie wir unser Leben zu leben haben und nach welcher Definition von Männlich- oder Weiblichkeit wir uns zu richten haben?
Ist es denn fair, wenn wir die Verantwortung für unser Handeln abgeben und auf das in der gesellschaftlich proklamierte Weltbild abwälzen?

Nein. Ist es nicht.
Und nun?

Wie wäre es, wenn wir damit anfingen, unseren Kindern beizubringen, dass sie alles sein und erreichen können, was sie wollen, ungeachtet ihren Geschlechts? Wie wäre es, wenn wir ihnen beibrächten, dass es okay ist, wenn auch der Junge mit Puppen spielen möchte und dass “Aber sie ist ein Mädchen!” kein Grund dafür ist, dass die Schwester vom Fussballspiel ausgeschlossen wird?
Wie wäre es, wenn wir unseren Tanten und Onkeln, die uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit – und Geburtstage sowie besonders Hochzeiten im weiteren Familienkreis bieten sich ja förmlich dazu an – mit entweder vorwurfs- oder mitleidsvollem Blick ansehen, weil wir ohne Partner, Ring am Finger oder dergleichen erscheinen und wir entweder “bestimmt noch eine Frau finden werden” oder “der richtige bestimmt noch auf uns wartet”, wir uns aber ja ruhig mal etwas ins Zeug legen könnten, denn “jünger werden wir ja nicht, ne” einfach mal sagen würden “Ich hab dich furchtbar lieb, aber kehr vor deiner eigenen Tür!”. Wer eine Stufe weitergehen möchte, weil er die Nase so richtig voll hat, könnte natürlich auch aufstehen und sich zu einer 20-minütigen Rede, oder auch Wuttirade, hinreißen lassen, damit es auch der letzte Gast versteht, aber das bleibt einem jeden selbst überlassen.
Wie wäre es, wenn wir uns selbst nicht hinter “Dafür bin ich nicht zuständig, das macht mein Mann” oder “Ja, aber das ist die Aufgabe meiner Frau” versteckten, sondern aktiv unser Verständnis von Männlich- und Weiblichkeit und den damit verbundenen oder auch losgelösten Aufgaben, Hindernissen, Einstellungen, Herausforderungen und Chancen beschäftigten?
Wie wäre es, wenn wir Verantwortung für unser Handeln übernähmen, was schon damit beginnt zu reflektieren und zu schauen, was man anders machen kann?
Wie wäre es, wenn wir Verantwortung auch in unseren sozialen Konstrukten übernähmen und beispielsweise gewisse Plattitüden und Ausreden nicht mehr akzeptierten?
Wenn wir unserem Gegenüber sagen würden, dass die und die Handlung oder das und das Gesagte scheiße war?

Ihr seht, es gibt sicherlich zahlreiche Möglichkeiten irgendwie und irgendwo anzusetzen, um etwas zu verändern.
Aber zum einen nähme das nun wirklich zu viel Platz in Anspruch und so viel liest dann sicherlich doch niemand, zum anderen beginnt Veränderung und Wachstum bei jedem selbst.

Dennoch denke ich, wenn ein jeder bei sich anfängt und tut, was er kann, dass es Auswirkungen haben wird.
Es heißt doch immer so schön “Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst”.
2020 ist eine neue Dekade. Es ist Zeit, die Zitate nicht mehr nur zu teilen, sondern aktiv mit ihnen zu arbeiten.
Niemand ist perfekt, es wird nicht alles (sofort) gelingen.
Versuch impliziert, dass man scheitern kann. Aber nicht muss 😉

Falls ihr meine letzten Beiträge, die sich ebenfalls mit dem Verhältnis zwischen Mann und Frau beschäftigen, noch nicht gelesen habt, schaut auf dem Balkon vorbei.
Achtung, Kraftausdrücke und Schimpfwörter kommen drin vor 😉

Cheers my dears, passt auf euch auf

xx

PS: Falls noch nicht geschehen, meldet euch gern für meinen Newsletter an und ich halte euch auf dem Laufenden bezüglich der neuesten Blogposts, meines neuen Buches und Angeboten und Events.

#socialsaturday: Rückblick, Rückzug & Raum für Neues

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#socialsaturday: Rückblick, Rückzug & Raum für Neues

Hey, meine Lieben,

ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich 2019 Revue passieren lasse, denke ich Wow, was ein Jahr!
Es gab Zeiten, da hab ich mir eine Liste mit Vorsätzen für das neue Jahr gemacht, nachdem ich das alte habe nochmal Revue passieren lassen.
Was im Endeffekt nur dazu führte, dass ich das neue Jahr direkt mit zusätzlichem Druck gestartet habe, anstatt ihn loszulassen.
Deswegen bin ich irgendwann dazu übergegangen, Wünsche und Visionen für das nächste Jahr zu formulieren und diese vor meinem inneren Auge zu visualisieren.

Aber zunächst erweise ich dem vergangenen, zum Ende kommenden Jahr die Ehre, die ihm gebührt und denke nach und reflektiere.
Fasse nochmal alles zusammen, gehe nochmal durch die Höhen und Tiefen und schaue, was ich gelernt habe und was noch zu lernen bleibt.
Erst dann geh ich zum Visualisieren für das nächste Jahr über.
Ohne Druck.

Für manche ist es der nächste große Karrieresprung, für manche ist es Familie gründen und Haus bauen, für wieder andere ist es mehr Sport machen, Mama öfter anrufen und für sehr viele ist es, mehr Zeit für sich zu nehmen.
Und das ist genau das, wozu ich mich als Übergang vom alten ins neue Jahr entschlossen habe.
Deswegen werde ich den Jahreswechsel an einem Ort verbringen, den ich unbeschreiblich liebe: Am Meer.
Nur ich und ein paar salzige Spritzer des kalten Nordseewassers, um wegzuwaschen, was weggewaschen gehört und den Weg für ein neues Jahr zu kehren.

Ich hab keine Ahnung, wie es sich anfühlen wird, vielleicht find ich’s blöd, vielleicht find ich’s klasse.
Aber heutzutage reden auf allen Social-Media-Kanälen so viele von Selbstliebe und sogar Felix Jaehn singt davon die Love erstmal on sich selbst zu putten, dass ich mich gefragt hab, warum nicht alleine reisen und das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres mit der Person verbringen und feiern, die immer da war, da ist, da sein wird? Immer, den ganzen Tag, jeden Tag.
Sie an der Hand nehmen, ihr zuhören, die Wünsche, Träume, Hoffnungen, das was gebraucht wird, die Sehnsüchte, Gedanken, alles. Und ihr versprechen, dass man sie in alledem unterstützen wird.

Manche sagen, es sei mutig. Andere sagen, sie könnten das nie.
Wisst ihr was? Ich glaube, dass ihr es könnt. Wenn ihr es wirklich wollt.
Ich glaube, wenn ihr das “kann nicht” beiseite schiebt, dann seid ihr wirklich erstaunt, wie sehr ihr könnt, wie groß euer Potential ist, wie fähig ihr seid.

Und seien wir mal ehrlich: Es ist so einfach, heutzutage alleine und doch nicht alleine zu sein, einfach, indem man ständig auf sein Handy schaut.
Und es ist auch einfach “allein zu reisen”, wenn man im Endeffekt nur alleine reist, aber an einen Ort, an dem man jemanden kennt.
Wenn ich davon spreche allein zu reisen, meine ich tatsächlich an einen Ort zu reisen, an dem ihr für euch seid, mit euch selbst.
Natürlich sollt ihr euer Telefon nicht direkt wegschmeißen, bitte informiert jemanden, dass ihr gut und sicher angekommen seid! Aber vielleicht könnt ihr die Zeit am Handy reduzieren und nur zu bestimmten Zeiten erreichbar sein oder wenn ihr meint unbedingt diesen tollen Sonnenuntergang teilen zu müssen, dann tut das, aber wisst ihr was? Eure Story bleibt 24 Stunden bestehen, daher ist es vollkommen in Ordnung, die ganzen Likes und Kommentare erst nach 18 Stunden durchzugucken und darauf zu reagieren.
Das ist okay.

Wie wollt ihr Zeit für euch finden, wenn ständig jemand die Tür aufreisst und euch zuquatscht?! Und das auch noch mit Einladung, weil ihr quasi virtuell ein Schild an die Tür gehangen habt mit der Aufschrift “Kommt ruhig rein, ihr müsst noch nicht mal klopfen!” ?!
Ich red nicht von “Digital Detox”, aber ich rede auch nicht von “Zeit für sich”, die dann im Endeffekt aus 100 Selfies und 10 Essensbildern pro Tag besteht.
Ich denke, ihr versteht mich.

Alles, was ich sagen will ist: Es liegt Schönheit im Alleinsein.
Und bitte, alleine heißt nicht einsam, okay!
Und selbst wenn, wisst ihr was? Einsamkeit auszuhalten und zu ertragen, kann auch Stärke bedeuten.
Etwas beruhigendes im Alleinsein, in der Einsamkeit zu finden oder auch aus purer Katharsis in Tränen auszubrechen, kann euch viel über euch selbst lehren.
Ich weiß, ich weiß, ich sorge nicht grad dafür, dass alleine reisen attraktiv wirkt, oder? Tut mir leid.
Aber glaubt mir, das ist es!

In einer hektischen Welt wie der heutigen, in der “Ich bin beschäftigt”, “Ich hab zu tun”, “Ich habe keine Zeit” die am meisten gesagten Sätze zu sein scheinen, ist es wichtig sich daran zu erinnern, dass wir nie Zeit haben werden, außer wir nehmen sie uns.
Und wenn diese “Zeit für sich” ihrem Namen entsprechen und ihren Sinn erfüllen soll, dann sollten wir uns auch diese Zeit für uns nehmen.
Mit uns selbst Hand in Hand spazieren, mit uns reden, uns zuhören und all das in die Arme schließen, was wir eventuell vorfinden. Ja, das Schöne, das Hässliche, das Unperfekte, die Sehnsüchte, Wünsche, Träume, Hoffnungen, die Macken, die Eigenarten, das Wollen, das Verlangen, die Motivation, den Ehrgeiz, den Schmerz, die Freude, den Spaß, das Bekloppte. Alles.
Denn wir sind alle mehr als ein Adjektiv.
Und was wir alles sind, werden wir nie herausfinden, wenn wir uns nicht endlich die Zeit nehmen, die wir ja nie haben.

Was immer ihr euch für den Jahreswechsel vorgenommen habt, ich hoffe, ihr nehmt euch etwas Zeit, um über 2019 zu reflektieren und eure Wünsche für 2020 gen Himmel zu schicken ohne euch selbst unter Druck zu setzen und dass ihr sicher und gesund in der neuen Dekade ankommt, die so viel zu bieten hat.

Auf bald, meine Lieben.

ganz viel Liebe

xx

#writerswednesday: Inspirationen, Musen und Impulse

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#writerswednesday: inspirationen, musen und impulse

Hey, meine Lieben,

eine der Fragen, die mir oft gestellt werden, ist folgende:
“Was inspiriert dich?”
oder auch
“Wo findest du Inspiration, wenn du dich absolut nicht kreativ fühlst?”

Dem Klischee folgend, müsste ich nun sagen: Ich finde in allem Inspiration, die Welt ist voller Wunder, wenn du nur die Augen öffnest.

Und auch wenn da eine tiefe Wahrheit drin liegt, bin ich nicht klischeehaft genug, um es einfach so, ohne weitere Informationen dabei zu belassen.
Außerdem denke ich, dass es an der Zeit ist, denjenigen Wertschätzung entgegenzubringen, die die Inspiration entzünden, die mich zum Schreiben bringt.

Also ja, dieses Leben, diese Welt bietet allerhand, aus dem man Inspiration ziehen kann, angefangen von einem frischen Wind am Morgen, der Gerüche mit sich trägt, die das Gedächtnis bewegen und dafür sorgen, dass man an einen bestimmten Menschen oder Moment aus seiner Kindheit denkt, worüber man dann reflektiert. Die Katze, die elegant aufs Sofa springt und die man beobachtet und von der man lernt. Es kann das Wetter sein, eine Blume, die Nachrichten, etwas, was man sieht, hört, berührt oder mit einem oder vielen seiner Sinne wahrnimmt.
Die Liste würde tatsächlich seeeeehr seeehr lang werden und das menschliche Gehirn ist komplex genug, um dafür zu sorgen, dass man oftmals gar nicht mehr so genau weiß, woher denn nun dieser inspirierende Impuls kam, wisst ihr.
Aber manchmal kann man auch sehr genau bestimmen, woher die Inspiration kam.
Und ich würde sagen, es gibt bestimmte Aspekte, die in mehr oder minder regelmäßigen Abständen die kreativen Ecken des Gehirns durchströmen.
Unter anderem:
* Menschen
* aufgeschnappte Gespräche und Gesprächsfetzen
* Emotionen
* Umgebungen
* gesellschaftliche Beobachtungen

Gehen wir der Reihe nach vor: Menschen

Es gibt Menschen, die mit ihrer Weltanschauung, Einstellung, ihrer physischen Präsenz und ihrer Aura einfach dafür sorgen, dass man abrupt alles stehen und liegen lässt, was man gerade tut und die einen in eine Sphäre voller Ideen und Kreativität ziehen. Man will einfach nur zuhören, beobachten, ja man will sie einatmen, ein Stück davon sich einverleiben, diese Energie verschlingen.
Es gibt diese Ansicht, Kreative seien wie Vampire, die die kreative Energie aus ihrer Umgebung und den Menschen saugen.
Oder diese Pullis mit dem Aufdruck “Vorsicht, du könntest in meinem Roman landen” (Ich gestehe: Ich wollte immer einen davon haben, haha)
Und es ist tatsächlich nicht zu weit hergeholt, dass wir oft aus dem Zusammentreffen und dem Austausch mit anderen Inspiration ziehen.
Was mir an dieser Vampir-Idee missfällt, ist der Eindruck, dass wir die anderen etwas berauben würden, ihnen etwas wegnehmen würden. Also ja, tun wir, irgendwie, aber ich persönlich versuche zu vermeiden, einen leeren Tisch zu hinterlassen. Deswegen bemühe ich mich immer sicherzustellen, dass ich genügend selbst mitbringe, damit es ein fruchtvoller und beidseitig inspirierender Austausch für beide Parteien wird.
Ich möchte diesen Moment hier gern nutzen, um meine Dankbarkeit gegenüber den Menschen auszudrücken, die ich treffen durfte und die meine Gedanken und mein Gemüt bewegt haben, mich zum Nachdenken brachten und dafür sorgten, dass ich in kreativer Ekstase explodierte.
Ich bin dankbar und ich will, dass ihr wisst, dass ihr etwas besonderes seid.

Kleiner Exkurs:
Oftmals gibt es zwei Typen von Menschen: Diejenigen, die denken, dass das, was sie mit an den Tisch bringen niemals für eine Inspiration reichen würde. Und jene, die denken, sie seien so inspirierend, dass man bereits ein komplettes Buch für sie verfasst haben müsse.
Lasst mich euch was sagen: An diejenigen, die denken, es reiche nicht: Wenn ein Künstler euch ein Gedicht, einen Text, ein Bild sendet, das ihr inspiriert habt oder was durch eine Interaktion mit euch erst den nötigen Zündstoff bekommen hat, wertet es nicht als Kompliment. Wertet es als Ausdruck der Wahrheit, dass ihr besonders seid, dass ihr inspiriert und dass ihr vermutlich mehr Kraft in euch tragt als euch gerade bewusst ist.
An jene, die denken, sie verströmten so viele großartige Impulse: Wenn ihr die Werke eines Künstlers, den ihr getroffen habt, anschaut, hört doch bitte auf euch ständig in jedes winzige Detail selbst hineinzulesen und für euch zu beanspruchen, ja? Das führt nur zu Frustration, wenn sich herausstellt, dass nicht ihr sondern jemand anders es war, der den Künstler zu diesem Werk inspirierte. Und wenn ihr jemals einen Künstler inspiriert, dann seid euch bitte bewusst, dass das etwas besonderes ist.
Tut mir leid, wenn ich das hier mal kurz anführen musste, aber manchmal macht mich diese Arroganz wahnsinnig. Außerdem tut sich dadurch auch eine weitere Frage auf:
Würdet ihr auch ein Werk für euch beanspruchen, wenn es hässlich, roh, rau, gemein und schmerzhaft ist?
Jeder will die Blumen und die bezaubernden Blüten der Schönheit, aber wisst ihr was? Selbst wenn ihr ein kritisches, gemeines Gedicht voller Schmerz lest, das ihr inspiriert habt, dann ist es immer noch etwas besonderes, vielleicht eine Ehre, weil ihr die Gefühle des Künstlers so sehr berühren konntet, dass er darüber geschrieben hat.
(Ich weiß, klingt seltsam, aber nehmt euch mal einen Moment Zeit, um darüber zu reflektieren)

Zurück zur Dankbarkeit: Gibt es bestimmte Menschen, zu denen man immer gehen und sicher sein kann, dass man mit neuen Ideen nach Hause geht?
Ja und Nein.
Es gibt Leute, die die Tendenz haben, einen wieder und wieder zu inspirieren. Das sind die Menschen, die ich Muse nennen würde. Und ich bin mehr als dankbar, dass ich die Chance hatte, solche Menschen zu treffen.
Nicht viele, einen bestimmten, aber es ist ein sehr wertvoller Schatz, den ich besonders schätze.
Aber ich käme nicht auf die Idee, diese Person für den reinen Zweck der Inspiration auszunutzen.
Entweder kommt es natürlich oder eben nicht.
Zumindest ist das meine Einstellung dazu. Und es hat auch mit der Verbindung zur Muse zu tun, dass man sie schätzt und respektiert, indem man sie nicht ausquetscht wie eine Zitrone.

Bedeutet das nun, dass wenn enge Freunde von mir mich nicht zu einem Gedicht oder Text inspirieren, ich sie weniger liebe?
Ganz klar: Ja, natürlich! Wozu sind sie gut, wenn sie keine Eingebungen liefern?!
Ich mache selbstverständlich nur Spaß. Natürlich sagt die Anzahl an Gedichten, die ich für, über oder an euch schreibe etwas über unsere Verbindung aus, aber es sagt nicht unbedingt etwas über die Intensität der Liebe, die ich für euch oder andere empfinde, aus.
Es gibt Millionen Gründe und Milliarden Arten jemanden zu lieben, und ja, es ist eine spezielle Verbindung, die man mit seiner Muse hat, aber nichts davon “stiehlt” die Liebe aus meinem Herzen für Leute, für die ich noch nie etwas geschrieben habe.
So wie man sagt “Die Schönheit einer anderen Frau, nimmt dir nicht deine weg” oder wie auch immer dieser Spruch im Original exakt heißt, so ist es auch mit der Inspiration.
Es gibt also keinen Grund, sich in einem Wettbewerb zu ereifern oder sich mit anderen Leute, die Werke inspiriert haben, zu vergleichen.
Da werden Prozesse in Gang gesetzt, die der Künstler selbst manchmal gar nicht im Detail beschreiben kann. Es ist. Einfach so. Es ist.
Nichtsdestotrotz sollte man es nicht als selbstverständlich hinnehmen, wenn einem ein Werk gewidmet wird, auf der anderen Seite sollte man es ebenfalls nicht persönlich nehmen, wenn es nur eins oder kein Werk gibt, das man selbst inspiriert hat.
Das bedeutet nicht, dass ihr keine Bedeutung habt und vor allem bedeutet es nicht, dass ihr nicht geliebt seid.

Es gibt diese Aussage, man kann von jedem lernen, zur Not wie man nicht sein oder es nicht machen will.
Dementsprechend kann Inspiration sowohl aus den “positiven” als auch den “negativen” Erlebnissen und Begegnungen gezogen werden.
Aber oftmals bevorzugen wir natürlich das gute und positive Gefühl des Wortes Inspiration, als dass wir die Möglichkeit in Erwägung ziehen wollen, dass Momente und Menschen, die uns nicht ein Gefühl von einem Leben voller honigsüßer Milch vermitteln, ebenfalls zu Kreativität führen können.
Aber lasst mich euch was verraten: De Profundis von Oscar Wilde wäre niemals geschrieben worden, wäre er nicht von jemandem, den er geliebt und als Partner betrachtet hat, verraten und verkauft worden.
Heißt das nun, dass wir Leiden und Schmerz suchen sollten, um ein großartiger Künstler wie Oscar zu werden?
Naja, wir könnten darüber diskutieren und ich hab dazu echt viele Gedanken, aber ich denke dazu eignet sich ein separater Post oder ein anderes Format besser.
Wollt ihr darüber reden? Also meine Antwort ist ja.

Damit dieser Post nun aber nicht zu lang wird, empfehle ich euch, mich auf meinem Balkon zu besuchen, damit wir da dieses Gespräch fortführen können.
Ich sag Bescheid, wenn der Gedankenwust dort seinen Ausdruck findet.

Wie seht ihr das? Was ist eure Meinung?
Was inspiriert euch? Was inspiriert euch an Menschen?
Könnt ihr es wirklich auf den Punkt bringen und an bestimmten Charakterzügen, Ausdrücken und Bewegungen festmachen, was euch inspiriert?
Teilt eure Gedanken mit mir in den Kommentaren.

Auf bald, meine Lieben

xx

#socialsaturday: Trivialgesellschaft

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#socialsaturday: Trivialgesellschaft

Hey meine Lieben,

die eigentliche Idee für den Titel des heutigen Posts war “Warum wollen wir, dass alle wollen, was wir wollen?”. Aber das empfand ich dann doch als zu lang. Und zu verwirrend.
Aber mal ernsthaft: Warum tun wir das?
Okay, okay, ich sehe wir müssen hier etwas Struktur reinbringen, sonst verlaufen wir uns in hundert Themen.
Also gebt mir einen Moment. Und n Schluck Kaffee.

Okay, also zurück zum Thema.
Was unterscheidet uns Menschen von den Tieren?
Also mal abgesehen von regelmäßigem Haarschnitt, Kleidung, Make-up und der Tatsache, dass wir duschen oder ein heißes Bad nehmen und uns nicht wie eine Katze sauber lecken.
Naja, viele Philosophen würden argumentieren: Vernunft und Sprache.
Homo logos und so, wisst ihr.
Lasst uns hier bitte kurz innehalten.
Vernunft. Also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in letzter Zeit habe ich definitiv zu viele Menschen zu viele Dinge machen sehen, die für mich persönlich keineswegs unter die Kategorie “vernünftig” fallen.
Sowas wie Müll auf die Straße zu werfen, obwohl der Mülleimer keine 2m entfernt ist. Klingt das vernünftig?
Oder den Kinderwagen so in den Bus zu stellen, dass niemand mehr durchkommt, während der Busfahrer die Fahrgäste anschreit, sie sollen weiter nach hinten durchgehen und dann die Leute, die höflich fragen, ob es möglich sei vorbeizugehen, noch anpflaumen. Klingt das vernünftig?
Andersherum: Wie bekloppt ins Fitnessstudio zu rennen und den Bizeps zu trainieren, damit alle Frauen dahinschmelzen und ihn anfassen wollen, aber dann eine Mutter mit Kleinkind und Kinderwagen am Bahnhof sehen und ihr nicht helfen das schwere Teil die Treppe hinauf zu bugsieren, klingt das vernünftig?
Ihr versteht, denke ich, worauf ich hinaus will.
(Im Übrigen schließe ich mich selbst dabei nicht aus: Es gibt zahllose Momente in denen ich mir gedacht habe oder denke “Gina, ernsthaft, hast du irgendwo noch ein Fünkchen Logik und Vernunft in deinem Kopf oder schleppst du den nur mit dir rum, damit er auf Portraits gut aussieht? Reiß dich bitte mal zusammen!”)

Sprache. Lasst uns zunächst eine sehr simple, aber dennoch enorm wichtige Frage stellen:
Wofür ist sie gut?
Dient sie nur dazu, dass ich Dinge benennen, definieren und mir selbst erklären kann?
Das Schlüsselwort hier ist Kommunikation. Und diese wiederum bezieht sich (zumindest laut der Quellen, die ich für diesen Blogpost bemüht habe), auf das Senden, Empfangen und Austauschen von Informationen. (oder Dingen)
Also Senden und Empfangen bezieht sich doch eigentlich auf zwei oder mehr Personen, oder?
(Okay, bitte verurteilt niemanden, der dieses menschliche Werkzeug dazu nutzt mit sich selbst zu sprechen, okay? Wenn ihr das tut, dann erklärt ihr euch im Grunde ja auch nur eure eigenen Gedanken nochmal und das ist meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung. Keine Sorge.)
Aber wann und warum ist aus Kommunikation plötzlich ein Verhältnis geworden, das einem Theaterstück gleicht: Ein Gesprächspartner benutzt den anderen als Bühne, auf der er sich selbst und seine Lebenserzählung darstellt?
Ich mein, wo ist der Austausch?
Glaubt mir meine Lieben, ich pendle eindeutig zu oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln und wenn man auch nur ein Mal die Ohrstöpsel vergisst, bekommt man eindeutig mehr mit als man möchte. Aber immerhin gibt das Impulse für den Blog, hm?
Aber spielt dieses Spiel mal. Das nächste Mal, wenn ihr irgendwo seid, hört Menschen, die sich im Gespräch befinden, mal zu. Also für eine Weile.
Ist das Austausch? Oder ist es eher so, dass einer von sich erzählt und in Szene setzt und dann ist der nächste in der Runde dran?
Beobachtet mal.

Kommen wir zum Teil mit dem Wollen.
Vernunft und Sprache fließen auch hier mit ein, nur falls ihr euch gerade wundern solltet, weshalb ich vorher so viel davon erzählt habe.
Nehmen wir zunächst mal ein paar Beispiele für nicht unübliche Gespräche, okay?

Situation 1: Zwei Schüler haben gerade ihren Abschluss gemacht.
A: Und was wirst du studieren?
B: Ich will nicht studieren.
A: Was?!
B: Ich möchte eine Ausbildung machen.
A: Ah.

Situation 2: Ein Student (B), der von Minijobs und einem Kredit lebt und ein Auszubildender (A), der gegen Ende seiner Ausbildung schon “richtiges” Geld verdient, unterhalten sich.
A: Und wann ziehst du von Zuhause aus?
B: Also ich überlege nach meinem Abschluss noch einen weiteren zu machen.
A: Also willst du ausziehen, wenn du was bist, 28?!

Situation 3: Eine verlobte oder verheiratete Frau, die grad im Begriff der Familienplanung ist (A) und eine Frau, die auf ihre Karriere fokussiert ist (B), unterhalten sich.
A: Und wann heiratest du?
B: Hm?
A: Na, wann wirst du heiraten und Kinder kriegen?
B: Ehm, keine Ahnung?!
A: Wir werden alle nicht jünger, Schätzchen, hm?

Warum wollen wir, dass alle wollen, was wir wollen?
Und diese Annahme wäre ja noch nicht mal sowas von tragisch.
Das Schlimmere ist das, was oftmals folgt:
Die Verurteilung.
Als wenn unsere Version vom Leben die einzig wahre wäre.

Wenn dein größter Wunsch ist zu studieren und du die Möglichkeit hast, das zu tun, schätze es!
Es gibt genügend Leute, die dies gern tun würden, aber keinen Zugang zu Bildung, ganz zu schweigen von höherer Bildung, haben.
Und wenn deine Freunde beschließen, dass ein Studium nichts für sie ist, beglückwünsche sie zu ihrer Entscheidung und wünsche ihnen alles Gute!

Wenn das, was du als erstrebenswert empfindest, beinhaltet so früh wie möglich von Zuhause auszuziehen und eigene Wohnung zu haben und du die Chance dazu hast, schätze es!
Vielleicht würden deine studierenden Freunde auch gern eine eigene Wohnung haben, aber müssen ihre Prioritäten setzen: Weiterer Abschluss oder eigene Wohnung?
Für wen halten wir uns denn, Menschen zu sagen, ihre Entscheidung sei falsch, nur weil wir eine andere getroffen hätten?

Wenn deine Vision von einem erstrebenswerten und glücklichen Leben Heirat und Kinder beinhaltet und du den richtigen Partner gefunden hast und körperlich dazu in der Lage bist, gesunde Kinder zur Welt zu bringen, dann schätze es!
Und wenn du Erfüllung darin findest und dir denkst “Wow, nun weiß ich, wozu ich hier bin!”, dann ist das großartig, aber das bedeutet nicht, dass du das Recht hast, anderen Frauen zu sagen, dass sie bevor sie Kinder haben ihren Lebenszweck auf Erden nicht gefunden haben. Ist doch eine etwas krasse Behauptung, oder?
Und selbst, wenn sie einfach nicht wollen oder nicht den Partner finden, mit dem sie es gerne würden, wer sind wir denn, die Prioritätenliste eines anderen zu verurteilen?

Ich sag euch was:
Eines Tages stehen wir alle vor einem großen Urteil. Aber das ist weiß Gott nicht unsere Aufgabe!
Für wen halten wir uns, anderen Leuten zu sagen, welche Lebensgeschichten valide sind und welche nicht?
Und wann sind wir so vermessen und arrogant geworden davon auszugehen, dass unsere Entscheidungen die einzig richtigen sind?
Wann haben wir vergessen, uns einen freien Geist und ein offenes Herz zu bewahren und die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten?
Wann haben wir vergessen zu kommunizieren?

Und nun etwas zu vernünftiger Kommunikation.
Warum hören wir nicht zu? Warum portraitieren wir unser Leben zunehmend virtuell und mittlerweile auch analog so, als sei es das beste Theaterstück, das jemals geschrieben worden sei und alle anderen Erzählungen seien damit null und nichtig?
Wie wäre es, wenn wir die Erzählung etwas ändern?

Situation 1:
A: Möchtest du studieren oder eine Ausbildung machen?

Situation 2:
A: Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?

Situation 3:
A: Willst du eines Tages heiraten und Kinder kriegen?

Von der Grammatik her sind die meisten Ja-oder-Nein-Fragen oder Fragen, die nicht schon eine Antwort suggerieren, offener und bieten damit mehr Platz für wahre Kommunikation, für Austausch.
Seid offen, seid interessiert, hört zu.
Und zum Willen und Zwecke einer offeneren, weniger oberflächlichen Gesellschaft: Verurteilt nicht!
Bitte.

Wie wäre es, wenn wir anfingen richtig coole und interessante Fragen zu stellen?
Sowas wie:
Wie geht es dir?
Was macht dich glücklich?
Was ist dein Lieblingsessen?

Ich könnte noch ewig zu diesem Thema weiterschreiben, aber ich belasse es nun hierbei. Vorerst.
Wie immer, kommentiert gern hier oder sendet mir eine E-Mail oder besucht mich auf Facebook und Instagram.

Bis dann, meine Lieben.

xxx
Gina.

Warum Lektoren wichtig sind

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Und mit Lektor meine ich die Leute, die nochmal alles Korrekturlesen, bevor es raus in die Öffentlichkeit geht.

Aber fangen wir vorne an.
Wir sind soziale Wesen und unsere Interaktion miteinander beruht auf Kommunikation, sei diese nun verbal oder non-verbal. “Man kann nicht nicht kommunizieren”, wie Paul Watzlawick schon sagte.
Und natürlich wissen wir, dass es verschiedene Absichten und Ziele gibt, wenn wir kommunizieren, oder zumindest lernt man das, wenn man Sprache und Literatur studiert.
Ich will nicht unbedingt in die Details von Friedemann Schulz von Thuns Modell der “vier Seiten einer Nachricht” eingehen, in dem er erklärt, dass eine Nachricht einen informativen, einen appellativen, einen selbstoffenbarenden Inhalt hat und etwas über die Beziehung der beiden Gesprächspartner preisgibt. Wenn euch weitergehende Details interessieren, findet ihr hier mehr.
Aber einigen wir uns aus argumentatorischen Gründen hierauf:
Eine Nachricht kann informativ, appellativ, überredend oder überzeugend sein.
Wenn wir nun also über Business-Kommunikation reden, sagen wir mal, ihr wollt ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen, aber auch in privaten Konversationen, nehmen wir mal an, ihr wollt jemanden von eurem Argument überzeugen, denke ich, können wir uns darauf einigen, dass all diese Kommunikationskanäle eines gemeinsam haben: einen Zweck.
Aber was ist dieser Zweck? Dieses Ziel?
Wenn eure Nachricht informativ ist, hat sie den simplen Zweck ebendiese Information weiterzugeben, ihr wollt uns mit dieser Information füttern.
Wenn eure Nachricht appellativ ist, dann wollt ihr, dass wir auf diesen Appell reagieren, richtig?
Wenn eure Nachricht überredend oder überzeugend ist, dann wollt ihr, dass wir euch zustimmen.
Was nun all diese Beispiele gemeinsam haben, ist nicht nur, dass sie alle einen Zweck haben, sondern auch, dass sie alle den gleichen Zweck haben: Ihr wollt in uns eine REAKTION hervorrufen.
Aber was passiert, wenn eure Kommunikation schiefläuft?
Naja, im besten Fall: nichts.
Im schlimmsten Fall generiert ihr eine Reaktion in uns, die ihr nicht haben wolltet, zum Beispiel gebt ihr uns eine Information, die wir nicht brauchen, nicht verarbeiten können oder die wir weder fähig noch gewillt sind, herunterzuschlucken.
Oder euer Appell war darauf ausgelegt eine verbale (“Sag was!”) oder eine non-verbale (“Tu was!”) Reaktion hervorzurufen. Wenn eure Kommunikation misslingt, dann sagen wir weder etwas, noch tun wir etwas, im besten Fall. Im schlimmsten Fall sagen wir das, was ihr nicht hören wolltet oder tun genau das entgegengesetzte zu dem, was ihr eigentlich wolltet.
Oder aber eure überzeugende oder überredende Kommunikation geht daneben und wir widersprechen euch anstatt euch zuzustimmen.
So oder so, im Prinzip generiert ihr ein “Nein”, wo ihr eigentlich ein “Ja” haben wolltet, ganz simpel gesprochen.

Nette Rede, Miss Laventura, aber was hat das mit Lektoren zu tun?!
Lektoren sind – im besten Falle – Sprachliebhaber. Oder zumindest kennen sie ihr Werkzeug und wissen damit umzugehen.
Ihr Werkzeug? Wörter.

So, nächste Lektion:
Ihr denkt vielleicht, dass unser Denken unsere Sprache beeinflusst, richtig?
Korrekt. Aber das funktioniert genauso andersherum und das ist ein Aspekt, den viele Leute leider übersehen.
Lasst mich euch einige Beispiele vorstellen: Die Inuit haben angeblich zweihundert – 200 !!! – verschiedene Wörter für Schnee. Wie viele habt ihr? Aber warum? Vermutlich, weil ihre Umgebung essentiell ihr Leben und vor allem ihr Überleben beeinflusst und es daher überlebenswichtig für sie ist, zu wissen, welche Art von Schnee sich dort befindet.
Die Hopi-Indianer haben keine Zeitformen wie wir sie kennen. In dem Beispiel, das uns im Kurs gegeben wurde, sieht man einen Mann an eine Mauer gelehnt und er sagt jedes Mal “Er rannte”. Also, gleiches Bild, gleiche Position und jedes Mal “Er rannte”. Was ist eure natürliche Reaktion darauf? Genau, wahrscheinlich “Was zum Kuckuck?! Rannte er, rennt er oder wird er rennen?!”, weil dies nun mal die Kategorien sind, in denen wir Zeitrahmen und Zeitpunkte definieren, richtig? Es ist für unser Denksystem unverständlich, unbegreiflich, im wahrsten Sinne, wir können es nicht greifen.
Natürlich gibt es auch einfachere Beispiele, wie die Tatsache, dass die englische Sprache kein Wort für “Fernweh” kennt oder, dass – einfach gesprochen – es Wörter in einer Sprache gibt, für die es kein Äquivalent in einer anderen gibt.

Zurück zu den Lektoren.
Wie schon gesagt, im Idealfall sind sie Sprachliebhaber oder wissen mit ihrem Werkzeug umzugehen.
Und ich meine nicht zwangsläufig den manipulativen oder überredenden Einsatz von Sprache, wie man ihn so oft aus der Werbung kennt, das ist nochmal ein Thema für sich, auch wenn ich zu behaupten wage, dass hierbei ähnliche Töne angeschlagen werden.
Aber es geht um die Verwendung von Stilmitteln (ja, genau, die nervigen, die ihr aus der Schule kennt, Alliteration, Personifikation, etc.).
Wozu? Ja, genau, jetzt habt ihr’s, meine Freunde: Für den Zweck!
Um eure Aussage rüberzubringen, um eine Reaktion zu generieren (und natürlich, wenn es um geschäftliche Kommunikation geht, geht es meist nicht nur darum eine Reaktion hervorzurufen, sondern eine ganz bestimmte zu generieren).
Sprache kann uns bewegen, uns verletzten, ja uns vielleicht sogar heilen.

Was ich meine ist das hier:
“Die Kategorisierung, die in emotionalen, amourösen Beziehungen stattfindet, dient als destruktive Kraft gegenüber der wahren Bedeutung der Emotion selbst.”

Oder:
“Liebe wird zu einem vergessenen Wiegenlied, wenn wir sie etikettieren wie Lippenstifte.”
Was bleibt bei euch eher hängen?

Warum sehen wir nie,
dass ein bisschen Poesie
geht so leicht von Mund zu Ohr,
hebt hervor
die Nachricht, die ein anderer trägt,
die mit Lächeln oder Tränen uns bewegt.
Warum sehen wir nie
den Zauber und die Kraft der Poesie?

(ja, grad ausgedacht, war eigentlich nicht geplant, aber hey, das ist das Leben, Reaktion und so)

Okay, super, Miss, nun hast du uns gezeigt, dass Lektoren ihr Werkzeug kennen und zu gebrauchen wissen sollten, aber der Titel hier behauptet eine Antwort auf die Frage zu haben, warum Lektoren wichtig sind.
Ihr habt Recht, entschuldigt bitte, ich bin abgeschweift, schönes Thema, die Sprache, weites Feld, ich mag es.
Okay, ich schulde euch eine Antwort.
Schaut euch mal das Bild an, das diesen Blogeintrag begleitet. Lest es in Ruhe durch.
Ja, genau das war auch meine Reaktion!
Diese Herzen wurden vor Allerheiligen verkauft um sie in Gräber zu stecken.
Würdet ihr sie kaufen? Würdet ihr sie in das Grab eines geliebten Menschen stecken?
Dachte ich mir.
Aber warum nicht? Was ist hier gescheitert?
Es ist nicht nur die Tatsache, dass sich da Rechtschreibfehler befinden, sondern es hat eine weitere, tiefere Ebene.
Analysieren wir das mal kurz: Ihr wolltet dieses Produkt verkaufen. Ihr wolltet, dass wir dieses Produkt kaufen. Ihr habt ein Produkt angeboten und wolltet eine positive Reaktion, ein “ja” generieren, das sich in einer non-verbalen Aktion, nämlich dem Kauf des Produkts, manifestiert.
Die Tatsache, dass diese Produkte nun im Handel zum Verkauf angeboten werden, zeigt verschiedenes: Zum Einen scheint derjenige, der die Schrift auf den Herzen angebracht hat, die Produkte nicht gegengeprüft zu haben. Zum Anderen scheint kein Lektor eine weitere Prüfung vorgenommen zu haben. Des Weiteren scheint es keine finale Überprüfung gegeben zu haben, bevor die Produkte in den Handel gingen.
Aber wisst ihr, was die Reaktion ist? Nein.
Und wisst ihr, warum die Reaktion “Nein” ist?
Weil die fehlende Überprüfung, das fehlende Lektorat eine weitere Aussage mit sich trägt:
Ist mir egal!
Dass wir als Kunden euch egal sind, dass unsere Reaktion euch egal ist, weil ihr anscheinend glaubt, wir würden es trotzdem kaufen.
Und wisst ihr, was dieses “Nein” begleitet? Eine Abneigung, Abstoßung. Weil es tief im Innern etwas von fehlendem Respekt hat, von Arroganz, ja vielleicht sogar eine Art Beleidigung des potentiellen Kunden/Käufers.
Das hier ist nur ein Beispiel, wendet es gern auf andere Fälle an.
Wenn eure Website voller Rechtschreibfehler ist oder ihr die falschen Wörter benutzt, vermittelt das den Eindruck, euch seien eure Leser/Kunden egal.
Hinzu kommt, dass ihr die Informationen, die ihr eigentlich geben wollt, verfälschen könntet. Und ich denke, wir sind uns einig, dass es einen Unterschied zwischen “Kaum hatte er gearbeitet,…” und “Er hat kaum gearbeitet” gibt, oder?
Und damit arbeitet ihr gegen euch selbst, da ihr durch die Verwendung falscher Wörter und fehlender Korrektur eine Reaktion hervorruft, die eurem eigentlichen Zweck entgegengesetzt ist.
Im schlimmsten Fall erinnern wir uns an euch als jemanden, dem seine Leser/Kunden egal sind und hören auf eure Produkte zu kaufen, eure Zeitung zu lesen, werden euer Buch nicht kaufen oder die von euch angebotene Dienstleistung nicht buchen.
Heutzutage ist die Halbwertzeit einer Information sehr kurz und das macht viele Leute nachlässig, weil “ach, wen stört das schon, morgen interessiert das keinen mehr” oder “ach, die werden das schon verstehen” wird die Mentalität, nach der wir leben.
Es ist nur Sprache, richtig? Und es ist ja nur auf der sprachlichen Ebene, auf der wir euch als Kunden egal sind, richtig?
In persona seid ihr wie Mütter selbst, es ist nur das sprachliche Level, das ihr vernachlässigt, ja?
Ist ja nur Sprache.
Richtig?
Denkt daran, was wir zuvor besprochen haben, wie auch Sprache das Denken beeinflusst. So hat Sprache dann doch auch einen Einfluss auf unser Handeln, nicht?
Auch wenn das Argument “ein nachlässiges Verhalten auf sprachlicher Ebene zeugt von einem nachlässigen Verhalten im Allgemeinen” etwas weit hergeholt erscheinen mag, so deutet es doch ein wenig darauf hin, oder nicht? Unbewusst und ganz tief drinnen?
Versteht mich nicht falsch, bitte seht das nicht als Beleidigung oder Angriff.
Ich sage nicht, dass euch eure Kunden egal sind.
Ich sage nur, dass das die unterschwellige Botschaft sein kann, die bei euren Kunden ankommt.
Und okay, nicht jeder Kunde interessiert sich dafür und manchen ist es egal, aber es wird auch potentielle Kunden geben, die dadurch immer genau das bleiben: potentiell.
Weil ihre Reaktion sein könnte “Wenn die sich um mich genauso gut kümmern wie um ihre Grammatik, geh ich da besser nicht hin”.

Und DAS, meine Freunde, ist der Grund, warum Lektoren wichtig sind.
Weil sie helfen können, solche Szenarios, wie sie eben beschrieben wurden, zu verhindern, weil sie euch kennen, weil sie eure Aussage und eure Botschaft kennen und euren Gesprächspartner und sie den richtigen Kanal suchen um eure Botschaft zu vermitteln. Sie können euch helfen, wenn alle anderen Aspekte eures Projekts euch in Anspruch nehmen oder ihr betriebsblind geworden seid und ihr einfach nur noch fertig werden wollt.
Weil sie Sprachliebhaber sind oder zumindest mit ihrem Werkzeug umzugehen wissen.
Ihr Werkzeug? Wörter.

PS: Ja, ich rege mich jedes Mal auf, wenn ich im Nachhinein noch einen Fehler in einem meiner Einträge finde, auch wenn ich kein Geld mit meinem Blog verdiene.
PPS: Ja, die Stelle mit dem Lippenstift war ein Zitat aus Labelled Love, obwohl ich Menschen, die sich selbst und ihre eigenen Werke zitieren, meist eher komisch finde.
PPPS: Ja, richtig geraten, ich bin Lektorin 😉

#sundaystory: Hautfarbe

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Die vorgegebenen Informationen waren:
a) Deutsch
b) Hautfarbe
c) Unbewusster Rassismus, Vorurteil, Unterschied
d) traurig

für Christian

Ich wandle durch die Straßen der Stadt. Einer Stadt der zivilisierten, aufgeschlossenen, westlichen Welt.
Ich schaue mich um. Und ich spüre die Blicke der Leute, wie sie an mir haften, sich nur schwer lösen, oder wie ich zufällig in ihr Blickfeld gerate und sie schnell den Kopf wenden um mich wieder auszublenden.
Ich wandle durch die Straßen eines Landes, das so viel zu bieten hat, das ich mag, in das ich gekommen bin, weil ich kommen wollte.
Ich wandle durch die Straßen eines Landes, deren Menschen mit dem Spiel “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann” aufgewachsen sind. Und genauso starren mich manche an. Als seien sie ertappt worden. Nun müssen sie auf der Hut sein.
In ihren Blicken kann ich die Vorurteile förmlich sehen. Da steht es geschrieben: “Achtung, der ist gefährlich!”, “Mädchen, pass auf, der ist aggressiv!”, “Stell den bloß nicht ein, der ist bestimmt faul und vielleicht stiehlt er sogar. Seine Familie hat bestimmt nichts.”
Naja, also zum Einen kann ich keiner Fliege etwas zu Leide tun, zum Anderen bin ich so schüchtern, dass ich mich kaum traue Mädchen anzusprechen und wenn doch, dann käme ich im Leben nicht auf die Idee, ihnen etwas anzutun, und meiner Familie geht es gut, aber weil ich hier das Metier gefunden habe, in dem ich arbeiten möchte, das mich reizt und in dem ich gut bin, habe ich mich dazu entschlossen hierher zu kommen. Um mich selbst zu verwirklichen und das zu tun, was ich wirklich gerne tu, worin ich gut bin.
Aber das interessiert nicht.
Ich will nicht sagen, dass ich durch die Straßen eines rassistischen Landes wandle, um Himmels Willen, nein. Ich habe hier sehr nette Menschen getroffen, aufgeschlossene Menschen, die mich herzlich empfangen haben. Ich habe an der Uni mit Mädchen Kaffee getrunken, die keine Angst vor mir hatten, ja, die mich vielleicht sogar mochten. Ich habe Kinder getroffen, die mich angelacht haben und mir stolz ihr Kuscheltier entgegen hielten und mir sogar verrieten, wie es hieß. (Allgemeinhin sollte man anmerken, dass viele Kinder bei “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann” überhaupt nicht an die Hautfarbe schwarz denken, sondern an einen großen unheimlichen Mann mit weißer Haut, der aber dunkle Kleidung trägt)
Aber ich kann mich des Eindrucks trotzdem nicht erwehren, dass ich hin und wieder, dann und wann und auch mal öfter mit unbewusstem Rassismus konfrontiert werde. Die Leute merken es vielleicht noch nicht mal. Aber wenn ich Zug fahre und neben mir ein Sitz frei ist, dann merke ich das kurze Innehalten der Einsteigenden, die einen freien Platz suchen, den neben mir betrachten, mich anschauen und dann doch weiterziehen. Interessant sind dann auch die, die sich doch widerwillig neben mich in den Sitz fallen lassen, weil sie denken, sie müssten es tun, damit ich sie nicht als Rassist abstempel.
Das ist doch verrückt.
Überall heißt es “Embrace Diversity”, Unterschiede machen das Land und das Leben bunter. Nur meins anscheinend eben nicht.
Es heißt, wir integrieren uns nicht, wir blieben eh nur in unseren Gemeinschaften. Und ja, ja ich treffe Freunde, deren Familien aus fast der gleichen Gegend stammen wie ich und wir kochen Gerichte von Zuhause und tauschen uns über Gemeinsamkeiten aus. Denn in dieser bunten Welt des Unterschieds ist es manchmal ungemütlich. Und einsam. Und Zuhause ist es warm. Zuhause ist weit weg. Das war, was wir alle in Kauf genommen haben um hier unsere Chancen wahrzunehmen; dass nun zwischen uns und unseren Familien wahrhaftig Welten liegen. Aber bitte, wie gern hätte ich die Mädchen vom Kaffeetrinken oder die Kommilitonen zu so einem Abend mal eingeladen, damit sie die Gerichte kosten können, die ich von meiner Mutter gelernt habe? Aber so groß ist die Freude am Unterschied dann wohl doch nicht, als dass sie das mal gern probieren würden. Leider, denn es schmeckt wirklich gut und ich würde gern meine Welt mit den Menschen teilen, in deren Welt ich mich bewege. Aber keins der Mädchen vom Kaffeetrinken und kein Kommilitone, dem ich bei seinen Aufgaben geholfen habe, hatte mal Lust mitzukommen. Weil sie dann ja doch recht einsam im Raum auffallen würden, mit ihrer anderen Hautfarbe. Haha, ja, das würden sie wohl. Einen Abend lang.
Und das, was sie dann einen Abend lang erleben würden, von dem herzlichen Empfang bis hin zu den komischen Blicken, eben weil sie anders wären, das ist das, was ich jeden Tag erlebe. Bienvenue dans ma vie. Willkommen in meinem Leben.
Aber so groß ist der Spaß am Unterschied und an der bunten Welt wohl nicht. Den hat man nämlich nur dann, wenn man selbst die Farben aussuchen und mischen darf.
Ich wandle durch die Straßen der Stadt. Einer Stadt der zivilisierten, aufgeschlossenen, westlichen Welt.
Einer Welt, die mich anscheinend nicht will. Oder wenn, dann nur bedingt.
Und wenn ich dann mal mit einem Menschen warm laufe, ihn beim Reden an die Schulter fasse oder wenn ich diese Person mit Wangenküsschen links und rechts verabschiede, dann schauen sie mich an, als hätte ich soeben den kompletten Teppich des guten Benehmens besudelt. Weil sie sie vielleicht befremdlich finden, diese Wärme, die ich von Zuhause kenne und die mich in manchen Momenten überkommt, in denen ich dann vergesse, dass man das hier meistens eher nicht so macht. Zaghaft setze ich wieder Fuß vor Fuß und bemühe mich, ordentlich auf dem vorgezeichneten Plan zu laufen. Ich sage artig “Guten Tag” und erkundige mich nach dem Befinden der Frau Mama, weil ich das als gutes Benehmen von klein auf beigebracht bekommen habe. Ich sage “Grüß deine Mutter”, weil sich das bei uns so gehört, als Antwort bekomme ich ein schallendes Lachen und ein “Aber du kennst sie doch gar nicht”. Wie oft habe ich mich gefragt, ob sie die Grüße wohl jemals ausrichten.
Es ist auch nicht so, als würden die Leute mich nicht mögen, manche sind sehr nett zu mir und laden mich sogar zu ihrem Geburtstag ein. Es ist auch nicht so, als wüsste mein Chef meine Arbeit nicht zu schätzen, ganz im Gegenteil, er ist sehr erfreut über meine Erkenntnisse und meinen Beitrag zum Firmenwachstum. Ein Kommilitone aus dem ersten Semester, den ich nach einiger Zeit wiedertreffe, freut sich mich zu sehen und komplimentiert meine sprachlichen sowie beruflichen Fortschritte. Ich arbeite viel, ich lerne viel, ich lese viel, ich übe die Sprache und setze mich mit der hiesigen Kultur auseinander. Möchte ein Teil davon sein und einen Teil von meiner Kultur, von mir, zurückgeben.
Embrace Diversity, Unterschied macht bunt. Aber anscheinend malen wir leider nicht gemeinsam.
Denn wenn das Verhältnis der Farben sich ändert, dann würdet ihr wohl im Raum auffallen, mit eurer anderen Hautfarbe. Einen Abend lang.
Und das, was ihr dann einen Abend lang erleben würdet, das ist das, was ich jeden Tag erlebe. Bienvenue dans ma vie. Willkommen in meinem Leben.

Gina Laventura © 2015

Urlaub im Kopf

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Photo & Editing: freshandjuicy

Eine endlos lange To-Do-Liste.
Ein Punkt abgehakt, zwei neue hinzu.
Die Überlegung, was man alles gerne (mal wieder) tun würde, wenn man doch endlich mal Zeit hätte. Aber erst muss ja noch die Wäsche gewaschen, das Haus geputzt und die Rechnung bezahlt, das Projekt bearbeitet, die E-Mails sortiert, die Ablage gemacht, die Pflichten erfüllt werden.
Aber dann, ja dann, wenn erst alles abgearbeitet ist, dann kann man endlich das Buch lesen, das man vor vier Monaten zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, dann kann man wieder ins Theater gehen oder es sich auf dem Balkon gemütlich machen oder endlich die fünfunddreißig Folgen der Lieblingsserie aufholen oder mal wieder ein Computerspiel spielen um endlich die Mission zu beenden.
Wann sind eigentlich lange To-Do-Listen zum Zeichen von Ambition geworden? Wann haben wir beschlossen, dass Workaholic das neue Berufsziel ist, egal in welcher Sparte man tätig ist? Wann wurde Stress zum Synonym für Fleiß und Erfolg? Wann wurde “du siehst ausgelaugt aus, du solltest mal wieder vernünftig essen und schlafen” ein figurschmeichelndes Kompliment, das auch noch auf den eigenen Ehrgeiz hindeutet?
In diesem listenartigen Erfolgsplan werden sogar die Tätigkeiten, die eigentlich Spaß machen und Freude bereiten zum weiteren abzuarbeitenden Punkt, wie “Sarah anrufen” und “auf Marks E-Mail antworten” oder “mit Susi und Jo ins Kino”. Genießen wir eigentlich noch wirklich? Genießen wir die Zeit, die wir dort nun verbringen oder gehen wir im Kopf schon auf dem Weg zum Kino durch wie wir den morgigen Tag strukturieren um die Dinge, für die ja aufgrund des Kinobesuchs nun die Zeit fehlt, doch noch geschafft zu bekommen?
Zeit…Faktor Zeit…immer wieder ein Thema. Vor allem in einer Gesellschaft, die zum Großteil durch den Satz “Zeit ist Geld” bestimmt wird. Vielleicht ist Zeit Geld. Aber vor allem ist Zeit eins: kostbar. Man hat sie nur ein einziges Mal. Ist die Minute verronnen, ist sie hinfort und man bekommt sie nie wieder zurück. Sich ab und zu mal hinzusetzen und zu überlegen, in was man dieses kostbare Gut gern investieren möchte (nicht sollte oder müsste) kann manchmal sehr aufschlussreich sein.
Wir sind gestresst, hektisch, ausgelaugt, rennen von Termin zu Termin, von Ziel zu Ziel, glauben immer an diesem einen Punkt anzukommen, an dem wir dann endlich Zeit haben um das zu tun, was wir gerne tun wollen. Aber was, wenn wir diesen Punkt nie erreichen? Was, wenn immer wieder ein neuer Punkt auf der Liste hinzukommt? Was, wenn wir gar nicht mehr anders können, als immer wieder einen weiteren Punkt hinzuzufügen, weil wir ein leeres Blatt Papier gar nicht mehr gewöhnt sind und vor allem gar nicht mehr ertragen können? Was, wenn wir damit nichts anzufangen wüssten?
Und was, ja was, wenn wir uns die Zeit, die wir meinen nicht zu haben, einfach mal nehmen würden? Was, wenn wir dem Drang, morgens nach dem ersten Kaffee durch Feld, Wald und Flur zu marschieren einfach mal folgen würden? Was, wenn genau das das ist, was uns mit genügend Energie versorgt um acht statt drei Dinge von der Liste abzuarbeiten?
Was, wenn wir zwischen den Dingen, die zu tun sind das kleine Zeitfenster nutzten um das erste Kapitel des Buches, das wir vor vier Monaten zum Geburtstag geschenkt bekommen haben, zu lesen? Was, wenn wir das Jammern über den dringend benötigten Urlaub dadurch ersetzten, dass wir uns Zeit für uns nähmen? Urlaub im Kopf.
Ob das nun bei einem Spaziergang durch Feld, Wald und Flur, Bücher lesen auf dem Balkon oder im nächsten Straßencafé sitzen und Leute beobachten bedeutet, spielt dabei erstmal keine Rolle. Was, wenn wir uns wirklich die Zeit nähmen und sie genießen würden? Und was, ja was, wenn genau das dafür sorgen würde, dass uns all die noch zu tuenden Dinge viel leichter von der Hand gingen?
Alle reden von der großen Work-Life-Balance und ständig muss alles optimiert und perfektioniert werden, sei es nun die Arbeitsmoral, die Arbeitsweise, das eigene Aussehen, die Garderobe, das Zeitmanagement oder auch der eigene Partner. Aber bei all dem Optimierungswahn haben wir vergessen dann und wann innezuhalten und uns an dem zu erfreuen, was wir bereits (erreicht) haben, danke zu sagen. Bei all dem Perfektionismus haben wir vergessen gut zu sein, gut zu uns zu sein.
Wir reden ja nicht von Faulenzen oder alles auf die leichte Schulter nehmen, sondern wir reden davon, dem Affenstall im Kopf mal Einhalt zu gebieten und durchzuatmen. Mal nicht zu optimieren, sondern zu reflektieren. Sich mal hinzusetzen anstatt zu hetzen.
Für einen Moment die Augen zu schließen und Urlaub zu machen.
Urlaub im Kopf.

Können wir es jemals richtig machen? Gegen ständiges Anprangern und Verurteilen

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Photo & Editing: No bilis

Es ist Mittag. Kaffeepause. Ich scrolle durch Facebook. Im Newsfeed: Ein Freund hat dieses Bild geliked.
Es zeigt eine bekannte deutsche TV-Moderatorin in einem Outfit, das aus einer Jeansbluse und einer Schlaghose aus Jeans im Stil der 70er Jahre besteht, brauner Gürtel, Sonnenbrille, charmantes Lächeln, an eine Wand gelehnt.
Die Bildunterschrift sagt so etwas wie “Mein Lieblingsoutfit momentan, cool und bequem, perfekt für Mamas”.
Also zunächst ein Mal bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich weiss, was die Dame mit “perfekt für Mamas” aussagen möchte. Vielleicht meint sie, dass dieses Outfit weit genug geschnitten ist um die Auswirkungen der Strapazen, die eine Geburt nun mal so mit sich bringt, wie Dehnstreifen und den vielleicht-noch-nicht-komplett-trainierten Bauch, perfekt zu kaschieren. Vielleicht meint sie, dass das Outfit bequem genug ist um all die Dinge zu tun, die man nun mal gern mit seinem Kind tun möchte, wie spielen, im Gras sitzen oder durch die Berge von Spielzeug krabbeln oder dergleichen. Vielleicht meint sie aber auch, dass es einfach zu waschen ist, sodass, sollte sich dein Baby dazu entschließen, sein Frühstück rückwärts zu essen und auf deiner Schulter zu platzieren oder dein Kleinkind es für eine großartige Idee halten, einen Schlammkuchen auf deinem Schoß zu bauen, Jeans das ideale, robuste Material ist, welches sich einfach säubern lässt. Vielleicht war sie auch einfach nur stolz, nicht nur darauf, ein schönes und gesundes Kind geboren zu haben, sondern auch ein Outfit gefunden zu haben, in dem sie sich wohl und attraktiv fühlt, denn, ja, auch nachdem man ein Kind zur Welt gebracht hat, ist man immer noch eine Frau und jeder freut sich, wenn er sich in der eigenen Haut wohl fühlt und vielleicht hat ebendieses Outfit dazu beigetragen, dass sie sich großartig fühlt.
Aber vielleicht, vielleicht, vielleicht.
Nun krempeln wir mal die Ärmel hoch und reiben uns die Hände und kommen zu dem wirklich interessanten Teil (den ihr vermutlich schon erahnt habt): Den Kommentaren.
Mal abgesehen davon, dass auch Kommentare dabei waren, die sagten, sie sehe nun besser aus als noch vor der Schwangerschaft und dass ihre Figur nun noch besser sei, waren auch viele kritische Kommentare dabei, um es mal nett auszudrücken. Da waren Kommentare dabei, die genau das Gegenteil von dem zuvor genannten besagten, nämlich, sie hätte vor der Schwangerschaft besser ausgesehen und sei nun zu dünn. Dass die Hose hässlich sei, wobei das noch einer der harmloseren Kommentare war, und okay, 70er Jahre Schlaghosen mögen nicht jedermanns Ding sein und wir sind ein freies Land, in dem man seine Meinung und seinen Geschmack äußern kann.
Die wirklich beachtlichen Kommentare allerdings waren ganz anderer Natur. Da war tatsächlich ein Kommentar dabei, der sagte “Im Röckchen siehst du besser aus” und ich möchte betonen, dass es nicht “Rock”, sondern “Röckchen” hieß, was mit dem Suffix “-chen” schon auf eine Verniedlichung hindeutet. Und seien wir ehrlich, bei einem niedlichen, kleinen Rock, denken wir vor allem an einen kurzen Rock, oder denkt irgendwer von euch bei dem Wort “Röckchen” an einen langen Hippierock, der bis über die Knie fällt und die Fesseln umspielt?
Ein anderer Kommentar, der wirklich..mir fehlt jegliches Adjektiv, war, sagte “Kauf dir lieber mal einen Push-up”.
Puh, ja, lassen wir das kurz sacken und atmen tief durch.
Bleiben wir kurz bei den Kommentaren, die sagten sie sehe nun besser aus als noch vor der Schwangerschaft. Ich spreche zwar nicht aus Erfahrungen aus erster Hand, aber ich kann mir vorstellen, dass eine Schwangerschaft Auswirkungen auf das Aussehen hat, ob nun im Guten oder Schlechten sei dahingestellt und wenn du danach strahlend und glücklich aussiehst, weil du glücklich bist, dann ist das wunderbar. Das Störende bei diesen Kommentaren ist eher, dass sie sich darauf beziehen, dass sie nun dünner als vorher ist. Und ich finde, das sagt eine Menge über die heutige Gesellschaft aus, in der jeder vom “After Baby Body” spricht und die Frauen am Wettbewerb “Wer ist am Schnellsten wieder in Form” teilnehmen. Das übt Druck aus und sorgt für Frustration bei denjenigen, die es nicht in den Top 100 dieses Wettbewerbs geschafft haben, was zu Kommentaren wie “Schön für dich, dass du wieder in Form bist, aber ich bin kein Promi, dessen Kapital im Aussehen liegt und einen Personal Trainer habe ich auch nicht” etc., etc., führt. Versteht mich nicht falsch, ich will den letzten fiktiven Kommentar nicht als unbegründet oder schwachsinnig darstellen, denn seien wir mal ehrlich, das ist immer das Argument, das auf den Tisch kommt, wenn solche Themen besprochen werden und es ist nun mal Tatsache, dass viele Promis sich einen Personal Trainer holen um so schnell wie möglich wieder in Form zu sein. Aber darum geht es hier grad nicht.
Egal, ob die Kommentare nun Neid, Frustration oder Bewunderung ausdrücken, beziehen sie sich alle auf den gleichen Hype, den gleichen Wahnsinn.
Könnten wir bitte mal für einen kurzen Augenblick uns Folgendes vor Augen halten: Die Frau hat vor ein paar Monaten ein Baby zur Welt gebracht! Das bedeutet, dass ihr Körper ein verdammt riesiges, natürliches Wunder vollbracht hat! Und vielleicht, ja, ganz vielleicht ist sie nicht so dünn, weil sie viel dafür getan hat und das ihre Absicht war, sondern vielleicht war die Geburt anstrengend, vielleicht gab es Komplikationen und sie war hinterher gestresst und um das Wohl ihres Kindes besorgt, vielleicht ging es ihr während der Schwangerschaft nicht gut, vielleicht ist ihr Baby nicht eins von der “Er schläft schon komplette Nächte durch”-Sorte, sondern erlaubt ihr es kaum mehr als zwei Stunden am Stück zu schlafen. All das hat auch Auswirkungen auf das Aussehen und die Figur. Nur mal so nebenbei.
Im Übrigen dient das letzte Argument auch als Antwort auf die Kommentare, die behaupten sie hätte vorher besser ausgesehen und sei nun zu dünn.
Kommen wir nun zu dem Röckchen-Ding. Und zu dem Push-up-Ding. Beides im Übrigen Kommentare von männlichen Nutzern. Ernsthaft jetzt?!
Okay Herr X, ich verstehe, das ist einzig und allein deine persönliche Meinung, dass ihr kurze Röcke besser stehen, weil…sie schöne Beine hat, die sie ruhig zeigen kann und es außerdem ihre Proportionen vorteilhaft aussehen lässt, ja? Nur deine persönliche Meinung, richtig?
Und Herr Y, ich nehme an, deine persönliche Präferenz liegt nun mal einfach eben bei großen Brüsten, hm? Okay, freies Land, freie Meinungsäußerung und jeder darf sagen, was er möchte. Und tut es auch. Vor allem in der breiten anonymen Welt des Internets.
Was ich meine ist, ist das das Bild der Frau? Wie es sein soll? Ist das, das, was eine Frau als Frau definiert: Große Brüste und kurze Röcke?
Nehmen wir uns mal einen ganz kurzen Augenblick Zeit und erinnern uns daran, dass egal, ob diese Frau nun ein Promi ist, der im Blick der Öffentlichkeit steht, über soziale Netzwerke Erfahrungen und Erlebnisse aus dem Alltag mit ihren Fans teilt und sich selbst da draussen präsentiert und performiert, oder nicht, sie mehr erreicht hat als einfach nur gut auszusehen? (Auch wenn das höchstwahrscheinlich Teil ihres Berufes ist)
Wenn sie sich dazu entschließt, ihr “perfekt für Mamas” Jeans-Outfit zur Arbeit zu tragen (was sie im Übrigen getan hat), dann macht sie das zu keiner schlechteren Moderatorin, dann ist sie dadurch nicht weniger kompetent, das ändert nichts an ihren Fähigkeiten oder den Kompetenzen, die sie während ihrer beruflichen Karriere erlangt hat, die in den 1990er Jahren begann.

Das “Witzige” ist ja Folgendes: Spielen wir ein Spiel, seid ihr bereit?
Nehmen wir mal an, sie hätte ein Foto von sich in kurzem Röckchen gepostet, mit Push-up und vielleicht engem Tanktop oder lockerer Bluse mit Ausschnitt, stellen wir uns das einen Moment lang vor.
Wie hätten die Kommentare dann wohl ausgesehen? “Oh, du bist strahlend schön”, “Wunderschön”, “So sexy und das so kurz nach der Geburt”? Wahrscheinlich, ja.
Aber ist es komplett abwegig zu denken, dass auch Kommentare wie “Du bist nun eine Mutter, du solltest dich so nicht präsentieren, denkst du deinem Kind würde es gefallen, wenn seine Mutter so rumliefe” und ähnliche dabei wären?
Daher die Frage: Können wir es jemals richtig machen? Wie man’s macht, macht man’s verkehrt.
Und ja, wir wissen alle, dass wir es nicht jeder einzelnen Person auf diesem Planeten recht machen können, das ist normal.
Aber warum müssen Leute sich immer gegenseitig anprangern und verurteilen?
Egal wie man es dreht, es scheint immer etwas zu kritisieren zu geben, etwas zum lästern, zum schlechtreden. Aber warum?

Und hierbei handelt es sich nur um ein Foto, das in einem sozialen Netzwerk hochgeladen wurde, ein kleines Beispiel.
Ziehen wir die Blende etwas weiter auf:
Wenn du eine karriereorientierte Geschäftsfrau bist, wirst du dafür verurteilt, dass du keine Kinder willst. Und hier der Knackpunkt: Meist von anderen Frauen, nicht Männern! Von deinen eigenen “Kameradinnen”.
Wenn du sagst, du willst definitiv Kinder haben, da sie für dich zur Erfüllung deines Lebens beitragen, wirst du dafür angeprangert altmodisch und nicht emanzipiert zu sein, etc.
Dieses Paradox ist allerdings nicht allein für Frauen reserviert. Männer sind ebenfalls mit dieser Kontroverse konfrontiert.
Wenn du dich dazu entscheidest das Familienunternehmen zu übernehmen, obwohl dein ursprünglicher Plan gewesen ist, deiner Leidenschaft zu folgen und etwas anderes zu machen, wirst du dafür verurteilt deinen Traum aufgegeben und dich den Wünschen und Erwartungen anderer Menschen gebeugt zu haben, selbst wenn es deine freie Entscheidung gewesen ist, die du aus vollem Herzen umgesetzt hast.
Wenn du dich dagegen entscheidest das Familienunternehmen weiterzuführen und stattdessen deinem Traum zu folgen, wirst du dafür angeprangert dich selbst an erster Stelle zu sehen, egoistisch zu sein und deine Familie im Stich gelassen zu haben.
Ja, wundervoll! Seht ihr? Anscheinend gibt es keinen Weg, wie man es richtig macht oder machen kann.

Aber warum versuchen Menschen es dennoch?
Warum ist dieser Drang, allen gefallen zu wollen, nach wie vor so präsent?
Als ob der Kampf darum, den eigenen Wunsch danach sein Leben bestmöglich zu leben, sein Potential auszuschöpfen und den “richtigen und vernünftigen Weg” zu gehen nicht schon anstrengend genug wäre.
Warum machen wir uns ständig gegenseitig fertig, prangern uns an, verurteilen uns gegenseitig?
Liegt es daran, dass wir uns selbst ständig fertig machen und verurteilen, sodass wir es auf jemand anderen projizieren müssen um der Frustration und dem Druck Luft zu verschaffen?
Liegt es daran, dass wir so hart zu uns selbst, sodass wir auch hart zu den anderen sind?
Und falls das zutrifft, hieße das dann nicht, dass wir mehr daran arbeiten sollten uns selbst gegenüber geduldiger, liebevoller, fürsorglicher und freundlicher zu sein?
Was, wenn die Art und Weise, wie wir mit anderen umgehen, auch die Art und Weise ist, wie wir mit uns selbst umgehen? Was, wenn die Art und Weise, wie wir mit uns selbst umgehen, auch die Art und Weise ist, wie wir mit anderen umgehen? Was, wenn das eine wechselseitige Wirkung ist?
Vielleicht ein Weckruf unser Benehmen nicht nur anderen gegenüber, sondern auch uns selbst gegenüber, zu überdenken.

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