Mirror Madness

Dieser Beitrag ist auch auf Deutsch verfügbar


Photo & Editing: Ralph Wietek

Fitting to the upcoming Halloween, here something uncanny 😉

Mirror Madness

The uncanny. The unfamiliar. Something that doesn’t feel familiar, not like home anymore. The other. And yet it is in my home. Should normally be an image of myself and not of the other.
It’s dark and quiet, I am alone. The familiar noises muffle and shuffle away and what is left is silence. While I’m wandering around searching for something known, something familiar, even the sound of my feet on the old floorboards sound strange. I switch on the light and I’m frightened. What I see there should be familiar, known, but it scares me. As if this pretended image of myself suddenly could start a life of its own, turn into another direction, even wink at me! Like in this nightmare years ago, where this person, caged in modified glass, looked at me from strange green eyes, laughing, maybe even laughing at me, winked at me and stuck out its tongue and nobody was there, who could have helped me, nothing familiar that could have put this person into its place. The world was sleeping. And I was alone with this stranger.
I shake my head and sneak into the bathroom. Cold water will revive the senses.
But after drying my face, I look up from the towel and it’s there again, this strange person. I try to gain control by forcing it to do what I do. I do grimaces, it does as well. I laugh and smile, but what laughs back and smiles back, or better to say smiles at me like a maniac, is not me! Can’t be me! I don’t want it to be me!
And a feeling that had been banned from my body for so long, crawls up through my feet, first slowly and then rapidly and lies down heavily on my breast: Fear.
I’m frightened and scared, I can barely breath. I am alone. Could somebody please come and set an end to this mirror madness?
The fear grows. Even after turning away from the framed glass, it feels as if this strange person was still there, as if I wasn’t there anymore. I try to feel myself, to gain back ground under my feet and to tell myself that I am still there and that I am stronger than the stranger. But I don’t feel myself, I’m not there.
Fear paralyses. And paralysed I dare one step after the other, slowly, through the omnipresent uncertainty.
Finally! A familiar sound in front of the door, a key, a shrieking noise. I am not alone anymore.
For an instance my fingertips start getting warmer again and I decide to set an end to all this by going to bed. Tomorrow will be a better day.
A last hesitating glance over my shoulder. It stares back. Does its mouth move? Does mine? Do I smile?
I touch my face, but my fingertips and my face feel unfamiliar. Nothing is familiar anymore.
It’s unfamiliar. It’s uncanny.

Gina Laventura © 2014

Spiegelwahn

This entry is also available in English


Photo & Editing: Ralph Wietek

Passend zum bevorstehenden Halloween mal etwas unheimlicheres 😉

Spiegelwahn

Das Unheimliche. Etwas, das sich nicht mehr heimlich, heimelig, wie ein Heim anfühlt. Das Andere. Und doch ist es in meinem Heim. Soll eigentlich ein Abbild meiner Selbst und nicht des Anderen sein.
Es ist dunkel und still, ich bin allein. Die vertrauten Geräusche verdumpfen und zurück bleibt Stille. Während ich umherstreife und nach etwas Vertrautem suche, klingt sogar das Geräusch meiner Füße auf den alten Holzdielen fremd. Ich betätige den Lichtschalter und erschrecke. Was ich dort sehe, sollte vertraut sein, bekannt sein, doch es fürchtet mich. Als könne dieses vermeintliche Abbild meiner Selbst plötzlich ein Eigenleben entwickeln, sich in die andere Richtung drehen, mir gar zuzwinkern! Wie in dem Albtraum Jahre zuvor, in dem diese Person, gefangen hinter modelliertem Glas, mich aus fremden grünen Augen anschaute, mich anlachte oder gar auslachte, mir zuzwinkerte und die Zunge rausstreckte und es war niemand da, der mir hätte helfen können, nichts Vertrautes, das diese Person wieder in ihre Schranken hätte weisen können. Die Welt schlief. Und ich war allein mit diesem Fremden.
Ich schüttele den Kopf und schleiche ins Bad, kaltes Wasser sollte die Sinne wieder befreien.
Doch als ich nach dem Abtrocknen vom Handtuch aufschaue, ist sie wieder da, die fremde Person. Ich versuche Kontrolle zurückzugewinnen, indem ich sie zwinge, das zu tun, das wiederzugeben, was ich tu. Ich verziehe das Gesicht, sie auch. Ich lache und grinse, doch was mich da zurück anlacht, oder besser gesagt manisch angrinst, das bin nicht ich! Das kann ich nicht sein! Will ich nicht sein! Und ein Gefühl, das ewig nicht mehr bei mir war, kriecht erst langsam und dann rapide in mir hoch und legt sich schwer auf meine Brust: Furcht.
Ich fürchte mich, dass es mir Angst und Bange wird, ich kann kaum atmen. Ich bin allein. Kann nicht bitte jemand kommen und diesem Spiegelwahn ein Ende bereiten?
Die Furcht wird ärger. Selbst als ich mich vom gerahmten Glas abwende, ist es, als sei diese fremde Person da, als sei ich nicht mehr da. Ich versuche mich selbst zu ertasten, zu erfühlen, wieder Boden unter den Füßen zu bekommen und mir klarzumachen, dass ich noch da bin und dass ich stärker bin als die Fremde. Doch ich fühle mich nicht, ich bin nicht da.
Furcht lähmt. Und wie paralysiert wage ich jeden Schritt nur langsam durch die wabernde und omnipräsente Ungewissheit.
Endlich! Ein vertrautes Knirschen und Knacken vor der Tür, ein Schlüssel, ein Quietschen. Ich bin nicht mehr allein.
Für einen Moment werden meine Fingerspitzen wieder etwas wärmer und ich beschließe dem ganzen ein Ende zu setzen, indem ich ins Bett gehe. Morgen wird es schon besser werden.
Ein letzter zögernder Blick über die Schulter. Es schaut zurück. Bewegt sich ihr Mundwinkel? Bewegt sich meiner? Lächel ich?
Ich ertaste mein Gesicht, doch meine Fingerspitzen und mein Gesicht fühlen sich fremd an. Nichts ist mehr vertraut.
Es ist unheimlich.

Gina Laventura © 2014