#writerswednesday: Inspirationen, Musen und Impulse

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#writerswednesday: inspirationen, musen und impulse

Hey, meine Lieben,

eine der Fragen, die mir oft gestellt werden, ist folgende:
“Was inspiriert dich?”
oder auch
“Wo findest du Inspiration, wenn du dich absolut nicht kreativ fühlst?”

Dem Klischee folgend, müsste ich nun sagen: Ich finde in allem Inspiration, die Welt ist voller Wunder, wenn du nur die Augen öffnest.

Und auch wenn da eine tiefe Wahrheit drin liegt, bin ich nicht klischeehaft genug, um es einfach so, ohne weitere Informationen dabei zu belassen.
Außerdem denke ich, dass es an der Zeit ist, denjenigen Wertschätzung entgegenzubringen, die die Inspiration entzünden, die mich zum Schreiben bringt.

Also ja, dieses Leben, diese Welt bietet allerhand, aus dem man Inspiration ziehen kann, angefangen von einem frischen Wind am Morgen, der Gerüche mit sich trägt, die das Gedächtnis bewegen und dafür sorgen, dass man an einen bestimmten Menschen oder Moment aus seiner Kindheit denkt, worüber man dann reflektiert. Die Katze, die elegant aufs Sofa springt und die man beobachtet und von der man lernt. Es kann das Wetter sein, eine Blume, die Nachrichten, etwas, was man sieht, hört, berührt oder mit einem oder vielen seiner Sinne wahrnimmt.
Die Liste würde tatsächlich seeeeehr seeehr lang werden und das menschliche Gehirn ist komplex genug, um dafür zu sorgen, dass man oftmals gar nicht mehr so genau weiß, woher denn nun dieser inspirierende Impuls kam, wisst ihr.
Aber manchmal kann man auch sehr genau bestimmen, woher die Inspiration kam.
Und ich würde sagen, es gibt bestimmte Aspekte, die in mehr oder minder regelmäßigen Abständen die kreativen Ecken des Gehirns durchströmen.
Unter anderem:
* Menschen
* aufgeschnappte Gespräche und Gesprächsfetzen
* Emotionen
* Umgebungen
* gesellschaftliche Beobachtungen

Gehen wir der Reihe nach vor: Menschen

Es gibt Menschen, die mit ihrer Weltanschauung, Einstellung, ihrer physischen Präsenz und ihrer Aura einfach dafür sorgen, dass man abrupt alles stehen und liegen lässt, was man gerade tut und die einen in eine Sphäre voller Ideen und Kreativität ziehen. Man will einfach nur zuhören, beobachten, ja man will sie einatmen, ein Stück davon sich einverleiben, diese Energie verschlingen.
Es gibt diese Ansicht, Kreative seien wie Vampire, die die kreative Energie aus ihrer Umgebung und den Menschen saugen.
Oder diese Pullis mit dem Aufdruck “Vorsicht, du könntest in meinem Roman landen” (Ich gestehe: Ich wollte immer einen davon haben, haha)
Und es ist tatsächlich nicht zu weit hergeholt, dass wir oft aus dem Zusammentreffen und dem Austausch mit anderen Inspiration ziehen.
Was mir an dieser Vampir-Idee missfällt, ist der Eindruck, dass wir die anderen etwas berauben würden, ihnen etwas wegnehmen würden. Also ja, tun wir, irgendwie, aber ich persönlich versuche zu vermeiden, einen leeren Tisch zu hinterlassen. Deswegen bemühe ich mich immer sicherzustellen, dass ich genügend selbst mitbringe, damit es ein fruchtvoller und beidseitig inspirierender Austausch für beide Parteien wird.
Ich möchte diesen Moment hier gern nutzen, um meine Dankbarkeit gegenüber den Menschen auszudrücken, die ich treffen durfte und die meine Gedanken und mein Gemüt bewegt haben, mich zum Nachdenken brachten und dafür sorgten, dass ich in kreativer Ekstase explodierte.
Ich bin dankbar und ich will, dass ihr wisst, dass ihr etwas besonderes seid.

Kleiner Exkurs:
Oftmals gibt es zwei Typen von Menschen: Diejenigen, die denken, dass das, was sie mit an den Tisch bringen niemals für eine Inspiration reichen würde. Und jene, die denken, sie seien so inspirierend, dass man bereits ein komplettes Buch für sie verfasst haben müsse.
Lasst mich euch was sagen: An diejenigen, die denken, es reiche nicht: Wenn ein Künstler euch ein Gedicht, einen Text, ein Bild sendet, das ihr inspiriert habt oder was durch eine Interaktion mit euch erst den nötigen Zündstoff bekommen hat, wertet es nicht als Kompliment. Wertet es als Ausdruck der Wahrheit, dass ihr besonders seid, dass ihr inspiriert und dass ihr vermutlich mehr Kraft in euch tragt als euch gerade bewusst ist.
An jene, die denken, sie verströmten so viele großartige Impulse: Wenn ihr die Werke eines Künstlers, den ihr getroffen habt, anschaut, hört doch bitte auf euch ständig in jedes winzige Detail selbst hineinzulesen und für euch zu beanspruchen, ja? Das führt nur zu Frustration, wenn sich herausstellt, dass nicht ihr sondern jemand anders es war, der den Künstler zu diesem Werk inspirierte. Und wenn ihr jemals einen Künstler inspiriert, dann seid euch bitte bewusst, dass das etwas besonderes ist.
Tut mir leid, wenn ich das hier mal kurz anführen musste, aber manchmal macht mich diese Arroganz wahnsinnig. Außerdem tut sich dadurch auch eine weitere Frage auf:
Würdet ihr auch ein Werk für euch beanspruchen, wenn es hässlich, roh, rau, gemein und schmerzhaft ist?
Jeder will die Blumen und die bezaubernden Blüten der Schönheit, aber wisst ihr was? Selbst wenn ihr ein kritisches, gemeines Gedicht voller Schmerz lest, das ihr inspiriert habt, dann ist es immer noch etwas besonderes, vielleicht eine Ehre, weil ihr die Gefühle des Künstlers so sehr berühren konntet, dass er darüber geschrieben hat.
(Ich weiß, klingt seltsam, aber nehmt euch mal einen Moment Zeit, um darüber zu reflektieren)

Zurück zur Dankbarkeit: Gibt es bestimmte Menschen, zu denen man immer gehen und sicher sein kann, dass man mit neuen Ideen nach Hause geht?
Ja und Nein.
Es gibt Leute, die die Tendenz haben, einen wieder und wieder zu inspirieren. Das sind die Menschen, die ich Muse nennen würde. Und ich bin mehr als dankbar, dass ich die Chance hatte, solche Menschen zu treffen.
Nicht viele, einen bestimmten, aber es ist ein sehr wertvoller Schatz, den ich besonders schätze.
Aber ich käme nicht auf die Idee, diese Person für den reinen Zweck der Inspiration auszunutzen.
Entweder kommt es natürlich oder eben nicht.
Zumindest ist das meine Einstellung dazu. Und es hat auch mit der Verbindung zur Muse zu tun, dass man sie schätzt und respektiert, indem man sie nicht ausquetscht wie eine Zitrone.

Bedeutet das nun, dass wenn enge Freunde von mir mich nicht zu einem Gedicht oder Text inspirieren, ich sie weniger liebe?
Ganz klar: Ja, natürlich! Wozu sind sie gut, wenn sie keine Eingebungen liefern?!
Ich mache selbstverständlich nur Spaß. Natürlich sagt die Anzahl an Gedichten, die ich für, über oder an euch schreibe etwas über unsere Verbindung aus, aber es sagt nicht unbedingt etwas über die Intensität der Liebe, die ich für euch oder andere empfinde, aus.
Es gibt Millionen Gründe und Milliarden Arten jemanden zu lieben, und ja, es ist eine spezielle Verbindung, die man mit seiner Muse hat, aber nichts davon “stiehlt” die Liebe aus meinem Herzen für Leute, für die ich noch nie etwas geschrieben habe.
So wie man sagt “Die Schönheit einer anderen Frau, nimmt dir nicht deine weg” oder wie auch immer dieser Spruch im Original exakt heißt, so ist es auch mit der Inspiration.
Es gibt also keinen Grund, sich in einem Wettbewerb zu ereifern oder sich mit anderen Leute, die Werke inspiriert haben, zu vergleichen.
Da werden Prozesse in Gang gesetzt, die der Künstler selbst manchmal gar nicht im Detail beschreiben kann. Es ist. Einfach so. Es ist.
Nichtsdestotrotz sollte man es nicht als selbstverständlich hinnehmen, wenn einem ein Werk gewidmet wird, auf der anderen Seite sollte man es ebenfalls nicht persönlich nehmen, wenn es nur eins oder kein Werk gibt, das man selbst inspiriert hat.
Das bedeutet nicht, dass ihr keine Bedeutung habt und vor allem bedeutet es nicht, dass ihr nicht geliebt seid.

Es gibt diese Aussage, man kann von jedem lernen, zur Not wie man nicht sein oder es nicht machen will.
Dementsprechend kann Inspiration sowohl aus den “positiven” als auch den “negativen” Erlebnissen und Begegnungen gezogen werden.
Aber oftmals bevorzugen wir natürlich das gute und positive Gefühl des Wortes Inspiration, als dass wir die Möglichkeit in Erwägung ziehen wollen, dass Momente und Menschen, die uns nicht ein Gefühl von einem Leben voller honigsüßer Milch vermitteln, ebenfalls zu Kreativität führen können.
Aber lasst mich euch was verraten: De Profundis von Oscar Wilde wäre niemals geschrieben worden, wäre er nicht von jemandem, den er geliebt und als Partner betrachtet hat, verraten und verkauft worden.
Heißt das nun, dass wir Leiden und Schmerz suchen sollten, um ein großartiger Künstler wie Oscar zu werden?
Naja, wir könnten darüber diskutieren und ich hab dazu echt viele Gedanken, aber ich denke dazu eignet sich ein separater Post oder ein anderes Format besser.
Wollt ihr darüber reden? Also meine Antwort ist ja.

Damit dieser Post nun aber nicht zu lang wird, empfehle ich euch, mich auf meinem Balkon zu besuchen, damit wir da dieses Gespräch fortführen können.
Ich sag Bescheid, wenn der Gedankenwust dort seinen Ausdruck findet.

Wie seht ihr das? Was ist eure Meinung?
Was inspiriert euch? Was inspiriert euch an Menschen?
Könnt ihr es wirklich auf den Punkt bringen und an bestimmten Charakterzügen, Ausdrücken und Bewegungen festmachen, was euch inspiriert?
Teilt eure Gedanken mit mir in den Kommentaren.

Auf bald, meine Lieben

xx

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#sundaystory: Fotograf

#sundaystory: Fotograf

Für Norbert Josefsson
Die vorgegebenen Elemente waren:
a) Deutsch
b) Fotograf
c) Sonne, Tod, Theater
d) dramatisch

Es war ein heißer Tag. Die Sonne brannte unerbittlich und jeder von seiner Stirn fallende Schweißtropfen verdunstete sofort auf dem Asphalt.
Er hatte sich dazu hinreißen lassen, die Vorbereitungen für das Fest auf dem Vorplatz des Theaters fotografisch festzuhalten, damit es beworben werden konnte und hoffentlich dementsprechend viel Zulauf erhalten würde. Überredet dazu hatte ihn die nicht mehr ganz so junge, aber junggebliebene Hauptdarstellerin des neuen Stücks, das am Vorabend der Festeröffnung Premiere feierte. Raffaela war nach ihrer Ausbildung in der Gegend über Umwege und viele Serpentinen auf ihrem Lebensweg zu einer doch relativ bekannten Größe im Theater aufgestiegen und kehrte nun an ihren ersten Spielort zurück.
Er, seines Zeichens gelernter Fotograf, hatte Raffaela zu Beginn ihrer Karriere in der Umkleide eines kleinen Hinterhoftheaters kennengelernt, als er zum Zwecke der Erstellung einer Fotomappe für seine Abschlussarbeit die ungeschminkte Wahrheit portraitieren wollte. Damals noch mit einer Tasche voller Filmrollen bewaffnet und Tagen, die in der Dunkelkammer zu nächtlichen Gleichnissen verschwammen, hatte er sich mit der ausdrucks- und willensstarken Künstlerin in der Umkleide nach der Vorführung bei starkem Tee mit süßer Milch angefreundet und sie hatten noch stundenlang bis spät in die Nacht geredet.
Die daraus erwachsene Freundschaft hielt nun schon mehr als 30 Jahre an und hatte geographische Distanzen und verschiedene Lebenswege durchstanden. Auch wenn sie sich manchmal jahrelang nicht sahen, stellten sie immer sicher, sich Briefe und Postkarten zu schreiben. Noch heute, nach all den Jahren, zierten viele bunte Ansichtskarten von allen Spielstätten, die Raffaela mit ihrem Ensemble bespielt hatte, seinen Kühlschrank. Und noch heute, nach all den Jahren, befand sich auf Raffaelas schnörkelverzierter Schminkkommode eine mit Muscheln und Perlen besetzte Holzbox, in der sie all seine Briefe und Karten aufhob. Hin und wieder, während der präzise gezogene Lidstrich auf einem Auge noch trocknen musste, nahm sie willkürlich einen Brief oder eine Karte aus der Box und las mit dem geöffneten Auge die Zeilen, die sich vor ihr wie ein Band der vergangenen Jahre zu einer Perlenkette aufreihten und manches Mal musste sie schmunzeln. Weinen wäre auch undenkbar gewesen, immerhin hätte dies verheerende Auswirkungen auf das Make-up gehabt. Dann küsste sie die Karte oder den Brief mit den Lippen, auf denen sich der frisch aufgetragene und noch nicht getrocknete Lippenstift befand und legte sie zurück in die Box.
Wenn es ihnen möglich war, hatte sie seine Ausstellungen und Veranstaltungen und er sie an ihren Spielstätten besucht.
Nie ohne diese Begegnungen fotografisch festzuhalten, nie ohne starken Tee mit süßer Milch als Abschluss eines außergewöhnlichen, von Lachen erfülltem Abend.
Und nun trafen sie sich wieder. Das letzte Treffen musste mittlerweile fünf Jahre her sein, eine lange Zeit, die sich bei der Verbindung der beiden und durch den Briefkontakt jedoch nie nach einer Ewigkeit anfühlte.
Sie trafen sich vor dem Seiteneingang des Theaters, der hinunter zu den Umkleideräumen der Darsteller führte. Während er über den Vorplatz schlenderte und die sengende Sonne die Luft vor seinen Augen zum Flimmern brachte, konnte er schon ihr altbekanntes breites Lächeln ausmachen. Das einzig wahre Lächeln, das Lächeln, das anders war als jenes, das sie auf der Bühne und in Interviews und bei Fotoshootings zur Schau stellte. Das Lächeln, das er manches Mal sogar bei ihren gemeinsamen Tagen geschafft hatte fotografisch für die Ewigkeit einzufangen. Auch wenn sie es hasste und ihm drohte die Fotos zu zerreissen.
Sie empfing ihn mit einer überschwänglichen Umarmung und er drückte sie und hob sie hoch, sodass ihre Füße ein paar Zentimeter über dem Boden baumelten. Alles wie immer.
Gemeinsam stiegen sie hinab in den wohltuend kühlen Keller und steuerten ihre Umkleide an. Ihr Lachen hallte von den Wänden zurück und die Freude über das Wiedersehen erfüllte den Gang. Als sie die Umkleide betraten lief ebenfalls alles wie immer ab. Ihre Bewegungen waren zwar über die Jahre langsamer, jedoch nie weniger grazil oder elegant, geworden. Sie nahm vor dem Schminktisch Platz und legte ihr breites Haarband an, um die Strähnen aus dem Gesicht zu halten, während er sich auf einem mit Samt bezogenen Schemel niederließ und die Kamera aus der Tasche kramte.
“Danke für die Einladung, ich freue mich so dich zu sehen!”, murmelte er, während er den Akku überprüfte.
“Ach, Dummkopf, seit wann bedankst du dich denn dafür? Es war doch klar, dass ich dich einladen würde, wenn ich hierher zurückkehre.”, lachte sie.
“Ja, hier hat alles begonnen.”
“Naja, nicht genau hier, aber in dieser Stadt, da hast du Recht. Gibt es das kleine Hinterhoftheater eigentlich noch? Ich hätte zu gern dort gespielt. Um der alten Zeiten Willen, weißt du?”
“Ach nein, leider nicht, daraus haben sie vor zwei Jahren eine Bar mit angeschlossener veganer Küche oder sowas gemacht. Aber vielleicht könnten wir dort gemeinsam essen. Um der alten Zeiten Willen, weißt du?”, grinste er.
“Pah! Ich bin Italienerin! Wenn meine Mamma hören würde, dass ich ausgerechnet mit dir, ausgerechnet in dieser Stadt mein Essen in einem veganen Restaurant einnehme, ich sag dir, sie würde sich im Grab herumdrehen! Das kann ich ihr nicht antun. Dann biete mir lieber Pommes Currywurst Mayo an. Das würde sie zwar auch ärgern, aber immerhin wäre Fleisch dabei.”, empörte sie sich scherzhaft.
Endlich hatte er die Kamera einsatzbereit und fing an ein paar Probeaufnahmen zu machen und die Einstellungen den gegebenen Lichtverhältnissen anzupassen während sie ihr Gesicht mit einer dicken Schicht Feuchtigkeitscreme eincremte.
“Ich möchte, dass du dir heut besonders viel Mühe gibst, mein Lieber. Du musst alles festhalten. Das wird der Auftritt meines Lebens! Dieses Stück habe ich noch nie gespielt, es ist eine absolute Premiere!”
Er runzelte die Stirn, irgendwas lag in ihrer Stimme, das er nicht genau definieren konnte. Er schaute sie prüfend an.
Sie atmete kurz ein und setzte ein Lächeln auf.
“Na, was ist?”, lachte sie und schmierte ihm mit der Fingerspitze einen dicken Klecks Creme auf die Nase.
“Hey!”, machte er und wischte sich die Creme mit dem Handrücken ab. “Ja, natürlich! Es scheint dir ja sehr wichtig zu sein.”
“Absolut. Es ist wie gesagt eine absolute Premiere und du weißt, man hat nur ein Mal die Chance, da alles im Detail festzuhalten.”
Sie drehte sich zu ihm und nahm seine beiden Hände in die ihren. Ihr Blick wurde ernster und sie schaute ihm direkt in die Augen.
“Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass du heut gekommen bist und dass du derjenige bist, der die Momente der Premiere einfängt. Du musst alles festhalten. Alles! Es ist mir wirklich wichtig. Und ich weiß, dass du es verstehst.”
Überrascht über ihren plötzlichen Ernst drückte er ihre Hände ein kleines bisschen fester und versicherte ihr, dass er sich die allergrößte Mühe geben würde, die großartigen sowie die kleinen Momente des Abends einzufangen und festzuhalten.
Dann bat sie ihn, sie noch für die letzte Stunde vor der Show allein zu lassen, wie sie es immer tat, um sich komplett auf ihr Spiel vorzubereiten.
Währenddessen ging er ins Foyer und machte ein paar Detailaufnahmen und ging dann hinaus auf den Vorplatz, passte die Kameraeinstellungen wieder den Lichtverhältnissen an und dokumentierte fotografisch die immer größer werdende Schar von Menschen, die sich zusammenfand. Trotzdem fand er auch hier und da Zeit mit alten Bekannten, wie dem Kartenverkäufer Johann und der Choreographin Christina zu plauschen.
Dann war es endlich so weit und die Platzanweiser baten das Publikum auf den vorgesehenen Plätzen, errichtet aus Paletten und bestückt mit bunten Kissen Platz zu nehmen.
Er positionierte sich so, dass er die ganze Bühne, die im Eigentlichen die Stufen des Theatereingangs waren, gut im Blick hatte.
Es wurde ruhig und das Stück begann.
Durch den Sucher seiner Kamera verfolgte er das ganze Stück, hielt jedes Lachen, jeden dramatischen Moment, jeden Kuss, jede Ohrfeige und jeden Tanz fest.
Die Kostüme waren atemberaubend und das Spiel aller Darsteller überragend. Raffaela spielte als ginge es um ihre Karriere, ihre Existenz, ja ihr ganzes Dasein und Leben. Sie war überwältigend. In all den Jahren hatte sie nichts von ihrer Anmut, ihrer Eleganz, ihrem Ausdruck, ihrer Stärke eingebüßt. Das Leben hatte seine Spuren in kleinen Fältchen um die Augen- und Mundwinkel und auf der Stirn, die sie sehr gut zu kaschieren wusste und in silbernen Haarsträhnen, die nun in der Abendsonne schimmerten, hinterlassen. Aber nichts davon nahm ihr etwas von ihrer Schönheit, von ihrer Präsenz.
Dem Spannungsbogen folgend wurde auch das Spiel immer intensiver, die Fotos eindrucksvoller, das Publikum ruhiger. Man hätte eine Stecknadel auf den Pflastersteinen fallen hören können.
Mitten auf dem Höhepunkt, der Klimax, als Raffaela in ihrer Rolle die wichtigsten Worte des Stückes sprechen sollte und sich dazu dem Publikum mit einer weit ausholenden Geste zuwandte, hielten alle den Atem an. Sie fasste sich an die Brust, ihre Hand ballte sich über ihrem Herzen zu einer Faust und sie streckte die andere Hand sehnsüchtig aus.
Er lies die Kamera sinken und blickte ihr direkt in die Augen. Dann brach sie zusammen.
Unsicher, ob es sich noch um einen Teil des Stückes handelte oder nicht, blieb es stumm im Publikum. Als jedoch die Darsteller anfingen, hilfesuchend nach den Platzanweisern und dem Regisseur zu schauen, wurde allen klar: Das hier war nicht mehr Teil des Stücks. Dies war bittere Realität.
Dann ging alles fürchterlich schnell. Der Krankenwagen wurde gerufen, alle rannten wie wild durcheinander, ein Sanitäter versuchte Erste Hilfe zu leisten, Christina die Choreographin koordinierte die fassungslosen Schauspieler und wies ihnen Aufgaben zu und Johann beruhigte das Publikum.
Er stand regungslos in der hektischen Masse, unfähig sich zu bewegen. Dann erinnerte er sich an Raffaelas Worte: “Du musst alles festhalten. Alles!”
Als wenn ihn plötzlich ein Blitz durchfahren hätte, riss er die Kamera hoch und fing an, alles zu fotografieren, die Hektik, die Menschen, das Abendrot, die weinenden und unter Schock stehenden Kollegen, dann sie. Wie schön sie dalag. Regungslos und doch noch voller Leben. “Du musst alles festhalten. Alles!” Er ließ die Kamera sinken und beugte sich über sie. Selbst der Tod stand ihr gut, mit ihrem perfekt gezogenen Lidstrich, den expressiven, rot bemalten Lippen. Selbst der Tod konnte ihr nichts nehmen. Außer dem Leben.
Er hielt sie fest bis der Krankenwagen kam und die Rettungskräfte sie aus seinen Armen nahmen.
Dann Ruhe. Stille. Leere.
Alles um ihn herum nahm er nur als schemenhaft, surreal war. Er saß da. Sonst nichts.
Es mussten Stunden vergangen sein, denn es war schon dunkel, die Straßenlaternen gingen an und der Mond brach hinter den Wolken hervor.
In der Zwischenzeit waren Bühne und Sitzplätze abgebaut worden, nur Reste von Glitzer und Konfetti, Teile des Bühnenbildes, gaben den Anschein, dass etwas stattgefunden hatte.
Ein Schatten näherte sich ihm. Es war Melina, die kleine Tochter von Johann. Sie blieb vor ihm stehen und streckte ihm etwas entgegen.
Den Nebel vor den Augen durch eine Geste wegwischend besann er sich.
“Was ist das?”, fragte er.
“Die Tante Raffaela hat mir das gegeben. Es ist ein Brief. Glaube ich. Also die Tante Raffaela hat mir das gegeben und sie hat gesagt es ist ganz geheim und ich soll dir das geben, wenn das Stück vorbei ist und alle nach Hause gehen. Also, sie hat gesagt das ist ganz ganz geheim und ich darf das niemandem sagen. Hab ich auch nicht!”, sprudelte Melina los und hob zwei Finger schwörend in die Luft.
Mit regungsloser Mine nahm er den Brief entgegen und starrte das Mädchen an.
“Willst du nicht aufmachen?”, fragte sie neugierig und beugte sich dabei leicht nach vorn und scharrte mit der Fußspitze über den Boden.
“Melina? Melina! Komm jetzt, es ist spät genug, wir müssen nach Hause, Mama wartet.”, das war Johann.
“Och, man! Du, sagst du mir, was drin steht, wenn du ihn gelesen hast?”, sie sah ihn erwartungsvoll an.
“Es ist doch geheim.”, brachte er hervor.
“Hm, ja stimmt.”, sagte Melina enttäuscht, bevor sie sich aufmachte, um ihrem Vater zu folgen.
“Danke!”, rief er ihr hinterher.
Als alle gegangen waren und nur die nächste Straßenlaterne den Vorplatz in schummriges Licht tauchte, öffnete er den Brief und las:
“Mein lieber, lieber Freund,
wenn du das hier liest, habe ich die größte und schwerste Rolle meines Lebens bereits gespielt, habe abgedankt und die Bretter, die die Welt bedeuten und immer meine Welt waren, würdevoll verlassen. Da du der beste Freund bist, den ich habe und du mich verstehst, wirst du alles, ja alles eingefangen haben, so wie ich dich drum gebeten habe. Es tut mir leid, dass ich dir das zugemutet habe, aber es ging nicht anders. Es war unser letzter gemeinsamer Tanz und ich wollte, dass du so viele Erinnerungen wie nur möglich davon festhältst.
Ich danke dir für jahrzehntelange Freundschaft. Es ist jedoch Zeit, dir mehr zu sagen als ich je vermochte. Zeit blieb mir keine mehr, und ich wusste es, ich wusste, dass es eine Premiere und ein Abschied sein würde. Daher nehme ich mir nun die Zeit, all die unausgesprochenen Dinge niederzuschreiben. Denn du, ja du hast noch Zeit. Zeit, diese Zeilen zu lesen.
Amore mio,
es gibt so viel zu sagen und so vieles, das du nicht weißt. Du kennst mich lang genug, gut genug und doch hast du so manches nicht verstanden, mein liebenswerter Dummkopf.
Ich hab dich immer geliebt. Vom ersten Tag an.
Ich hab dich geliebt als du als Lehrling mit zerzaustem Haar das Interview für deine Abschlussmappe und die fotografischen Arbeiten dazu mit mir erstellt hast. Ich hab dich geliebt, als wir uns in den niederländischen Grachten auf einen Kaffee trafen, weil ich dort spielte und du deine Ausstellung dort hattest. Ich hab dich geliebt als du mir Postkarten aus Rom schriebst, einzig mit Fotos von Gebäuden darauf, weil du wusstest, wie viel mir die Architektur bedeutet. Ich hab dich geliebt bei jeder Karte, die ich dir schrieb, von jedem Spielort dieser Welt, den ich bereisen und bespielen durfte.
Ich hab dich geliebt als ich Giovanni auf Wunsch meines Vaters heiratete, nachdem er und meine Mamma mir klarmachten, dass außer einem Italiener ihnen kein Mann an meiner Seite ins Haus käme und ich auch bei all meinen Mitspielern auf der Bühne ja nicht auf die Idee kommen sollte, etwas anderes zu denken. Ich hab dich geliebt als du die Hochzeitsfotos von unserer Hochzeit so liebevoll erstellt und überreicht hast. Ich hab dich geliebt, als du schließlich Beatrice gefunden und geheiratet hast. Ich hab dich geliebt, als ich dein freudestrahlendes Gesicht sah als du Vater von Zwillingen wurdest, einem Jungen und einem Mädchen. Ich hab dich geliebt als ich selbst erfuhr, dass ich schwanger war und ja auch als ich meinen Jungen unter Schmerzen auf die Welt brachte und ihn das erste Mal in den Armen hielt und Giovanni meine Stirn küsste, hab ich dich geliebt. Ich hab dich geliebt als du kreative Blockaden hattest, überlegt hast, alles hinzuwerfen, die Fotografie aufzugeben, ich hab dich geliebt, als deine Ehe zu scheitern begann, als deine Kinder sich gegen dich wandten, als du deine Freizeit vor dem Scheidungsgericht verbringen musstest. Ich hab dich geliebt als ich in einer Phase war, in der ich wieder und wieder abgelehnt wurde, die Rollenangebote ausblieben, Leute sich von mir abwandten und ich anfing an mir selbst zu zweifeln und du mir, obwohl ich nie darum bat, Mut zugesprochen hast und meintest, es kämen wieder bessere Zeiten. Ich hab dich geliebt als diese besseren Zeiten kamen und die Leute zurückkamen. Ich hab dich in jedem Wort, in jeder Zeile eines jeden deiner Briefe geliebt. Ich hab dich in jedem verschwommenen Foto und auch in den gestochen scharfen geliebt. All die Jahre, all die Zeit. Ich hab dich geliebt als ich erfuhr, dass meine Zeit begrenzt ist und wie begrenzt genau. Ich hab dich geliebt als du eingewilligt hast, diese eine, diese letzte Premiere festzuhalten. Und ich liebe dich während ich diese Zeilen hier schreibe.
Amore mio, um einen letzten Gefallen muss ich dich dennoch bitten und ich weiß, du wirst ihn mir nicht abschlagen: Bitte vergiss mich nicht und küsse diesen Brief bevor du ihn zurück in den Umschlag steckst, ja? Danke.”

Er starrte auf die Zeilen vor ihm, atmete flach, der Kloß in seinem Hals drohte ihm die Luft abzuschnüren und die Zeilen begannen zu verschwimmen, weil ihm Tränen in die Augen stiegen.
Er holte tief Luft und erfüllte Raffaela ihren letzten Wunsch.
Dann brach er zusammen.

Gina Laventura © 2019

#freelancefriday: Mythen & Vorurteile

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#freelancefriday: Mythen & Vorurteile

Hey meine Lieben,

heute mal was anderes.
Wie in meinem letzten #writerswednesday Post versprochen, habe ich mir etwas überlegt, um die Verspätung wiedergutzumachen.
Da ich mich öfter mal mit anderen Kreativen austausche und aus diesen Konversationen immer Impulse hervorgehen, ebenso wie beim Hören des deutschen Podcasts Creative Kraut* von einem Freund von mir, habe ich eine Idee gehabt, die mir im Kopf blieb.
So dachte ich, dass es für euch interessant sein könnte, ein bisschen über das Leben eines Freiberuflers (oder auch Freelancers – den Unterschied spreche ich später noch an –) zu erfahren.
Warum bin ich in der Position darüber zu schreiben?
Hm, vornehmlich, weil ich seit mittlerweile 6 Jahren – woop woop – einer bin.
Sechs Jahre?! Ja, anstatt einen Studentenjob anzunehmen, wie viele meiner Kommilitonen, habe ich mich damals dazu entschlossen, mich neben dem Studium selbstständig zu machen.
Klingt saucool oder? Haha, wenn meine nachträgliche Bilanzierung mich nicht trügt, gab es einige Monate oder gar Jahre, in denen ein Studentenjob weeeeesentlich lukrativer gewesen wäre. 😀
Aber ich habe viel auf dem Weg gelernt und er hat mich dahin geführt, wo ich heute bin.

Und da heute scheinbar auf allen möglichen Plattformen das “Baue dein eigenes Business auf”, “Kündige deinen Job und tu, was du liebst” so intensiv beworben wird, dachte ich, könnte es ganz interessant sein, ein bisschen von meinem Weg und meine Gedanken dazu zu teilen.
Was denkt ihr? Gute Idee oder eher Schnapsidee?
Also, lasst mich mal wissen, entweder hier in den Kommentaren oder per E-Mail oder wie üblich über Facebook oder Instagram, ob ich diese Serie hier fortsetzen soll.

Heute würde ich gerne mit einigen Mythen und Vorurteilen gegenüber der freiberuflichen oder Freelancetätigkeit aufräumen.
Dazu nehme ich Aussagen, wie ich sie schon oft gehört oder in den Augen meiner Gesprächspartner gelesen habe, und gehe darauf ein.
Wie immer entspringen die Aussagen natürlich meiner eigenen Erfahrung und Meinung und dienen nicht zur Verallgemeinerung.

Kleiner Disclaimer: Ich schreibe aus der Perspektive eines Freiberuflers, der in Deutschland lebt und arbeitet. Deshalb entsprechen manche Aussagen und Regeln nicht unbedingt dem freiberuflichen Dasein in anderen Ländern. Falls ihr freiberuflich in anderen Ländern tätig seid, lasst mich gern eure Meinung wissen, ich bin interessiert daran, wie es sich in anderen Ländern darstellt und gestaltet!

Also, fangen wir an:

1. Oh, wow, du musst nicht von 8 bis 17 Uhr arbeiten und kannst dir deine Arbeit frei einteilen, wie es dir gefällt!

Also, das kommt darauf an, für was ihr gebucht wurdet.
Wenn ihr etwas unterrichtet oder Kurse gebt, dann solltet ihr schon zur angegebenen Kurszeit erscheinen, nicht wahr?
Aber klar, die Vor- und Nachbereitung könnt ihr zu einem Zeitpunkt machen, der in euren Zeitplan passt, rein theoretisch zumindest, solange ihr zur nächsten Sitzung vorbereitet seid.
Falls es sich um einen Job mit einer Deadline handelt, der aber keine Zwischenziele beinhaltet, mag es zunächst so wirken, als könntet ihr euch den ganzen Tag die Nägel lackieren und nur hier und da mal ein Stündchen arbeiten.
Aber nehmen wir mal an, ihr habt mehr als ein Projekt gleichzeitig laufen, was nicht unüblich ist (und auch etwas mit Geld zu tun hat, aber dazu komme ich gleich), dann müsst ihr schon verdammte Meister des Zeitmanagements sein, um alles unter einen Hut zu bekommen und nicht den Überblick zu verlieren und immer noch bestmöglich abzuliefern.
Und das wiederum, meine Lieben, bedeutet, dass ihr lange arbeiten werdet und oftmals kein Wochenende habt und manchmal sogar gar nicht mehr wisst, welcher Wochentag grad ist.

2. DAS ist dein Stundensatz?! Du verdienst ja ein Vermögen!

Puh, einatmen, ausatmen, ruhig bleiben.
Ja, mein Stundensatz ist höher als das, was du in deiner Festanstellung verdienst, wenn du dein Monatsgehalt durch deine Arbeitstage und dann Stunden teilst.
Stimmt.
ABER: Ich habe keinen Arbeitgeber, der einen gewissen Prozentsatz oder gar die Hälfte meiner Krankenversicherung bezahlt. Ich bin mein Arbeitgeber. Also zahle ich 100%.
Je nachdem, in welchem Bereich ihr arbeitet, kann es sogar sein, dass ihr dazu verpflichtet seid, euch privat zu versichern.
(Und hier kommen wir zum Unterschied: In Deutschland machen wir einen Unterschied zwischen freier Mitarbeiter und Freiberufler, die per definitionem meistens Anwälte, Architekten oder – so wie ich – Kreative wie Autoren sind. Zwar nutzen wir gern den fancy Anglizismus Freelancer, der dann oftmals mit Freiberufler übersetzt wird, aber korrekt ist das nicht. Nicht jeder Freelancer ist ein Freiberufler.)
Und private Krankenversicherung ist niemals günstig.
Außerdem habe ich keinen bezahlten Urlaub. Jeder Tag, an dem ich nicht arbeiten gehe, ist ein Tag, an dem ich kein Geld verdiene.
Ich wiederhole: Jeder Tag, an dem ich nicht arbeiten gehe, ist ein Tag, an dem ich kein Geld verdiene.
Lasst das mal für ‘ne Minute sacken.
Und ja, das bedeutet, dass viele Freelancer (ich benutze den Begriff hier als Zusammenfassung für Freiberufler und freie Mitarbeiter) arbeiten gehen, obwohl sie mega krank sind, schlicht und ergreifend deshalb, weil sie es sich nicht leisten können auszufallen.
Zusätzlich ist meine Arbeit Projektarbeit. Manchmal läuft ein Projekt ein Jahr, manchmal nur einige Monate und manchmal ist es ein sehr kurzfristiges Projekt, wie das Lektorat eines Buches innerhalb einer Woche.
Und das, meine Lieben, bedeutet, dass ich in möglichst kurzer Zeit möglichst viel verdienen sollte, denn wenn man nicht zu den ständig Glücklichen gehört, die bereits für ein Folgeprojekt den Vertrag in der Tasche haben, dass man sich von seinem Ersparten über Wasser halten muss, bis das nächste Projekt eingetütet ist.
(Hinweis: Eure Fixkosten werden dennoch jeden Monat von eurem Konto abgebucht, weil es keine Sau interessiert, ob ihr grade Geldeingänge verzeichnet oder nicht)
Das, in Kombination mit dem, was ich zuvor gesagt habe, führt oftmals dazu, dass Freelancer jede Joboption ergreifen, die sich bietet, sich den Arsch abarbeiten und keine Wochenenden haben, um das Gefühl einer Pseudo-Sicherheit zu haben, sollte das nächste Projekt erstmal auf sich warten lassen.
Und jetzt meine Lieben, stellt euch vor, dass 80% (Zahl ist geschätzt, keine Beweise vorhanden) eurer potentiellen Kunden versuchen, eure Preise zu drücken und mit euch zu verhandeln.
Jetzt bloß nicht verzweifelt wirken und Würde und Selbstwertgefühl bewahren!

3. Es ist total cool, dass du dir deine Projekte selbst aussuchen kannst und nicht immer dasselbe tun musst. Das macht die Arbeit vielfältig, das muss total spannend sein!

Mh, ja und nein.
Also ja, die Arbeit kann sehr vielfältig sein. Vielleicht lektoriert ihr ein Kochbuch, übersetzt die Website eines Coaches, geht als Übersetzer auf eine Messe für Kosmetik und unterstützt den Relaunch der virtuellen Präsenz eines Schuhladens.
Das ist absolut bunt und vielfältig und das ist definitiv eine Sache, die ich am freiberuflichen Arbeiten sehr schätze.
Aber das bedeutet auch, wenn ihr mehrere Projekte parallel laufen habt, dass euer Gehirn sehr schnell und flexibel arbeiten muss, damit ihr innerhalb von 12 Stunden durch 3 verschiedene Themen springen könnt und in allen dreien eure bestmögliche Arbeit abliefert.
Oder innerhalb einer Woche müsst ihr diverse Schreibstile nutzen, euer Gehirn auf andere Sprachen umschalten und dabei immer noch eure Termine einhalten.
Also ja, definitiv ist das total spannend und man lernt aus den verschiedensten Bereichen eine ganze Menge dazu.
(Wie viel ich allein durch das Lektorieren von Texten, mit deren Inhalten ich mich freiwillig nie im Detail beschäftigt hätte, gelernt habe. Und plötzlich entdeckst du dich selbst auf einer Party, wo du über Digitalisierung, Smart Homes, Finanzen und Medizin redest. haha)
Also ja, es ist aufregend, aber es kann auch sehr anstrengend sein.
Und an manchen Tagen wünscht ihr euch einfach nur ein “normales Leben” mit geregelten Arbeitszeiten, wo ihr zu einer bestimmten Uhrzeit nach Hause kommt und Feierabend habt und einfach die Dinge tut, die noch zu tun sind, wie einkaufen und Haushaltskram (denn ja, auch als Freelancer müssen diese Dinge noch irgendwo untergebracht werden) und euch dann mit einem guten Buch oder eurem Lieblingsfilm auf die Couch werfen könnt.
Aber es wäre schlichtweg gelogen, wenn ich jetzt behaupten würde, diese Arbeit sei nicht interessant oder spannend. Klar, nicht jedes Projekt ist ein Wow-Projekt und es gibt Tage, an denen ihr einfach null Bock habt, selbst bei Projekten, die euch eigentlich gut gefallen, aber das hat man ja immer, egal was man arbeitet.
Dennoch sind diese Aspekte definitiv welche, die mir an der freiberuflichen Tätigkeit sehr gut gefallen.

So, so viel zu den Mythen.
Bevor sich nun jemand aufregt, lasst mich kurz ein paar Dinge klarstellen:
1. Ich möchte in keiner Weise sagen, dass Freelance-Arbeit scheiße ist, weil es keinen bezahlten Urlaub gibt oder weil ihr mit einigen Unsicherheiten in Bezug auf Projekte umgehen müsst. Ich will mich darüber auch gar nicht beschweren, denn ihr könntet einfach sagen “Ja, aber das ist das, was du dir ausgesucht hast. Niemand hat dich gezwungen. Du kannst dir auch eine Festanstellung suchen. Das war doch deine Entscheidung.” und ich hätte diesem Argument rein gar nichts entgegenzusetzen.
2. Keineswegs möchte ich Festanstellungen irgendwie runtermachen und das Freelance-Dasein als das Nonplusultra loben oder gar behaupten, dass Freelance-Arbeit stressiger als eine Festanstellung ist. Nein, ganz bestimmt nicht! Eine Freundin von mir ist Krankenschwester, was eine Festanstellung mit bezahltem Urlaub und Krankenversicherung ist, und ich weiß, wie gestresst sie nicht nur an einigen Tagen nach Hause kommt und ich bewundere sie und ihre Kollegen für das, was sie jeden Tag leisten. Ebenso wie ich jedem meine Achtung entgegenbringe, der jeden Tag aufsteht und sein Bestes gibt. Egal, was und in welcher Vertragsform er oder sie nun auch arbeitet.
3. Mein eigentliches Ziel ist es, Verständnis und Bewusstsein für den oftmals weit verbreiteten Irrglauben über freiberufliche oder freie Tätigkeiten zu kreieren.
Sheesh, wenn ihr euch mal in den sozialen Netzen umschaut, bekommt man den Eindruck, dass jeder dritte euch erzählen will, dass ihr euren festen Job in die Tonne hauen und euren Träumen folgen sollt, um das zu tun, was ihr liebt. (Als wenn die Arbeit als Freelancer eine Garantie dafür sei.)
Was ich sagen will: Bitte bedenkt einige Punkte bevor ihr überhaupt irgendwas in die Tonne werft, okay?
Nur weil ihr als Freelancer in diversen Projekten mit vielfältigen Themen arbeitet, heißt das nicht, dass ihr euren Traum lebt, denn wie zuvor gesagt ist es oft so, dass man einfach den nächsten Job annimmt, der sich da bietet, um die Rechnungen zu bezahlen.

Ich will keine der Arbeiten, egal ob nun Freelance, freiberuflich oder feste Anstellung, auf einen Podest stellen und die anderen heruntermachen.
Mir geht es um Verständnis in beide Richtungen.

Lasst mich wissen, was ihr denkt.
Seid ihr Freelancer und liebt es?
Habt ihr eine Festanstellung und spielt mit dem Gedanken, euch selbstständig zu machen? (Falls ja, hoffe ich, dass mein Post euch nicht dazu bewegt hat, diese Idee zu verteufeln. Wenn es das ist, was ihr wirklich wollt, tut es! Ich sage nur, informiert euch vorher und macht eure Hausaufgaben, damit ihr nicht verträumt in irgendetwas hineinstolpert und euch hinterher denkt “Was zur Hölle habe ich getan?!”, okay?)
Habt ihr beide Seiten kennengelernt? Und falls ja, welche bevorzugt ihr und warum?

Lasst euch in den Kommentaren aus.

Auf bald, meine Lieben

xxx
Gina.

 

 

 

 

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Blog-Einweihungsparty

norbert josefsson

Willkommen!

Schnappt euch was zu trinken, macht es euch gemütlich oder kommt zu mir auf die Tanzfläche und lasst uns feiern.
Das Sofa ist schon da, Dekoration ist noch nicht komplett fertig, Tisch und Stühle sind bestellt, aber noch nicht eingetroffen, also nehmt euch ein Kissen und macht es euch bequem in meinem neuen virtuellen Zuhause, meinem Ort der Kreativität.

So wie bei einer Einweihungsparty noch nicht alles 100% fertig und perfekt ist, so schmeiss ich heute diese Blog-Einweihungsparty, bei der der Rahmen steht, das neue Layout an die Wand gemalt ist, aber manche Details im Laufe der nächsten Wochen noch hinzu kommen oder wieder verworfen werden können.
Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass es euch gefällt und ihr mich hier oft besuchen kommt.

Nach zwei Jahren des Nicht-Bloggens, mehreren Monaten der Planung von Layout, Struktur und Inhalten und dem Erstellen einer kompletten Strategie und eines Themenplans, schlafloser Nacht nach schlafloser Nacht, um hier voranzukommen, sind meine Finger noch voller Farbe, meine Haare sind eine Katastrophe und ich schwitze immer noch wie ein Tier.

Dennoch seht ihr mich heute mit einem Lächeln im Gesicht, denn es fühlt sich so unglaublich gut an, zurück zu sein.

Kommt mit auf einen kleinen “Rundgang” durch die Zimmer. – Jeder sollte wissen, wo das Klo ist und wo der Kühlschrank mit frischem Bier steht, oder? –
Also, oben findet ihr die verschiedenen Themen in den Reitern.
Das Portfolio gibt euch einen Einblick in mein Foto- und Videorepertoire.
Der About-Teil gibt euch Informationen über mich, diesen Blog und meine Arbeit.
Der Bereich Dienstleistungen gibt euch einen Überblick über die Dienstleistungen, die ich hier auf dieser Website anbiete, wie Modelling und Schreiben, mit den speziellen Angeboten zu Poesie & Prosa für besondere Anlässe und professionelles Storytelling.
Kontakt & Buchung ist selbsterklärend, denke ich.
Die Creative Chaos Wolke zeigt euch alle Kategorien, zu denen ihr hier Blogeinträge finden könnt, sodass ihr schnell zu den Themen gelangen könnt, die euch interessieren.

So, das war der schnelle Rundgang, ich hoffe, ihr findet euch zurecht.
Falls ihr noch Fragen habt, fragt mich, ich versuche ein guter Gastgeber zu sein.

Was ist für die nächsten Wochen geplant und wieso solltet ihr zurückkommen?
Ich habe hart und intensiv an einem Konzept gearbeitet und an Inhalten, die euch einen Mehrwert bieten und für euch von Interesse sein könnten.
Und das ist, was daraus geworden ist:
Ich blogge vier Mal im Monat, also einmal die Woche zu den verschiedenen Themenbereichen, in denen ich arbeite. Also ein Blogeintrag pro Woche ist das dann.
Was ihr also bekommen werdet, ist folgendes:
#modelmonday: Infos für Fotografen und Models, witzige Anekdoten, die ich in 10 Jahren vor der Kamera erlebt habe und sonstige Inhalte, die mit diesem Themenfeld verbunden sind.
#writerswednesday: Infos und Inhalte für Schreiber und Leser, Inspirationen, Impulse und Gedankenanstöße rund um das Thema Schreiben und Lesen.
#socialsaturday: Diverse Inhalte, die mit dem zwischenmenschlichen Miteinander, sozialen Phänomenen, Perspektiven, Fragen und Impulsen zu sozialen Themen verknüpft sind.
#sundaystory: Ja, die sundaystory ist zurück und wir werden wieder spielen. Falls ihr nicht wisst, was die sundaystory ist, klickt bitte hier. Ich werde die nächste Runde früh genug bekannt geben, aber das wird voraussichtlich nicht vor August sein, da ich zwei Lesern immer noch ihre sundaystories schulde.

Nach dieser Einweihungsfeier, auf der ihr euch in Ruhe umsehen könnt, und die neue Dekoration und die Möbel begutachten könnt, wird es ein Special auf dem Balkon, auch bekannt als Instagram, geben. Also geht auf jeden Fall meine Balkonpflanzen bewundern!
Außerdem werde ich euch in den Stories auf Instagram auch immer mal wieder mit hinter die Kulissen von kreativen Produktionen nehmen.
Das Special ist eine Fotoserie mit dazugehörigem Text, die ich vor einem Jahr mit Norbert Josefsson produziert habe und die für mich so besonders war, dass ich sie mir für einen besonderen Moment aufheben wollte.
Und ich denke, dieser Moment ist nun gekommen.
Also jeden Tag, angefangen am Freitag, den 15. Juni, wird es auf Instagram und Facebook ein Bild mit Text geben, was am Ende eine Serie mit sechs Bildern ergibt. Am Donnerstag, den 21. Juni wird es die komplette Serie hier auf dem Blog und auch auf Instagram zu sehen geben.

Nach dem Special starten wir mit der ersten sundaystory am 24. Juni, da es mittlerweile schon zwei Jahre sind, dass ich diese schuldig bin.
Ich hoffe, ihr lieben Leser seid noch da und werdet sie lesen.

Puh, so nach dem organisatorischen Part kommen wir nun zu der obligatorischen Rede, die ich in so einem Moment halten sollte, bevor jeder wie verrückt die Korken knallen lässt. – oder zumindest ist das das, was ich tun werde –.
Ähem, pling pling, sehr geehrte Damen und Herren, dürfte ich für einen Augenblick eure Aufmerksamkeit haben, bitte: (holt euch lieber noch n Kurzen und n Bier, das hier kann länger dauern – oder überspringt einfach den kursiv geschriebenen Teil – der Vorteil virtuell und nicht in Realität hier zu sein)

Danke, dass ihr heute Abend hier seid, dass ihr diesen besonderen Moment mit mir teilt, dass ihr euch Zeit aus eurem vollen Tag genommen habt, um mit mir zu feiern.
Ich möchte mich gern bei den ganzen Followern hier auf WordPress bedanken, die hier geblieben sind, obwohl ich zwei Jahre nicht gebloggt habe, was in der heutigen Zeit eine wahre Ewigkeit ist.
Auch möchte ich mich bei den Instagram-Followern bedanken, die geblieben sind und nicht entfolgt sind, obwohl ich zeitweise sechs Monate nichts gepostet habe, was quasi einem Social Media Selbstmord gleichkommt.
Ich möchte mich bei der ganzen virtuellen Community für die Unterstützung und die Geduld bedanken.

Vor allem aber möchte ich den Leuten, allen voran meinen engsten Freunden, danken, die mir virtuell und im realen Leben ihre positive Energie und Worte gesendet haben, die mich ermutigt haben dranzubleiben, die immer wieder unnachgiebig nach meiner Arbeit, meiner Kunst, meinem Blog, meiner Poesie gefragt haben, die ihre Zeit und Energie investiert haben, um mir Tipps und Tricks zu nennen, Ratschläge und Wissen über Social Media mit mir zu teilen, die mir Input und Impulse für neue Inhalte gegeben haben, die geduldig mit mir waren, wenn ich nach Ratschlägen und Rückmeldungen gefragt habe und die liebe- und verständnisvoll waren, wenn ich “Nein” zu Events sagen und stattdessen arbeiten musste, die ihre kraftvolle positive Energie mit mir geteilt haben und die mich wissentlich oder unwissentlich inspiriert und motiviert haben.

Ohne euch alle, eure Geduld und Unterstützung, würden wir heute wahrscheinlich nicht feiern.
Es war keine leichte Zeit und Aufgabe, aber nun sind wir hier und ich erhebe mein Glas auf euch.
Ich bin unendlich dankbar.

martin zethoff

Nun genug des Geredes und genießt eure Zeit hier, ich hoffe, ihr bleibt noch ein Weilchen und kommt oft wieder.
Falls ihr noch Fragen habt, meldet euch.

xxx
Gina.

Spiegelwahn

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Photo & Editing: Ralph Wietek

Passend zum bevorstehenden Halloween mal etwas unheimlicheres 😉

Spiegelwahn

Das Unheimliche. Etwas, das sich nicht mehr heimlich, heimelig, wie ein Heim anfühlt. Das Andere. Und doch ist es in meinem Heim. Soll eigentlich ein Abbild meiner Selbst und nicht des Anderen sein.
Es ist dunkel und still, ich bin allein. Die vertrauten Geräusche verdumpfen und zurück bleibt Stille. Während ich umherstreife und nach etwas Vertrautem suche, klingt sogar das Geräusch meiner Füße auf den alten Holzdielen fremd. Ich betätige den Lichtschalter und erschrecke. Was ich dort sehe, sollte vertraut sein, bekannt sein, doch es fürchtet mich. Als könne dieses vermeintliche Abbild meiner Selbst plötzlich ein Eigenleben entwickeln, sich in die andere Richtung drehen, mir gar zuzwinkern! Wie in dem Albtraum Jahre zuvor, in dem diese Person, gefangen hinter modelliertem Glas, mich aus fremden grünen Augen anschaute, mich anlachte oder gar auslachte, mir zuzwinkerte und die Zunge rausstreckte und es war niemand da, der mir hätte helfen können, nichts Vertrautes, das diese Person wieder in ihre Schranken hätte weisen können. Die Welt schlief. Und ich war allein mit diesem Fremden.
Ich schüttele den Kopf und schleiche ins Bad, kaltes Wasser sollte die Sinne wieder befreien.
Doch als ich nach dem Abtrocknen vom Handtuch aufschaue, ist sie wieder da, die fremde Person. Ich versuche Kontrolle zurückzugewinnen, indem ich sie zwinge, das zu tun, das wiederzugeben, was ich tu. Ich verziehe das Gesicht, sie auch. Ich lache und grinse, doch was mich da zurück anlacht, oder besser gesagt manisch angrinst, das bin nicht ich! Das kann ich nicht sein! Will ich nicht sein! Und ein Gefühl, das ewig nicht mehr bei mir war, kriecht erst langsam und dann rapide in mir hoch und legt sich schwer auf meine Brust: Furcht.
Ich fürchte mich, dass es mir Angst und Bange wird, ich kann kaum atmen. Ich bin allein. Kann nicht bitte jemand kommen und diesem Spiegelwahn ein Ende bereiten?
Die Furcht wird ärger. Selbst als ich mich vom gerahmten Glas abwende, ist es, als sei diese fremde Person da, als sei ich nicht mehr da. Ich versuche mich selbst zu ertasten, zu erfühlen, wieder Boden unter den Füßen zu bekommen und mir klarzumachen, dass ich noch da bin und dass ich stärker bin als die Fremde. Doch ich fühle mich nicht, ich bin nicht da.
Furcht lähmt. Und wie paralysiert wage ich jeden Schritt nur langsam durch die wabernde und omnipräsente Ungewissheit.
Endlich! Ein vertrautes Knirschen und Knacken vor der Tür, ein Schlüssel, ein Quietschen. Ich bin nicht mehr allein.
Für einen Moment werden meine Fingerspitzen wieder etwas wärmer und ich beschließe dem ganzen ein Ende zu setzen, indem ich ins Bett gehe. Morgen wird es schon besser werden.
Ein letzter zögernder Blick über die Schulter. Es schaut zurück. Bewegt sich ihr Mundwinkel? Bewegt sich meiner? Lächel ich?
Ich ertaste mein Gesicht, doch meine Fingerspitzen und mein Gesicht fühlen sich fremd an. Nichts ist mehr vertraut.
Es ist unheimlich.

Gina Laventura © 2014

Dusche

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Photo & Edtiing: GOTOX, 2011

Heute ein Ergebnis einer Schreibaufgabe, die ich mal im Zuge einer meiner Kurse machen musste. (Dies hier ist nur die Übersetzung, da das Original auf englisch verfasst wurde und bis heute unübersetzt blieb)
Die Aufgabe war Folgende: Normalerweise dosiert man Adjektive und Vergleiche eher vorsichtig, genau wie Stereotypen, aber diesmal sollten wir an etwas denken, das wir an dem Tag gemacht haben und es mit irgendwas vergleichen und viele Adjektive benutzen, wirklich übertreiben. Übertreibung hilft eine Achtsamkeit gegenüber Stilmitteln zu entwickeln.

Dusche

Heute morgen stand ich auf und mein Rücken schmerzte wie die Hölle. Ich fühlte mich, als sei ich von einem Lastwagen überfahren worden.
Ich wusste, dass die einzig mögliche Schmerzlinderung, die ich bekommen konnte, eine heiße Dusche war, also nahm ich mein Handtuch und meine Peeling-Handschuhe, die mich an Gänsehaut auf einem Körper erinnern, wenn ich sie berühre und öffnete meine Tür, die ein ähnlich schrilles Kreischen von sich gab wie ich selbst, nachdem ich den heftigen Schmerz in meinem Rücken bemerkte. Ich lief auf Zehenspitzen über den blauen Teppich, der mir meinen Weg zur Dusche von einem Ende des Korridors zum anderen wies, ganz so, wie dieser Tunnelblick, den Menschen haben bevor sie sterben. Ich konnte sogar das weiße Licht am Ende des Korridors sehen. Während ich auf Zehenspitzen lief, kitzelte der blaue Teppich meine Füße und es fühlte sich so gemütlich an wie das Gras aus meinen Kindertagen, als ich über das Grün unseres Gartens rannte.
Als ich endlich die Badezimmertür erreichte, öffnete ich sie so leise wie ich nur konnte um nicht wieder an das schrille Geräusch erinnert zu werden. Ich betrat den Duschraum und schloss die Tür, hing mein Handtuch über die Türklinke und begann mich auszuziehen wie in Slow-Motion. Auch wenn es sich für mich anfühlte, als bewege ich mich wie eine alte Frau, die an einer schweren Krankheit litt, stellte ich mir vor, dass ich mich mit einer attraktiven Langsamkeit auszog als wäre ich dabei, jemanden mit diesem Striptease zu verführen. Ich ließ meine Kleidung fallen wie der Baum die Blätter im Herbst und betrat die Dusche. Dann schloss ich die Duschtür und auch wenn dieser Duschraum eher an eine Zelle in einer psychiatrischen Klinik erinnert und ganz sicher nicht für Klaustrophobiker geeignet ist, fühlte ich mich beschützt wie eine Perle in ihrer Muschel.
Ich stellte das warme Wasser an und ließ es über meinen schmerzenden Körper laufen, steckte meine Arme und griff nach dem oberen Ende der Duschtür und stand nun in einer Position da, die mich an eine willkürliche SM-Geschichte erinnerte, in der das Opfer gefesselt und hochgebunden ist, kurz bevor es ausgepeitscht wird.

Gina Laventura © 2012

witzige Anekdote: Ich las diese Geschichte laut im Kurs vor und mein Dozent sagte “Also, deine Geschichte scheint zu funktionieren, denn alle Jungs, je weiter du vorgelesen hast, sind errötet und haben angefangen ihre Füße anzustarren.”

Kreativ bleiben Tipp #2

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Photo & Editing: Ralph Wietek

Setzt euch in ein Café und beobachtet die Umgebung und die Leute!

Und damit mein ich nicht unbedingt, trefft euch mit Freunden in einem Café, sondern nehmt euch wirklich ein wenig Zeit und geht allein in ein Café, ordert euer Lieblingsgetränk und vielleicht ein Stück Kuchen oder dergleichen und schaut euch um.
Lasst die Umgebung auf euch wirken und schaut euch die Menschen an.
Was eine Freundin und ich früher gemacht haben war Folgendes: Wir haben uns gemeinsam in ein Café gesetzt (da war es Sommer und wir konnten draußen sitzen, aber es funktioniert ebenso gut wenn man drinnen sitzt und nach draußen schauen kann). Die Passanten, die vorbeiliefen inspirierten uns und wenn dann zum Beispiel ein Pärchen vollbepackt mit Tüten und mit missmutigen Gesichtsausdrücken vorbeistapfte, sagte eine von uns “Okay, ich bin der Mann, du nimmst die Frau!” und dann fingen wir an, die Passanten zu synchronisieren. Die hanebüchensten und lustigsten Dialoge sind dabei entstanden, die oftmals so fernab dessen gewesen sein mussten, was diese Leute wirklich besprachen, aber es war ein absolut amüsanter Zeitvertreib. (den ich sogar gelegentlich gern wiederholen würde^^)
Diesem Zeitvertreib liegt vermutlich ein ähnliches Prinzip zugrunde wie dem Improvisationstheater, da man alle Gesichtsausdrücke, Bewegungen und “Plot-Twists” mit einbauen musste, in das, was man da fabrizierte. Aber es funktioniert auch ohne eine zweite Partei, mit der man lustige Konversationen spinnen kann.
Aber sich zu überlegen, was diese Menschen wohl denken, was sie gerade tun, woher sie kommen, wohin sie gehen, kann durchaus die Basis für eine gute Geschichte liefern. Ebenso wie die ganze Stimmung der Umgebung dazu beitragen kann.
Gerade jetzt in der Weihnachtshektik die Leute zu beobachten, während man selbst gemütlich im Café sitzt, kann interessant sein. Sich im Sommer mit einer Decke in den Park setzen ebenfalls. Es muss natürlich nicht zwangsläufig ein Café sein, das versteht sich von selbst.
Ich spazierte mal durch einen Park und machte eine kleine Pause auf einer Bank und schaute mich um. Dort sah ich einen Mann auf seinem Fahrrad, der sowohl hinten als auch vorne einen Sitz samt Kind mit sich spazieren fuhr, ein verliebtes Pärchen in ihren Vierzigern, ein junges Pärchen, das eine Auseinandersetzung hatte in einer fremden Sprache, an einen Baum gelehnt einen jungen dunkelhaarigen Mann, der seine Freundin mit gelbem Kopftuch verliebt anschaute, während sie eine SMS in ihr Handy tippte bevor sie sich ihm wieder zuwandte, eine Oma, die mit ihren Enkeln spazieren ging, eine englischsprachige schwangere Frau, die mit ihrem Töchterchen spazieren ging, das ganz aufgeregt umhersah bis sie ihren Vater in einer auf sie zusteuernden Menschenmasse ausfindig machte und dann Anlauf nahm und mit einem langgezogenen “Daddy” auf ihn zurannte und er es hochnahm. Alles Basis für Geschichten, vor allem wenn man den Fokus auf Ähnlichkeiten, Unterschiede und Gemeinsamkeiten legt, denn alles was ich sehen konnte war nur eins: Liebe. Egal in welcher Form, die Menschen waren unterschiedlichen Aussehens, unterschiedlicher Altersklassen, sprachen unterschiedliche Sprachen, waren unterschiedlicher Herkunft und die Beziehung zwischen ihnen war unterschiedlich, aber eins hatten sie gemeinsam: die zugrundeliegende gemeinsame emotionale Verbindung.
Wenn das mal keinen Boden für eine Geschichte bietet!
Und selbst wenn ihr euch gemeinsam mit jemandem irgendwo hinsetzt und ihr beide das gleiche seht, so werden eure Geschichten, die ihr nachher schreibt trotzdem nicht die gleichen sein.
Und das macht es spannend und aufregend und so enorm inspirativ.
Also kann ich euch nur ans Herz legen, es mal auszuprobieren, selbst wenn ihr keine Geschichten schreibt, sondern ein anderes kreatives Ansinnen verfolgt, sei es nun Malen, Zeichnen, Musik, Fotografie, Schreiben von Kurzgeschichten, Gedichten, Büchern, TV-Formaten, Kurzfilmen, Spielfilmen oder sonst etwas, was mir ad hoc nicht eingefallen ist, ich halte es für eine wunderbare Methode in Bewegung und kreativ zu bleiben.
Sei kreativ. Sei du selbst.

#tbt: Winchester – Damals und Heute –

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#tbt: November 2014

Vor zwei Jahren habe ich ein Auslandssemester in England absolviert.
In Winchester um genau zu sein.
Bevor ich zum eigentlichen Thema der kurzen Rückkehr in diese Stadt komme, sollte ich vielleicht einen kleinen Umweg nehmen und das Pferd nicht von hinten aufziehen.
3 Monate England. 3 Monate Winchester. “3 Monate Urlaub”, denken manche. Haha, nein. 12 Wochen lang für Kurse pauken, Aufgaben vorbereiten, in der Mitte des Semesters erste Pflichtaufgaben, deren Note mit in die Endnote einfließen. Hinzu kam, dass man sich erstmal an das andere “System” gewöhnen und sich dort einfinden musste, da selbst Essays dort anders aufgebaut sind als hierzulande.
3 Monate voller interessanter Kurse. Ich hatte das Glück großartige Dozenten zu treffen, die sowohl von der Wissensvermittlung her als auch von der Art und Weise, wie sie ihre Kurse gaben wahrlich inspirierend waren. Außerdem hatte ich einen Kurs über Kurzgeschichten und da nahm die Prosasparte meines Schreibens erstmals ihren Lauf.
3 Monate, in denen ich neue Bekanntschaften schloss, aber vor allem auch neue Freunde fand. Freunde, mit denen ich bis heute in Kontakt stehe und an deren Leben ich dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten zumindest noch ein bisschen teilhaben kann.
3 Monate, an die ich mich sehr gern erinnere, und nein, nicht weil alles Friede, Freude, Eierkuchen in einem Milch-und-Honig-See war. Es war eine nervenaufreibende Zeit, in der sich viel bewegt hat und viel im Wandel war, was sich auch noch weiterzog, als ich wieder heimkam. Aber vielleicht erinnere mich auch gerade deshalb gern daran zurück. Weil es Milch und Honig in schlaflosen Nächten gepaart mit Eierkuchen an nachdenklichen Tagen war.
3 Monate, die ich definitiv nicht missen wollen würde.

Interim: Ich kam heim. Eins der ersten Dinge, die ich tat? Alle Schränke, Regale und sonstige Aufbewahrungsmöglichkeiten, die ich besitze, öffnen, komplett ausräumen, ausmisten, wieder einräumen. Outside the Box sozusagen. Luft schaffen. Freunde treffen. Die Freundschaft zu meinen engsten Liebsten wurde intensiver und heute stehen wir noch enger zusammen als zuvor. Und dafür bin ich dankbar.
Uni. Arbeit. Kreatives. Einatmen, Anlauf nehmen, rennen. Verpasste Zeit aufholen. Vorwärts preschen um hoffentlich dahin zu gelangen, wo man hin möchte.

Schneller Vorlauf: 2014.
Endlich ergab sich die Gelegenheit wieder nach Winchester zu reisen. Wenn auch nur für vier Tage.
Als der Bus, der von Heathrow losfuhr, uns alle unten an der King Alfred Statue ausspuckte und ich tief einatmen konnte, musste ich lächeln. Der Schlafmangel und die Reiseunannehmlichkeiten (ja, es ist eine Unannehmlichkeit, wenn man knapp eine Stunde in einem Reisebus sitzt, in dem es so riecht, als hätte der Hamburger Fischmarkt beschlossen sich auf engstem Raume einzuquartieren) und die noch anstehenden Erledigungen, die zu machen waren, waren in dem Moment irrelevant. Wie weggewaschen. Ich war da.
Mal abgesehen davon, dass oftmals, wenn man verreist, die Atmosphäre anders ist, wenn man “weg” ist, hat England doch immer eine ganz besondere Wirkung für mich gehabt. Mit “weg” meinen wir ja sowieso meist “raus aus dem Alltag”, raus aus der Routine, der ständigen Wiederholung. Eine Pause von der leistungsorientierten, hektischen, drückenden Gesellschaft, in deren Hamsterrad wir jeden Tag rennen, nur um am Ende des Tages erschöpft aus ebendiesem herauszupurzeln, ins Bett zu kriechen und mit dem Gefühl einzuschlafen, man hätte noch nicht genug geleistet. Zumindest kann einem das manchmal schon so vorkommen. Wir reden hier nur von einem Gefühl, nicht davon, ob das wirklich als Tatsache so ist und ob das alles optimal ist, wollen wir jetzt gerade auch nicht erörtern.
Aber hier kommt der ausschlaggebende Punkt: Ich habe oft versucht zu analysieren, warum ich mich in Winchester, in England so wohl fühle. (So wohl, dass es mir jedes Mal schwer fällt, wieder zu gehen.) Ist es aufgrund der vielen Erinnerungen, die ich hege? Aufgrund der Tatsache, dass ich damit immer einen Aha-Moment und eine bewegende Zeit verbinde? Ich habe wirklich lange damit zugebracht, es immer und immer und immer wieder zu überdenken. Idealisiere ich und wenn ich länger dort wäre, wäre alles genauso routiniert, genauso eingefahren, genauso hektisch, einfach genauso?
Vorerst, und ich sage vorerst, ist das Ergebnis meiner Analyse eher dies: Ich persönlich zumindest empfinde die Mentalität dort als anders. Die Leute dort gehen auch arbeiten, haben auch ein Haus zu putzen, haben auch Hobbies, Freunde, Familie, Verpflichtungen, Ambitionen und Ziele. Aber irgendwie schaffen sie es trotzdem, ein Mal die Woche ihre Freunde auf ein Pint und eine Runde Billard im Pub zu treffen oder gemeinsam mit ihnen zu Abend zu essen und sich auszutauschen. Ohne auf die Uhr zu schauen, unruhig zu werden und das Gefühl zu vermitteln, ihre To-Do-Liste für den kommenden Tag hätte aufgrund dieses Vergnügens grad ihre Länge verdoppelt.
Es ist dieses Zeit haben, oder vielleicht einfach sich die Zeit nehmen für Dinge, die einen erfreuen und einen glücklich machen. Und trotzdem alles andere ebenfalls zu schaffen. Aber die Leute scheinen gelassener damit umzugehen. Ich sage scheinen, weil es meine persönliche Meinung und mein persönliches Empfinden ist. Wer zustimmen mag, kann zustimmen, wer dem nicht zustimmen kann, der stimmt mir da nicht zu. Wie gesagt, ich rede von einem Gefühl, einer Empfindung, nicht zwangsläufig von einer Tatsache, die sich belegen lässt.

Ich wurde gefragt “Und, Gina, ist Winchester noch so wie vor 2 Jahren, als du hier warst?”
Ja und Nein. Natürlich ist die Luft noch genauso, die Stadt hat sich kaum verändert, auch wenn hier und da ein paar Baustellen sind und ein paar neue Geschäfte eröffnet wurden und andere geschlossen haben. Aber nein, natürlich ist es nicht mehr genauso. Es liegen 2 Jahre dazwischen und da wäre es doch wirklich schade und traurig, wenn alles noch genauso wäre, weil das bedeuten würde, dass sich nichts bewegt hätte. Aber es hat sich viel bewegt, wir sind alle vorangeschritten in unseren Leben und haben Fortschritte gemacht und Erfahrungen gesammelt.
Aber was ich sagen kann ist Folgendes: Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, wieder diese Luft zu atmen, die entspannte Atmosphäre in sich aufzunehmen und sie an sich selbst zu spüren und sie zu leben, Freunde nach 2 Jahren auf ein Pint und eine Runde Billard im Pub zu treffen und mit ihnen zu reden und sich auszutauschen, als wären 2 Jahre nichts gewesen.

Und nein, zu sagen “Dann nimm doch etwas von dieser entspannten Einstellung und Atmosphäre mit und wende das auch zuhause an” und zu glauben, dass dies so einfach sei, wie es klingt, ist einfach falsch.
Aber einen Versuch ist es wert!

FAQ Freitag: Was macht das Modeln so interessant?

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Photo & Editing: Dave Greensmith

Ich persönlich mag es, Facetten vor der Kamera darzustellen, weil es eben genau das ist, oder sein kann: Eine Darstellung.
Dabei kann es sich um die Darstellung einer Rolle, sprich eines Charakters, handeln oder die Darstellung einer Facette, die man in sich selbst trägt.
Was ich besonders interessant finde ist, dass man manchmal in Rollen schlüpft oder vor der Kamera etwas darstellt und dabei feststellt, dass es eine Facette von einem selbst ist, von der man zuvor einfach gar nicht wusste. (Mal abgesehen davon, dass Visagisten einem auch gern mal andere Farbvariationen von Schminke und Styles zeigen, die man selbst vielleicht nicht gewählt hätte, von denen man dann aber erstaunt feststellt, dass man sie eigentlich ganz gut tragen kann)
Ich persönlich mag es, dazu zu lernen, neues zu entdecken. Wie gesagt, manchmal entdeckt man, dass das was man darstellt auch in einem steckt und manchmal lernt man eben auch, was einem so gar nicht liegt und innewohnt, aber in jedem Fall ist es ein Lernprozess. Bilder entstehen zu lassen, die eine Aussage haben, oder sogar eine Geschichte erzählen können, reizt mich am meisten.
Alles in allem ist es eine schöne Erfahrung, herumzuspielen, Dinge und sich selbst auszuprobieren und zu schauen, wie es sich entwickelt, wie man selbst sich entwickelt.
Einige haben sicherlich die Befürchtung, in einen Konkurrenzkampf, Magerwahn oder den Drang, der Masse und dem Mainstream zu entsprechen, zu verfallen. Und sicherlich ist da draußen “Konkurrenz”, es gibt viele Models, Modelle und solche, die es werden wollen. Aber das sollte einen nicht davon abhalten, weiterzumachen, wenn man es wirklich gerne tut. Im Gegensatz zu den geäußerten Befürchtungen, finde ich nämlich, dass man im Laufe der Zeit viel dazu lernt und über sich selbst lernt, man weiss, was man gut kann, was einem liegt, und welche Bildstile einem nicht liegen oder wo man sich unwohl fühlt und gleichzeitig gibt es Dinge, die man gern mal ausprobieren und umsetzen möchte.
Ich kann sicherlich nicht für alle Modelle sprechen, doch für mich hat das Modeln auf seine eigene Art und Weise zu meiner persönlichen und kreativen Weiterentwicklung beigetragen. Zumindest behaupte ich das jetzt einfach mal.

Solltet ihr noch weitere Fragen zum Thema Modeln & Co. haben, schickt mir gern eine Nachricht. 🙂

Kreativ bleiben Tipp #3

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Haltet Ordnung an eurem Arbeitsplatz!

Klingt logisch, ist auch so.
So viel Chaos, wie man manchmal im Kopf haben kann, ist es fast unerlässlich, außen Ordnung zu halten um sich dann dem inneren Chaos widmen zu können und dieses in Ordnung zu bringen.
Ich habe auch schon von Menschen gehört, es mache ihnen nichts aus, wenn es unordentlich ist, oder die sogar behaupten, sie bräuchten das Chaos.
Und ich rede ja auch nicht von übertriebener Pedanterie und einem Ort, wo alles im 90-Grad-Winkel zueinander steht und es sich steril und leblos anfühlt, aber ich persönlich empfinde ein gewisses Maß an Ordnung als sehr zuträglich für die Kreativität.
Ob es dann auch wirklich klappt, oder nicht, ist eine andere Sache.
Und das heißt natürlich auch nicht, dass man im Chaos nicht kreativ sein kann.
Aber äußere Ordnung kann dabei helfen sich an die innere Ordnung zu begeben.

Willkommen bei dem Relaunch meines Blogs!

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Meine Lieben,

herzlich willkommen auf ginalaventura.com.
So wie es manchmal Zeit ist zuhause aufzuräumen, auszumisten, umzudekorieren oder zu renovieren, so ist das auch in dem virtuellen Raum, den man sein Eigen nennt, ab und zu der Fall.
Deshalb begrüße ich euch heute auf meinem frisch renovierten, dekorierten und umstrukturierten Blog.
Es ist vielleicht noch nicht alles perfekt und bis ins kleinste Detail optimiert, aber Einzugsfeiern schmeißt man ja schließlich auch, obwohl irgendwo noch eine Kiste rumsteht oder ein Bild noch nicht an der Wand hängt, nicht wahr?
Also, was ist alles neu?
* zum Einen ist das Layout ein anderes
* zum Anderen ist der Aufbau strukturierter, sodass ihr nun unter den Reitern im Header, die auf englisch sind immer die Seite auch nochmal auf deutsch findet
* in den englischen Beiträgen selbst findet ihr zu Beginn den Vermerk “dieser Eintrag ist auch auf Deutsch verfügbar”, inklusive Link, sodass ihr bei Interesse den Beitrag auch auf deutsch lesen könnt (wobei nicht alle Einträge bilingual verfügbar sind, manche sind auch nur auf englisch oder nur auf deutsch verfügbar)
* generell sind mehr Verlinkungen eingefügt, sodass wenn ich in einem Beitrag oder auch auf einer Seite Bezug auf etwas nehme, ihr schnell dorthin gelangen könnt
* des Weiteren gibt es nun Einblicke in mein Model-Portfolio und eine gesonderte Seite für Videos/Filme, in denen ich mitspiele oder an denen ich mitgewirkt habe

Diejenigen von euch, die mir schon länger folgen, wissen, wie der Blog aussah, als ich ihn im September 2013 gestartet habe und ihr kennt auch bereits einige der Einträge und das Prinzip der sundaystory.
* Natürlich habe ich alle alten Beiträge konserviert und nicht endgültig gelöscht
* Dennoch habe ich beschlossen, jetzt bei dem Relaunch neue Texte und Ideen, die ich für euch vorbereitet habe, mit alten Texten, die ihr vielleicht schon kennt, zu mischen, sodass für jeden was dabei ist, für die neuen Leser sowie die, die schon länger mit dabei sind

Ich hoffe, euch gefällt das neue Layout und die neue Struktur und dass ihr es weiterhin – oder vielleicht nun noch mehr – genießt hier vorbeizuschauen.

Aber um den Relaunch gebührend zu feiern, hab ich mir noch etwas anderes für euch überlegt:
Ich verlose 3x Labelled Love als Taschenbuch + eine kleine Überraschung.

Was ihr dafür tun müsst?
Schreibt bis zum 30.8. hier in die Kommentare, warum ihr das Buch gewinnen solltet.
Die Gewinner werden ausgelost und bis zum 5.9. bekannt gegeben.

Schaut euch um, macht es euch gemütlich und ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und Rumstöbern.

Sei kreativ. Sei du selbst.

Gina.

Buchempfehlung: Der englische Patient

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Manchmal wird einem mehr oder minder auferlegt ein Buch zu lesen, sei es nun durch die Schule, die Uni, oder einen Bekannten, der einem wärmstens ans Herz legt ein Buch zu lesen, weil er gern jemanden hätte, mit dem er diese Erfahrung teilen kann.
So ging es mir mit Der Englische Patient. Ich musste es für einen Unikurs lesen und im Nachhinein war ich froh, dass es mir sozusagen aufgezwungen wurde, sonst hätte ich dieses Meisterwerk nie kennengelernt.
Mal abgesehen davon, dass es im Hinblick auf literarische Analyse ein absolut interessantes Buch ist, weil man Identität, postkoloniale Aspekte, sprachliche Stilmittel und noch vieles Weitere hinterfragen kann, ist dieses Buch ein absoluter Schatz, gefüllt mit außergewöhnlichen sprachlichen Mitteln und einer Erzählweise, die ich noch in keinem anderen Buch angetroffen habe.

Worum geht es?
“Der letzte Vorhang fällt nach dem Zweiten Weltkrieg und Hana, eine Krankenschwester, bleibt in einer leerstehenden Villa in Italien zurück um sich um ihren letzten verbleibenden Patienten zu kümmern.
Von Beduinen aus einem brennenden Flugzeug gerettet, ist dieser von englischer Herkunft, anonym, bis zur Unkenntlichkeit entstellt und wird von seinen Erinnerungen über Leidenschaft und Betrug verfolgt. Der einzige Hinweis, den Hana zu seiner Vergangenheit bekommt, ist das Buch, das er aus dem Feuer mit sich nahm – The Histories von Herodotus, gefüllt mit seinen eigenen handschriftlichen Aufzeichnungen, die eine schmerzhafte und tragische Liebesaffäre beschreiben.” (Übersetzung des englischen Klappentextes)

Die auftretenden Charaktere, die sich alle in der leerstehenden Villa zusammenfinden, sind alle unterschiedlich und doch hat jeder einzelne von ihnen seine eigene Geschichte zu erzählen.
Die Art und Weise, wie Ondaatje mit Sprache arbeitet, die Dialoge der Charaktere, die nicht immer nur auf Gesprochenem, sondern auch auf ihren Taten beruhen, die Kommunikation unter den Charakteren, aber auch das, was mit dem Leser kommuniziert wird, ist einmalig.
Meiner Ansicht nach ist dieser Mann ein wahrer Künstler, der es versteht, mit Sprache zu arbeiten und sie auf außergewöhnliche Art und Weise einzusetzen und fremde Landschaften in einer für uns fremden oder zumindest weit entfernten Zeit entstehen zu lassen, ohne die Distanz zwischen Leser und Geschichte wirklich aufkommen zu lassen.

Der Film
Allgemeinhin ist es ja selten, dass man die Verfilmung wirklich mag, wenn man das Buch kennt, da zum Teil anderthalb oder zwei Stunden eben nicht ausreichen um die ganze Fülle eines Buches wiederzugeben oder Veränderungen vorgenommen werden, oder man plötzlich ein Bild vor Augen hat, wie die Charaktere und die Landschaft aussehen, wohingegen man beim Lesen sich alles selbst ausmalen kann.
Und auch hier muss man Abstriche machen, da Veränderungen bei den Charakteren vorgenommen wurden, die ich als nicht repräsentativ empfinde, aber wenn man den Film ein wenig losgelöst vom Buch betrachtet, dann ist es ein bildgewaltiges Epos, das einen mit auf eine Reise nimmt, so wie es das Buch auch tut, nur auf eine andere Art und Weise.
Ausnahmsweise zählt hier der Film wirklich zu denen, bei denen ich getrost sagen kann, dass man ihn sich anschauen kann, allerdings unter der Prämisse, ihn nicht zu nah an der Buchvorlage zu betrachten.

Solltet ihr das Buch kennen oder es bald irgendwann mal lesen, würde ich mich freuen, wenn ihr eure Meinung mit mir teilt. 🙂

Meine Lieblingszitate aus dem englischen Original
“I believe this. When we meet those we fall in love with, there is an aspect of our spirit that is historian, a bit of a pedant, who imagines or remembers a meeting when the other had passed by innocently, just as Clifton might have opened a car door for you a year earlier and ignored the fate of his life. But all parts of the body must be ready for the other, all atoms must jump in one direction for desire to occur.”

“You have to protect yourself from sadness. Sadness is very close to hate. Let me tell you this. This is the thing I learned. If you take in someone else’s poison – thinking you can cure them by sharing it – you will instead store it within you.”

“Those who weep lose more energy than they lose during any other act.”

“I left you because I knew I could never change you. You would stand in the room so still sometimes, so wordless sometimes, as if the greatest betrayal of yourself would be to reveal one more inch of your character.”

Schminktipps

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Ob ihr euch nun für ein Fotoshooting vorbereiten wollt oder auf eine Tanznacht, von der ihr wisst, dass Fotos entstehen werden oder auch wenn ihr einfach ein paar Ideen sammeln wollt, hier plaudere ich mal ein wenig aus dem Nähkästchen und erzähle, wie ich das so in den knapp 6 Jahren, die ich nun in mehr oder minder regelmäßigen Abständen vor der Kamera stehe handhabe.

Wir arbeiten uns mal von oben nach unten durch.

Haare am Besten einen Tag bzw. am Abend vorher waschen!
Wenn die Haare frisch gewaschen sind, tendieren sie dazu recht fein und weich zu sein, was zur Folge hat, dass die meisten Frisuren nicht anständig halten, außer man benutzt 5 Tonnen Haarspray, was weder für die Umwelt noch für die Haare und die Kopfhaut besonders gut ist.
Wenn ihr zu schnell fettenden Haaren tendiert, mag das sicherlich nicht funktionieren.
Wenn ihr, so wie ich, Naturwelle habt und eure Haare wenn ihr sie abends wascht und nur anföhnt, am nächsten Morgen eher nach Bad-Hair-Day aussehen, dann hilft manchmal das Glätteisen oder Rundbürste und Föhn um wieder Form reinzubringen.
Tendenziell halten gerade besonders aufwändige Frisuren aber besser, wenn die Haare nicht frisch gewaschen sind.

Wenn möglich, ein paar Tage vorher auf Make-up verzichten
Das gibt der Haut Zeit sich auszuruhen und zu beruhigen. Falls dies aufgrund von Job oder sonstigen Gründen nicht möglich ist, dann wie es eh immer empfohlen wird, vor dem Zubettgehen brav abschminken und reinigen. Vermeidet es am Besten auch, am Tag des Shootings/Events selbst Pickel auszudrücken oder anderweitige Tätigkeiten, die Rötungen hervorrufen, durchzuführen, denn egal wie gut der Abdeckstift oder der Concealer sein mag, in den meisten Fällen ist der Blitz gnadenlos und man wird es sehen.

Foundation-Auswahl
Ja, es gibt spezielles Foto-Make-up, was folgenden Vorteil hat: Es kleistert jede Pore zu, was für ein ebenmäßiges Hautbild sorgt und dem Fotografen einiges an Retouche-Arbeit ersparen kann. Nachteil ist allerdings, dass dieses Make-up absolut nicht alltagstauglich ist, also wenn ihr danach noch Bus fahren müsst, wundert euch nicht, wenn kleine Kinder verstört von euch wegrutschen, weil ihr (am besten noch mit dunklen Smokey-Eyes) den Anschein eines Vampirs erweckt. Zudem kann es passieren, dass die Haut anfängt zu jucken oder man das Gefühl bekommt, sie müsse wieder “atmen”, aber das passiert meist erst nach mehreren Stunden, wenn überhaupt. Häufig tut es auch ein gut deckendes, auf den Hautton abgestimmtes Make-up.

Concealer
Darf in keiner Tasche fehlen! Ein wahres Wunderwerk der Schminke. Zaubert wunderbar auch kleine Schatten unter den Augen weg.
Ich mache es so: Ich trage den Concealer (der bei mir so einen Pinsel wie Lipgloss hat) in Pünktchen unter den Augen und auch auf dem beweglichen auf und klopfe ihn dann sacht ein, danach gibt es nochmal eine gezielte Ladung dort, wo Schatten sind. Sagen wir so: ich bin recht großzügig mit dem Concealer^^

Augenbrauen
Es ist immer gut, egal wie hell oder dunkel (aber gerade bei hellen Augenbrauen), die Brauen etwas zu betonen, da der Blitz wie gesagt gnadenlos ist und das Gesicht ohne Brauen oder wenn man diese nur erahnen kann, recht ausdruckslos wirken. Ich persönlich benutze Augenbrauenwachs, das mit einem Pinsel aufgetragen wird, und dann bürste ich das gröbste ab während ich sie in Form bürste, damit es nach wie vor natürlich wirkt und man nicht sieht, dass sie nachgezogen sind.

Lidschatten
Heikles Thema bei Shootings. Es wird allgemeinhin empfohlen, auf Lidschatten, die viele Glitzerpartikel enthalten zu verzichten, was ich auch für ratsam halte. Warum? Weil der Blitz das darauf fallende Licht reflektieren wird, und da sich Lidschatten auch gern mal nicht nur da aufhält, wo man ihn gern hätte, sondern gern auch mal auf die Wange wandert und man nicht unbedingt ausschauen möchte, wie die Goldmarie an Karneval, ist es die bessere Variante, Lidschatten mit wenig Glitzerpartikeln zu wählen.

Smokey-Eyes
Ich bin ein absoluter Fan von Smokey-Eyes! Jahrelang hatte ich Probleme damit herauszufinden und zu verstehen, wie das am Besten funktioniert, aber dank Youtube Tutorials hatte ich es irgendwann drauf. (Meine Empfehlung zu einem Youtube Tutorial füge ich am Ende dieses Posts ein)
Diese Art zu Schminken funktioniert einfach prima in allen möglichen Farbvariationen und ist sogar alltagstauglich. Grundregel ist eigentlich folgendes:
Wählt drei Töne einer Farbfamilie, einen ganz hellen Grundton, einen etwas dunkleren Ton für das bewegliche Lid und den dunkelsten um den Smokey-Effekt zu erzielen.
Anhand zweier Beispiele:
Klassisch mit schwarz: Grundton wäre hierbei zum Beispiel ein kühles weiss, das man großzügig auf sowohl das bewegliche als auch das unbewegliche Lid aufträgt, bis zu den Augenbrauen hinauf. Einen kleinen Pinselstups nutzt man noch dazu im Augenbrauenbogen einen Akzent zu setzen. Nun den dunkleren Ton (sagen wir silbergrau) mit einem schmaleren Pinsel oder Applikator nur auf das bewegliche Lid auftragen. Nun den dunkelsten Ton (in diesem Falle schwarz) nutzen. Auge schließen und wie beim Auftragen von Eyeliner etwas zur Seite ziehen, im Endeffekt wirklich so beginnen, wie beim Auftragen von Eyeliner, dann etwas höher ansetzen und von außen bis zur Mitte des Lides streichen und einen Bogen in der Lidfalte ziehen.
Alltagstauglich mit Naturtönen: Selbe Prozedur, nur würde man hierbei zum Beispiel beige als Grundton, ein warmes hellbraun/gold für das bewegliche Lid und ein dunkleres braun für die Umrandung wählen.
Funktioniert aber wie gesagt mit fast allen Farbvarianten, habe es bereits mit rosa/lila, gelb/hellgrün/dunkelgrün und weiss/hellblau/dunkelblau ausprobiert und haut jedes Mal hin.

Eyeliner & Kajal
Ich würde fast schon sagen unerlässlich für ein Shooting! Und wenn es nur ganz schmal zum Betonen des Wimpernkranzes dient. Auch wenn das Shootingkonzept die Aussage “natürliches Make-up” beinhaltet, ist es mir wieder und wieder passiert, dass egal wie viel Mühe man sich mit Wimperntusche und Lidschatten gegeben hat, man ohne Eyeliner oftmals ungeschminkt wirkt. Wenn das nicht unbedingt dem Sinn der Sache entspricht, dann empfehle ich zumindest einen dünnen Lidstrich um die Augen zu betonen und nicht gänzlich ungeschminkt zu wirken. Auf Kajal kann in diesem Falle verzichtet werden. Diesen würde man eher zur Vollendung der Smokey-Eyes oder für ein Abend-Make-up verwenden.

Schatten setzen
Klingt immer nach einem furchtbar großen Geheimnis, aber ist eigentlich recht simpel. Man braucht einen etwas dunkleren Puder. Also definitiv dunkler als der eigene Hautton.
Nun stellt euch vor den Spiegel und formt mit euren Zeigefingern und den Daumen ein Oval und haltet es vor euer Gesicht. Alles was nicht mehr in das Oval fällt, wird dunkel abgepudert, damit es das Licht schluckt und nicht reflektiert. Bei breiten Nasen kann man das auch wunderbar an den Seiten der Nase verwenden um sie schmaler wirken zu lassen. Zieht man die Wangen ein, als ob man an einem Strohhalm ziehen würde und setzt dort die Schatten, kann man den Gesamteindruck des Gesichtes schmaler wirken lassen. (aber bitte nicht übertreiben, außer es gehört zum Konzept, denn das kann wenn es zu extrem ausfällt wirklich gruselig aussehen und nicht mehr natürlich oder gesund wirken)

Rouge & Highlighter
Meine weiteren Lieblinge! Mit Rouge die Wangenknochen betonen und darüber etwas Highlighter geben, das gibt dem Gesicht direkt einen Frische-Kick.

Lippen
Gehört auf jeden Fall mit in jede Handtasche/Shootingtasche: Roter Lippenstift!
Fatal: Muss absolut akkurat aufgetragen werden, damit er wirkt.
Manche schwören auf Lipliner und Lippenstift mit dem Pinsel auftragen, ich selbst bin da nicht festgelegt, ich mach das meist so wie mir der Sinn steht.
Aufpassen: Zwischendurch immer schauen, ob die Deckkraft und der Glanz noch gegeben sind, damit er nicht alsbald “abgefressen” wirkt.

Nägel
Wenn ihr nicht grad Gel- oder Kunstnägel habt, sprecht am Besten vorher mit dem Fotografen ab, ob er eine bestimmte Farbe wünscht und tragt sie einen Tag vorher auf. Solltet ihr feststellen, dass ihr grad euer Picasso-Kunstwerk auf den Nägeln fertiggestellt habt, der Fotograf aber eher Nude-Töne wünschen, dann schnellstmöglich runter mit dem Zeug und auch die letzten Reste präzise entfernen, wenn möglich den Nägeln einen Tag Pause gönnen und dann loslegen. Es ist wirklich ärgerlich, wenn an den Rändern der natürlichen Nude-Nägel noch Reste des roten Lacks hängen.

Körper
Wie schon beim Gesicht erwähnt, am Besten nicht am Tag des Shootings/Events selbst Dinge tun, die Rötungen verursachen, also Rasieren, Epilieren, Peelings & Co. bitte zuvor erledigen, das erspart euch hinterher wirklich das Ärgernis Bilder ansehen zu müssen auf denen die roten Fleckchen, die ihr zu kaschieren versucht habt, euch leuchtend entgegenspringen.

Gehört in jede Shootingtasche
Wimperntusche, Kajal, Eyeliner, Pinsel, Rouge, Highlighter, Lippenstift, Gloss, Transparentpuder (besonders wenn man zu glänzender und fettiger Haut neigt)
trägerloser BH und trägerloses Top (für Beautyaufnahmen ein Muss!)
Strumpfhosen
Haarspray, Haarklammern, Haargummis, Haarbürste
mindestens ein paar hohe Schuhe (ja auch für Portraitaufnahmen, da die Gesamtkörperhaltung auf hohen Schuhen meist anders wirkt, als wenn man barfuß oder in Kuschelsocken dort steht –auch wenn das manchmal wirklich ein Traum sein kann-)
dicke Socken und eine dicke Strickjacke, falls es mal kalt wird und man sich zwischendurch aufwärmen muss
Wattestäbchen zum Korrigieren von Schminkfehlern

Meine Lieblingstutorials:
Für Schminke: Lisa Eldridge, die auch schon die großen Stars geschminkt hat
Für Haare: LuxyHair, bei denen ich zum ersten Mal wirklich verstanden habe, wie Flechtfrisuren umzusetzen sind, alles super einfach erklärt, sodass man das gut nachmachen kann, und soooo simpel und alltagstauglich (was mir ganz besonders gut gefällt)
Für Nägel: (allerdings eher für die aufwändigeren Picassos ^^) cutepolish

So, ich hoffe, ich habe das gröbste erklären können und nichts vergessen und ich hoffe, ich habe euch damit ein bisschen helfen können.

Regentropfen in meinem Kaffee

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Photo & Editing: Ralph Wietek

Normalerweise mag ich es nicht, unfertige Geschichten zu veröffentlichen, aber ich nehme an, auch unfertige Geschichten haben so ihren Charme, hm?

Mitten in der Nacht wurde ich von einem Geräusch geweckt. Es war ein Stöhnen und es wurde immer lauter. In diesem Zustand zwischen halbwach und immer noch halb schlafend, brauchte ich einige Minuten um zu realisieren, dass es mein eigenes schwerfälliges Stöhnen war, von dem ich wach geworden war.
Es war, als könne ich nicht aufhören, also drehte mich um, atmete tief ein und hoffte auf ein paar mehr Stunden Schlaf. Mit einem tiefen Seufzer schlief ich wieder ein. Nur um zwei Stunden später von einem anderen verstörenden Traum zu erwachen.
Mein Körper war immer noch müde und ich drehte mich von der einen Seite auf die andere, unentschlossen, ob ich es erneut probieren sollte, oder einfach aufstehen und damit dieser schrecklichen Nacht ein Ende bereiten sollte.
Ich entschied mich für Letzteres, stand auf und ging in die Küche um Kaffee zu machen. Ich goss das heiße Wasser in die Tasse, auf dessen Boden ein Esslöffel Instantkaffee-Granulat lag. Kleine zerbrochene Teile eines großen Ganzen.
Während ich darauf wartete, dass der Kaffee etwas abkühlte, ging ich zurück in mein Zimmer, setzte mich auf mein Bett, die Beine weit geöffnet, Ellbogen auf den Knien. Mein herunterhängender Kopf beobachtete die kleinen Bewegungen in der dunklen Flüssigkeit.
Wie Regentropfen.

Gina Laventura © 2012