#writerswednesday: Inspirationen, Musen und Impulse

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#writerswednesday: inspirationen, musen und impulse

Hey, meine Lieben,

eine der Fragen, die mir oft gestellt werden, ist folgende:
“Was inspiriert dich?”
oder auch
“Wo findest du Inspiration, wenn du dich absolut nicht kreativ fühlst?”

Dem Klischee folgend, müsste ich nun sagen: Ich finde in allem Inspiration, die Welt ist voller Wunder, wenn du nur die Augen öffnest.

Und auch wenn da eine tiefe Wahrheit drin liegt, bin ich nicht klischeehaft genug, um es einfach so, ohne weitere Informationen dabei zu belassen.
Außerdem denke ich, dass es an der Zeit ist, denjenigen Wertschätzung entgegenzubringen, die die Inspiration entzünden, die mich zum Schreiben bringt.

Also ja, dieses Leben, diese Welt bietet allerhand, aus dem man Inspiration ziehen kann, angefangen von einem frischen Wind am Morgen, der Gerüche mit sich trägt, die das Gedächtnis bewegen und dafür sorgen, dass man an einen bestimmten Menschen oder Moment aus seiner Kindheit denkt, worüber man dann reflektiert. Die Katze, die elegant aufs Sofa springt und die man beobachtet und von der man lernt. Es kann das Wetter sein, eine Blume, die Nachrichten, etwas, was man sieht, hört, berührt oder mit einem oder vielen seiner Sinne wahrnimmt.
Die Liste würde tatsächlich seeeeehr seeehr lang werden und das menschliche Gehirn ist komplex genug, um dafür zu sorgen, dass man oftmals gar nicht mehr so genau weiß, woher denn nun dieser inspirierende Impuls kam, wisst ihr.
Aber manchmal kann man auch sehr genau bestimmen, woher die Inspiration kam.
Und ich würde sagen, es gibt bestimmte Aspekte, die in mehr oder minder regelmäßigen Abständen die kreativen Ecken des Gehirns durchströmen.
Unter anderem:
* Menschen
* aufgeschnappte Gespräche und Gesprächsfetzen
* Emotionen
* Umgebungen
* gesellschaftliche Beobachtungen

Gehen wir der Reihe nach vor: Menschen

Es gibt Menschen, die mit ihrer Weltanschauung, Einstellung, ihrer physischen Präsenz und ihrer Aura einfach dafür sorgen, dass man abrupt alles stehen und liegen lässt, was man gerade tut und die einen in eine Sphäre voller Ideen und Kreativität ziehen. Man will einfach nur zuhören, beobachten, ja man will sie einatmen, ein Stück davon sich einverleiben, diese Energie verschlingen.
Es gibt diese Ansicht, Kreative seien wie Vampire, die die kreative Energie aus ihrer Umgebung und den Menschen saugen.
Oder diese Pullis mit dem Aufdruck “Vorsicht, du könntest in meinem Roman landen” (Ich gestehe: Ich wollte immer einen davon haben, haha)
Und es ist tatsächlich nicht zu weit hergeholt, dass wir oft aus dem Zusammentreffen und dem Austausch mit anderen Inspiration ziehen.
Was mir an dieser Vampir-Idee missfällt, ist der Eindruck, dass wir die anderen etwas berauben würden, ihnen etwas wegnehmen würden. Also ja, tun wir, irgendwie, aber ich persönlich versuche zu vermeiden, einen leeren Tisch zu hinterlassen. Deswegen bemühe ich mich immer sicherzustellen, dass ich genügend selbst mitbringe, damit es ein fruchtvoller und beidseitig inspirierender Austausch für beide Parteien wird.
Ich möchte diesen Moment hier gern nutzen, um meine Dankbarkeit gegenüber den Menschen auszudrücken, die ich treffen durfte und die meine Gedanken und mein Gemüt bewegt haben, mich zum Nachdenken brachten und dafür sorgten, dass ich in kreativer Ekstase explodierte.
Ich bin dankbar und ich will, dass ihr wisst, dass ihr etwas besonderes seid.

Kleiner Exkurs:
Oftmals gibt es zwei Typen von Menschen: Diejenigen, die denken, dass das, was sie mit an den Tisch bringen niemals für eine Inspiration reichen würde. Und jene, die denken, sie seien so inspirierend, dass man bereits ein komplettes Buch für sie verfasst haben müsse.
Lasst mich euch was sagen: An diejenigen, die denken, es reiche nicht: Wenn ein Künstler euch ein Gedicht, einen Text, ein Bild sendet, das ihr inspiriert habt oder was durch eine Interaktion mit euch erst den nötigen Zündstoff bekommen hat, wertet es nicht als Kompliment. Wertet es als Ausdruck der Wahrheit, dass ihr besonders seid, dass ihr inspiriert und dass ihr vermutlich mehr Kraft in euch tragt als euch gerade bewusst ist.
An jene, die denken, sie verströmten so viele großartige Impulse: Wenn ihr die Werke eines Künstlers, den ihr getroffen habt, anschaut, hört doch bitte auf euch ständig in jedes winzige Detail selbst hineinzulesen und für euch zu beanspruchen, ja? Das führt nur zu Frustration, wenn sich herausstellt, dass nicht ihr sondern jemand anders es war, der den Künstler zu diesem Werk inspirierte. Und wenn ihr jemals einen Künstler inspiriert, dann seid euch bitte bewusst, dass das etwas besonderes ist.
Tut mir leid, wenn ich das hier mal kurz anführen musste, aber manchmal macht mich diese Arroganz wahnsinnig. Außerdem tut sich dadurch auch eine weitere Frage auf:
Würdet ihr auch ein Werk für euch beanspruchen, wenn es hässlich, roh, rau, gemein und schmerzhaft ist?
Jeder will die Blumen und die bezaubernden Blüten der Schönheit, aber wisst ihr was? Selbst wenn ihr ein kritisches, gemeines Gedicht voller Schmerz lest, das ihr inspiriert habt, dann ist es immer noch etwas besonderes, vielleicht eine Ehre, weil ihr die Gefühle des Künstlers so sehr berühren konntet, dass er darüber geschrieben hat.
(Ich weiß, klingt seltsam, aber nehmt euch mal einen Moment Zeit, um darüber zu reflektieren)

Zurück zur Dankbarkeit: Gibt es bestimmte Menschen, zu denen man immer gehen und sicher sein kann, dass man mit neuen Ideen nach Hause geht?
Ja und Nein.
Es gibt Leute, die die Tendenz haben, einen wieder und wieder zu inspirieren. Das sind die Menschen, die ich Muse nennen würde. Und ich bin mehr als dankbar, dass ich die Chance hatte, solche Menschen zu treffen.
Nicht viele, einen bestimmten, aber es ist ein sehr wertvoller Schatz, den ich besonders schätze.
Aber ich käme nicht auf die Idee, diese Person für den reinen Zweck der Inspiration auszunutzen.
Entweder kommt es natürlich oder eben nicht.
Zumindest ist das meine Einstellung dazu. Und es hat auch mit der Verbindung zur Muse zu tun, dass man sie schätzt und respektiert, indem man sie nicht ausquetscht wie eine Zitrone.

Bedeutet das nun, dass wenn enge Freunde von mir mich nicht zu einem Gedicht oder Text inspirieren, ich sie weniger liebe?
Ganz klar: Ja, natürlich! Wozu sind sie gut, wenn sie keine Eingebungen liefern?!
Ich mache selbstverständlich nur Spaß. Natürlich sagt die Anzahl an Gedichten, die ich für, über oder an euch schreibe etwas über unsere Verbindung aus, aber es sagt nicht unbedingt etwas über die Intensität der Liebe, die ich für euch oder andere empfinde, aus.
Es gibt Millionen Gründe und Milliarden Arten jemanden zu lieben, und ja, es ist eine spezielle Verbindung, die man mit seiner Muse hat, aber nichts davon “stiehlt” die Liebe aus meinem Herzen für Leute, für die ich noch nie etwas geschrieben habe.
So wie man sagt “Die Schönheit einer anderen Frau, nimmt dir nicht deine weg” oder wie auch immer dieser Spruch im Original exakt heißt, so ist es auch mit der Inspiration.
Es gibt also keinen Grund, sich in einem Wettbewerb zu ereifern oder sich mit anderen Leute, die Werke inspiriert haben, zu vergleichen.
Da werden Prozesse in Gang gesetzt, die der Künstler selbst manchmal gar nicht im Detail beschreiben kann. Es ist. Einfach so. Es ist.
Nichtsdestotrotz sollte man es nicht als selbstverständlich hinnehmen, wenn einem ein Werk gewidmet wird, auf der anderen Seite sollte man es ebenfalls nicht persönlich nehmen, wenn es nur eins oder kein Werk gibt, das man selbst inspiriert hat.
Das bedeutet nicht, dass ihr keine Bedeutung habt und vor allem bedeutet es nicht, dass ihr nicht geliebt seid.

Es gibt diese Aussage, man kann von jedem lernen, zur Not wie man nicht sein oder es nicht machen will.
Dementsprechend kann Inspiration sowohl aus den “positiven” als auch den “negativen” Erlebnissen und Begegnungen gezogen werden.
Aber oftmals bevorzugen wir natürlich das gute und positive Gefühl des Wortes Inspiration, als dass wir die Möglichkeit in Erwägung ziehen wollen, dass Momente und Menschen, die uns nicht ein Gefühl von einem Leben voller honigsüßer Milch vermitteln, ebenfalls zu Kreativität führen können.
Aber lasst mich euch was verraten: De Profundis von Oscar Wilde wäre niemals geschrieben worden, wäre er nicht von jemandem, den er geliebt und als Partner betrachtet hat, verraten und verkauft worden.
Heißt das nun, dass wir Leiden und Schmerz suchen sollten, um ein großartiger Künstler wie Oscar zu werden?
Naja, wir könnten darüber diskutieren und ich hab dazu echt viele Gedanken, aber ich denke dazu eignet sich ein separater Post oder ein anderes Format besser.
Wollt ihr darüber reden? Also meine Antwort ist ja.

Damit dieser Post nun aber nicht zu lang wird, empfehle ich euch, mich auf meinem Balkon zu besuchen, damit wir da dieses Gespräch fortführen können.
Ich sag Bescheid, wenn der Gedankenwust dort seinen Ausdruck findet.

Wie seht ihr das? Was ist eure Meinung?
Was inspiriert euch? Was inspiriert euch an Menschen?
Könnt ihr es wirklich auf den Punkt bringen und an bestimmten Charakterzügen, Ausdrücken und Bewegungen festmachen, was euch inspiriert?
Teilt eure Gedanken mit mir in den Kommentaren.

Auf bald, meine Lieben

xx

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#writerswednesday: Inspiration, Muses and Impulses

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#writerswednesday: inspiration, muses and impulses

Hey my dears,

one of the frequently asked questions I get asked is:
“What inspires you?”
or
“Where do you find inspiration in a phase when you’re absolutely not creative?”

Cliché would say: I find inspiration in everything, the world is full of wonders, you just have to open your eyes.

And although there is truth to it, I’m not cliché enough to let it stand like that without any additional information.
Besides that I think it’s time to give credit to those that spark inspiration and help me write.

So, yes, this life, this world offers so much that you can draw inspiration from, starting with a fresh wind in the morning transporting smells to you that set your memory in motion and make you think about an event, a person or a moment of your childhood for instance that you then reflect upon. Your cat jumping elegantly onto the sofa and moving in a dainty way and you observing her to learn. It can be the weather, a flower, the news, something you see, hear, touch, perceive with one or many of your senses.
Yes, the list would get really really long and the human mind is complex enough that probably you yourself won’t be able to trace back each and every spark of inspiration that just lit the lamp in your head, you know.
But sometimes you can determine exactly where the inspiration came from.
And I’d say there are several elements that quite frequently touch upon the creative corners of the mind:
* people
* overheard conversations
* emotions
* surroundings
* social observations

We’ll take it step by step: People

There are people that with their worldview, their attitude, their physical appearance and presence just make you stop whatever you’re doing and draw you into a sphere full of ideas and creativity. You just want to listen, to observe, yes, you want to inhale them, take a bite, devour this energy.
There is this notion that creatives are like vampires that suck out the creative energy from people and their surroundings.
Or these sweaters that state “Careful. You may end up in my novel.” (I always wanted to have one of these tbh, haha)
And it’s not too far off to say that oftentimes we draw inspiration from the encounters we have with other people.
What I don’t like is the idea of vampire in the sense that we take away from another person. We do, kind of, but I personally try to avoid leaving the table empty, so I make sure I bring something myself, that way, an exchange and a fruitful mutually inspiring place is created for both parties.
I’d like to take this moment to express my gratitude towards the people I was allowed to encounter that moved my mind and made me think, feel and explode into creative ecstasy.
I’m grateful and I want you to know that you are special.

Little excursion:
Oftentimes there would be two kinds of people: Those that think that what they bring to the table would never inspire anyone. And those that think they are so inspiring that you should have written a whole book for them already.
Let me tell you something: To those that think they don’t bring enough, when an artist sends you a poem, a text, a picture, they created because of the fire you or the interaction with you ignited, don’t take it as a compliment. Take it as the truth that you are special, inspiring and that you harbour more power within yourself than you probably know.
To those that think they’re giving so many great impulses: When you watch the works of an artist that you encountered, stop trying to read yourself into it and claim it yours, it will only end up in frustration once they tell you that it wasn’t you but someone else who lit that idea. And if you ever inspire an artist, know that this is something special.
I’m sorry to say that, but sometimes this cockiness drives me mad and raises another question: Would you also claim the inspiration for an artwork if it was ugly, rough, hurtful, nasty?
Everybody wants the flowers and the blooming blossoms of beauty, but you know what? Even if you encounter a critical, nasty poem full of pain, that was based on you, it’s an honour, cause you moved their emotions enough to make them write about it.
(I know it sounds weird, but let that just sink in for a moment.)

Back to gratitude: Are there specific people that you can always go to and be sure that you’re gonna go home with new ideas?
Yes and no.
There are people who have the tendency to inspire you again and again. These are the ones I’d call a muse. And I’m more than grateful to have been allowed to meet people like these.
Not many, one specifically, but it’s a precious treasure that I value a lot.
But it wouldn’t make me try to exploit that person for the sheer sake of inspiration.
Either it comes naturally or it doesn’t.
At least that’s my attitude towards it. And it is also connected to valuing and honouring your muse by not squeezing them like a lemon and leaving them empty.

Now, does that mean if some of my close friends don’t inspire me, that I love them less?
Obviously, yes! What are they good for if they don’t lit a lyrical lamp?!
Just kidding, of course the amount of poems I write for, to or about you does say something about our connection, but it doesn’t necessarily say anything about the intensity of love I feel for you or about the love I feel for others.
There are a million reasons and a billion ways to love someone, and yes, it is a special connection you have with your muse, but none of it takes away the love my heart harbours for someone I’ve never written a piece for.
Just like the saying “The beauty of another woman doesn’t take away your own.” or however it goes, it’s the same with inspiration.
So there is no need to compete or to compare yourself and the amount of works someone produced for or about you to the works someone else inspired.
It’s a process set in motion that sometimes the artist themselves can’t describe in every detail. It just is.
Nevertheless, don’t take it for granted, but also, don’t feel bad if there’s is none or just one piece of art you inspired.
This doesn’t mean you have no meaning, and it surely doesn’t mean you’re not loved.

There is this saying that you can learn from anyone, even if it’s only what you don’t want or how you don’t want to be or want to behave.
So, inspiration can be drawn from “positive” encounters, as well as from “negative” encounters.
But often we’d prefer the feel good vibe of the word inspiration than reflecting upon the possibility that even moments and people that don’t makes us feel like cakes and cherry pie can lead to a spark of inspiration. We like this idea of being a positive impulse for our surroundings, and true, it’s nice. But let me tell you something: De Profundis by Oscar Wilde would have never been written, had he not been betrayed and sold by someone he loved and thought of as a partner.
Does this now mean we need to search for struggle and suffering in order to be great artists like Oscar?
Well, we could discuss that and I have many thoughts on this topic, too, but this would rather be dealt with in a separate post or in an additional format.
Would you like to talk about it? Well, my answer is yes.

Now, before this post gets too long, I recommend you join me on my balcony to continue this chat.
I’ll announce when the random rambling and prolific ponder is on.

How about you?
What inspires you? What inspires you in people?
Can you pinpoint it down and put a finger on specific traits, expressions, movements that ignite inspiration in you?

Please let me know in the comment section below.

So long, my dears.

xx

#modelmonday: Communicating with Models – #1 Finding the right model: How and where?

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#modelmonday: Communicating with Models

Every now and then, especially when I’m booked on workshops, I get frequently asked where to find models and how to approach them.
So, I thought it might be a good thing to write a blog post about this topic.

As this topic is quite broad and long blog posts don’t get read as much, I’m going to split the topic into several sections.
* finding models – how and where?
* approaching them / written communication
* behaving on set
* communicating after the shoot

Today, I’m trying to keep it short and simple concerning the first two points.

Well, times have changed and the formerly well frequented online platforms like model-kartei and modelmayhem are less and less frequented and experienced a fair drop in quality of the work portrayed there.
Which is also why several of the great ones that used to present their work on these platforms now deleted their accounts. Nevertheless, it’s worth keeping some pictures up there and checking now and then for some good job offers or for interesting workshops, model sharings, and of course models from your region for example.
Before the decrease, these platforms where a good option to pursue your hobby or passion or even job.
Now, today Facebook and Instagram are more and more present and I consider it fair to say that basically if you’re not present on these platforms, you rarely exist on the internet.
Nowadays only few people go and search for websites if they search for a photographer, respectively a model. (Unless your SEO content is of such a major quality that your website is one of the first three ones popping up when I google “photographer in [insert area]” for example.
I know that especially certain generations have a critical opinion towards social media and that even having a Facebook account is a nuisance to them. And by the way, I completely understand that!
But, I think it’s just fair to say that you should consider the option.

Now, wherever you search, here some general points:
Instead of searching directly for models, here’s another option: Find photographers whose style you like and click through their portfolio. Mostly the models are linked (as they should be, credit to those who deserve it, huh) and then you can check out their portfolio and see whether it matches your wishes and needs. If you’re unsure whether they are the right choice and whether they have the right work ethic, check for their rating or even ask one of the photographers that worked with them.
Read their sedcard text!!! Normally, if not totally devoured by nowaday’s crippled communication, the models show all important information, like range of work (fashion, portrait, nude, etc.), availability (full-time job or student), prices, special features (freckles, tattoos, etc.), impairments (allergies, short sightedness, etc.), measurements, skills (needs a MUA or can do make-up themselves) and so forth in their profile text.
Make really sure that your interest in working with this model is genuine, otherwise you do not only waste their, but mostly your own time as well.
Then write them a message in which you already include parts of the concept you’d like to produce with them.
If possible, have a mood board ready and/or save and like the pictures of the chosen model that you really appreciate and like.
Include pictures of the styling you’d like from their portfolio or in your mood board or if you offer the option of getting the desired clothes, tell them. (nothing more annoying than getting a request for a bridal shoot and three messages into the convo you mention that the model should bring their own wedding dress – which not every model possesses, just saying –)
Let them know, if they need make-up skills or if you provide a make-up artist.
Most importantly: State within the first three sentences if it’s a TFP or a paid shoot!
Make it easy for both you and communicate clearly. No, you don’t have to write a novel, bullet points are fine, but brief them correctly, it saves a lot of time on both sides.
And respect your potential model. If the box for “nude” is not ticked… guess what? It means they don’t do nude shoots!
(I know it sounds obvious, but believe me, you can’t imagine how many people don’t seem to pay attention to the basic info on the sedcard.)

If you visit workshops, ask the photographer who is giving the workshop whether they can recommend models.

If you are a beginner and you want to focus on technical stuff, let me give you an advice: Don’t shoot with a beginner model.
Be willing to pay! Pay for an advanced and experienced model who knows how to act in front of the cam, so you can focus on light, lens, aperture, ISO and all the other things you need to focus on.
You save yourself a lot of energy with that, because it can put pressure on you, if the model doesn’t know what to do and asks “like this?”, “should I do this?”, etc. because they feel just as insecure as you do. (same goes the other way round, but I already talked about that in another blogpost on building a portfolio)

So, once again, in a nutshell:
* search on model/photography platforms
* search on social media
* scroll through other photographers’ profiles and check out their models
* ask the leading photographer at a workshop for recommended models

* read the model’s sedcard text and check their portfolio and their range of work
* communicate your concepts and ideas clearly
* put all relevant information in your message
* state if it’s a TFP or paid shoot
* state what you provide and what they should bring
* as a beginner: be willing to pay for an experienced model

I hope my ideas provided some impulses and inspiration for you.
Let me know what you think or if you have ideas that I missed, shoot me a message.

For the sake of self-advertising:
Yes, you can book me as a model, if you wish to work with me 😉
Just scroll through my portfolio and hop over to the contact section and send me a message.

So long, my dears.

xx

#modelmonday: Kommunikation mit Models – #1 Models finden: Wie und wo?

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#modelmonday: Kommunikation mit Models

Immer wieder, besonders wenn ich auf Workshops gebucht bin, werde ich regelmäßig gefragt, wo man als Fotograf Models finden kann und wie man am besten auf sie zugeht.
Deshalb dachte ich, sei es eine gute Idee, einen Blogpost darüber zu verfassen.

Da dieses Thema recht weit und umfangreich ist und lange Einträge nicht so viel gelesen werden, teile ich dieses Thema in verschiedene Subthemen auf.
* Models finden – wie und wo?
* Auf das Model zugehen / schriftliche Kommunikation
* Benehmen am Set
* Kommunikation nach dem Shooting

Heute versuche ich kurz und knackig auf die ersten beiden Punkte einzugehen.

Die Zeiten haben sich geändert und die früher bekannten Plattformen wie model-kartei und modelmayhem werden nicht mehr so häufig frequentiert und haben zugegebenermaßen auch qualitativ einen Abstieg erfahren, wenn man sich die dort ausgestellten Werke mal anschaut.
Das ist unter anderem auch der Grund, warum viele von den “Großen”, die ihre Arbeiten dort zur Schau stellten, mittlerweile ihre Profile dort gelöscht haben.
Nichtsdestotrotz ist es ganz nützlich, wenn man ein paar Bilder dort lässt und auch ab und zu neue hochlädt und sich ab und zu mal die angebotenen Workshops und Jobs anschaut oder diese Plattformen nutzt, um zum Beispiel Models aus der Region zu finden.
Vor diesem Rückgang und Abstieg waren diese Plattformen eine gute Option, um dem Hobby, der Leidenschaft und ja auch der Arbeit in diesem Feld nachzugehen.
Heute sind da Facebook und Instagram wesentlich präsenter und es erscheint schon fast legitim zu sagen, dass man ohne ein Profil dort quasi im Internet nonexistent ist.
Heutzutage suchen recht wenige Menschen mit direkten Suchbegriffen in Suchmaschinen nach Fotografen oder Models. Und selbst wenn sie es tun, bleibt die Frage, ob sie ausgerechnet euch dann finden. (Außer ihr seid solche SEO-Spezialisten, dass eure Seite zu den Top 3 gehört, die bei der Suchanfrage “Fotograf in [Stadt oder Region einfügen]” angezeigt wird)
Ich weiß, dass besonders in bestimmten Generation ein gewisses Misstrauen und eine Abneigung gegenüber Social Media herrscht und allein die Idee einen Facebook-Account zu haben schon als lästig empfunden wird. Und ich kann das vollkommen verstehen.
Aber leider muss ich sagen, ihr solltet es als Option in Betracht ziehen.

Nun, wo immer ihr auch nach Models sucht, hier einige generelle Punkte:
Anstatt direkt nach Models zu suchen, gibt es noch eine andere Möglichkeit: Findet Fotografen, deren Stil euch gefällt und klickt durch deren Portfolio. Meistens sind die Models dort verlinkt (so wie sie es sollten, Ehre, wem Ehre gebührt, hm) und dann könnt ihr die Portfolios der Models durchstöbern und schauen, ob sie eure Wünsche und Bedürfnisse erfüllen. Falls ihr unsicher seid, ob dieses Model die richtige Wahl ist und die richtige Arbeitsmoral mitbringt, schaut euch die Bewertungen an oder fragt Fotografen, die bereits mit diesem Model gearbeitet haben.

Lest den Sedcard-Text!!! Normalerweise, sofern nicht vollends von der heutigen verkrüppelten Kommunikation aufgefressen, geben die Models alle relevanten Informationen, wie Aufnahmebereiche (Fashion, Portrait, Akt, etc.), Verfügbarkeit (Vollzeit-Arbeitende oder Studierende), Preise und besondere Merkmale (Sommersprossen, Tattoos, etc.), Beeinträchtigungen (Allergien, Kurzsichtigkeit, etc.), Maße, Fähigkeiten (kann sich selbst gut schminken oder benötigt MUA) und so weiter und so fort ihrem Text an.
Stellt sicher, dass euer Interesse an einer Zusammenarbeit echt und ernst gemeint ist, ansonsten verschwendet ihr nicht nur die Zeit des Models, sondern vor allem eure eigene.
Dann schreibt eine Nachricht, in der ihr schon einige Eckdaten eures Konzepts präsentiert, das ihr gerne umsetzen möchtet.
Wenn möglich, haltet ein Mood-Board bereit und/oder speichert die Fotos des Models, die euch besonders gut gefallen.
Schickt am besten Bilder mit, die das Styling zeigen, das ihr euch für das Shooting wünscht, entweder aus dem Portfolio des Models oder im Mood-Board und falls ihr anbietet, die gewünschte Kleidung für das Shooting zu besorgen, teilt es dem Model mit. (Es gibt kaum etwas nervigeres als eine Anfrage für ein Brautmoden-Shooting zu bekommen und nachdem man drei Nachrichten hin und her geschrieben hat, stellt sich heraus, dass das Model das Hochzeitskleid mitbringen soll – welches nicht jedes Model im Schrank hat, nur mal so nebenbei –)
Stellt klar, ob das Model eigene Schmink-Fähigkeiten mitbringen soll oder ob ihr einen MUA bereitstellt.
Ganz wichtig: Stellt in den ersten drei Sätzen klar, ob es sich um eine Anfrage für ein TFP- oder ein Pay-Shooting handelt!
Macht es euch beiden einfach und kommuniziert klar und deutlich. Nein, ihr müsst keinen Roman verfassen, Stichpunkte sind völlig in Ordnung, aber macht euer Briefing so klar und deutlich wie möglich, das spart auf beiden Seiten immens viel Zeit.
Und respektiert euer potentielles Model. Wenn das Kästchen für “Akt” kein Häkchen aufweist, dann kaum zu glauben, aber dann macht das Model keine Akt-Shootings!
(Ich weiß, es klingt offensichtlich, aber glaubt mir mal, es ist unfassbar, wie viele Leute anscheinend die Basis-Infos auf der Sedcard nicht wahrzunehmen scheinen.)

Falls ihr Workshops besucht, fragt den leitenden Fotografen, ob er Models empfehlen kann.

Falls ihr Anfänger seid und euch auf Technik mit allem drum und dran fokussieren wollt, lasst mich euch einen gut gemeinten Rat geben:
Fotografiert nicht mit Anfänger-Models!
Seid bereit zu zahlen! Bucht ein erfahrendes und fortgeschrittenes Model, das weiß, wie es sich vor der Kamera bewegen muss, sodass ihr euch auf Licht, Linse, Blende, ISO und all die anderen Dinge fokussieren könnt, auf die ihr euch fokussieren müsst.
Ihr spart euch eine Menge Energie damit, denn ein unerfahrenes Model, das euch fragt “So? Oder anders?”, “Soll ich das so oder lieber so machen?”, kann enorm viel Druck aufbauen, während ihr noch all die zuvor genannten Dinge im Blick behalten müsst, denn dann ist das Model ebenso verunsichert wie ihr und das hat enorme Auswirkungen auf das Resultat.
(Das gleiche gilt im Übrigen auch andersrum, darüber habe ich bereits in einem auf Englisch verfassten Beitrag über building a portfolio gesprochen.)

Also nochmal in der Zusammenfassung:
* sucht auf Model-/Fotografen-Plattformen
* sucht auf Social Media
* scrollt durch die Profile anderer Fotografen und schaut euch deren Models an
* fragt leitende Fotografen auf Workshops nach Empfehlungen für Models

* lest den Sedcard-Text und schaut euch das Portfolio und die Aufnahmebereiche des Models genau an
* kommuniziert eure Ideen und Konzepte klar und deutlich
* schreibt alle relevanten Informationen in eure erste Nachricht
* sagt direkt, ob es sich um ein TFP- oder Pay-Shooting handelt
* macht klar, was ihr anbietet und was das Model mitbringen soll
* als Anfänger: Seid bereit für ein erfahrenes Model zu bezahlen

Ich hoffe, meine Ideen haben euch ein paar Impulse und Inspiration gegeben.
Was denkt ihr? Und sollte ich noch Ideen und Informationen vergessen haben, schreibt mir gern eine Nachricht.

Und um der Selbstwerbung Willen:
Ja, ihr könnt mich als Model buchen, wenn ihr mit mir arbeiten möchtet 😉
Schaut euch einfach gern mein Portfolio an und kontaktiert mich dann über das Kontaktformular.

Auf bald, meine Lieben

xx

#sundaystory: Fotograf

#sundaystory: Fotograf

Für Norbert Josefsson
Die vorgegebenen Elemente waren:
a) Deutsch
b) Fotograf
c) Sonne, Tod, Theater
d) dramatisch

Es war ein heißer Tag. Die Sonne brannte unerbittlich und jeder von seiner Stirn fallende Schweißtropfen verdunstete sofort auf dem Asphalt.
Er hatte sich dazu hinreißen lassen, die Vorbereitungen für das Fest auf dem Vorplatz des Theaters fotografisch festzuhalten, damit es beworben werden konnte und hoffentlich dementsprechend viel Zulauf erhalten würde. Überredet dazu hatte ihn die nicht mehr ganz so junge, aber junggebliebene Hauptdarstellerin des neuen Stücks, das am Vorabend der Festeröffnung Premiere feierte. Raffaela war nach ihrer Ausbildung in der Gegend über Umwege und viele Serpentinen auf ihrem Lebensweg zu einer doch relativ bekannten Größe im Theater aufgestiegen und kehrte nun an ihren ersten Spielort zurück.
Er, seines Zeichens gelernter Fotograf, hatte Raffaela zu Beginn ihrer Karriere in der Umkleide eines kleinen Hinterhoftheaters kennengelernt, als er zum Zwecke der Erstellung einer Fotomappe für seine Abschlussarbeit die ungeschminkte Wahrheit portraitieren wollte. Damals noch mit einer Tasche voller Filmrollen bewaffnet und Tagen, die in der Dunkelkammer zu nächtlichen Gleichnissen verschwammen, hatte er sich mit der ausdrucks- und willensstarken Künstlerin in der Umkleide nach der Vorführung bei starkem Tee mit süßer Milch angefreundet und sie hatten noch stundenlang bis spät in die Nacht geredet.
Die daraus erwachsene Freundschaft hielt nun schon mehr als 30 Jahre an und hatte geographische Distanzen und verschiedene Lebenswege durchstanden. Auch wenn sie sich manchmal jahrelang nicht sahen, stellten sie immer sicher, sich Briefe und Postkarten zu schreiben. Noch heute, nach all den Jahren, zierten viele bunte Ansichtskarten von allen Spielstätten, die Raffaela mit ihrem Ensemble bespielt hatte, seinen Kühlschrank. Und noch heute, nach all den Jahren, befand sich auf Raffaelas schnörkelverzierter Schminkkommode eine mit Muscheln und Perlen besetzte Holzbox, in der sie all seine Briefe und Karten aufhob. Hin und wieder, während der präzise gezogene Lidstrich auf einem Auge noch trocknen musste, nahm sie willkürlich einen Brief oder eine Karte aus der Box und las mit dem geöffneten Auge die Zeilen, die sich vor ihr wie ein Band der vergangenen Jahre zu einer Perlenkette aufreihten und manches Mal musste sie schmunzeln. Weinen wäre auch undenkbar gewesen, immerhin hätte dies verheerende Auswirkungen auf das Make-up gehabt. Dann küsste sie die Karte oder den Brief mit den Lippen, auf denen sich der frisch aufgetragene und noch nicht getrocknete Lippenstift befand und legte sie zurück in die Box.
Wenn es ihnen möglich war, hatte sie seine Ausstellungen und Veranstaltungen und er sie an ihren Spielstätten besucht.
Nie ohne diese Begegnungen fotografisch festzuhalten, nie ohne starken Tee mit süßer Milch als Abschluss eines außergewöhnlichen, von Lachen erfülltem Abend.
Und nun trafen sie sich wieder. Das letzte Treffen musste mittlerweile fünf Jahre her sein, eine lange Zeit, die sich bei der Verbindung der beiden und durch den Briefkontakt jedoch nie nach einer Ewigkeit anfühlte.
Sie trafen sich vor dem Seiteneingang des Theaters, der hinunter zu den Umkleideräumen der Darsteller führte. Während er über den Vorplatz schlenderte und die sengende Sonne die Luft vor seinen Augen zum Flimmern brachte, konnte er schon ihr altbekanntes breites Lächeln ausmachen. Das einzig wahre Lächeln, das Lächeln, das anders war als jenes, das sie auf der Bühne und in Interviews und bei Fotoshootings zur Schau stellte. Das Lächeln, das er manches Mal sogar bei ihren gemeinsamen Tagen geschafft hatte fotografisch für die Ewigkeit einzufangen. Auch wenn sie es hasste und ihm drohte die Fotos zu zerreissen.
Sie empfing ihn mit einer überschwänglichen Umarmung und er drückte sie und hob sie hoch, sodass ihre Füße ein paar Zentimeter über dem Boden baumelten. Alles wie immer.
Gemeinsam stiegen sie hinab in den wohltuend kühlen Keller und steuerten ihre Umkleide an. Ihr Lachen hallte von den Wänden zurück und die Freude über das Wiedersehen erfüllte den Gang. Als sie die Umkleide betraten lief ebenfalls alles wie immer ab. Ihre Bewegungen waren zwar über die Jahre langsamer, jedoch nie weniger grazil oder elegant, geworden. Sie nahm vor dem Schminktisch Platz und legte ihr breites Haarband an, um die Strähnen aus dem Gesicht zu halten, während er sich auf einem mit Samt bezogenen Schemel niederließ und die Kamera aus der Tasche kramte.
“Danke für die Einladung, ich freue mich so dich zu sehen!”, murmelte er, während er den Akku überprüfte.
“Ach, Dummkopf, seit wann bedankst du dich denn dafür? Es war doch klar, dass ich dich einladen würde, wenn ich hierher zurückkehre.”, lachte sie.
“Ja, hier hat alles begonnen.”
“Naja, nicht genau hier, aber in dieser Stadt, da hast du Recht. Gibt es das kleine Hinterhoftheater eigentlich noch? Ich hätte zu gern dort gespielt. Um der alten Zeiten Willen, weißt du?”
“Ach nein, leider nicht, daraus haben sie vor zwei Jahren eine Bar mit angeschlossener veganer Küche oder sowas gemacht. Aber vielleicht könnten wir dort gemeinsam essen. Um der alten Zeiten Willen, weißt du?”, grinste er.
“Pah! Ich bin Italienerin! Wenn meine Mamma hören würde, dass ich ausgerechnet mit dir, ausgerechnet in dieser Stadt mein Essen in einem veganen Restaurant einnehme, ich sag dir, sie würde sich im Grab herumdrehen! Das kann ich ihr nicht antun. Dann biete mir lieber Pommes Currywurst Mayo an. Das würde sie zwar auch ärgern, aber immerhin wäre Fleisch dabei.”, empörte sie sich scherzhaft.
Endlich hatte er die Kamera einsatzbereit und fing an ein paar Probeaufnahmen zu machen und die Einstellungen den gegebenen Lichtverhältnissen anzupassen während sie ihr Gesicht mit einer dicken Schicht Feuchtigkeitscreme eincremte.
“Ich möchte, dass du dir heut besonders viel Mühe gibst, mein Lieber. Du musst alles festhalten. Das wird der Auftritt meines Lebens! Dieses Stück habe ich noch nie gespielt, es ist eine absolute Premiere!”
Er runzelte die Stirn, irgendwas lag in ihrer Stimme, das er nicht genau definieren konnte. Er schaute sie prüfend an.
Sie atmete kurz ein und setzte ein Lächeln auf.
“Na, was ist?”, lachte sie und schmierte ihm mit der Fingerspitze einen dicken Klecks Creme auf die Nase.
“Hey!”, machte er und wischte sich die Creme mit dem Handrücken ab. “Ja, natürlich! Es scheint dir ja sehr wichtig zu sein.”
“Absolut. Es ist wie gesagt eine absolute Premiere und du weißt, man hat nur ein Mal die Chance, da alles im Detail festzuhalten.”
Sie drehte sich zu ihm und nahm seine beiden Hände in die ihren. Ihr Blick wurde ernster und sie schaute ihm direkt in die Augen.
“Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass du heut gekommen bist und dass du derjenige bist, der die Momente der Premiere einfängt. Du musst alles festhalten. Alles! Es ist mir wirklich wichtig. Und ich weiß, dass du es verstehst.”
Überrascht über ihren plötzlichen Ernst drückte er ihre Hände ein kleines bisschen fester und versicherte ihr, dass er sich die allergrößte Mühe geben würde, die großartigen sowie die kleinen Momente des Abends einzufangen und festzuhalten.
Dann bat sie ihn, sie noch für die letzte Stunde vor der Show allein zu lassen, wie sie es immer tat, um sich komplett auf ihr Spiel vorzubereiten.
Währenddessen ging er ins Foyer und machte ein paar Detailaufnahmen und ging dann hinaus auf den Vorplatz, passte die Kameraeinstellungen wieder den Lichtverhältnissen an und dokumentierte fotografisch die immer größer werdende Schar von Menschen, die sich zusammenfand. Trotzdem fand er auch hier und da Zeit mit alten Bekannten, wie dem Kartenverkäufer Johann und der Choreographin Christina zu plauschen.
Dann war es endlich so weit und die Platzanweiser baten das Publikum auf den vorgesehenen Plätzen, errichtet aus Paletten und bestückt mit bunten Kissen Platz zu nehmen.
Er positionierte sich so, dass er die ganze Bühne, die im Eigentlichen die Stufen des Theatereingangs waren, gut im Blick hatte.
Es wurde ruhig und das Stück begann.
Durch den Sucher seiner Kamera verfolgte er das ganze Stück, hielt jedes Lachen, jeden dramatischen Moment, jeden Kuss, jede Ohrfeige und jeden Tanz fest.
Die Kostüme waren atemberaubend und das Spiel aller Darsteller überragend. Raffaela spielte als ginge es um ihre Karriere, ihre Existenz, ja ihr ganzes Dasein und Leben. Sie war überwältigend. In all den Jahren hatte sie nichts von ihrer Anmut, ihrer Eleganz, ihrem Ausdruck, ihrer Stärke eingebüßt. Das Leben hatte seine Spuren in kleinen Fältchen um die Augen- und Mundwinkel und auf der Stirn, die sie sehr gut zu kaschieren wusste und in silbernen Haarsträhnen, die nun in der Abendsonne schimmerten, hinterlassen. Aber nichts davon nahm ihr etwas von ihrer Schönheit, von ihrer Präsenz.
Dem Spannungsbogen folgend wurde auch das Spiel immer intensiver, die Fotos eindrucksvoller, das Publikum ruhiger. Man hätte eine Stecknadel auf den Pflastersteinen fallen hören können.
Mitten auf dem Höhepunkt, der Klimax, als Raffaela in ihrer Rolle die wichtigsten Worte des Stückes sprechen sollte und sich dazu dem Publikum mit einer weit ausholenden Geste zuwandte, hielten alle den Atem an. Sie fasste sich an die Brust, ihre Hand ballte sich über ihrem Herzen zu einer Faust und sie streckte die andere Hand sehnsüchtig aus.
Er lies die Kamera sinken und blickte ihr direkt in die Augen. Dann brach sie zusammen.
Unsicher, ob es sich noch um einen Teil des Stückes handelte oder nicht, blieb es stumm im Publikum. Als jedoch die Darsteller anfingen, hilfesuchend nach den Platzanweisern und dem Regisseur zu schauen, wurde allen klar: Das hier war nicht mehr Teil des Stücks. Dies war bittere Realität.
Dann ging alles fürchterlich schnell. Der Krankenwagen wurde gerufen, alle rannten wie wild durcheinander, ein Sanitäter versuchte Erste Hilfe zu leisten, Christina die Choreographin koordinierte die fassungslosen Schauspieler und wies ihnen Aufgaben zu und Johann beruhigte das Publikum.
Er stand regungslos in der hektischen Masse, unfähig sich zu bewegen. Dann erinnerte er sich an Raffaelas Worte: “Du musst alles festhalten. Alles!”
Als wenn ihn plötzlich ein Blitz durchfahren hätte, riss er die Kamera hoch und fing an, alles zu fotografieren, die Hektik, die Menschen, das Abendrot, die weinenden und unter Schock stehenden Kollegen, dann sie. Wie schön sie dalag. Regungslos und doch noch voller Leben. “Du musst alles festhalten. Alles!” Er ließ die Kamera sinken und beugte sich über sie. Selbst der Tod stand ihr gut, mit ihrem perfekt gezogenen Lidstrich, den expressiven, rot bemalten Lippen. Selbst der Tod konnte ihr nichts nehmen. Außer dem Leben.
Er hielt sie fest bis der Krankenwagen kam und die Rettungskräfte sie aus seinen Armen nahmen.
Dann Ruhe. Stille. Leere.
Alles um ihn herum nahm er nur als schemenhaft, surreal war. Er saß da. Sonst nichts.
Es mussten Stunden vergangen sein, denn es war schon dunkel, die Straßenlaternen gingen an und der Mond brach hinter den Wolken hervor.
In der Zwischenzeit waren Bühne und Sitzplätze abgebaut worden, nur Reste von Glitzer und Konfetti, Teile des Bühnenbildes, gaben den Anschein, dass etwas stattgefunden hatte.
Ein Schatten näherte sich ihm. Es war Melina, die kleine Tochter von Johann. Sie blieb vor ihm stehen und streckte ihm etwas entgegen.
Den Nebel vor den Augen durch eine Geste wegwischend besann er sich.
“Was ist das?”, fragte er.
“Die Tante Raffaela hat mir das gegeben. Es ist ein Brief. Glaube ich. Also die Tante Raffaela hat mir das gegeben und sie hat gesagt es ist ganz geheim und ich soll dir das geben, wenn das Stück vorbei ist und alle nach Hause gehen. Also, sie hat gesagt das ist ganz ganz geheim und ich darf das niemandem sagen. Hab ich auch nicht!”, sprudelte Melina los und hob zwei Finger schwörend in die Luft.
Mit regungsloser Mine nahm er den Brief entgegen und starrte das Mädchen an.
“Willst du nicht aufmachen?”, fragte sie neugierig und beugte sich dabei leicht nach vorn und scharrte mit der Fußspitze über den Boden.
“Melina? Melina! Komm jetzt, es ist spät genug, wir müssen nach Hause, Mama wartet.”, das war Johann.
“Och, man! Du, sagst du mir, was drin steht, wenn du ihn gelesen hast?”, sie sah ihn erwartungsvoll an.
“Es ist doch geheim.”, brachte er hervor.
“Hm, ja stimmt.”, sagte Melina enttäuscht, bevor sie sich aufmachte, um ihrem Vater zu folgen.
“Danke!”, rief er ihr hinterher.
Als alle gegangen waren und nur die nächste Straßenlaterne den Vorplatz in schummriges Licht tauchte, öffnete er den Brief und las:
“Mein lieber, lieber Freund,
wenn du das hier liest, habe ich die größte und schwerste Rolle meines Lebens bereits gespielt, habe abgedankt und die Bretter, die die Welt bedeuten und immer meine Welt waren, würdevoll verlassen. Da du der beste Freund bist, den ich habe und du mich verstehst, wirst du alles, ja alles eingefangen haben, so wie ich dich drum gebeten habe. Es tut mir leid, dass ich dir das zugemutet habe, aber es ging nicht anders. Es war unser letzter gemeinsamer Tanz und ich wollte, dass du so viele Erinnerungen wie nur möglich davon festhältst.
Ich danke dir für jahrzehntelange Freundschaft. Es ist jedoch Zeit, dir mehr zu sagen als ich je vermochte. Zeit blieb mir keine mehr, und ich wusste es, ich wusste, dass es eine Premiere und ein Abschied sein würde. Daher nehme ich mir nun die Zeit, all die unausgesprochenen Dinge niederzuschreiben. Denn du, ja du hast noch Zeit. Zeit, diese Zeilen zu lesen.
Amore mio,
es gibt so viel zu sagen und so vieles, das du nicht weißt. Du kennst mich lang genug, gut genug und doch hast du so manches nicht verstanden, mein liebenswerter Dummkopf.
Ich hab dich immer geliebt. Vom ersten Tag an.
Ich hab dich geliebt als du als Lehrling mit zerzaustem Haar das Interview für deine Abschlussmappe und die fotografischen Arbeiten dazu mit mir erstellt hast. Ich hab dich geliebt, als wir uns in den niederländischen Grachten auf einen Kaffee trafen, weil ich dort spielte und du deine Ausstellung dort hattest. Ich hab dich geliebt als du mir Postkarten aus Rom schriebst, einzig mit Fotos von Gebäuden darauf, weil du wusstest, wie viel mir die Architektur bedeutet. Ich hab dich geliebt bei jeder Karte, die ich dir schrieb, von jedem Spielort dieser Welt, den ich bereisen und bespielen durfte.
Ich hab dich geliebt als ich Giovanni auf Wunsch meines Vaters heiratete, nachdem er und meine Mamma mir klarmachten, dass außer einem Italiener ihnen kein Mann an meiner Seite ins Haus käme und ich auch bei all meinen Mitspielern auf der Bühne ja nicht auf die Idee kommen sollte, etwas anderes zu denken. Ich hab dich geliebt als du die Hochzeitsfotos von unserer Hochzeit so liebevoll erstellt und überreicht hast. Ich hab dich geliebt, als du schließlich Beatrice gefunden und geheiratet hast. Ich hab dich geliebt, als ich dein freudestrahlendes Gesicht sah als du Vater von Zwillingen wurdest, einem Jungen und einem Mädchen. Ich hab dich geliebt als ich selbst erfuhr, dass ich schwanger war und ja auch als ich meinen Jungen unter Schmerzen auf die Welt brachte und ihn das erste Mal in den Armen hielt und Giovanni meine Stirn küsste, hab ich dich geliebt. Ich hab dich geliebt als du kreative Blockaden hattest, überlegt hast, alles hinzuwerfen, die Fotografie aufzugeben, ich hab dich geliebt, als deine Ehe zu scheitern begann, als deine Kinder sich gegen dich wandten, als du deine Freizeit vor dem Scheidungsgericht verbringen musstest. Ich hab dich geliebt als ich in einer Phase war, in der ich wieder und wieder abgelehnt wurde, die Rollenangebote ausblieben, Leute sich von mir abwandten und ich anfing an mir selbst zu zweifeln und du mir, obwohl ich nie darum bat, Mut zugesprochen hast und meintest, es kämen wieder bessere Zeiten. Ich hab dich geliebt als diese besseren Zeiten kamen und die Leute zurückkamen. Ich hab dich in jedem Wort, in jeder Zeile eines jeden deiner Briefe geliebt. Ich hab dich in jedem verschwommenen Foto und auch in den gestochen scharfen geliebt. All die Jahre, all die Zeit. Ich hab dich geliebt als ich erfuhr, dass meine Zeit begrenzt ist und wie begrenzt genau. Ich hab dich geliebt als du eingewilligt hast, diese eine, diese letzte Premiere festzuhalten. Und ich liebe dich während ich diese Zeilen hier schreibe.
Amore mio, um einen letzten Gefallen muss ich dich dennoch bitten und ich weiß, du wirst ihn mir nicht abschlagen: Bitte vergiss mich nicht und küsse diesen Brief bevor du ihn zurück in den Umschlag steckst, ja? Danke.”

Er starrte auf die Zeilen vor ihm, atmete flach, der Kloß in seinem Hals drohte ihm die Luft abzuschnüren und die Zeilen begannen zu verschwimmen, weil ihm Tränen in die Augen stiegen.
Er holte tief Luft und erfüllte Raffaela ihren letzten Wunsch.
Dann brach er zusammen.

Gina Laventura © 2019

#socialsaturday: Trivialgesellschaft

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#socialsaturday: Trivialgesellschaft

Hey meine Lieben,

die eigentliche Idee für den Titel des heutigen Posts war “Warum wollen wir, dass alle wollen, was wir wollen?”. Aber das empfand ich dann doch als zu lang. Und zu verwirrend.
Aber mal ernsthaft: Warum tun wir das?
Okay, okay, ich sehe wir müssen hier etwas Struktur reinbringen, sonst verlaufen wir uns in hundert Themen.
Also gebt mir einen Moment. Und n Schluck Kaffee.

Okay, also zurück zum Thema.
Was unterscheidet uns Menschen von den Tieren?
Also mal abgesehen von regelmäßigem Haarschnitt, Kleidung, Make-up und der Tatsache, dass wir duschen oder ein heißes Bad nehmen und uns nicht wie eine Katze sauber lecken.
Naja, viele Philosophen würden argumentieren: Vernunft und Sprache.
Homo logos und so, wisst ihr.
Lasst uns hier bitte kurz innehalten.
Vernunft. Also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in letzter Zeit habe ich definitiv zu viele Menschen zu viele Dinge machen sehen, die für mich persönlich keineswegs unter die Kategorie “vernünftig” fallen.
Sowas wie Müll auf die Straße zu werfen, obwohl der Mülleimer keine 2m entfernt ist. Klingt das vernünftig?
Oder den Kinderwagen so in den Bus zu stellen, dass niemand mehr durchkommt, während der Busfahrer die Fahrgäste anschreit, sie sollen weiter nach hinten durchgehen und dann die Leute, die höflich fragen, ob es möglich sei vorbeizugehen, noch anpflaumen. Klingt das vernünftig?
Andersherum: Wie bekloppt ins Fitnessstudio zu rennen und den Bizeps zu trainieren, damit alle Frauen dahinschmelzen und ihn anfassen wollen, aber dann eine Mutter mit Kleinkind und Kinderwagen am Bahnhof sehen und ihr nicht helfen das schwere Teil die Treppe hinauf zu bugsieren, klingt das vernünftig?
Ihr versteht, denke ich, worauf ich hinaus will.
(Im Übrigen schließe ich mich selbst dabei nicht aus: Es gibt zahllose Momente in denen ich mir gedacht habe oder denke “Gina, ernsthaft, hast du irgendwo noch ein Fünkchen Logik und Vernunft in deinem Kopf oder schleppst du den nur mit dir rum, damit er auf Portraits gut aussieht? Reiß dich bitte mal zusammen!”)

Sprache. Lasst uns zunächst eine sehr simple, aber dennoch enorm wichtige Frage stellen:
Wofür ist sie gut?
Dient sie nur dazu, dass ich Dinge benennen, definieren und mir selbst erklären kann?
Das Schlüsselwort hier ist Kommunikation. Und diese wiederum bezieht sich (zumindest laut der Quellen, die ich für diesen Blogpost bemüht habe), auf das Senden, Empfangen und Austauschen von Informationen. (oder Dingen)
Also Senden und Empfangen bezieht sich doch eigentlich auf zwei oder mehr Personen, oder?
(Okay, bitte verurteilt niemanden, der dieses menschliche Werkzeug dazu nutzt mit sich selbst zu sprechen, okay? Wenn ihr das tut, dann erklärt ihr euch im Grunde ja auch nur eure eigenen Gedanken nochmal und das ist meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung. Keine Sorge.)
Aber wann und warum ist aus Kommunikation plötzlich ein Verhältnis geworden, das einem Theaterstück gleicht: Ein Gesprächspartner benutzt den anderen als Bühne, auf der er sich selbst und seine Lebenserzählung darstellt?
Ich mein, wo ist der Austausch?
Glaubt mir meine Lieben, ich pendle eindeutig zu oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln und wenn man auch nur ein Mal die Ohrstöpsel vergisst, bekommt man eindeutig mehr mit als man möchte. Aber immerhin gibt das Impulse für den Blog, hm?
Aber spielt dieses Spiel mal. Das nächste Mal, wenn ihr irgendwo seid, hört Menschen, die sich im Gespräch befinden, mal zu. Also für eine Weile.
Ist das Austausch? Oder ist es eher so, dass einer von sich erzählt und in Szene setzt und dann ist der nächste in der Runde dran?
Beobachtet mal.

Kommen wir zum Teil mit dem Wollen.
Vernunft und Sprache fließen auch hier mit ein, nur falls ihr euch gerade wundern solltet, weshalb ich vorher so viel davon erzählt habe.
Nehmen wir zunächst mal ein paar Beispiele für nicht unübliche Gespräche, okay?

Situation 1: Zwei Schüler haben gerade ihren Abschluss gemacht.
A: Und was wirst du studieren?
B: Ich will nicht studieren.
A: Was?!
B: Ich möchte eine Ausbildung machen.
A: Ah.

Situation 2: Ein Student (B), der von Minijobs und einem Kredit lebt und ein Auszubildender (A), der gegen Ende seiner Ausbildung schon “richtiges” Geld verdient, unterhalten sich.
A: Und wann ziehst du von Zuhause aus?
B: Also ich überlege nach meinem Abschluss noch einen weiteren zu machen.
A: Also willst du ausziehen, wenn du was bist, 28?!

Situation 3: Eine verlobte oder verheiratete Frau, die grad im Begriff der Familienplanung ist (A) und eine Frau, die auf ihre Karriere fokussiert ist (B), unterhalten sich.
A: Und wann heiratest du?
B: Hm?
A: Na, wann wirst du heiraten und Kinder kriegen?
B: Ehm, keine Ahnung?!
A: Wir werden alle nicht jünger, Schätzchen, hm?

Warum wollen wir, dass alle wollen, was wir wollen?
Und diese Annahme wäre ja noch nicht mal sowas von tragisch.
Das Schlimmere ist das, was oftmals folgt:
Die Verurteilung.
Als wenn unsere Version vom Leben die einzig wahre wäre.

Wenn dein größter Wunsch ist zu studieren und du die Möglichkeit hast, das zu tun, schätze es!
Es gibt genügend Leute, die dies gern tun würden, aber keinen Zugang zu Bildung, ganz zu schweigen von höherer Bildung, haben.
Und wenn deine Freunde beschließen, dass ein Studium nichts für sie ist, beglückwünsche sie zu ihrer Entscheidung und wünsche ihnen alles Gute!

Wenn das, was du als erstrebenswert empfindest, beinhaltet so früh wie möglich von Zuhause auszuziehen und eigene Wohnung zu haben und du die Chance dazu hast, schätze es!
Vielleicht würden deine studierenden Freunde auch gern eine eigene Wohnung haben, aber müssen ihre Prioritäten setzen: Weiterer Abschluss oder eigene Wohnung?
Für wen halten wir uns denn, Menschen zu sagen, ihre Entscheidung sei falsch, nur weil wir eine andere getroffen hätten?

Wenn deine Vision von einem erstrebenswerten und glücklichen Leben Heirat und Kinder beinhaltet und du den richtigen Partner gefunden hast und körperlich dazu in der Lage bist, gesunde Kinder zur Welt zu bringen, dann schätze es!
Und wenn du Erfüllung darin findest und dir denkst “Wow, nun weiß ich, wozu ich hier bin!”, dann ist das großartig, aber das bedeutet nicht, dass du das Recht hast, anderen Frauen zu sagen, dass sie bevor sie Kinder haben ihren Lebenszweck auf Erden nicht gefunden haben. Ist doch eine etwas krasse Behauptung, oder?
Und selbst, wenn sie einfach nicht wollen oder nicht den Partner finden, mit dem sie es gerne würden, wer sind wir denn, die Prioritätenliste eines anderen zu verurteilen?

Ich sag euch was:
Eines Tages stehen wir alle vor einem großen Urteil. Aber das ist weiß Gott nicht unsere Aufgabe!
Für wen halten wir uns, anderen Leuten zu sagen, welche Lebensgeschichten valide sind und welche nicht?
Und wann sind wir so vermessen und arrogant geworden davon auszugehen, dass unsere Entscheidungen die einzig richtigen sind?
Wann haben wir vergessen, uns einen freien Geist und ein offenes Herz zu bewahren und die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten?
Wann haben wir vergessen zu kommunizieren?

Und nun etwas zu vernünftiger Kommunikation.
Warum hören wir nicht zu? Warum portraitieren wir unser Leben zunehmend virtuell und mittlerweile auch analog so, als sei es das beste Theaterstück, das jemals geschrieben worden sei und alle anderen Erzählungen seien damit null und nichtig?
Wie wäre es, wenn wir die Erzählung etwas ändern?

Situation 1:
A: Möchtest du studieren oder eine Ausbildung machen?

Situation 2:
A: Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?

Situation 3:
A: Willst du eines Tages heiraten und Kinder kriegen?

Von der Grammatik her sind die meisten Ja-oder-Nein-Fragen oder Fragen, die nicht schon eine Antwort suggerieren, offener und bieten damit mehr Platz für wahre Kommunikation, für Austausch.
Seid offen, seid interessiert, hört zu.
Und zum Willen und Zwecke einer offeneren, weniger oberflächlichen Gesellschaft: Verurteilt nicht!
Bitte.

Wie wäre es, wenn wir anfingen richtig coole und interessante Fragen zu stellen?
Sowas wie:
Wie geht es dir?
Was macht dich glücklich?
Was ist dein Lieblingsessen?

Ich könnte noch ewig zu diesem Thema weiterschreiben, aber ich belasse es nun hierbei. Vorerst.
Wie immer, kommentiert gern hier oder sendet mir eine E-Mail oder besucht mich auf Facebook und Instagram.

Bis dann, meine Lieben.

xxx
Gina.

#socialsaturday: Superficial Society

Auf Deutsch lesen

#socialsaturday: Superficial Society

Hey my dears,

actually the first idea for a title was “why do we desire that people desire what we desire?”, but then I thought it might be too long. And maybe too confusing.
But seriously, why do we do that?
Okay, okay, I see, I need to put some structure in here, otherwise we will get lost in a hundred topics.
So, give me a sec. And a sip of coffee.

Okay, back to the topic.
What distinguishes us as humans from animals?
I mean despite regular hair cuts, clothes and make-up and hot baths instead of licking ourselves clean like a cat.
Well, philosophers would say reason and language. Homo logos, you know. Which also implies a correlation between language and divine logic or sense.
Can we just wait here a second.
Reason. Well, I don’t know about you, but recently I’ve seen people doing more things that – at least for me – don’t fall under the category of reasonable than I could put in one blog post without boring you.
I mean, take simple things like throwing trash onto the street while walking when the bin is just 2 freaking meters away from you. Does that sound reasonable?
Or pushing your pram into the bus in such a way that no one can get from the front to the end while the bus driver is yelling that everybody should move further to the back and then you shout at the people who kindly ask you if there was a chance they might pass by. Does that sound reasonable?
Other way round, going to the gym to train your biceps so that every girl would fall for your trained body straight away and wants to touch it, but then being at the train station and watching a mother with a toddler and a pram and not helping her get that pretty heavy thing up the stairs, does that sound reasonable?
I think you get what I’m aiming at, but believe me, there are hundreds of millions of examples where I think doubting reason within people is kind of a daily sport.
(Btw: this doesn’t exclude myself, countless times that I kind of watch myself and then wonder “Well, Gina, was that reasonable? Is there any logical thinking left in your head or is it just on top of your neck to look good on a portrait, sheesh, girl, get your shit together!”)

Language. First, let us ask one simple, but very important question: What’s it good for?
Is it just for me to name things and so that I can define things that pop up in my head and explain them to myself?
The keyword is communication. And this means (at least according to various sources I looked up for this post) the sending, receiving and exchanging of information (or things).
But it’s about sending and receiving. Normally this includes two or more people, doesn’t it?
(Don’t judge people, who use this human tool also to communicate with themselves, it’s just you explaining your own thoughts to yourself, which I consider pretty fine, don’t worry.)
So, why and when did communication turn into one interlocutor using the other one as a stage to put their own life narration into the spotlight?
I mean.. where is the exchange?
Believe me, my dears, I commute too often with public transport and even one time forgetting your earphones makes you notice too many things around you. But on the other hand, it’s an impulse for blog posts, huh?
So, please, play this game the next time you’re sitting somewhere and listen to people talking. And I mean, for a while.
Can you find exchange? Like real exchange? Or is it rather everybody just talking about themselves and then it’s the other one’s turn?
Just observe.

Now for the desire part.
Reason and language flow into it, if you are wondering now why I talked about that before.
So, let’s take some pretty common conversation, okay?

Situation 1: Two people graduated from high school.
A: And what are you going to study?
B: I’m not going to study.
A: What?!
B: I want to do an apprenticeship.
A: Ah.

Situation 2: A student (B) living from a part-time job and a credit and someone being at the end of their apprenticeship (A) and already earning “real” money are talking.
A: And when are you going to move out from your parents’ house?
B: Well, actually I’m aiming for higher education and want to do another degree once I finished the first one.
A: So, you don’t want to move out until you’re what? 28?

Situation 3: An engaged or married woman in the process of family planning (A) and a woman focussed on her career (B) are talking.
A: And when are you going to marry?
B: Hm?
A: When are you going to marry and have children?
B: Um, dunno?!
A: Well, darling, we all don’t get younger, do we?

Why is it that we seem to desire that other people desire what we desire?
And this assumption wouldn’t even be the worst thing. The worst thing is the next step that oh so frequently follows:
Judgement.
As if our life narration was the only valid one.

If your greatest desire is to study and you have the privilege of getting a chance to do it, then value it!
There are people who would love to, but that don’t have access to education, let alone higher education.
And if your friend decides that studying isn’t their cup of tea, then congratulate them on their choice and wish them all the best.

If what you define as a desirable life includes moving out as early as possible and having a space of your own and you get the chance to get it, value it!
Maybe your studying friend would love to have a place of their own, too, but they had to decide about their priorities: flat or next degree.
Who are you to tell them they made the wrong choice just because your choice would have been different?

If your vision of a desirable life necessarily includes getting married and having children, and you found the right partner and you were physically able to give birth to healthy children, then guess what, value it!
And if you found fulfilment in that and you think “wow, now I truly know what I’m here for!” than that’s great. But who are you to tell another woman that unless she has children she doesn’t know her purpose here on earth? Isn’t that a bit harsh?
And even if she doesn’t want to, or didn’t find the person with whom she’d love to, who are you to judge someone else’s priority list?

Let me tell you something:
We will all be judged one day. But that’s not our job, believe me.
Who are we to tell other people which desire and life narration is valid and which is not?
And when did we get so presumptuous and arrogant to assume that our choices are the only right ones?
When did we forget to stay open and listen and see the world from different angles?
When did we forget to communicate?

And now for reasonable communication:
Why don’t we listen? Why do we act our lives out on a virtual and now even analogue stage as if it was the best play ever written and any other narration was invalid and less worthy?
Can we maybe change the narration?

How about

Situation 1
A: Are you going to study or do you want to do an apprenticeship?

Situation 2:
A: What are your plans and desires for the future?

Situation 3:
A: Do you want to marry and have children one day?

On a grammatical level, most yes-or-no-questions or questions without suggesting an answer, offer more space for real communication.
Be open, be interested, listen. And for the sake of an open and less superficial society: Don’t judge!
Please.

Can we maybe start asking really cool and interesting questions again?
Like
How are you?
What makes you happy?
What’s your favourite dish?

I could go on writing about this subject, but I’ll leave it at that. For now.
As always, feel free to comment here, share your opinion with me via email or Facebook or Instagram.

So long, my dears.

xxx
Gina.

#freelancefriday: Mythen & Vorurteile

Read in English here

#freelancefriday: Mythen & Vorurteile

Hey meine Lieben,

heute mal was anderes.
Wie in meinem letzten #writerswednesday Post versprochen, habe ich mir etwas überlegt, um die Verspätung wiedergutzumachen.
Da ich mich öfter mal mit anderen Kreativen austausche und aus diesen Konversationen immer Impulse hervorgehen, ebenso wie beim Hören des deutschen Podcasts Creative Kraut* von einem Freund von mir, habe ich eine Idee gehabt, die mir im Kopf blieb.
So dachte ich, dass es für euch interessant sein könnte, ein bisschen über das Leben eines Freiberuflers (oder auch Freelancers – den Unterschied spreche ich später noch an –) zu erfahren.
Warum bin ich in der Position darüber zu schreiben?
Hm, vornehmlich, weil ich seit mittlerweile 6 Jahren – woop woop – einer bin.
Sechs Jahre?! Ja, anstatt einen Studentenjob anzunehmen, wie viele meiner Kommilitonen, habe ich mich damals dazu entschlossen, mich neben dem Studium selbstständig zu machen.
Klingt saucool oder? Haha, wenn meine nachträgliche Bilanzierung mich nicht trügt, gab es einige Monate oder gar Jahre, in denen ein Studentenjob weeeeesentlich lukrativer gewesen wäre. 😀
Aber ich habe viel auf dem Weg gelernt und er hat mich dahin geführt, wo ich heute bin.

Und da heute scheinbar auf allen möglichen Plattformen das “Baue dein eigenes Business auf”, “Kündige deinen Job und tu, was du liebst” so intensiv beworben wird, dachte ich, könnte es ganz interessant sein, ein bisschen von meinem Weg und meine Gedanken dazu zu teilen.
Was denkt ihr? Gute Idee oder eher Schnapsidee?
Also, lasst mich mal wissen, entweder hier in den Kommentaren oder per E-Mail oder wie üblich über Facebook oder Instagram, ob ich diese Serie hier fortsetzen soll.

Heute würde ich gerne mit einigen Mythen und Vorurteilen gegenüber der freiberuflichen oder Freelancetätigkeit aufräumen.
Dazu nehme ich Aussagen, wie ich sie schon oft gehört oder in den Augen meiner Gesprächspartner gelesen habe, und gehe darauf ein.
Wie immer entspringen die Aussagen natürlich meiner eigenen Erfahrung und Meinung und dienen nicht zur Verallgemeinerung.

Kleiner Disclaimer: Ich schreibe aus der Perspektive eines Freiberuflers, der in Deutschland lebt und arbeitet. Deshalb entsprechen manche Aussagen und Regeln nicht unbedingt dem freiberuflichen Dasein in anderen Ländern. Falls ihr freiberuflich in anderen Ländern tätig seid, lasst mich gern eure Meinung wissen, ich bin interessiert daran, wie es sich in anderen Ländern darstellt und gestaltet!

Also, fangen wir an:

1. Oh, wow, du musst nicht von 8 bis 17 Uhr arbeiten und kannst dir deine Arbeit frei einteilen, wie es dir gefällt!

Also, das kommt darauf an, für was ihr gebucht wurdet.
Wenn ihr etwas unterrichtet oder Kurse gebt, dann solltet ihr schon zur angegebenen Kurszeit erscheinen, nicht wahr?
Aber klar, die Vor- und Nachbereitung könnt ihr zu einem Zeitpunkt machen, der in euren Zeitplan passt, rein theoretisch zumindest, solange ihr zur nächsten Sitzung vorbereitet seid.
Falls es sich um einen Job mit einer Deadline handelt, der aber keine Zwischenziele beinhaltet, mag es zunächst so wirken, als könntet ihr euch den ganzen Tag die Nägel lackieren und nur hier und da mal ein Stündchen arbeiten.
Aber nehmen wir mal an, ihr habt mehr als ein Projekt gleichzeitig laufen, was nicht unüblich ist (und auch etwas mit Geld zu tun hat, aber dazu komme ich gleich), dann müsst ihr schon verdammte Meister des Zeitmanagements sein, um alles unter einen Hut zu bekommen und nicht den Überblick zu verlieren und immer noch bestmöglich abzuliefern.
Und das wiederum, meine Lieben, bedeutet, dass ihr lange arbeiten werdet und oftmals kein Wochenende habt und manchmal sogar gar nicht mehr wisst, welcher Wochentag grad ist.

2. DAS ist dein Stundensatz?! Du verdienst ja ein Vermögen!

Puh, einatmen, ausatmen, ruhig bleiben.
Ja, mein Stundensatz ist höher als das, was du in deiner Festanstellung verdienst, wenn du dein Monatsgehalt durch deine Arbeitstage und dann Stunden teilst.
Stimmt.
ABER: Ich habe keinen Arbeitgeber, der einen gewissen Prozentsatz oder gar die Hälfte meiner Krankenversicherung bezahlt. Ich bin mein Arbeitgeber. Also zahle ich 100%.
Je nachdem, in welchem Bereich ihr arbeitet, kann es sogar sein, dass ihr dazu verpflichtet seid, euch privat zu versichern.
(Und hier kommen wir zum Unterschied: In Deutschland machen wir einen Unterschied zwischen freier Mitarbeiter und Freiberufler, die per definitionem meistens Anwälte, Architekten oder – so wie ich – Kreative wie Autoren sind. Zwar nutzen wir gern den fancy Anglizismus Freelancer, der dann oftmals mit Freiberufler übersetzt wird, aber korrekt ist das nicht. Nicht jeder Freelancer ist ein Freiberufler.)
Und private Krankenversicherung ist niemals günstig.
Außerdem habe ich keinen bezahlten Urlaub. Jeder Tag, an dem ich nicht arbeiten gehe, ist ein Tag, an dem ich kein Geld verdiene.
Ich wiederhole: Jeder Tag, an dem ich nicht arbeiten gehe, ist ein Tag, an dem ich kein Geld verdiene.
Lasst das mal für ‘ne Minute sacken.
Und ja, das bedeutet, dass viele Freelancer (ich benutze den Begriff hier als Zusammenfassung für Freiberufler und freie Mitarbeiter) arbeiten gehen, obwohl sie mega krank sind, schlicht und ergreifend deshalb, weil sie es sich nicht leisten können auszufallen.
Zusätzlich ist meine Arbeit Projektarbeit. Manchmal läuft ein Projekt ein Jahr, manchmal nur einige Monate und manchmal ist es ein sehr kurzfristiges Projekt, wie das Lektorat eines Buches innerhalb einer Woche.
Und das, meine Lieben, bedeutet, dass ich in möglichst kurzer Zeit möglichst viel verdienen sollte, denn wenn man nicht zu den ständig Glücklichen gehört, die bereits für ein Folgeprojekt den Vertrag in der Tasche haben, dass man sich von seinem Ersparten über Wasser halten muss, bis das nächste Projekt eingetütet ist.
(Hinweis: Eure Fixkosten werden dennoch jeden Monat von eurem Konto abgebucht, weil es keine Sau interessiert, ob ihr grade Geldeingänge verzeichnet oder nicht)
Das, in Kombination mit dem, was ich zuvor gesagt habe, führt oftmals dazu, dass Freelancer jede Joboption ergreifen, die sich bietet, sich den Arsch abarbeiten und keine Wochenenden haben, um das Gefühl einer Pseudo-Sicherheit zu haben, sollte das nächste Projekt erstmal auf sich warten lassen.
Und jetzt meine Lieben, stellt euch vor, dass 80% (Zahl ist geschätzt, keine Beweise vorhanden) eurer potentiellen Kunden versuchen, eure Preise zu drücken und mit euch zu verhandeln.
Jetzt bloß nicht verzweifelt wirken und Würde und Selbstwertgefühl bewahren!

3. Es ist total cool, dass du dir deine Projekte selbst aussuchen kannst und nicht immer dasselbe tun musst. Das macht die Arbeit vielfältig, das muss total spannend sein!

Mh, ja und nein.
Also ja, die Arbeit kann sehr vielfältig sein. Vielleicht lektoriert ihr ein Kochbuch, übersetzt die Website eines Coaches, geht als Übersetzer auf eine Messe für Kosmetik und unterstützt den Relaunch der virtuellen Präsenz eines Schuhladens.
Das ist absolut bunt und vielfältig und das ist definitiv eine Sache, die ich am freiberuflichen Arbeiten sehr schätze.
Aber das bedeutet auch, wenn ihr mehrere Projekte parallel laufen habt, dass euer Gehirn sehr schnell und flexibel arbeiten muss, damit ihr innerhalb von 12 Stunden durch 3 verschiedene Themen springen könnt und in allen dreien eure bestmögliche Arbeit abliefert.
Oder innerhalb einer Woche müsst ihr diverse Schreibstile nutzen, euer Gehirn auf andere Sprachen umschalten und dabei immer noch eure Termine einhalten.
Also ja, definitiv ist das total spannend und man lernt aus den verschiedensten Bereichen eine ganze Menge dazu.
(Wie viel ich allein durch das Lektorieren von Texten, mit deren Inhalten ich mich freiwillig nie im Detail beschäftigt hätte, gelernt habe. Und plötzlich entdeckst du dich selbst auf einer Party, wo du über Digitalisierung, Smart Homes, Finanzen und Medizin redest. haha)
Also ja, es ist aufregend, aber es kann auch sehr anstrengend sein.
Und an manchen Tagen wünscht ihr euch einfach nur ein “normales Leben” mit geregelten Arbeitszeiten, wo ihr zu einer bestimmten Uhrzeit nach Hause kommt und Feierabend habt und einfach die Dinge tut, die noch zu tun sind, wie einkaufen und Haushaltskram (denn ja, auch als Freelancer müssen diese Dinge noch irgendwo untergebracht werden) und euch dann mit einem guten Buch oder eurem Lieblingsfilm auf die Couch werfen könnt.
Aber es wäre schlichtweg gelogen, wenn ich jetzt behaupten würde, diese Arbeit sei nicht interessant oder spannend. Klar, nicht jedes Projekt ist ein Wow-Projekt und es gibt Tage, an denen ihr einfach null Bock habt, selbst bei Projekten, die euch eigentlich gut gefallen, aber das hat man ja immer, egal was man arbeitet.
Dennoch sind diese Aspekte definitiv welche, die mir an der freiberuflichen Tätigkeit sehr gut gefallen.

So, so viel zu den Mythen.
Bevor sich nun jemand aufregt, lasst mich kurz ein paar Dinge klarstellen:
1. Ich möchte in keiner Weise sagen, dass Freelance-Arbeit scheiße ist, weil es keinen bezahlten Urlaub gibt oder weil ihr mit einigen Unsicherheiten in Bezug auf Projekte umgehen müsst. Ich will mich darüber auch gar nicht beschweren, denn ihr könntet einfach sagen “Ja, aber das ist das, was du dir ausgesucht hast. Niemand hat dich gezwungen. Du kannst dir auch eine Festanstellung suchen. Das war doch deine Entscheidung.” und ich hätte diesem Argument rein gar nichts entgegenzusetzen.
2. Keineswegs möchte ich Festanstellungen irgendwie runtermachen und das Freelance-Dasein als das Nonplusultra loben oder gar behaupten, dass Freelance-Arbeit stressiger als eine Festanstellung ist. Nein, ganz bestimmt nicht! Eine Freundin von mir ist Krankenschwester, was eine Festanstellung mit bezahltem Urlaub und Krankenversicherung ist, und ich weiß, wie gestresst sie nicht nur an einigen Tagen nach Hause kommt und ich bewundere sie und ihre Kollegen für das, was sie jeden Tag leisten. Ebenso wie ich jedem meine Achtung entgegenbringe, der jeden Tag aufsteht und sein Bestes gibt. Egal, was und in welcher Vertragsform er oder sie nun auch arbeitet.
3. Mein eigentliches Ziel ist es, Verständnis und Bewusstsein für den oftmals weit verbreiteten Irrglauben über freiberufliche oder freie Tätigkeiten zu kreieren.
Sheesh, wenn ihr euch mal in den sozialen Netzen umschaut, bekommt man den Eindruck, dass jeder dritte euch erzählen will, dass ihr euren festen Job in die Tonne hauen und euren Träumen folgen sollt, um das zu tun, was ihr liebt. (Als wenn die Arbeit als Freelancer eine Garantie dafür sei.)
Was ich sagen will: Bitte bedenkt einige Punkte bevor ihr überhaupt irgendwas in die Tonne werft, okay?
Nur weil ihr als Freelancer in diversen Projekten mit vielfältigen Themen arbeitet, heißt das nicht, dass ihr euren Traum lebt, denn wie zuvor gesagt ist es oft so, dass man einfach den nächsten Job annimmt, der sich da bietet, um die Rechnungen zu bezahlen.

Ich will keine der Arbeiten, egal ob nun Freelance, freiberuflich oder feste Anstellung, auf einen Podest stellen und die anderen heruntermachen.
Mir geht es um Verständnis in beide Richtungen.

Lasst mich wissen, was ihr denkt.
Seid ihr Freelancer und liebt es?
Habt ihr eine Festanstellung und spielt mit dem Gedanken, euch selbstständig zu machen? (Falls ja, hoffe ich, dass mein Post euch nicht dazu bewegt hat, diese Idee zu verteufeln. Wenn es das ist, was ihr wirklich wollt, tut es! Ich sage nur, informiert euch vorher und macht eure Hausaufgaben, damit ihr nicht verträumt in irgendetwas hineinstolpert und euch hinterher denkt “Was zur Hölle habe ich getan?!”, okay?)
Habt ihr beide Seiten kennengelernt? Und falls ja, welche bevorzugt ihr und warum?

Lasst euch in den Kommentaren aus.

Auf bald, meine Lieben

xxx
Gina.

 

 

 

 

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#freelancefriday: Myths and Prejudices

Auf Deutsch lesen

#freelancefriday: Myths and Prejudices

Hey my dears,

today for something different.
First, I told you I prepared something to make up for my belated #writerswednesday post and secondly, I thought this idea was a good one.
As I talked to other creatives and also listened to the German podcast Creative Kraut* from a good friend of mine, this idea popped up in my mind and stayed there, so I thought it might be interesting for you to read a little bit about the life of a freelancer.
Why am I entitled to speak about these things? Well, mostly because I have been working as a freelancer for 6 years now, officially, woop woop.
Six years?! Yep, instead of searching for a part time student job, I decided to build up my freelance business beside my studies.
Sounds so cool, right? Haha, well, if I did my calculation right, there were many months in which working a part time student job would have been wayyyy more lucrative 😀
But, I learned a lot along the way and it brought me where I am today.

And since nowadays on all the platforms setting up your own business and leaving your corporate job and do what you love is so intensively and extensively promoted, I thought you might be interested in me sharing a part of my journey and thoughts upon it.
What do you think? Good idea or rather “hard liquor idea” (Schnapsidee is what we call it in German, don’t ask me why, probably because your ideas after consuming hard liquor might be quite, erm, weird?!)
So, let me know, if you’d like me to continue this series in the comments below or as usual on any other platform like Facebook or Instagram or even via email.

What I prepared for today is to do away with some of the myths and prejudices that are connected to the perception of freelance work.
I’ll post a statement, just like the ones I have heard or read in the eyes of my interlocutors, and then touch upon them.
Of course, as always, the answers derive from my own opinion and experience and are not to be generalised.

Little disclaimer: I write from the perspective and experience of a freelancer working and living in Germany. Of course, certain regulations and have-to’s might differ in your very own country. I would love to hear about freelance work in other countries, so please feel free to share your experience!

So, let’s start with the myths & prejudices:

1. Oh, wow, so you don’t have to work 9 to 5 and can schedule your work as you please!

Well, it depends on the job you got booked for.
If you’re booked for a coaching session on a regular basis or giving courses, of course you have to show up when it’s supposed to take place, huh?
But sure, preparing and the work afterwards you could do when your time allows, as long as you are prepared for the next session.
If it’s a job with a deadline but no schedule in between, it might seem as if you could sleep in and paint your nails all day and then just work one hour here and one hour there.
But let’s assume you have more than one project running at the same time (which by the way is not unusual, as it has something to do with money, too, but I’ll come to that in a minute) and then you have to be an effing master of time management to not lose track and guess what, my dears, often you end up working late and you don’t have a weekend and due to that it might also happen that you forget which day it is at all.

2. THAT is your rate per hour?! You’re earning a fortune!!

Phew, okay, breathe in, breathe out.
Yes, my hourly rate is higher than what you earn in your regular job if you take your monthly income and divide it by your working days and then hours.
True.
BUT: I don’t have a boss that pays a certain percentage or even half of my health insurance. I am my boss. Means I pay 100%.
Depending on the field you work in, you might be obliged to take a private insurance, as is often the case for freelancers in Germany.
Little note: we make a difference between freier Mitarbeiter and Freiberufler, which could be translated as free employee and freelancer, so the latter is mostly by definition a lawyer, architect or – like me – someone working in a creative field, like an author for example.
And private insurance is never cheap.
Furthermore, I don’t have paid vacation. Every day I don’t go to work is a day I don’t earn money.
I repeat: Every day that I don’t go to work is a day that I don’t earn money.
Let that sink in for a moment.
And yes, that means for many freelancers that they go to work although they are ill as a dog, because they simply can’t afford to be sick.
Additionally, I run on projects. Sometimes a project contract is as long as one year, sometimes it’s some months and sometimes it’s a short term thing, like editing a book within a week.
That my friends, means that I have to earn as much as possible in a short time span because in most cases, if you’re not lucky, you don’t have a following project already signed, so it might happen that you have to live on your savings for months or longer. (Note: Your fix costs are still gonna be booked from your bank account, because they don’t give an eff whether you have income or not)
That, connected to what I said before, leads to many freelancers taking nearly every option for a job, even many short term ones, to ensure they have enough savings if the next project start is delayed.
And that in turn makes many freelancers end up having no weekend at all but working their butts off in order to gain a feeling of pseudo-security.
And now, my dears, imagine that nearly 80% (number is estimated, no proof) of the people interested in your services try to press your prices down and negotiate with you.
Try not to look desperate and to keep some self-confidence and self-worth remaining.

3. It’s really cool, you can choose your projects and your work is so diverse, it must be exciting!

Mh, yes and no.
Yes, it’s true, the work can be very diverse as you might be editing a cook book for one client, translate a website for a coach, go on trade fairs as a translator for cosmetics and support the relaunch of the virtual spaces of a shoe company.
Sure, it’s diverse. And that’s an absolute lovable trait to freelance work, to my mind.
But it also means, if all or some of the projects are running in parallel, that your brain needs to work quickly and to stay flexible enough to jump through three different topics within 12 hours and still deliver the best work it can. Or within a week you might have to change the writing style, switch your brain from one language to the other and stick to appointments and schedules.
So, yes, it is exciting and you get many insights into different fields of work and you can learn amazingly much!
(How many things I learned from editing texts about topics that voluntarily I would never have dived into as deep. And then suddenly you find yourself on a party talking about digitalisation, smart homes, finances and medicine, just because your brain remembered the pages you edited. haha)
So, yes, it is exciting, but it can also be very exhausting.
And on some days you just wish you had “a normal life”, come home at the same time of the day and then be free to do the things that need to be done (grocery shopping, household stuff) – because guess what, besides all the project and topic hopping, that needs to be done, too in a freelancer’s life – and then chill with a good book or your favourite movie.
But it would be a lie if I claimed that it’s not diverse or not exciting. Of course, not every project is a wow one, and even in projects you love there are days where you just don’t feel it.
But that’s definitely a trait of freelance work that I consider exciting.

So, so much for the myths.
Before people start arguing now, let me take a stand for myself:
1. I don’t mean to say that freelance work is shit because you don’t get paid vacay or because you have to work a lot and have to deal with a certain insecurity when it comes to projects. I don’t mean to complain about that, either, cause you could say “Well, that’s what you chose. Nobody forced you. You can still go and search for a regular job. It was your decision.” and I wouldn’t have any counter argument against that.
2. Neither do I mean to belittle regular jobs and praise freelance work or claim that freelance work is more stressful than a regular job. Heck, no! A friend of mine is a nurse and I know how much stress that means, and yes it’s a regular job including paid vacation and health insurance, etc., and I truly admire her and her colleagues for doing what they do. Just like I admire everyone getting up in the morning, whatever they work and giving it their best.
3. My main aim is to create awareness and to do away with some of the commonly spread misconceptions as I’d call them about freelance work. Sheesh, when you look onto social media it seems like everybody’s telling you to throw your regular job into a trash bin and follow your dream and do what you love.
What I’m aiming to say is: Please consider some points of freelance work before you throw anything into the bin, okay?
Just because you’re working as a freelancer and have different project options in diverse fields doesn’t mean that you live your dream, because as stated before, sometimes you just have to take the next best offer to pay the bills, you know.

I don’t mean to put any of the jobs, be it regular or freelance, on a pedestal and talk the other one down.
Understanding in both directions is what I’d like to create.

Let me know what you think.
Are you a freelancer and loving it?
Do you have a regular job and are playing with the idea to step into the freelance life? (if so, I hope my post didn’t make you hate the idea, that wasn’t my intention. If that’s what you wanna do, do it, I just say, inform yourself and do your research and do not dreamily trip into something and when you wake up you think “what have I done?!”)
Have you experienced both sides, and if so, which one do you prefer and why?

Let me know in the comments below.

So long, my dears

xxx
Gina.

 

 

 

 

 

*[unpaid ad]

#writerswednesday: Pro vs. Passion

Beitrag auf Deutsch

#writerswednesday:Pro vs. Passion

Hey my dears,

it’s #writerswednesday again. Yes, I know I’m too late, but sorry, “real life” as the grown-ups call it, kept me busy.
But don’t worry, I’m planning on something as a compensation to make up for the delay.

So, what’s today’s topic?
We’re going to have a little chit chat about writing as a profession and writing as a passion.
Which, by the way, does not necessarily exclude one another.
But step by step.

So, let’s say you’re a writer. A passionate one. Maybe you’re a good one. Maybe even a great one.
Let us be honest, tendencies are quite high that you’re not writing for a living.
(If you are, please get in contact with me or comment on this post, I’d love to hear your opinion on all that’s gonna follow now.)

So, maybe you have tried to get your works into publishing houses or maybe you didn’t.
Well, which other options are there to work as a writer?
You could be an editor, so correcting other people’s texts, books, websites, dissertations and other academic texts.
Or you could work as a copy writer in an advertising agency or a marketing agency.
If you have profound journalistic knowledge, maybe you’re even working for a newspaper or magazine. As a writer. Or editor.
Or as something completely different, as it is quite often the case.
But let’s assume your work has something to do with writing, be it building headlines and capturing texts in order to market a product or be it reading and correcting books or other written works.

It was in Austin Kleon’s books Steal like an Artist* and Show your Work* that I was confronted with the idea that instead of aiming for a writing career there is a moment of bliss when your writing hasn’t been commercialised yet, because you can follow your passion and be as free as you want to. No expectations, no briefings, no deadlines, no customer that wants some particular text from you.
In that moment, years ago, when I read it, I was a bit taken aback by this utterance, but the more I thought about it, the more it dawned on me what he meant.
A similar thing is what I experienced in my academic work, because as long as I could choose a topic and hold a presentation on it in a manner which was rather free, besides the design of the slides that was mandatory, I felt like doing exactly what I wanted to do. But once I was asked to write a term paper with all its framework and structure and requirements, I felt so under pressure and was so concentrated on making my academic work fit into the framework, that I actually didn’t pay as much attention to delivering the content in an understandable and logical manner. (I know there is a problem with this example, as presentation and written term paper are two different mediums, but let it just sit here for the sake of the argument, okay? thanks.)

Anyway, as long as your art is not commercialised (yet) you can do what ever you like as you’re not obliged to please a client.
Of course, you should keep your audience in mind and create content that they hopefully gonna love, but that’s not the same as someone yelling at you “THAT is what I paid you for?!”.
You get the idea, I guess.

So, does this now mean that as a professional you’re not passionate?
And vice versa: A passionate creative is not professional?

Well, I’d object both ideas.
But, I’d say the way in which you burn for your own projects differs from the passion you put into your professional work.
My professional services range from text creation to translations, editing and professional storytelling to writing texts for special occasions and I wouldn’t say that there is no passion whatsoever behind it. I love this kind of work!
But I have to admit, the process of creation oftentimes differs from a spontaneous poetic idea that you can’t write down quick enough before it slips through your fingers.

On the other hand, when concerned with my own creative projects, I do not lack a professional approach when it comes to organising a photo shooting, planning in advance or when preparing photo and text combinations.
For instance my Instagram account displays mostly my passionate creative projects and not my booked professional work. But I do plan and organise which post goes together with which picture, when to post it, etc., so I’d claim there is a professional approach towards it.
Admittedly, if I do not stick to the planned postings because I don’t feel like it and prefer another idea, of course, in this field I’m free and flexible to do as I please, which is not the case with a booked service.

Nevertheless, I wouldn’t claim that profession and passion exclude each other.
But the emphasis might differ.

The question is:
Will you really lose your passion once your art becomes your profession?

I for my part, cannot give any hands-on advice on that, as my professional work and my passionate creativity revolve both around language and writing, but differ concerning the content and purpose.
But I know from a friend, who used to draw passionately, that once she had to draw for clients, she felt like losing the passion for what used to lighten up her days and meant fun and relaxation for her.
I’d claim there are often phases, whether it’s writer’s block or just being fed up with something you used to pursue passionately in your free time, but once it gets to the level that you can’t find any joy in it anymore and feel the urge to quit it all together, maybe reconsidering your choices and then adjust them, might help you not lose your passion.
For me personally, I think it is a bliss that everything I do is more or less connected by the red thread of language and text, but that professional and passionate work (because actually, it’s both work, though one might be paid and the other not or not in the same manner) differ content-wise.
If that is possible for you, maybe that’s an option for you, too.
I know others who would get distracted by having so many different projects running and who prefer to concentrate on one approach or method or type of work completely. (Which I can understand completely btw!)
And it’s not that I chose all my work to differ to this extent, but it just took its way in that direction for now and I see the positive in it.

Fortunately, I never got to a point where I considered giving up writing all together.
Giving up Instagram? Yes.
Deleting Facebook? Yes.
Stop blogging? Yes.
But writing itself and for itself? Never.

Whether that was now supported by the fact that my professional and passionate work differ or whether it’s just written into my bones and onto my heart, I can’t define.

What’s your opinion and/or experience with that?
Did you make your passion your profession and regret it afterwards?
Do you purposely not make your passion your profession?

Please share your thoughts, I’m eager to know.

So long, my dears

xxx
Gina.

 

 

 

 

 

 

 

 

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international women’s day / Internationaler Frauentag

manufaktur lichtbild
andreas trnka

My dears,

tomorrow it’s international women’s day
& I have prepared six posts on Facebook and Instagram for you.

Make sure you check it out!

xxx

Meine Lieben,

morgen ist internationaler Frauentag
& ich habe sechs Posts auf Facebook und Instagram für euch vorbereitet.

Schaut auf jeden Fall vorbei!

xxx

#modelmonday: The Carnival of Characters

Beitrag auf Deutsch

#modelmonday: The Carnival of Characters

Helau & Alaaf, my dears!

Well, if you don’t know what that means, probably you’re not from Germany and/or have never lived in areas where carnival a.k.a Fasching (in my area we call it Karneval) is celebrated.
No prob, it’s a great festivity before Lent, with a long tradition, where everybody dresses up as someone or something else and celebrates with parades and music (and a lot of booze).
It’s not comparable to the colourful carnival de Rio, obviously, as the weather mostly isn’t as spectacular, but many people across Germany get feverish for the 5th season, as it’s also called.
[if you want to know more about this tradition, which has its roots in Christianity, let me know or ask uncle Google or aunt Wiki :p ]

So, now, Gina, is modelling like a great carnival in front of the cam?
Do you feel like wearing a disguise or dressing up as someone else when you work as a model?

Well, for me personally, my work in front of the cam is not comparable to carnival.
Although I participated in photo projects in which I felt like wearing a disguise or rather like an actress playing a role and slipping into a different character.

dw-foto-art
justyhmakeup

But in my personal case, I have to say that modelling showed me rather more of my own facets than taking me away from my own character, I’d say.
I think, the fearful thoughts of a mother, when the kid says “Mum, I’m gonna become a model!” swirl around things like “Great, now they will get superficial, compare themselves constantly to other models, take their measurements three times a day and only eat cotton pads soaked with orange juice!”. Ergo: Panic!
And by no means do I intend to diminish or belittle these worries.
The age, in which many of the girls and boys start entering the model business, is a fragile one, one, in which the self-confidence and character is not yet as stable as to deal with the constant competition, the comparisons and the many rejections without taking it personally or connecting it to oneself and one’s body.
On the other hand, we could say that youngsters don’t have to enter the model biz for that, as peer dynamics and peer pressure do the same.
That’s what I know from my instagram-free youth. Nowadays the oh so social media just adds to it.
But what I’m aiming at, is that youngsters and young adults will end up searching for themselves and their uniqueness by trial and error anyway. One day they will run around like a hippie without a bra and the next day they’ll wear fake lashes looking like a femme fatale.
I am not denying that the pressure in the model industry, especially if pursued as a professional career and not a hobby, is another dimension!
Important note here: No matter, whether it’s normal peer dynamics or whether your children, friends, etc. decide to start modelling, let them try out things, but if you detect dangerous and harmful changes in their behaviour and thought patterns, please do talk to them! That’s my humble opinion.

Talking from my own experience, I can definitely say that there were moments in which I compared myself to other models concerning height, measurements, weight, outward appearance, hair, style, body and work ethic. But probably every employee and amateur pursuing a hobby does the same.
We compare each other and our work.
And probably that’s the biggest crux in this particular field of work: To make a distinction between your work and your body when it comes to modelling isn’t as easy as in other fields, let’s say a report, a product, a text.
If I wrote a text my client doesn’t like and they say “Gina, the text you produced does not fit my requirements.”, of course, I could take it personally, but there is the text and here I am. Although I produced the text, the text is not me.
But when a photographer says “Gina, your posture is a catastrophe and your body doesn’t look like the measurements on your profile, you seem more corpulent.”, to make this distinction between my work and my outward appearance, my body, the home of my soul, becomes far more complicated.
I think you get what I mean.

But it’s not impossible. It’s a lot of hard work, as is taking critique not too personal in general and to despair and doubt oneself directly, which probably everyone of you knows, be it professional, hobby wise or in personal matters.

Fortunately, in retrospect, I can say that modelling rather helped me see and understand my own facets than pushing me into crises.
To the contrary: On days, where work didn’t go as planned or when in personal situations things went wrong and I started doubting myself, my work and wondered what the eff I was doing, a look on my colourful portfolio often gave me a kick of “I am Miss fucking Laventura, I have been so many things already, a fairy, a nerd, a fashion model, an artificial being, the powerful rock girl, the delicate one, and so much more. Why the heck should I not be able to do it?!”

helena behle

JimP4nsen

dw-foto-art
justyhmakeup

vanessa marie

sw-fotografie

norbert josefsson

But, here’s a big BUT, that can also be related to the fact that first of all I didn’t pursue a professional model career, I didn’t run from casting to casting, and quite early on my focus was put on creative, artsy productions and later on on expressive pictures that I could combine with my texts. Maybe that helped me a bit to escape the pressure of the mainstream. (And I say that with all the love, I mean the popular fields of beauty, fashion, lifestyle, commercial).

By the way, I don’t mean to sugarcoat anything here. I received so many rejections that I can’t even put all the frustration, disappointment and doubts into words right here.
Agency after agency rejected me because they didn’t see good placement chances with their clients, because either my face was too special or not special enough.
So many jobs slipped through my fingers, although I fulfilled all the requirements, etc. etc. etc.

But through all this experimenting one can learn what feels natural and what doesn’t, where is the line between a facet of me and a role I play?
There were shootings in which I wore clothes and styles that couldn’t have felt more strange to me and I can say, it was a role I loved playing.

christian becker
visahamm

What counts then for me is: Did I play the role well? Does it come across as authentic?

Likewise, there were shootings that set out as a role, with which I couldn’t identify at all, and during the shooting itself I discovered that it was an unknown or even neglected facet of myself.

norbert josefsson

This playing and experimenting has the potential to teach you a lot about yourself, which can also contribute positively to self-confidence.
After a while, it becomes clear what feels natural and what feels like a role, which role is a role that I can identify with and which one goes completely against my natural disposition.
Likewise, it teaches you to reject projects that don’t fit you, no matter how versatile and flexible you are, because if it’s a role that you cannot bring across authentically, it doesn’t serve anyone.

And sometimes it’s just great fun to jump into a different character and to be someone you’re normally not.
Like on Karneval: You’re a princess, a king, a clown, a childhood hero.

The most important thing is that you always take the core of yourself with you.
And that means mostly and foremost to know yourself and to get to know yourself. Of course, laughing about and with yourself, too.
And in an ideal case it’s fun and enjoyable to be yourself.
With all the facets, crazy attitudes and quirks.

manufaktur lichtbild
andreas trnka

Did/do you celebrate carnival?
If so, what’s your disguise today? Who are you?
I’m sick, so I go as a bottle of cough sirup.
And you?

xxx
Gina.

#modelmonday: Der Karneval der Charaktere

#modelmonday: Der Karneval der Charaktere

Helau und Alaaf, meine Lieben!

Eigentlich war für diesen #modelmonday ein anderes Thema vorgesehen, aber da heute Rosenmontag ist, habe ich mich spontan umentschlossen.
Wer seid ihr heute? Als was habt ihr euch verkleidet?

Gina, wenn du ein Fotoshooting planst und umsetzt, fühlst du dich dann verkleidet?
Bist du dann auch jemand für den Moment, der du eigentlich nicht bist?
Ist Modeln wie Rosenmontag, nur vor der Kamera?

Ich persönlich würde meine Arbeit vor der Kamera nicht mit Rosenmontag gleichsetzen, aber ich kann definitiv bestätigen, dass ich mich bei einigen Fotoshootings verkleidet gefühlt habe, bzw. wie eine Schauspielerin, die die Rolle eines fremden Charakters einnimmt.

dw-foto-art
justyhmakeup

Allerdings ist es in den meisten Fällen für mich persönlich doch eher so, dass ich durch das Modeln meine eigenen Facetten besser kennengelernt hab.
Ich denke, die Befürchtung einer jeden Mutter, wenn das Töchterchen (oder auch der Sohn) sagt “Mama, ich werd Model!” geht so in die Richtung “Oh nein, sie wird oberflächlich werden, sich nur noch mit anderen vergleichen, drei Mal am Tag ihre Maße nehmen und nur noch in O-Saft getränkte Wattebäuschchen zu sich nehmen!”. Ergo: Panik!
Diese Befürchtungen möchte ich hiermit auch keineswegs herunterspielen, da sie leider leider oftmals berechtigt sind und das Alter, in dem viele Mädels (und auch Jungs) mit dem Modeln beginnen, ist oftmals eins, in dem der Charakter und das Selbstbewusstsein nicht so gefestigt ist, dass man dem Vergleichswahn, dem Konkurrenzkampf und den vielen Absagen standhalten kann, ohne es auf sich persönlich und den eigenen Körper zu beziehen.
Allerdings kann man auch sagen, dass die Kids (Teens, Twens) dazu nicht unbedingt ins Modelbusiness einsteigen müssen, das schafft Gruppenzwang und Gruppendynamik auch ganz von allein.
Das kenn ich noch aus meiner instagramfreien Jugend. Heute kommen die ach so sozialen Medien als Faktor noch obendrauf.
Worauf ich aber eigentlich hinauswill, ist, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen so oder so in einer Findungsphase landen werden, in der sie sich ausprobieren werden, in denen sie durch die Gegend titschen und heute ohne BH im Hippielook und morgen mit angeklebten Wimpern als Femme fatale durch die Gegend düsen werden.
Dass der Druck im Modelbusiness, vor allem, wenn es sich um das professionelle Business und nicht um ein Hobby handelt, nochmal eine ganz andere Dimension annimmt, will ich hiermit absolut nicht in Abrede stellen!
Wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Egal, ob durch allgemeine Gruppendynamik oder weil eure Kinder, Freunde, etc. sich zum Modeln entschließen, lasst ihnen etwas Freilauf, um sich auszuprobieren, aber wenn ihr merkt, dass es ihnen nicht gut tut, ihr gefährliche Veränderungen im Verhalten und in Denkmustern erkennt, sprecht unbedingt mit ihnen! Das nur als meine eigene bescheidene Meinung.

Aus dem Nähkästchen geplaudert kann ich sagen, dass es definitiv Momente gab, in denen ich mich mit anderen Models, was Größe, Maße, Gewicht, etc. anbelangt verglichen habe, Körper, Ausdruck, Haare, Arbeitsweise. Das tut sicherlich jeder Arbeitnehmer, ebenso wie Amateure, die ein Hobby ausüben. Man vergleicht sich, bzw. seine Arbeit.
Und genau das ist in diesem Bereich vermutlich der große Knackpunkt: Die Arbeit vor der Kamera ist nicht so einfach von dem eigenen Körper und Aussehen zu lösen, wie vielleicht eine Arbeit, die ich produziere, ein Bericht, ein Produkt, ein Text, eine Aufgabe.
Wenn mein Auftraggeber sagt “Frau Laventura, der Text, den Sie da verfasst haben, trifft überhaupt nicht meine Vorstellungen.”, dann kann ich das natürlich persönlich nehmen, aber da ist der Text und hier bin ich. Auch wenn ich ihn produziert habe, ist er nicht ich.
Wenn ein Fotograf sagt “Gina, deine Körperhaltung ist eine Katastrophe und nach den von dir angegebenen Maßen siehst du nicht aus, du wirkst fülliger.”, dann wird es definitiv schwieriger, diese Kritik von meinem Äußeren, von meinem Körper, dem Zuhause meiner Seele, zu lösen.
Ihr versteht, denke ich.

Aber unmöglich ist es nicht. Es ist Arbeit, genauso wie es Arbeit ist, Kritik nicht immer persönlich zu nehmen und direkt an sich selbst zu (ver)zweifeln, was sicherlich ein jeder von euch kennt, egal ob nun im Beruf, im Privatleben, im Hobby oder sonst wie.

Was ich glücklicherweise sagen kann, ist, dass rückblickend betrachtet, das Modeln eher zum Erkennen meiner eigenen Facetten und meiner Vielfältigkeit beigetragen hat, als dass es mich in heftige Sinnkrisen gestoßen hat.
Im Gegenteil: An Tagen, an denen ich aufgrund anderer Arbeiten, die vielleicht nicht so rosig liefen oder aus persönlichen Umständen, an mir selbst, dem, was ich tue und sonstigen Fragen des Lebens verzweifelt bin und nicht wusste, was ich tun sollte, half sogar manchmal ein Blick auf mein buntes Portfolio um mir den Kick “Ich bin Miss fucking Laventura, und ich bin schon so vieles gewesen, eine Märchenfee im Wald, ein Nerd, ein Fashion Model, eine Kunstfigur, die starke Rockige, das sanfte Mädchen, und so vieles mehr. Wieso zur Hölle sollte ich das jetzt nicht packen?!” zu geben.

helena behle

JimP4nsen

dw-foto-art
justyhmakeup

vanessa marie

sw-fotografie


norbert josefsson

Aber, ganz großes Aber, das kann natürlich auch sehr stark damit zusammenhängen, dass ich nie eine professionelle Karriere im Modelbiz verfolgt habe, nie von Casting zu Casting gerannt bin und mich schon recht früh auf den künstlerischen Ausdruck und späterhin sehr deutlich auf ausdrucksstarke, mit Text kombinierbare, geschichtenerzählende Darstellungen fokussiert habe, und damit vielleicht sogar dem Druck des Mainstreams (und das sage ich ganz liebevoll und meine ich absolut nicht abwertend! Ich meine damit die gängigen Aufnahmebereiche im High Fashion und Commercial Bereich wie Fashion, Lifestyle, Beauty, Kosmetik, Werbung, etc.) etwas entkommen bin.

Beschönigen möchte ich hier im Übrigen gar nichts, ich habe so viele Absagen bekommen, dass ich den Frust und die Enttäuschung und die Zweifel, die mich manches Mal dadurch einholten, gar nicht in ein paar Zeilen fassen kann. Agentur um Agentur hat mich abgelehnt, weil sie keine oder zu geringe Vermittlungschancen beim Kunden sahen, mein Gesicht mal zu speziell und mal nicht speziell genug war. Jobs, die mir durch die Lappen gingen, obwohl ich alle angegebenen Voraussetzungen offiziell erfüllt habe und und und.

Aber und dennoch kann und muss ich sagen, dass durch das Ausprobieren der verschiedenen Rollen, einem auch klar werden kann, was sich natürlich anfühlt und was nicht.
Es gab Shootings, in denen ich Kleidung und Styles trug, die sich fremder nicht hätten anfühlen können und ich kann sagen, es war eine Rolle, die ich absolut gern gespielt habe.

christian becker
visahamm

Und dann ist für mich relevant: Habe ich sie gut gespielt? Kommt der Ausdruck authentisch rüber?

Gleichfalls gab es Shootings, die für mich als eine Art Rolle begannen, weil ich mich zunächst so Null Komma Null damit identifizieren konnte, wo ich aber hinterher feststellen musste, dass es sich so verkehrt gar nicht angefühlt hat. Dadurch habe ich dann eine bislang unentdeckte oder ja vielleicht sogar verdrängte oder vernachlässigte Facette an mir selbst erkannt.

norbert josefsson

Durch dieses Experimentieren kann man enorm viel über sich selbst lernen, was wiederum sogar einen positiven Beitrag zum Selbstbewusstsein leisten kann.
Im Laufe der Zeit, wenn die Erfahrung sich häuft, weiß man auch, was eine Rolle ist, die man unbedingt spielen möchte und was eine Facette von sich selbst ist, die an diesem Termin nach vorne gekehrt werden soll. Ebenso lernt man, gewisse Projektideen kategorisch abzulehnen, weil man sich in dieser Rolle wirklich absolut nicht einfinden kann und egal, wie offen und flexibel man ist, wenn es dem eigenen Naturell absolut entgegengesetzt ist und einem widerstrebt, dann werden die Bilder meist auch nicht authentisch, expressiv und toll. Was im Endeffekt bedeutet, dass niemand der Beteiligten wirklich etwas davon hat und nur das Projekt an sich leiden würde.

Und manchmal macht es auch einfach nur Spaß, sich in die Kleidung eines anderen Charakters zu werfen und einfach mal etwas oder jemand zu sein, der man sonst nicht ist.
So wie heute, ihr seid heute Könige und Bettler, Prinzessinnen und Monster, Drachen, Polizisten, Verbrecher, Clowns und Kindheitshelden.

Wichtig ist wohl, bei allem, was man tut, dass man sich selbst im Kern immer mitnimmt.
Und dazu gehört wohl, zu allererst sich selbst zu kennen und kennenzulernen.
Und natürlich, dass man über und mit sich selbst lachen kann und im Idealfall, dass es Spaß macht, man selbst zu sein.
Mit all seinen Facetten, verrückten Attitüden, Eigenheiten.

manufaktur lichtbild
andreas trnka

Als was seid ihr heute verkleidet? Wer seid ihr heute?
Ich hänge mit einer Erkältung in den Seilen. Ich bin also heut das kleine grüne Männchen aus der Hustensaftwerbung.
Und ihr so?

xxx
Gina.

#sundaystory: Vergewaltigt

#sundaystory: Vergewaltigt

Für leseschreiberin
Die vorgegebenen Elemente waren:

a) Deutsch
b) Vergewaltigt
c) Theater, Luft, spiegelverkehrt
d) Komödie

Vergewaltigt

“Ich habe mir das alles nochmal vergewaltigt und denke, dass du viel zu wenig über Kunst und Kultur weißt, Dana.”, sagt mein Vater.

“Verge-was, Papa?”

“Na, ich hab mir die ganze Situation nochmal durch den Kopf gehen lassen, mir angeschaut, wie du so deinen Tag verbringst, ich habe mir das eben alles nochmal vergewaltigt.”

“Du meinst vergegenwärtigt, ja?”

“Oh, Frau Gymnasium macht jetzt hier einen auf superschlau und versucht den Alten nass zu machen, was? So nicht, Frollein! Ich sage dir, du lernst ja nix, immer nur Schminke hier und Freunde treffen da.”

Ich rolle mit den Augen und atme tief durch.

“Papa, in Anbetracht der Tatsache, dass ich seit Wochen für die Abschlussprüfung durchlerne und jede Nacht nur um die vier Stunden schlafe, glaub mir, es ist besser für uns alle, wenn ich mich schminke und nicht aussehe wie ein überfahrener Iltis, okay?”

“Jaja, lernen”, sagt er und setzt dabei das Wort ‘lernen’ mit seinen ketchupverschmierten Fingern in Anführungszeichen.

“Papa!”

“Dana,” sagt er schmatzender und mampfender Weise. “Du trifft deine Freundinnen faft jeden Tag und ftändig quatft ihr nur über die Jungf und jetf willf du mir daf alf lernen verkaufen…”

Ich rolle erneut mit den Augen. “Papa, erstens versteh ich nur die Hälfte, wenn du ne halbe zerkaute Kuh in der Schnute hast und zweitens, welche Jungs?!”

Er schluckt den letzten Bissen runter. “Aha, hast mich also doch verstanden! Na, die ganzen hier, wie sie heißen da… William und Oscar und dann irgendwelche Intrigen mit Virginia und Jane und was weiß ich, was ihr euch da für ne Seifenoper zusammenquatscht, wenn ihr da nächtelang zusammen Pyjamaparty macht.”

Ich. raste. aus.

Kurzer, ganz kurzer Einblick in die Situation. Jeden Sonntag im Sommer grillen wir draußen auf der Terrasse. Richtig hübsch klassisch. Also klassisch asi. Vatti in Fliegerseide und Mutti mit Lockenwicklern um den Kopf. Nein, kein Scherz, ja, leider wahr. Was soll ich machen. Wäre ja halb so wild, habe mich mittlerweile dran gewöhnt, dass meine Eltern noch nicht mal versuchen mich zu verstehen, aber die nächste Kiste ist einfach, dass jeden dritten Sonntag und der liebe Herrgott allein weiß, warum es jeder dritte Sonntag ist, kriegt mein Vater irgendeine Sinnkrise und meint mich belehren zu müssen. Dann sorgt er sich um meine Bildung und meine Berufschancen und all sowas. Wir erwähnen jetzt mal nicht, dass ich letztes Jahr Klassenbeste und Zweitbeste des Jahrgangs war, ist okay, kein Problem. Diese überväterliche Sorge hat mir im Laufe eines einzigen Sommers bereits die unsäglichsten Erlebnisse beschert: Das eine Mal, wo mein Vater mich zu einer Podiumsdiskussion in der Stadthalle schleppte, um mit den Lokalpolitikern zu diskutieren, was für mich persönlich gut lief, für ihn leider nicht so, als er aus dem Saal geworfen wurde, nachdem er den Oberbürgermeister gefragt hatte, mit wem er geschlafen habe, um diese Position zu erreichen, da er eine – ich zitiere – “Flachpfeife sondergleichen” sei. Jap.

Oder das andere Mal, als er sich um meine sozialen Kompetenzen sorgte und mich zu einem Hockey-Schnupperkurs anmeldete. Super Idee. Ich bin in Sportarten, die irgendwas mit Schlägern oder Bällen zu tun haben in etwa so kompetent wie besagter Oberbürgermeister in seinem Amt, also gar nicht. Immerhin lerne ich schnell und schaffte es zumindest, nur jeden dritten Schlag zwischen die Beine und vors Schienbein zu bekommen. Skurril wurde es, als mein Vater mich dann anfeuerte, die Gegner zu fowlen, was mich mitten auf dem Spielfeld zu der Frage veranlasste, wer von uns beiden eigentlich an seinen sozialen Kompetenzen arbeiten müsse. Immerhin hab ich mich beim Captain des gegnerischen Teams entschuldigt, nachdem ich ihn mit meinem Hockeyschläger ungünstig an der Schläfe getroffen hatte. Also, so ungünstig, dass er bewusstlos wurde. Wenn ich sein benebeltes Grinsen richtig gedeutet habe, hat er meine Entschuldigung immerhin angenommen.

Oder das andere Mal, als mein Vater die grandiose Idee hatte, ich solle mich körperlich ertüchtigen, denn – ich zitiere wieder – “in Sahne recko Korporo.” Genau, Papa, genau, Sahne spielt bestimmt ne Rolle hier. (Kein Wunder, dass ich schon seit frühester Kindheit Brille tragen muss, ich wette, ich fing schon früh an mit den Augen zu rollen, bei dem Senf, den dieser gute Mann manchmal von sich gibt.) Schwimmverein! Hielt er für eine prächtige Idee. Es würde alle Muskeln beanspruchen, gleichzeitig würde man nicht so eklig verschwitzt sein und so weiter und so fort, ellenlanger Vortrag. Nur als Randinfo: Ich habe meinen Vater nie schwimmen sehen. Also schwimmen im Sinne von Strecke im Wasser zurücklegen. Er treibt so mehr, wenn ihr versteht. Toter Mann mit Bier in der Hand. Oder wahlweise mobile Kinderhalterung mit selbst mitgebrachtem Rettungsring. Ihr versteht schon. Fand ich trotzdem ne ganz süße Idee, weil Papa anscheinend verpasst hatte, dass ich nach dem Seepferdchen auch noch die folgenden Abzeichen gemacht hatte, aber nun gut. Als sich alsbald zeigte, dass ich schon sehr gut schwimmen konnte – größte Verwunderung seitens meines Vaters –, meinte er, es sei sicherlich gut, wenn ich mich “auf dem Wasser” bewegen könne (Darf ich mich kurz vorstellen: Dana von Nazareth, Jesus war mein Cousin. – wie soll man denn bei sowas nicht mit den Augen rollen?! –), aber “unter Wasser ist auch wichtig”, meinte Papa. Ich holte grad tief Luft um zu protestieren, als er mich auch schon mit einer Hand unter Wasser drückte, mit den Worten “wollen mal sehen, wie lang du die Luft anhalten kannst”. Hustender Weise und schlumpfblau entließ er mich dann nach 3 Minuten seinem lehrreichen Griff.

Ja, das war ein kurzer Einblick in die lehrreichen Stunden im Unterricht meines Vaters.
Und nun das hier. Wohin das auch immer führen sollte.

Zurück zum Thema.

“Papa… das sind keine Pyjamaparties. Wenn Lotte und Chris kommen, dann lernen wir für die Abschlussprüfung! Und William, Oscar, Virginia und Jane sind Autoren!”

“Autoren, was autorieren die denn so?”, sagt Papa spitzfindig während er mit dem Zahnstocher an seinem Eckzahn herumpult. (Gott, ich wünschte es wäre ein Goldzahn, das würde SO sehr ins Bild passen…)

Ich atme tief ein, ziehe Luft durch die Zähne, stoße sie geräuschvoll aus.

“Sie schrieben. Präteritum. Sie sind tot. Verdammt Papa, Shakespeare? Wilde? Woolf? Austen?”

“Hm?” macht er und zieht eine Augenbraue hoch.

“Ach, schon gut.” sage ich resigniert.

“Jedenfalls,”, hebt er feierlich an, “habe ich mir überlegt, dass wir zwei ins Theater gehen.”

“Ins Theater?”

“Ja, ins Theater.”

“Ins Theater? Du? Ich? Ins Theater?” keuche ich.

“Sag mal, Dana, bist du heut schwer von Begriff? Hast du von Muttis Bowle genascht?”

“Ja, nein, hab ich nicht. Okay, ins Theater. Du willst mit mir ins Theater. Wann? Und was wird gespielt?”

“Na, heut Abend geben sie Romeo und Julia, ein klassisches Stück der Kultur.”, sagt er stolz.

“Ja, was für eine ausgezeichnete und außergewöhnliche Wahl.”, gebe ich zurück.

“Ja, nicht wahr?!”, sagt er mit stolz geschwollener Brust.

Ich schließe die Augen, um ihnen eine Pause vom Rollen zu gönnen.

“Okay, Romeo und Julia. Bitte, so sei es denn.”, sage ich. Widerstand war von jeher zwecklos gewesen, also durchatmen und über sich ergehen lassen. Einzige Lösung.

Mein Vater grinst zufrieden und sagt “Aber zieh dir was nettes an, ja. Immerhin ist es Theater!”

“Ja, daran bin ich schon gewöhnt..”, sage ich.

“Was?” brüllt er, während ich dabei bin mich in mein Zimmer zurückzuziehen.

“Ach nix.”

 

Punkt sieben steh ich gestriegelt bei uns in der Küche, wie es sich eben für einen Theaterbesuch gehört, Hosenanzug, Bluse, Lederschuhe mit kleinem Absatz, die sonst recht widerspenstigen Haare zu einem ordentlichen Knoten gezaubert.

Dann kommt mein Vater. Ich bin sprachlos.

Also ich bin mir nicht sicher, ob er “Der Pate” ein mal zu oft gesehen hat oder, ob er sich einfach direkt der Familie Montague oder Capulet anschließen will. Fast befürchte ich, er wolle selbst heut Abend auf die Bühne gehen. Der Anzug ist ihm zwar nur minimal zu klein, aber das Jackett kann er nur gerade eben so schließen, wenn er den Bauch etwas einzieht und ziemlich kontrolliert atmet. Die Weste darunter und die Fliege lassen ihn etwas zu pompös für das schnöde lokale Theater aussehen und die polierten Lackschuhe, die glänzen wie eine Speckschwarte sind nur noch von seinen mit Frisiercreme in Form gelegten Haaren zu übertreffen. Ich weiß ja nicht, wann das mal Mode war, aber sicherlich muss das vor meiner Geburt gewesen sein. Mindestens so lang muss auch der Kauf dieser Artikel her gewesen sein.

Mein Vater streckt sich, stellt den Arm in die Hüfte und spreizt ihn ab, sodass ein einladendes Dreieck entsteht. Dann grinst er mich an. “Na, was ist, kommste?”

Ich atme tief durch, hake mich ein und wir marschieren Richtung Theater.

Wir treten ein und die Leute glotzen meinen Vater an. Unwillkürlich versuche ich meinen Arm aus seiner Ellbeuge zu lösen. Vergeblich, er hat ihn fest im Griff. Alle schauen ihn an, als gehöre er zum Ensemble. Wir gehen schnurstracks durch und finden unsere Plätze schnell. Es wird zügig dunkel. Zum Glück.

Mein Vater ist voll drin im Geschehen und kommentiert mit heftigem Stöhnen, mit “Ah”s und “Oh”s, die Handlung auf der Bühne, was uns von unseren Sitznachbarn böse Blicke einbringt.

Als Julia den Trank der Tränke hoch hält, um ihn gleich darauf zu sich zu nehmen, friemelt mein Vater ein kleines Schnapsfläschchen aus der Innentasche seines Anzugs, hält sie der Julia in einer Bewegung, die ihrer spiegelverkehrt ähnlich kommt, entgegen und flüstert “Prösterken, wer trinkt schon gern allein, Jule, wa?” und kippt zeitgleich mit ihr den Trank hinunter. Ich rolle nicht mit den Augen, einzig und allein aus dem Grund, dass ich das Stück ungestört weitersehen möchte.

Der Rest des Stücks bleibt weitestgehend komplikationsfrei von Seiten meines Vaters, was sicherlich dem Konsum von zwei weiteren Fläschchen zu verdanken ist.

Als wir später in die laue Sommerluft aus dem Theater treten, meint mein Vater:
“Na, Dana, was sagst du? War das nicht viel besser, als mit den Mädels über Schnickschnack zu quatschen? Das war doch mal ordentliches Kulturprogramm!”

“Fragt sich nur, für wen.”, meine ich.

Mein Vater ignoriert meine zynischen Kommentare geflissentlich und zwingt meinen Arm wieder liebevoll in seinen Würgegriff à la Rocky Balboa.

“Aber du, alle reden ja von dieser großen Liebe und wie toll Romeo ist, ne.”, sagt Papa plötzlich nachdenklich.

“Hmm.” mache ich.

“Aber das mit dem Trinken muss der Jung noch üben, wa? So ganz helle war der wohl nicht. Die Jule war da ja trinkfester als er.”

Ich rolle mit den Augen…

 

 

 

Gina Laventura © 2019