#sundaystory: Fotograf

#sundaystory: Fotograf

Für Norbert Josefsson
Die vorgegebenen Elemente waren:
a) Deutsch
b) Fotograf
c) Sonne, Tod, Theater
d) dramatisch

Es war ein heißer Tag. Die Sonne brannte unerbittlich und jeder von seiner Stirn fallende Schweißtropfen verdunstete sofort auf dem Asphalt.
Er hatte sich dazu hinreißen lassen, die Vorbereitungen für das Fest auf dem Vorplatz des Theaters fotografisch festzuhalten, damit es beworben werden konnte und hoffentlich dementsprechend viel Zulauf erhalten würde. Überredet dazu hatte ihn die nicht mehr ganz so junge, aber junggebliebene Hauptdarstellerin des neuen Stücks, das am Vorabend der Festeröffnung Premiere feierte. Raffaela war nach ihrer Ausbildung in der Gegend über Umwege und viele Serpentinen auf ihrem Lebensweg zu einer doch relativ bekannten Größe im Theater aufgestiegen und kehrte nun an ihren ersten Spielort zurück.
Er, seines Zeichens gelernter Fotograf, hatte Raffaela zu Beginn ihrer Karriere in der Umkleide eines kleinen Hinterhoftheaters kennengelernt, als er zum Zwecke der Erstellung einer Fotomappe für seine Abschlussarbeit die ungeschminkte Wahrheit portraitieren wollte. Damals noch mit einer Tasche voller Filmrollen bewaffnet und Tagen, die in der Dunkelkammer zu nächtlichen Gleichnissen verschwammen, hatte er sich mit der ausdrucks- und willensstarken Künstlerin in der Umkleide nach der Vorführung bei starkem Tee mit süßer Milch angefreundet und sie hatten noch stundenlang bis spät in die Nacht geredet.
Die daraus erwachsene Freundschaft hielt nun schon mehr als 30 Jahre an und hatte geographische Distanzen und verschiedene Lebenswege durchstanden. Auch wenn sie sich manchmal jahrelang nicht sahen, stellten sie immer sicher, sich Briefe und Postkarten zu schreiben. Noch heute, nach all den Jahren, zierten viele bunte Ansichtskarten von allen Spielstätten, die Raffaela mit ihrem Ensemble bespielt hatte, seinen Kühlschrank. Und noch heute, nach all den Jahren, befand sich auf Raffaelas schnörkelverzierter Schminkkommode eine mit Muscheln und Perlen besetzte Holzbox, in der sie all seine Briefe und Karten aufhob. Hin und wieder, während der präzise gezogene Lidstrich auf einem Auge noch trocknen musste, nahm sie willkürlich einen Brief oder eine Karte aus der Box und las mit dem geöffneten Auge die Zeilen, die sich vor ihr wie ein Band der vergangenen Jahre zu einer Perlenkette aufreihten und manches Mal musste sie schmunzeln. Weinen wäre auch undenkbar gewesen, immerhin hätte dies verheerende Auswirkungen auf das Make-up gehabt. Dann küsste sie die Karte oder den Brief mit den Lippen, auf denen sich der frisch aufgetragene und noch nicht getrocknete Lippenstift befand und legte sie zurück in die Box.
Wenn es ihnen möglich war, hatte sie seine Ausstellungen und Veranstaltungen und er sie an ihren Spielstätten besucht.
Nie ohne diese Begegnungen fotografisch festzuhalten, nie ohne starken Tee mit süßer Milch als Abschluss eines außergewöhnlichen, von Lachen erfülltem Abend.
Und nun trafen sie sich wieder. Das letzte Treffen musste mittlerweile fünf Jahre her sein, eine lange Zeit, die sich bei der Verbindung der beiden und durch den Briefkontakt jedoch nie nach einer Ewigkeit anfühlte.
Sie trafen sich vor dem Seiteneingang des Theaters, der hinunter zu den Umkleideräumen der Darsteller führte. Während er über den Vorplatz schlenderte und die sengende Sonne die Luft vor seinen Augen zum Flimmern brachte, konnte er schon ihr altbekanntes breites Lächeln ausmachen. Das einzig wahre Lächeln, das Lächeln, das anders war als jenes, das sie auf der Bühne und in Interviews und bei Fotoshootings zur Schau stellte. Das Lächeln, das er manches Mal sogar bei ihren gemeinsamen Tagen geschafft hatte fotografisch für die Ewigkeit einzufangen. Auch wenn sie es hasste und ihm drohte die Fotos zu zerreissen.
Sie empfing ihn mit einer überschwänglichen Umarmung und er drückte sie und hob sie hoch, sodass ihre Füße ein paar Zentimeter über dem Boden baumelten. Alles wie immer.
Gemeinsam stiegen sie hinab in den wohltuend kühlen Keller und steuerten ihre Umkleide an. Ihr Lachen hallte von den Wänden zurück und die Freude über das Wiedersehen erfüllte den Gang. Als sie die Umkleide betraten lief ebenfalls alles wie immer ab. Ihre Bewegungen waren zwar über die Jahre langsamer, jedoch nie weniger grazil oder elegant, geworden. Sie nahm vor dem Schminktisch Platz und legte ihr breites Haarband an, um die Strähnen aus dem Gesicht zu halten, während er sich auf einem mit Samt bezogenen Schemel niederließ und die Kamera aus der Tasche kramte.
“Danke für die Einladung, ich freue mich so dich zu sehen!”, murmelte er, während er den Akku überprüfte.
“Ach, Dummkopf, seit wann bedankst du dich denn dafür? Es war doch klar, dass ich dich einladen würde, wenn ich hierher zurückkehre.”, lachte sie.
“Ja, hier hat alles begonnen.”
“Naja, nicht genau hier, aber in dieser Stadt, da hast du Recht. Gibt es das kleine Hinterhoftheater eigentlich noch? Ich hätte zu gern dort gespielt. Um der alten Zeiten Willen, weißt du?”
“Ach nein, leider nicht, daraus haben sie vor zwei Jahren eine Bar mit angeschlossener veganer Küche oder sowas gemacht. Aber vielleicht könnten wir dort gemeinsam essen. Um der alten Zeiten Willen, weißt du?”, grinste er.
“Pah! Ich bin Italienerin! Wenn meine Mamma hören würde, dass ich ausgerechnet mit dir, ausgerechnet in dieser Stadt mein Essen in einem veganen Restaurant einnehme, ich sag dir, sie würde sich im Grab herumdrehen! Das kann ich ihr nicht antun. Dann biete mir lieber Pommes Currywurst Mayo an. Das würde sie zwar auch ärgern, aber immerhin wäre Fleisch dabei.”, empörte sie sich scherzhaft.
Endlich hatte er die Kamera einsatzbereit und fing an ein paar Probeaufnahmen zu machen und die Einstellungen den gegebenen Lichtverhältnissen anzupassen während sie ihr Gesicht mit einer dicken Schicht Feuchtigkeitscreme eincremte.
“Ich möchte, dass du dir heut besonders viel Mühe gibst, mein Lieber. Du musst alles festhalten. Das wird der Auftritt meines Lebens! Dieses Stück habe ich noch nie gespielt, es ist eine absolute Premiere!”
Er runzelte die Stirn, irgendwas lag in ihrer Stimme, das er nicht genau definieren konnte. Er schaute sie prüfend an.
Sie atmete kurz ein und setzte ein Lächeln auf.
“Na, was ist?”, lachte sie und schmierte ihm mit der Fingerspitze einen dicken Klecks Creme auf die Nase.
“Hey!”, machte er und wischte sich die Creme mit dem Handrücken ab. “Ja, natürlich! Es scheint dir ja sehr wichtig zu sein.”
“Absolut. Es ist wie gesagt eine absolute Premiere und du weißt, man hat nur ein Mal die Chance, da alles im Detail festzuhalten.”
Sie drehte sich zu ihm und nahm seine beiden Hände in die ihren. Ihr Blick wurde ernster und sie schaute ihm direkt in die Augen.
“Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass du heut gekommen bist und dass du derjenige bist, der die Momente der Premiere einfängt. Du musst alles festhalten. Alles! Es ist mir wirklich wichtig. Und ich weiß, dass du es verstehst.”
Überrascht über ihren plötzlichen Ernst drückte er ihre Hände ein kleines bisschen fester und versicherte ihr, dass er sich die allergrößte Mühe geben würde, die großartigen sowie die kleinen Momente des Abends einzufangen und festzuhalten.
Dann bat sie ihn, sie noch für die letzte Stunde vor der Show allein zu lassen, wie sie es immer tat, um sich komplett auf ihr Spiel vorzubereiten.
Währenddessen ging er ins Foyer und machte ein paar Detailaufnahmen und ging dann hinaus auf den Vorplatz, passte die Kameraeinstellungen wieder den Lichtverhältnissen an und dokumentierte fotografisch die immer größer werdende Schar von Menschen, die sich zusammenfand. Trotzdem fand er auch hier und da Zeit mit alten Bekannten, wie dem Kartenverkäufer Johann und der Choreographin Christina zu plauschen.
Dann war es endlich so weit und die Platzanweiser baten das Publikum auf den vorgesehenen Plätzen, errichtet aus Paletten und bestückt mit bunten Kissen Platz zu nehmen.
Er positionierte sich so, dass er die ganze Bühne, die im Eigentlichen die Stufen des Theatereingangs waren, gut im Blick hatte.
Es wurde ruhig und das Stück begann.
Durch den Sucher seiner Kamera verfolgte er das ganze Stück, hielt jedes Lachen, jeden dramatischen Moment, jeden Kuss, jede Ohrfeige und jeden Tanz fest.
Die Kostüme waren atemberaubend und das Spiel aller Darsteller überragend. Raffaela spielte als ginge es um ihre Karriere, ihre Existenz, ja ihr ganzes Dasein und Leben. Sie war überwältigend. In all den Jahren hatte sie nichts von ihrer Anmut, ihrer Eleganz, ihrem Ausdruck, ihrer Stärke eingebüßt. Das Leben hatte seine Spuren in kleinen Fältchen um die Augen- und Mundwinkel und auf der Stirn, die sie sehr gut zu kaschieren wusste und in silbernen Haarsträhnen, die nun in der Abendsonne schimmerten, hinterlassen. Aber nichts davon nahm ihr etwas von ihrer Schönheit, von ihrer Präsenz.
Dem Spannungsbogen folgend wurde auch das Spiel immer intensiver, die Fotos eindrucksvoller, das Publikum ruhiger. Man hätte eine Stecknadel auf den Pflastersteinen fallen hören können.
Mitten auf dem Höhepunkt, der Klimax, als Raffaela in ihrer Rolle die wichtigsten Worte des Stückes sprechen sollte und sich dazu dem Publikum mit einer weit ausholenden Geste zuwandte, hielten alle den Atem an. Sie fasste sich an die Brust, ihre Hand ballte sich über ihrem Herzen zu einer Faust und sie streckte die andere Hand sehnsüchtig aus.
Er lies die Kamera sinken und blickte ihr direkt in die Augen. Dann brach sie zusammen.
Unsicher, ob es sich noch um einen Teil des Stückes handelte oder nicht, blieb es stumm im Publikum. Als jedoch die Darsteller anfingen, hilfesuchend nach den Platzanweisern und dem Regisseur zu schauen, wurde allen klar: Das hier war nicht mehr Teil des Stücks. Dies war bittere Realität.
Dann ging alles fürchterlich schnell. Der Krankenwagen wurde gerufen, alle rannten wie wild durcheinander, ein Sanitäter versuchte Erste Hilfe zu leisten, Christina die Choreographin koordinierte die fassungslosen Schauspieler und wies ihnen Aufgaben zu und Johann beruhigte das Publikum.
Er stand regungslos in der hektischen Masse, unfähig sich zu bewegen. Dann erinnerte er sich an Raffaelas Worte: “Du musst alles festhalten. Alles!”
Als wenn ihn plötzlich ein Blitz durchfahren hätte, riss er die Kamera hoch und fing an, alles zu fotografieren, die Hektik, die Menschen, das Abendrot, die weinenden und unter Schock stehenden Kollegen, dann sie. Wie schön sie dalag. Regungslos und doch noch voller Leben. “Du musst alles festhalten. Alles!” Er ließ die Kamera sinken und beugte sich über sie. Selbst der Tod stand ihr gut, mit ihrem perfekt gezogenen Lidstrich, den expressiven, rot bemalten Lippen. Selbst der Tod konnte ihr nichts nehmen. Außer dem Leben.
Er hielt sie fest bis der Krankenwagen kam und die Rettungskräfte sie aus seinen Armen nahmen.
Dann Ruhe. Stille. Leere.
Alles um ihn herum nahm er nur als schemenhaft, surreal war. Er saß da. Sonst nichts.
Es mussten Stunden vergangen sein, denn es war schon dunkel, die Straßenlaternen gingen an und der Mond brach hinter den Wolken hervor.
In der Zwischenzeit waren Bühne und Sitzplätze abgebaut worden, nur Reste von Glitzer und Konfetti, Teile des Bühnenbildes, gaben den Anschein, dass etwas stattgefunden hatte.
Ein Schatten näherte sich ihm. Es war Melina, die kleine Tochter von Johann. Sie blieb vor ihm stehen und streckte ihm etwas entgegen.
Den Nebel vor den Augen durch eine Geste wegwischend besann er sich.
“Was ist das?”, fragte er.
“Die Tante Raffaela hat mir das gegeben. Es ist ein Brief. Glaube ich. Also die Tante Raffaela hat mir das gegeben und sie hat gesagt es ist ganz geheim und ich soll dir das geben, wenn das Stück vorbei ist und alle nach Hause gehen. Also, sie hat gesagt das ist ganz ganz geheim und ich darf das niemandem sagen. Hab ich auch nicht!”, sprudelte Melina los und hob zwei Finger schwörend in die Luft.
Mit regungsloser Mine nahm er den Brief entgegen und starrte das Mädchen an.
“Willst du nicht aufmachen?”, fragte sie neugierig und beugte sich dabei leicht nach vorn und scharrte mit der Fußspitze über den Boden.
“Melina? Melina! Komm jetzt, es ist spät genug, wir müssen nach Hause, Mama wartet.”, das war Johann.
“Och, man! Du, sagst du mir, was drin steht, wenn du ihn gelesen hast?”, sie sah ihn erwartungsvoll an.
“Es ist doch geheim.”, brachte er hervor.
“Hm, ja stimmt.”, sagte Melina enttäuscht, bevor sie sich aufmachte, um ihrem Vater zu folgen.
“Danke!”, rief er ihr hinterher.
Als alle gegangen waren und nur die nächste Straßenlaterne den Vorplatz in schummriges Licht tauchte, öffnete er den Brief und las:
“Mein lieber, lieber Freund,
wenn du das hier liest, habe ich die größte und schwerste Rolle meines Lebens bereits gespielt, habe abgedankt und die Bretter, die die Welt bedeuten und immer meine Welt waren, würdevoll verlassen. Da du der beste Freund bist, den ich habe und du mich verstehst, wirst du alles, ja alles eingefangen haben, so wie ich dich drum gebeten habe. Es tut mir leid, dass ich dir das zugemutet habe, aber es ging nicht anders. Es war unser letzter gemeinsamer Tanz und ich wollte, dass du so viele Erinnerungen wie nur möglich davon festhältst.
Ich danke dir für jahrzehntelange Freundschaft. Es ist jedoch Zeit, dir mehr zu sagen als ich je vermochte. Zeit blieb mir keine mehr, und ich wusste es, ich wusste, dass es eine Premiere und ein Abschied sein würde. Daher nehme ich mir nun die Zeit, all die unausgesprochenen Dinge niederzuschreiben. Denn du, ja du hast noch Zeit. Zeit, diese Zeilen zu lesen.
Amore mio,
es gibt so viel zu sagen und so vieles, das du nicht weißt. Du kennst mich lang genug, gut genug und doch hast du so manches nicht verstanden, mein liebenswerter Dummkopf.
Ich hab dich immer geliebt. Vom ersten Tag an.
Ich hab dich geliebt als du als Lehrling mit zerzaustem Haar das Interview für deine Abschlussmappe und die fotografischen Arbeiten dazu mit mir erstellt hast. Ich hab dich geliebt, als wir uns in den niederländischen Grachten auf einen Kaffee trafen, weil ich dort spielte und du deine Ausstellung dort hattest. Ich hab dich geliebt als du mir Postkarten aus Rom schriebst, einzig mit Fotos von Gebäuden darauf, weil du wusstest, wie viel mir die Architektur bedeutet. Ich hab dich geliebt bei jeder Karte, die ich dir schrieb, von jedem Spielort dieser Welt, den ich bereisen und bespielen durfte.
Ich hab dich geliebt als ich Giovanni auf Wunsch meines Vaters heiratete, nachdem er und meine Mamma mir klarmachten, dass außer einem Italiener ihnen kein Mann an meiner Seite ins Haus käme und ich auch bei all meinen Mitspielern auf der Bühne ja nicht auf die Idee kommen sollte, etwas anderes zu denken. Ich hab dich geliebt als du die Hochzeitsfotos von unserer Hochzeit so liebevoll erstellt und überreicht hast. Ich hab dich geliebt, als du schließlich Beatrice gefunden und geheiratet hast. Ich hab dich geliebt, als ich dein freudestrahlendes Gesicht sah als du Vater von Zwillingen wurdest, einem Jungen und einem Mädchen. Ich hab dich geliebt als ich selbst erfuhr, dass ich schwanger war und ja auch als ich meinen Jungen unter Schmerzen auf die Welt brachte und ihn das erste Mal in den Armen hielt und Giovanni meine Stirn küsste, hab ich dich geliebt. Ich hab dich geliebt als du kreative Blockaden hattest, überlegt hast, alles hinzuwerfen, die Fotografie aufzugeben, ich hab dich geliebt, als deine Ehe zu scheitern begann, als deine Kinder sich gegen dich wandten, als du deine Freizeit vor dem Scheidungsgericht verbringen musstest. Ich hab dich geliebt als ich in einer Phase war, in der ich wieder und wieder abgelehnt wurde, die Rollenangebote ausblieben, Leute sich von mir abwandten und ich anfing an mir selbst zu zweifeln und du mir, obwohl ich nie darum bat, Mut zugesprochen hast und meintest, es kämen wieder bessere Zeiten. Ich hab dich geliebt als diese besseren Zeiten kamen und die Leute zurückkamen. Ich hab dich in jedem Wort, in jeder Zeile eines jeden deiner Briefe geliebt. Ich hab dich in jedem verschwommenen Foto und auch in den gestochen scharfen geliebt. All die Jahre, all die Zeit. Ich hab dich geliebt als ich erfuhr, dass meine Zeit begrenzt ist und wie begrenzt genau. Ich hab dich geliebt als du eingewilligt hast, diese eine, diese letzte Premiere festzuhalten. Und ich liebe dich während ich diese Zeilen hier schreibe.
Amore mio, um einen letzten Gefallen muss ich dich dennoch bitten und ich weiß, du wirst ihn mir nicht abschlagen: Bitte vergiss mich nicht und küsse diesen Brief bevor du ihn zurück in den Umschlag steckst, ja? Danke.”

Er starrte auf die Zeilen vor ihm, atmete flach, der Kloß in seinem Hals drohte ihm die Luft abzuschnüren und die Zeilen begannen zu verschwimmen, weil ihm Tränen in die Augen stiegen.
Er holte tief Luft und erfüllte Raffaela ihren letzten Wunsch.
Dann brach er zusammen.

Gina Laventura © 2019

Mirror Madness

Dieser Beitrag ist auch auf Deutsch verfügbar


Photo & Editing: Ralph Wietek

Fitting to the upcoming Halloween, here something uncanny 😉

Mirror Madness

The uncanny. The unfamiliar. Something that doesn’t feel familiar, not like home anymore. The other. And yet it is in my home. Should normally be an image of myself and not of the other.
It’s dark and quiet, I am alone. The familiar noises muffle and shuffle away and what is left is silence. While I’m wandering around searching for something known, something familiar, even the sound of my feet on the old floorboards sound strange. I switch on the light and I’m frightened. What I see there should be familiar, known, but it scares me. As if this pretended image of myself suddenly could start a life of its own, turn into another direction, even wink at me! Like in this nightmare years ago, where this person, caged in modified glass, looked at me from strange green eyes, laughing, maybe even laughing at me, winked at me and stuck out its tongue and nobody was there, who could have helped me, nothing familiar that could have put this person into its place. The world was sleeping. And I was alone with this stranger.
I shake my head and sneak into the bathroom. Cold water will revive the senses.
But after drying my face, I look up from the towel and it’s there again, this strange person. I try to gain control by forcing it to do what I do. I do grimaces, it does as well. I laugh and smile, but what laughs back and smiles back, or better to say smiles at me like a maniac, is not me! Can’t be me! I don’t want it to be me!
And a feeling that had been banned from my body for so long, crawls up through my feet, first slowly and then rapidly and lies down heavily on my breast: Fear.
I’m frightened and scared, I can barely breath. I am alone. Could somebody please come and set an end to this mirror madness?
The fear grows. Even after turning away from the framed glass, it feels as if this strange person was still there, as if I wasn’t there anymore. I try to feel myself, to gain back ground under my feet and to tell myself that I am still there and that I am stronger than the stranger. But I don’t feel myself, I’m not there.
Fear paralyses. And paralysed I dare one step after the other, slowly, through the omnipresent uncertainty.
Finally! A familiar sound in front of the door, a key, a shrieking noise. I am not alone anymore.
For an instance my fingertips start getting warmer again and I decide to set an end to all this by going to bed. Tomorrow will be a better day.
A last hesitating glance over my shoulder. It stares back. Does its mouth move? Does mine? Do I smile?
I touch my face, but my fingertips and my face feel unfamiliar. Nothing is familiar anymore.
It’s unfamiliar. It’s uncanny.

Gina Laventura © 2014

Reflection


Photo: Kathrin Mauksch

I look into the mirror but it doesn’t reflect me.
A blurred silhouette in a watery periphery.
I trusted a stranger and I doubted my heart.
Seems like I mistook angels for demons and demons for angels. A blurred picture in a watery mirror.
I do not reflect. I’m trapped. Stuck. My vision is clear, but my sight is blurry.
So I wipe away the tears and release the pressure into the ground. The supporting vibes of the earth pushing back and setting me upright.
Deep inhale after cutting the surface. Water dripping from my face over my shoulders onto the floor.
I turn my head. My vision’s still clear. Hands covering my face. I was mistaken. I have let myself be taken. With watery words onto a blurred path. Mistaken.
Drip, drop, drop, drip. I breath. Water dripping from the mirror. It reflects. Me?
Say with me: I forgive myself and I forgive the others.
A big wave splashing into my face, pouring into me. I’m still standing. The water’s still dripping.
I wash away the demons. I take away the damp veil from the mirror.
I was mistaken. I was trapped. Stuck. But I was never lost.
I doubt the stranger and I trust my heart.
Through the glittering surface of the mirror I can see a reflection.
My hand reaching for the mirror. A shrieking noise while the cold material touches my hand in movement before the warmth of my hand reflects upon the silver surface.
The heart’s a stranger we once knew. Before it got blurry.
The familiar stranger pumping waves of blood with pressure through the silhouette. Back to life.
I wipe away the tears. Wash away the demons.
My sight is clear. So is my vision.
I trust my heart.

Gina Laventura © 2014

Taking a shower

Dieser Beitrag ist auch auf Deutsch verfügbar


Photo & Edtiing: GOTOX, 2011

Today a result from a writing exercise I had to do in one of my courses.
Basically the exercise was this: Normally you handle adjectives and comparisons carefully, just like stereotypes, but this time, think about something that you did today and try to compare it to anything and use many adjectives. Exaggeration helps to become aware of stylistic devices.

Taking a shower

This morning I woke up and my back was hurting like hell. I felt as if I had been run down by a lorry.
I knew the only suitable pain relief I could get was a hot shower, so I took my towels and my peeling gloves which remind me of goose-bumps on a shivering body when I touch them and opened my door which made a similar shrieking noise like me after having noticed the severe pain in my back. I tiptoed over the blue carpet that was leading my way to the shower from one edge of the hallway to the other just like those tunnel visions people have when they are about to die. I could even see the white light at the end of the corridor. While I was tiptoeing the blue carpet tickled my feet and it felt as comfortable as the grass did back in my childhood days when I ran across the green of our back garden.
When I finally reached the bathroom door I opened it as quiet as I could to not be reminded of that shrieking sound again. I entered the shower room and closed the door, put my towels on the doorknob and started undressing myself like in slow motion. Although for me it felt as if I was moving like an old woman who was suffering from some severe disease, I imagined myself as undressing with a sexy slowness as if I was about to seduce somebody with this striptease. I let my clothes drop like leafs of a tree in autumn and entered the shower. Then I shut the door and despite the fact that this shower room is more reminiscent of a cabin in a psychiatric clinic and unsuitable for claustrophobics, I just felt protected like a pearl in a shell.
I turned on the hot water and let it run down my aching body, stretched my arms and reached on tiptoes for the top of the shower door in a position that reminded me of some random BDSM story where the victim is tied up, about to being whipped.

Gina Laventura © 2012

funny anecdote: I read this story out loud in class and my lecturer said “Well, your story seems to work as all the boys, the further you went in your story, blushed and started watching their feet.”

Sex sells

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Being a female author I somehow managed to write this bestseller containing bits and pieces like “I was lying in bed in our shared flat, reading a book, when somebody knocked at my door. I answered with a “yes” and my housemate Trish sneaked in. She was in her nearly see-through nightdress. With her very female and cat like movements she closed the door silently and turned around the lock of my door. Then she came over and stood in the middle of my room whilst I was putting my book and my glasses aside. I asked her what the matter was. She said, ‘May I ask you a question, Elisa? Do you find me attractive?’ While I was wondering whether this was one of those typical conversations between women but couldn’t figure it quite out she suddenly dropped her nightdress and stood there, still in the middle of my room, in her battle dress, completely naked. I couldn’t help myself and began to stare, not this shocked way of staring but more of this I-don’t-know-what’s-happening way of staring. My eyes wandered from her pretty face with the deep brown eyes down her cheekbone, passing her sensual lips, her throat, her well formed breasts, her slim waist, her hips and her seemingly endless legs to her toes, then up again until they stopped somewhere between her breasts and her mound of Venus, indecisive where to stay. She looked at me quizzically and said ‘So?’ After I finally could convince my eyes to lift their glance from her body to her face again I stuttered, ‘Ehm, yes, of course you are attractive and you should know that! Why do you ask me that?’ Whilst speaking my mouth got dry and I had to swallow several times. Trish smiled, wetted her lips and slowly moved forward from the middle of the room towards my bed where I was still half lying, half sitting, unable to move. While she was moving she became even more attractive to me, the seductive way she moved her hips when walking through the dim light of my bedside lamp, the shadows on her breasts and her shiny lips made my body shiver. Finally she stood close to my bed and took my hand, putting it on her rips. My hands couldn’t help themselves and I had to let them run from her rips over her waist, everything very gently and carefully as if I could not only break her fragile body but as if the moment could break as well. When my hands reached her breasts she shivered a bit and when they began to move slowly downwards she started bending over towards me, breathing heavily, her hands running through my curly hair and when I finally reached the velvet part between her legs, her lips reached my mouth and…” and so forth and so forth.
So, well, as I said before, it became a bestseller and now everybody was wondering whether this was a kind of autobiographical text referring to experiences I have had in my life mixed up with my innermost desires or if it was only my experience or only my desires or if I just stole from some books, movies and porn. The tabloids and magazines, internet forums and morning shows on TV were full of discussions whether I was bisexual, a lesbian or had some undisclosed desires. Up to that one Friday evening I never answered these questions but one week ago I let my manager give the announcement that I will give an answer to these seemingly omnipresent questions in the Friday Night Late Show. So after having talked about my success, the bestseller and all that standard stuff I could feel the tension not only in the audience but seemingly everywhere, a whole audience across the country or maybe across the world was waiting for my answer after the show master had asked me “So, what was it that made you write this book which is now a bestseller? Was it some experience you have had in your life, so is it autobiographical or is it some undisclosed desire you were only able to express in writing? I bet many of your readers would like to know whether you are a lesbian or bisexual to know whether they would have chances to ask you out.” He winked and tried to raise tension and attention. “So, Mia More, will you give us the answer to the question we are all so deeply interested in, what was it that made you write this book?”
I smiled. I opened my mouth, everybody held their breath.
I said: “It was a simple fact that made me write this book: Sex sells.”

Gina Laventura © 2012

Raindrops in my Coffee

Dieser Eintrag ist auch auf Deutsch verfügbar

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Photo & Editing: Ralph Wietek

Normally I don’t like to publish unfinished stories, but I guess, even unfinished stories have a charming character, eh?

This night I woke up from a noise. It was a moaning and it got louder and louder. Being in this state of half awake and still half asleep, it took me several minutes to realise that it was my own moaning that woke me up.
It was as if I couldn’t stop myself, so I just turned around and inhaled deeply, wished for some more hours of sleep. With a sigh I fell asleep again. It was only two hours later that I woke up from another distracting dream.
My body was still tired and turned from side to side, indecisive whether to give it another go or to just get up and set an end to this troubled night.
I decided to do the latter, got up, walked into the kitchen and made coffee. I poured the hot water into the cup where one spoonful of instant coffee granules was lying on the bottom, like little broken bits and pieces of a big whole.
Waiting for the coffee to get a bit cooler, I went back into my room and sat down on my bed, legs spread, my elbows on them, my downward facing head watching the dark liquid move in the cup.
Like raindrops.

Gina Laventura © 2012