#socialsaturday: Trivialgesellschaft

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#socialsaturday: Trivialgesellschaft

Hey meine Lieben,

die eigentliche Idee für den Titel des heutigen Posts war “Warum wollen wir, dass alle wollen, was wir wollen?”. Aber das empfand ich dann doch als zu lang. Und zu verwirrend.
Aber mal ernsthaft: Warum tun wir das?
Okay, okay, ich sehe wir müssen hier etwas Struktur reinbringen, sonst verlaufen wir uns in hundert Themen.
Also gebt mir einen Moment. Und n Schluck Kaffee.

Okay, also zurück zum Thema.
Was unterscheidet uns Menschen von den Tieren?
Also mal abgesehen von regelmäßigem Haarschnitt, Kleidung, Make-up und der Tatsache, dass wir duschen oder ein heißes Bad nehmen und uns nicht wie eine Katze sauber lecken.
Naja, viele Philosophen würden argumentieren: Vernunft und Sprache.
Homo logos und so, wisst ihr.
Lasst uns hier bitte kurz innehalten.
Vernunft. Also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in letzter Zeit habe ich definitiv zu viele Menschen zu viele Dinge machen sehen, die für mich persönlich keineswegs unter die Kategorie “vernünftig” fallen.
Sowas wie Müll auf die Straße zu werfen, obwohl der Mülleimer keine 2m entfernt ist. Klingt das vernünftig?
Oder den Kinderwagen so in den Bus zu stellen, dass niemand mehr durchkommt, während der Busfahrer die Fahrgäste anschreit, sie sollen weiter nach hinten durchgehen und dann die Leute, die höflich fragen, ob es möglich sei vorbeizugehen, noch anpflaumen. Klingt das vernünftig?
Andersherum: Wie bekloppt ins Fitnessstudio zu rennen und den Bizeps zu trainieren, damit alle Frauen dahinschmelzen und ihn anfassen wollen, aber dann eine Mutter mit Kleinkind und Kinderwagen am Bahnhof sehen und ihr nicht helfen das schwere Teil die Treppe hinauf zu bugsieren, klingt das vernünftig?
Ihr versteht, denke ich, worauf ich hinaus will.
(Im Übrigen schließe ich mich selbst dabei nicht aus: Es gibt zahllose Momente in denen ich mir gedacht habe oder denke “Gina, ernsthaft, hast du irgendwo noch ein Fünkchen Logik und Vernunft in deinem Kopf oder schleppst du den nur mit dir rum, damit er auf Portraits gut aussieht? Reiß dich bitte mal zusammen!”)

Sprache. Lasst uns zunächst eine sehr simple, aber dennoch enorm wichtige Frage stellen:
Wofür ist sie gut?
Dient sie nur dazu, dass ich Dinge benennen, definieren und mir selbst erklären kann?
Das Schlüsselwort hier ist Kommunikation. Und diese wiederum bezieht sich (zumindest laut der Quellen, die ich für diesen Blogpost bemüht habe), auf das Senden, Empfangen und Austauschen von Informationen. (oder Dingen)
Also Senden und Empfangen bezieht sich doch eigentlich auf zwei oder mehr Personen, oder?
(Okay, bitte verurteilt niemanden, der dieses menschliche Werkzeug dazu nutzt mit sich selbst zu sprechen, okay? Wenn ihr das tut, dann erklärt ihr euch im Grunde ja auch nur eure eigenen Gedanken nochmal und das ist meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung. Keine Sorge.)
Aber wann und warum ist aus Kommunikation plötzlich ein Verhältnis geworden, das einem Theaterstück gleicht: Ein Gesprächspartner benutzt den anderen als Bühne, auf der er sich selbst und seine Lebenserzählung darstellt?
Ich mein, wo ist der Austausch?
Glaubt mir meine Lieben, ich pendle eindeutig zu oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln und wenn man auch nur ein Mal die Ohrstöpsel vergisst, bekommt man eindeutig mehr mit als man möchte. Aber immerhin gibt das Impulse für den Blog, hm?
Aber spielt dieses Spiel mal. Das nächste Mal, wenn ihr irgendwo seid, hört Menschen, die sich im Gespräch befinden, mal zu. Also für eine Weile.
Ist das Austausch? Oder ist es eher so, dass einer von sich erzählt und in Szene setzt und dann ist der nächste in der Runde dran?
Beobachtet mal.

Kommen wir zum Teil mit dem Wollen.
Vernunft und Sprache fließen auch hier mit ein, nur falls ihr euch gerade wundern solltet, weshalb ich vorher so viel davon erzählt habe.
Nehmen wir zunächst mal ein paar Beispiele für nicht unübliche Gespräche, okay?

Situation 1: Zwei Schüler haben gerade ihren Abschluss gemacht.
A: Und was wirst du studieren?
B: Ich will nicht studieren.
A: Was?!
B: Ich möchte eine Ausbildung machen.
A: Ah.

Situation 2: Ein Student (B), der von Minijobs und einem Kredit lebt und ein Auszubildender (A), der gegen Ende seiner Ausbildung schon “richtiges” Geld verdient, unterhalten sich.
A: Und wann ziehst du von Zuhause aus?
B: Also ich überlege nach meinem Abschluss noch einen weiteren zu machen.
A: Also willst du ausziehen, wenn du was bist, 28?!

Situation 3: Eine verlobte oder verheiratete Frau, die grad im Begriff der Familienplanung ist (A) und eine Frau, die auf ihre Karriere fokussiert ist (B), unterhalten sich.
A: Und wann heiratest du?
B: Hm?
A: Na, wann wirst du heiraten und Kinder kriegen?
B: Ehm, keine Ahnung?!
A: Wir werden alle nicht jünger, Schätzchen, hm?

Warum wollen wir, dass alle wollen, was wir wollen?
Und diese Annahme wäre ja noch nicht mal sowas von tragisch.
Das Schlimmere ist das, was oftmals folgt:
Die Verurteilung.
Als wenn unsere Version vom Leben die einzig wahre wäre.

Wenn dein größter Wunsch ist zu studieren und du die Möglichkeit hast, das zu tun, schätze es!
Es gibt genügend Leute, die dies gern tun würden, aber keinen Zugang zu Bildung, ganz zu schweigen von höherer Bildung, haben.
Und wenn deine Freunde beschließen, dass ein Studium nichts für sie ist, beglückwünsche sie zu ihrer Entscheidung und wünsche ihnen alles Gute!

Wenn das, was du als erstrebenswert empfindest, beinhaltet so früh wie möglich von Zuhause auszuziehen und eigene Wohnung zu haben und du die Chance dazu hast, schätze es!
Vielleicht würden deine studierenden Freunde auch gern eine eigene Wohnung haben, aber müssen ihre Prioritäten setzen: Weiterer Abschluss oder eigene Wohnung?
Für wen halten wir uns denn, Menschen zu sagen, ihre Entscheidung sei falsch, nur weil wir eine andere getroffen hätten?

Wenn deine Vision von einem erstrebenswerten und glücklichen Leben Heirat und Kinder beinhaltet und du den richtigen Partner gefunden hast und körperlich dazu in der Lage bist, gesunde Kinder zur Welt zu bringen, dann schätze es!
Und wenn du Erfüllung darin findest und dir denkst “Wow, nun weiß ich, wozu ich hier bin!”, dann ist das großartig, aber das bedeutet nicht, dass du das Recht hast, anderen Frauen zu sagen, dass sie bevor sie Kinder haben ihren Lebenszweck auf Erden nicht gefunden haben. Ist doch eine etwas krasse Behauptung, oder?
Und selbst, wenn sie einfach nicht wollen oder nicht den Partner finden, mit dem sie es gerne würden, wer sind wir denn, die Prioritätenliste eines anderen zu verurteilen?

Ich sag euch was:
Eines Tages stehen wir alle vor einem großen Urteil. Aber das ist weiß Gott nicht unsere Aufgabe!
Für wen halten wir uns, anderen Leuten zu sagen, welche Lebensgeschichten valide sind und welche nicht?
Und wann sind wir so vermessen und arrogant geworden davon auszugehen, dass unsere Entscheidungen die einzig richtigen sind?
Wann haben wir vergessen, uns einen freien Geist und ein offenes Herz zu bewahren und die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten?
Wann haben wir vergessen zu kommunizieren?

Und nun etwas zu vernünftiger Kommunikation.
Warum hören wir nicht zu? Warum portraitieren wir unser Leben zunehmend virtuell und mittlerweile auch analog so, als sei es das beste Theaterstück, das jemals geschrieben worden sei und alle anderen Erzählungen seien damit null und nichtig?
Wie wäre es, wenn wir die Erzählung etwas ändern?

Situation 1:
A: Möchtest du studieren oder eine Ausbildung machen?

Situation 2:
A: Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?

Situation 3:
A: Willst du eines Tages heiraten und Kinder kriegen?

Von der Grammatik her sind die meisten Ja-oder-Nein-Fragen oder Fragen, die nicht schon eine Antwort suggerieren, offener und bieten damit mehr Platz für wahre Kommunikation, für Austausch.
Seid offen, seid interessiert, hört zu.
Und zum Willen und Zwecke einer offeneren, weniger oberflächlichen Gesellschaft: Verurteilt nicht!
Bitte.

Wie wäre es, wenn wir anfingen richtig coole und interessante Fragen zu stellen?
Sowas wie:
Wie geht es dir?
Was macht dich glücklich?
Was ist dein Lieblingsessen?

Ich könnte noch ewig zu diesem Thema weiterschreiben, aber ich belasse es nun hierbei. Vorerst.
Wie immer, kommentiert gern hier oder sendet mir eine E-Mail oder besucht mich auf Facebook und Instagram.

Bis dann, meine Lieben.

xxx
Gina.

Stille

#tbt: Stille

„Du erträgst die Stille nicht.“ sagte sie zu mir. „Deshalb hast du immer Musik im Ohr, das Handy in der Hand und den Fernseher laufen. Du erträgst die Stille nicht. Die Stille, die so schön ist.“

„Du meinst die Stille,“ sagte ich, „die sich schwer um dich legt wie ein nachtschwarzer Mantel? Die Stille, die so laut ist, dass du meinst, du hättest den schlimmsten Tinnitus im Ohr, den man haben könne? Die Stille, die schwer wie eine bleierne Röntgenweste auf deiner Brust liegt, sodass du kaum atmen kannst?“

„Nein.“ erwiderte sie. „Ich meine die Stille, in der man zu Bewusstsein gelangt. In der das Innerste wie ein Meeresrauschen erklingt bis es abebbt und man sich den Wogen hingeben kann. Ich rede von der Stille, in der man in sich kehrt und zur Ruhe findet, bis die innere Ruhe eben dieser Stille gleicht.“

„Ach so.“ sagte ich. „Du meinst die Stille, die so ohrenbetäubend ist, dass all das laut wird, was man zum Schweigen zu bringen versuchte. Die Stille, die Platz lässt für all das Unausgesprochene, all das Ungedachte, das Unausgereifte? Die Stille, die so schrill wird, dass es wehtut.“

„Ich meine“ sagte sie „die Stille, die den Schmerz lindert, die sich beruhigend um die Seele legt, damit diese sich eine Auszeit von all der Hektik, all dem Lärm gönnen kann. Die Stille, in der man sich selbst hört, bevor auch dies still wird und man inneren Frieden findet.“

„Du meinst“ antwortete ich „die Stille, die Leere repräsentiert. Die Stille, die dir mit ebendieser Leere vor Augen und vor Ohren führt, dass diese Leere dein Leben ist. Die Stille, die dir zeigt, wie still und leer es um dich ist. Die Stille, die du nicht füllen kannst, weil du nichts hast, was zum Füllen dieser leeren Stille oder dieser stillen Leere dienen könnte.“

Wir schauten uns an. Irgendwo zwischen uns lag die Wahrheit.

Doch zwischen uns und der Wahrheit lag vorerst nur eins: Stille.

Gina Laventura © 2013

Leerstelle

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Ich schreibe für dich, über dich.
Ich schreibe dich nicht.
Ich übersetze dich. In ein Format, das ich verstehe.
Aber wie bei allen großen Werken geht bei der Übersetzung vielleicht, oder ganz sicher, etwas verloren. Weil die Worte nicht ausreichen. Interpretationsspielraum.
Also muss ich deine Sprache lernen um dem Ursprung dieses Meisterwerks näher zu kommen. Aber wie bei jeder neu erlernten Sprache, die nunmal nicht die eigene ist, wird es immer Dinge geben, die man nicht komplett versteht, für die es kein Äquivalent gibt.
Also musst du meine Sprache lernen um mir entgegenzukommen. Aber wie bei jeder neu erlernten Sprache wird es immer Dinge geben, die nicht so auszudrücken sind, wie es die eigene Sprache erlaubt und ermöglicht.
Es wird sie immer geben, diese Leerstellen, die unausgefüllt bleiben, diese Momente, die nicht völlig übersetzt werden können, die Türen, die verschlossen bleiben oder nie weiter als einen Spalt zu öffnen sind, die Räume, die man nur durch das Schlüsselloch erahnen kann.
Und wahrscheinlich ist das auch gut so.
Ich schreibe dich nicht. Ich lese eine andere Sprache.
Wir schreiben uns nicht. Wir lesen.
Mit Leerstellen.

Und während ich diese Zeilen schreibe, tropfen Kaffee und Tinte aus meinem Stift auf das leere Papier wie Blut.

Gina Laventura © 2014

#tbt: Winchester – Damals und Heute –

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#tbt: November 2014

Vor zwei Jahren habe ich ein Auslandssemester in England absolviert.
In Winchester um genau zu sein.
Bevor ich zum eigentlichen Thema der kurzen Rückkehr in diese Stadt komme, sollte ich vielleicht einen kleinen Umweg nehmen und das Pferd nicht von hinten aufziehen.
3 Monate England. 3 Monate Winchester. “3 Monate Urlaub”, denken manche. Haha, nein. 12 Wochen lang für Kurse pauken, Aufgaben vorbereiten, in der Mitte des Semesters erste Pflichtaufgaben, deren Note mit in die Endnote einfließen. Hinzu kam, dass man sich erstmal an das andere “System” gewöhnen und sich dort einfinden musste, da selbst Essays dort anders aufgebaut sind als hierzulande.
3 Monate voller interessanter Kurse. Ich hatte das Glück großartige Dozenten zu treffen, die sowohl von der Wissensvermittlung her als auch von der Art und Weise, wie sie ihre Kurse gaben wahrlich inspirierend waren. Außerdem hatte ich einen Kurs über Kurzgeschichten und da nahm die Prosasparte meines Schreibens erstmals ihren Lauf.
3 Monate, in denen ich neue Bekanntschaften schloss, aber vor allem auch neue Freunde fand. Freunde, mit denen ich bis heute in Kontakt stehe und an deren Leben ich dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten zumindest noch ein bisschen teilhaben kann.
3 Monate, an die ich mich sehr gern erinnere, und nein, nicht weil alles Friede, Freude, Eierkuchen in einem Milch-und-Honig-See war. Es war eine nervenaufreibende Zeit, in der sich viel bewegt hat und viel im Wandel war, was sich auch noch weiterzog, als ich wieder heimkam. Aber vielleicht erinnere mich auch gerade deshalb gern daran zurück. Weil es Milch und Honig in schlaflosen Nächten gepaart mit Eierkuchen an nachdenklichen Tagen war.
3 Monate, die ich definitiv nicht missen wollen würde.

Interim: Ich kam heim. Eins der ersten Dinge, die ich tat? Alle Schränke, Regale und sonstige Aufbewahrungsmöglichkeiten, die ich besitze, öffnen, komplett ausräumen, ausmisten, wieder einräumen. Outside the Box sozusagen. Luft schaffen. Freunde treffen. Die Freundschaft zu meinen engsten Liebsten wurde intensiver und heute stehen wir noch enger zusammen als zuvor. Und dafür bin ich dankbar.
Uni. Arbeit. Kreatives. Einatmen, Anlauf nehmen, rennen. Verpasste Zeit aufholen. Vorwärts preschen um hoffentlich dahin zu gelangen, wo man hin möchte.

Schneller Vorlauf: 2014.
Endlich ergab sich die Gelegenheit wieder nach Winchester zu reisen. Wenn auch nur für vier Tage.
Als der Bus, der von Heathrow losfuhr, uns alle unten an der King Alfred Statue ausspuckte und ich tief einatmen konnte, musste ich lächeln. Der Schlafmangel und die Reiseunannehmlichkeiten (ja, es ist eine Unannehmlichkeit, wenn man knapp eine Stunde in einem Reisebus sitzt, in dem es so riecht, als hätte der Hamburger Fischmarkt beschlossen sich auf engstem Raume einzuquartieren) und die noch anstehenden Erledigungen, die zu machen waren, waren in dem Moment irrelevant. Wie weggewaschen. Ich war da.
Mal abgesehen davon, dass oftmals, wenn man verreist, die Atmosphäre anders ist, wenn man “weg” ist, hat England doch immer eine ganz besondere Wirkung für mich gehabt. Mit “weg” meinen wir ja sowieso meist “raus aus dem Alltag”, raus aus der Routine, der ständigen Wiederholung. Eine Pause von der leistungsorientierten, hektischen, drückenden Gesellschaft, in deren Hamsterrad wir jeden Tag rennen, nur um am Ende des Tages erschöpft aus ebendiesem herauszupurzeln, ins Bett zu kriechen und mit dem Gefühl einzuschlafen, man hätte noch nicht genug geleistet. Zumindest kann einem das manchmal schon so vorkommen. Wir reden hier nur von einem Gefühl, nicht davon, ob das wirklich als Tatsache so ist und ob das alles optimal ist, wollen wir jetzt gerade auch nicht erörtern.
Aber hier kommt der ausschlaggebende Punkt: Ich habe oft versucht zu analysieren, warum ich mich in Winchester, in England so wohl fühle. (So wohl, dass es mir jedes Mal schwer fällt, wieder zu gehen.) Ist es aufgrund der vielen Erinnerungen, die ich hege? Aufgrund der Tatsache, dass ich damit immer einen Aha-Moment und eine bewegende Zeit verbinde? Ich habe wirklich lange damit zugebracht, es immer und immer und immer wieder zu überdenken. Idealisiere ich und wenn ich länger dort wäre, wäre alles genauso routiniert, genauso eingefahren, genauso hektisch, einfach genauso?
Vorerst, und ich sage vorerst, ist das Ergebnis meiner Analyse eher dies: Ich persönlich zumindest empfinde die Mentalität dort als anders. Die Leute dort gehen auch arbeiten, haben auch ein Haus zu putzen, haben auch Hobbies, Freunde, Familie, Verpflichtungen, Ambitionen und Ziele. Aber irgendwie schaffen sie es trotzdem, ein Mal die Woche ihre Freunde auf ein Pint und eine Runde Billard im Pub zu treffen oder gemeinsam mit ihnen zu Abend zu essen und sich auszutauschen. Ohne auf die Uhr zu schauen, unruhig zu werden und das Gefühl zu vermitteln, ihre To-Do-Liste für den kommenden Tag hätte aufgrund dieses Vergnügens grad ihre Länge verdoppelt.
Es ist dieses Zeit haben, oder vielleicht einfach sich die Zeit nehmen für Dinge, die einen erfreuen und einen glücklich machen. Und trotzdem alles andere ebenfalls zu schaffen. Aber die Leute scheinen gelassener damit umzugehen. Ich sage scheinen, weil es meine persönliche Meinung und mein persönliches Empfinden ist. Wer zustimmen mag, kann zustimmen, wer dem nicht zustimmen kann, der stimmt mir da nicht zu. Wie gesagt, ich rede von einem Gefühl, einer Empfindung, nicht zwangsläufig von einer Tatsache, die sich belegen lässt.

Ich wurde gefragt “Und, Gina, ist Winchester noch so wie vor 2 Jahren, als du hier warst?”
Ja und Nein. Natürlich ist die Luft noch genauso, die Stadt hat sich kaum verändert, auch wenn hier und da ein paar Baustellen sind und ein paar neue Geschäfte eröffnet wurden und andere geschlossen haben. Aber nein, natürlich ist es nicht mehr genauso. Es liegen 2 Jahre dazwischen und da wäre es doch wirklich schade und traurig, wenn alles noch genauso wäre, weil das bedeuten würde, dass sich nichts bewegt hätte. Aber es hat sich viel bewegt, wir sind alle vorangeschritten in unseren Leben und haben Fortschritte gemacht und Erfahrungen gesammelt.
Aber was ich sagen kann ist Folgendes: Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, wieder diese Luft zu atmen, die entspannte Atmosphäre in sich aufzunehmen und sie an sich selbst zu spüren und sie zu leben, Freunde nach 2 Jahren auf ein Pint und eine Runde Billard im Pub zu treffen und mit ihnen zu reden und sich auszutauschen, als wären 2 Jahre nichts gewesen.

Und nein, zu sagen “Dann nimm doch etwas von dieser entspannten Einstellung und Atmosphäre mit und wende das auch zuhause an” und zu glauben, dass dies so einfach sei, wie es klingt, ist einfach falsch.
Aber einen Versuch ist es wert!